George Lucas: Episode 2 ( Graphic Novel)

  • George Lucas: Episode 2 (Graphic Novel)

    Nach dem ersten Band dachte ich eigentlich, ich wüsste, wohin die Reise geht. Erfolg, Aufstieg, ein bisschen Genie-Mythos. Aber ganz ehrlich: Dieser zweite Teil räumt mit genau diesem Bild ziemlich konsequent auf – und das fand ich fast noch spannender.

    Denn hier beginnt die eigentliche Geschichte erst. George Lucas ist nach Star Wars plötzlich kein unterschätzter Außenseiter mehr, sondern ein Mann mit Macht, Geld und Möglichkeiten. Und genau das wird zum Problem. Statt sich auf dem Erfolg auszuruhen, trifft er eine Entscheidung, die ich beim Lesen wirklich als Wahnsinn empfunden habe: Er finanziert den nächsten Film selbst. Komplett. Ohne Sicherheitsnetz. Das ist kein mutiger Schritt mehr – das ist ein Drahtseilakt ohne Seil.

    Im Mittelpunkt steht natürlich die Entstehung von Das Imperium schlägt zurück, und ich fand es faszinierend, wie sehr dieser Film aus Chaos geboren wurde. Man kennt ihn heute als vielleicht besten Teil der Reihe, aber der Weg dahin war alles andere als glorreich. Wetterkatastrophen, Budgetexplosionen, technische Probleme, kreative Differenzen – das ist kein Produktionsprozess, das ist ein Dauerzustand aus Stress.

    Was mir besonders gefallen hat: Der Comic zeigt Lucas nicht als unantastbares Genie. Im Gegenteil. Er zweifelt, er gerät unter Druck, er trifft Entscheidungen, die nicht immer funktionieren. Gerade diese menschliche Seite macht das Ganze so greifbar. Man merkt richtig, wie ihn dieses Projekt auffrisst. Und trotzdem lässt er nicht los.

    Spannend fand ich auch die Dynamik mit anderen Kreativen, vor allem mit Steven Spielberg. Aus diesen Gesprächen entsteht nebenbei auch noch die Idee zu Indiana Jones. Und das ist so ein Moment, den ich liebe: Während ein Projekt kurz davor ist, auseinanderzufallen, wird gleichzeitig schon das nächste große Ding geboren. Diese kreative Energie, die da trotz allem Chaos entsteht, ist wirklich beeindruckend.

    Was der Band extrem gut einfängt, ist dieses Gefühl von Eskalation. Alles wird größer – die Erwartungen, die Kosten, die Risiken. Und gleichzeitig wird die Kontrolle schwieriger. Lucas delegiert mehr, muss dann aber wieder eingreifen, weil Dinge aus dem Ruder laufen. Das ist kein sauber durchgeplanter Prozess, sondern ein ständiges Nachjustieren.

    Der Zeichenstil unterstützt das Ganze wieder richtig stark. Diese Mischung aus reduzierter Darstellung und gezielten Farbakzenten funktioniert hier vielleicht sogar noch besser als im ersten Band. Gerade die stressigen Produktionsphasen wirken dadurch fast hektisch, man spürt förmlich die Anspannung in den Panels.

    Was ich auch interessant fand: Der Band zeigt sehr deutlich, wie wenig selbstverständlich der spätere Erfolg war. Kritiker waren skeptisch, das Studio sowieso – und dass der Film heute so einen Status hat, wirkt im Rückblick fast wie ein Wunder. Genau diese Diskrepanz zwischen damaliger Unsicherheit und heutigem Kultstatus macht das Lesen so reizvoll.

    Klar, man merkt auch, dass hier unglaublich viel passiert. Manchmal ist das fast schon zu dicht, weil so viele Ereignisse, Probleme und Entwicklungen aufeinanderprallen. Aber irgendwie passt das auch, weil genau das ja die Realität dieser Produktion war.

    Unterm Strich hat mich dieser zweite Band sogar noch mehr gepackt als der erste. Weil er nicht mehr von der Idee erzählt, sondern vom Preis, den man dafür zahlt. Vom Risiko. Vom Druck. Und davon, dass große Visionen eben nicht nur aus Inspiration entstehen, sondern aus Durchhaltevermögen.

    Für mich ist das wieder eine ganz klare Empfehlung – vielleicht sogar die stärkere der beiden Graphic Novels bisher. Und jetzt bin ich ehrlich gespannt, ob ein dritter Band kommt. Denn wenn der diesen Weg genauso konsequent weiterführt, dann wird das eine richtig starke Trilogie.

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