Hui Buh - 6. fährt Geisterkarussell
Diesmal bekommt Hui Buh Besuch, der in ihm sofort alte Erinnerungen wachruft. Drei Barone – Großvater, Sohn und Enkel – treffen auf Schloss Burgeck ein, und Hui Buh ist überzeugt, dass es sich um die Nachfahren jenes Ottokar handelt, der ihn einst in sein Gespensterdasein gezwungen hat. Für Hui Buh ist klar: Jetzt ist der Moment der Rache gekommen, auf den er seit Jahrhunderten wartet. Entsprechend legt er sich ins Zeug und versucht mit allen Mitteln, die ungebetenen Gäste zu verschrecken. Dabei gerät er von einer absurden Situation in die nächste: Er verirrt sich in geheimnisvollen Gängen, stürzt durch Falltüren, landet ausgerechnet in seiner eigenen Folterkammer und scheitert mit seinen Spukversuchen immer wieder auf herrlich chaotische Weise. Erst im Verlauf der Ereignisse wird deutlich, dass er sich möglicherweise irrt – doch bis dahin hat sich das Ganze längst zu einer wilden Kette von Missgeschicken entwickelt, die schließlich in einem turbulenten Finale mündet.
Für mich ist das genau die Folge, in der die Serie endgültig ihren Durchbruch schafft. Alles wirkt hier sicher, eingespielt und auf den Punkt gebracht. Schon der Einstieg mit den ankommenden Baronen bei Gewitter hat eine Atmosphäre, die sofort packt. Man merkt, dass hier nicht mehr gesucht wird, sondern dass die Reihe genau weiß, was sie sein will – und das wird konsequent durchgezogen.
Die Geschichte folgt im Kern einem einfachen Prinzip: Hui Buh will Rache – und scheitert dabei immer wieder grandios. Genau daraus entsteht aber ein unglaublicher Unterhaltungswert. Die Folge lebt von ihrem Tempo und der Vielzahl an Ideen, die fast schon wie an einer Schnur aufgereiht wirken. Eine Szene jagt die nächste, ohne dass es jemals hektisch oder unübersichtlich wird. Besonders stark finde ich die Passagen in den Geheimgängen und in der Folterkammer. Hier verbindet sich der leicht gruselige Ton mit dem typischen Hui-Buh-Humor auf eine Weise, die einfach perfekt funktioniert. Gleichzeitig hat die Geschichte eine schöne Ironie, weil Hui Buh mit seiner Racheabsicht letztlich selbst zum größten Hindernis wird. Die Auflösung rund um die Verwechslung gibt dem Ganzen noch eine zusätzliche Wendung, die zwar vorhersehbar ist, aber dennoch gut funktioniert. Insgesamt wirkt die Folge wie eine kleine Achterbahnfahrt durch Schloss Burgeck – abwechslungsreich, temporeich und voller Einfälle.
Hier passt für mich alles. Hans Clarin ist in absoluter Hochform und zeigt die ganze Bandbreite der Figur – vom jähzornigen Rachegeist bis zum überforderten Tollpatsch. Claus Wilcke als König Julius, Ingrid Andree als Konstanzia und Andreas von der Meden als Kastellan bilden inzwischen ein eingespieltes Team, das hervorragend miteinander harmoniert. Man hört deutlich, dass sich alle in ihren Rollen gefunden haben. Die Gastsprecher setzen dem Ganzen noch die Krone auf. Franz-Josef Steffens, Peter Kirchberger und Torsten Sense bringen ihre Figuren lebendig und prägnant ein und sorgen dafür, dass die Geschichte zusätzliche Dynamik bekommt.
Auch technisch gehört diese Folge für mich zu den stärkeren der Reihe. Die Geräusche sind sehr präsent und unterstützen die vielen Ortswechsel und Aktionen perfekt. Gerade die Szenen in den Gängen und in der Folterkammer profitieren von einer dichten Klangkulisse. Die Musik wird gezielt eingesetzt und verstärkt die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Alles wirkt rund und trägt dazu bei, dass man sich komplett in das Geschehen hineinziehen lässt.
Das Cover gehört für mich zu den gelungensten der Serie. Es fängt die Dynamik und das leicht chaotische Geschehen sehr gut ein und vermittelt sofort den Eindruck, dass hier einiges passiert. Gleichzeitig bleibt der klassische EUROPA-Stil erhalten, der für mich untrennbar mit dieser Reihe verbunden ist.
Für mich ist diese sechste Folge ein echtes Highlight der frühen Reihe. Sie verbindet Tempo, Humor und Atmosphäre auf eine Weise, die einfach Spaß macht. Die Figuren funktionieren perfekt miteinander, die Geschichte ist klar strukturiert und gleichzeitig voller Einfälle. Hui Buh steht hier so stark im Mittelpunkt wie selten zuvor und trägt das Hörspiel mühelos. Wenn ich jemandem zeigen müsste, warum diese Serie so gut funktioniert, wäre das eine der ersten Folgen, die ich empfehlen würde.