Hui Buh - 4. und das Geheimnis im Burgbrunnen
Diesmal trifft es Hui Buh auf eine Weise, die für ihn kaum schlimmer sein könnte: Er verliert seinen letzten Kopf. Was zunächst fast schon wie eine typische Spukerei beginnt, entwickelt sich schnell zu einer kleinen Krise. Ohne Kopf kann er seinen „Job“ als Schlossgespenst nicht mehr richtig ausführen, und sämtliche Versuche, Ersatz zu schaffen, enden im Chaos. Ein Kürbis wird zweckentfremdet, ein Luftballon platzt im denkbar ungünstigsten Moment, und selbst ein improvisierter Gipskopf bringt nur weitere Probleme mit sich. Während König Julius, Konstanzia und der Kastellan versuchen, ihm zu helfen, wächst bei Hui Buh die Verzweiflung, bis er sich schließlich in den Burgbrunnen stürzt. Genau dort findet er jedoch die entscheidende Spur, die ihn seinem verlorenen Kopf wieder näherbringt und das Geheimnis dieser Folge auflöst.
Für mich fühlt sich diese vierte Folge wie eine direkte Fortsetzung des Tons aus Folge drei an. Die Serie hat ihren Rhythmus gefunden, die Figuren wirken eingespielt und man merkt deutlich, dass hier nicht mehr experimentiert wird, sondern dass man weiß, was funktioniert. Gleichzeitig hat die Geschichte etwas angenehm Klassisches, fast schon Altmodisches, das sich durch die gesamte Folge zieht. Es ist keine große, spektakuläre Handlung, sondern eher eine kleine, in sich geschlossene Episode, die vom Zusammenspiel der Figuren lebt.
Die Geschichte ist deutlich einfacher gestrickt als noch im Vorgänger und konzentriert sich auf ein zentrales Problem: Hui Buh ohne Kopf. Daraus ergeben sich viele kleinere Situationen, die stark vom Humor leben. Allerdings wirkt das Ganze für mich stellenweise etwas weniger zwingend aufgebaut. Einige Szenen fühlen sich eher wie lose aneinandergereihte Einfälle an, die nicht immer nahtlos ineinandergreifen. Besonders der Abschnitt rund um den Reporter und die späteren Spiegeleffekte wirkt ein wenig wie ein Einschub, der die Handlung zwar erweitert, aber nicht unbedingt vorantreibt. Gleichzeitig hat die Folge aber auch ihre starken Momente, vor allem immer dann, wenn Hui Buh selbst im Mittelpunkt steht. Seine Reaktionen, seine zunehmende Verzweiflung und die absurden Versuche, sich zu behelfen, tragen die Geschichte zuverlässig. Die Szene im Brunnen bildet dabei einen gelungenen Höhepunkt, weil sie die Handlung wieder bündelt und zu einem klaren Abschluss führt.
Hans Clarin bleibt für mich das klare Zentrum dieser Folge. Er trägt die Figur mühelos und sorgt dafür, dass selbst schwächere Momente durch seine Präsenz aufgefangen werden. Hans Paetsch liefert erneut die gewohnt ruhige Erzählbasis. Wolfgang Kieling als König Julius wirkt für mich etwas distanzierter und nicht ganz so lebendig, was die Dynamik stellenweise bremst. Marianne Kehlau fügt sich zwar ein, bleibt aber eher im Hintergrund. Andreas von der Meden hingegen ist als Kastellan mittlerweile absolut gesetzt und bringt eine sehr angenehme, sichere Note in das Ensemble. Peter Kirchberger hat als Reporter nur einen kurzen Auftritt, setzt aber dennoch einen kleinen Akzent.
Technisch wirkt die Folge nicht ganz so rund wie ihre Vorgänger. Besonders die Musik fällt stellenweise stärker auf und wirkt nicht immer sauber eingebettet, was den Hörfluss gelegentlich stört. Die Geräusche sind hingegen solide umgesetzt und unterstützen die Szenen zuverlässig. Insgesamt entsteht eine ordentliche, aber nicht durchgehend perfekte Klangkulisse, die sich etwas uneinheitlich anfühlt.
Das Cover greift die zentrale Idee der Folge sehr schön auf. Hui Buh am Brunnen, die neugierigen Blicke der anderen Figuren – das vermittelt sofort, worum es geht, und hat gleichzeitig diesen klassischen EUROPA-Charme. Es wirkt lebendig und passt gut zur eher verspielten Grundstimmung der Geschichte.
Für mich ist diese vierte Folge eine solide, aber nicht ganz so starke Fortsetzung. Sie lebt vor allem von Hui Buh selbst und den vielen kleinen, humorvollen Situationen rund um seinen verlorenen Kopf. Die Handlung bleibt überschaubar und erreicht nicht ganz die Dichte von Folge drei, hat aber dennoch genug Charme, um zu unterhalten. Gerade durch die vertrauten Stimmen und die eingespielte Atmosphäre fühlt sich das Ganze weiterhin wie ein fester Bestandteil dieser Welt an. Es ist keine herausragende Episode, aber eine, die man gerne mitnimmt, weil sie genau das liefert, was man von Hui Buh erwartet.