Hui Buh - das Schlossgespenst - Folge 1

  • Hui Buh - das Schlossgespenst - Folge 1

    Eines Tages erbt König Julius das alte Schloss Burgeck – sehr zum Missfallen seines neuen Mitbewohners. Denn dort haust bereits Hui Buh, ein eigensinniges Gespenst, das seinen neuen „Hausherrn“ zunächst alles andere als willkommen heißt. Der berühmte Kopf in der Blaubeersuppe ist da nur der Anfang einer Begegnung, die überraschend schnell eine Wendung nimmt. Aus anfänglicher Abneigung wird bei einem nächtlichen Mahl eine echte Freundschaft, und genau diese Verbindung trägt die gesamte Folge. In mehreren aufeinanderfolgenden Episoden bekommen es die beiden mit unterschiedlichsten Herausforderungen zu tun: Die aufdringliche und herrische Gräfin Etepetete wird ebenso aus dem Schloss vertrieben wie zwei eher tölpelhafte Räuber, ein Professor soll vom Übernatürlichen überzeugt werden, und schließlich geht es sogar um eine Krone, ohne die König Julius seine geliebte Konstantia nicht heiraten darf. Dabei stößt Hui Buh auf ein Pergament, das ihn von seinem Fluch erlösen könnte – entscheidet sich aber bewusst dagegen und bleibt lieber das Schlossgespenst von Burgeck.

    Für mich hat diese erste Folge etwas wunderbar Unmittelbares. Sie verzichtet auf große Vorrede und wirft einen direkt in die Geschichte hinein. Es gibt keine lange Einführung, keine komplizierte Figurenzeichnung zu Beginn – alles entsteht aus dem Moment heraus. Genau das sorgt für dieses Gefühl, als würde man eine Geschichte hören, die schon lange existiert und einfach weitererzählt wird. Diese Selbstverständlichkeit macht den Einstieg unglaublich leicht und sorgt dafür, dass ich mich sofort in dieser Welt zurechtfinde.

    Die Folge ist klar episodisch aufgebaut, was ihr einen ganz eigenen Rhythmus verleiht. Statt einer durchgehenden, stringenten Handlung reiht sich eine kleine Geschichte an die nächste. Das kann man als sprunghaft empfinden, für mich hat es aber eher den Charakter eines klassischen Märchenbuchs, in dem jedes Kapitel ein eigenes kleines Abenteuer erzählt. Im Mittelpunkt steht dabei eindeutig die Beziehung zwischen Hui Buh und König Julius. Was zunächst wie ein klassischer Konflikt beginnt, entwickelt sich schnell zu einer ungewöhnlich warmen Freundschaft. Hui Buh ist dabei keine reine Spaßfigur, sondern hat durchaus Tiefe. Seine Entscheidung, das Pergament zur Erlösung einfach zu verschlingen, ist ein leiser, aber sehr aussagekräftiger Moment. Er entscheidet sich bewusst für sein Dasein – und genau das gibt der Figur etwas Eigenständiges. Die einzelnen Episoden – ob mit der herrlich überzeichneten Gräfin Etepetete, den beiden Räubern oder dem skeptischen Professor – leben stark von ihren Situationen und weniger von großer Spannung. Dafür entfalten sie einen konstanten Unterhaltungswert, der nie abreißt.

    Für mich steht und fällt diese Folge mit Hans Clarin als Hui Buh. Seine Interpretation ist lebendig, verspielt und gleichzeitig so charakteristisch, dass man die Figur sofort vor Augen hat. Diese Mischung aus Übermut und leichtem Trotz funktioniert einfach hervorragend. Hans Paetsch als Erzähler gibt dem Ganzen die nötige Ruhe und führt mit seiner markanten Stimme sicher durch die einzelnen Episoden. Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt. Konrad Mayerhoff als Kastellan, Claus Wilcke als Gräfin Etepetete, Michael Poelchau und Michael Hinz als Räuber oder Hellmut Lange als Professor Schlaumeier – sie alle bringen ihre Figuren klar und prägnant auf den Punkt. Gisela Trowe und Ingrid Andree runden das Ensemble stimmig ab. Es ist diese geschlossene Sprecherleistung, die dafür sorgt, dass jede Episode sofort greifbar wird.

    Die technische Umsetzung wirkt für mich erstaunlich klar und präzise. Die Geräusche sind gezielt eingesetzt und unterstützen die jeweilige Szene, ohne sie zu überladen. Gerade die Spukelemente funktionieren eher durch Andeutung als durch Effekthascherei, was dem Hörspiel eine angenehme Zurückhaltung verleiht. Die Musik unterstreicht die märchenhafte Grundstimmung und sorgt für diesen typischen EUROPA-Klang, der sofort wiedererkennbar ist. Alles wirkt sehr stimmig und trägt dazu bei, dass man sich komplett auf die Geschichte einlassen kann.

    Das Cover vermittelt genau das, was man auch zu hören bekommt: eine Mischung aus leichtem Grusel, Humor und Abenteuer. Es hat diesen klassischen EUROPA-Stil, der heute fast schon nostalgisch wirkt, aber nichts von seiner Wirkung verloren hat. Für mich passt es perfekt zur Atmosphäre der Folge.

    Diese erste Folge ist für mich kein Hörspiel, das durch eine ausgefeilte, durchgehende Handlung glänzt. Stattdessen lebt sie von ihren Figuren, ihrer Stimmung und diesem ganz eigenen, episodischen Aufbau. Gerade diese Struktur sorgt dafür, dass keine Längen entstehen und man sich von Szene zu Szene treiben lassen kann. Hui Buh selbst steht dabei klar im Mittelpunkt und trägt das Hörspiel mühelos. Seine Eigenart, sein Humor und seine Entscheidung, ein Gespenst zu bleiben, machen ihn zu einer Figur, die im Gedächtnis bleibt. Für mich ist das der Beginn einer Reihe, die ihren ganz eigenen Ton gefunden hat und genau deshalb bis heute funktioniert.

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