Der Teufel trägt Prada 2 - Glanz, Glamour und der stille Abgesang auf eine ganze Branche (Filmkritik)

  • Der Teufel trägt Prada 2 - Glanz, Glamour und der stille Abgesang auf eine ganze Branche

    Der Film "Der Teufel trägt Prada 2" hat mich im Kino auf eine Weise überrascht, mit der ich vorher gar nicht unbedingt gerechnet hatte. Natürlich erwartet man bei dieser Fortsetzung erst einmal Nostalgie. Man möchte Meryl Streep wieder als Miranda Priestly sehen, Anne Hathaway als Andy Sachs, Stanley Tucci als Nigel und Emily Blunt als Emily. Man möchte diese Welt aus Mode, Macht und spitzen Bemerkungen noch einmal betreten. Und genau das liefert der Film auch. Aber er ist eben nicht nur ein spätes Wiedersehen, sondern gleichzeitig ein melancholischer Blick auf eine Medienwelt, die sich in den letzten zwanzig Jahren radikal verändert hat.

    Gerade das macht ihn für mich interessanter, als ich es erwartet hätte. Der erste Teil war noch ein Märchen über Verführung, Karriere und Selbstverlust in einer glamourösen Welt. Damals hatte das Modemagazin noch etwas Unantastbares. „Runway“ war ein Tempel, Miranda Priestly die Hohepriesterin. Wer dort arbeitete, verlor zwar alles andere, bekam aber Zugang zu einer Welt, die unerreichbar schien. Im zweiten Teil ist davon nicht mehr viel übrig. Die Fassade glänzt noch, aber dahinter bröckelt es.

    Das Sequel versteht sehr genau, dass man diese Welt nicht einfach wieder so erzählen kann wie 2006. Printmagazine kämpfen ums Überleben, Journalismus wird nach Klickzahlen bewertet, Investoren bestimmen Inhalte. Selbst eine Miranda Priestly muss plötzlich auf öffentliche Empörung reagieren. Der Film lässt den Glamour bestehen, zeigt aber zugleich, dass er seine Macht verloren hat. Die Mode ist noch da, die Arroganz auch – aber darunter liegt eine Müdigkeit, fast schon Endzeitstimmung.

    Andy Sachs kehrt nicht mehr als unsichere junge Frau zurück. Sie ist inzwischen Journalistin, idealistisch, aber Teil einer Branche, die Idealismus kaum noch belohnt. Dass sie nach einer Preisverleihung ihren Job verliert, ist bitter und passend. Der Film zeigt, wie wenig gute Arbeit zählt, wenn sie sich nicht verkaufen lässt. Andy steht vor einem erwachseneren Dilemma als früher. Damals ging es um Verführung, heute ums Überleben ohne Selbstverlust.

    Anne Hathaway spielt diese ältere Andy angenehm zurückgenommen. Sie wirkt erfahrener, verletzlicher, aber nicht gebrochen. Man spürt, dass sie an journalistische Integrität glauben will. Das macht sie sympathisch, auch wenn der Film ihre innere Zerrissenheit stärker hätte ausspielen können. Gerade das Verhältnis zu Miranda hätte mehr Reibung vertragen.

    Meryl Streep ist erneut das Zentrum. Miranda lebt von kleinen Gesten – ein Blick, eine Pause, und eine Szene kippt. Gleichzeitig ist sie nicht mehr die unantastbare Figur von früher. Der Film zeigt sie verletzlicher, fast ratlos gegenüber einer Welt, die sich schneller verändert hat, als sie kontrollieren kann. Das ist interessant, nimmt ihr aber auch etwas von ihrer eisigen Magie.

    Stanley Tucci bringt als Nigel wieder Eleganz und Wärme ein. Diesmal bekommt er mehr Raum, was dem Film gut tut. Er wirkt wie das Gedächtnis dieser Welt, jemand, der zu viel gesehen hat, um noch überrascht zu sein. Seine Szenen mit Andy gehören zu den stärksten.

    Emily Blunt ist ebenfalls ein Highlight. Ihre Entwicklung zur Machtfigur funktioniert hervorragend. Sie bringt Biss und Energie in den Film und liefert genau das, was man von dieser Fortsetzung erwartet.

    Visuell ist der Film genau das, was man sich erhofft: stilvoll, opulent und perfekt inszeniert. Die Mode ist nicht nur Dekoration, sondern Teil der Erzählung. Gleichzeitig wirkt dieser Hochglanz fast wehmütig. Der Film zeigt eine Welt, die sich noch einmal ins beste Licht rückt, obwohl sie weiß, dass ihre Zeit vorbei ist.

    Der Medienkommentar ist dabei oft erstaunlich treffend. Wenn Inhalte keine Rolle mehr spielen, weil sie sich nicht verkaufen lassen, trifft das einen wunden Punkt. Der Film zeigt eine Entwicklung, die weit über Modejournalismus hinausgeht. Allerdings gelingt das nicht immer subtil. Manche Aussagen sind sehr direkt, manche Figuren eher Karikaturen.

    Auch die romantische Nebenhandlung bleibt schwach. Sie erfüllt ihren Zweck, wirkt aber emotional blass. Der Film konzentriert sich ohnehin stärker auf seine Themen als auf klassische Dramaturgie.

    Ein weiteres Problem ist der starke Fan-Service. Viele Rückgriffe funktionieren, aber manchmal hält sich der Film zu sehr an seiner Vergangenheit fest. Er will neu sein, ohne das Alte loszulassen. Dieser Spagat gelingt oft, aber nicht immer.

    Trotzdem hat mich die Grundstimmung überzeugt. Der Film fragt, was aus dieser Welt geworden ist – und die Antwort ist nicht optimistisch. Alles ist instabiler geworden, schneller, käuflicher. Selbst Miranda Priestly ist nicht mehr unangreifbar.

    Das macht den Film überraschend melancholisch. Unter dem Glamour liegt ein leiser Abschied. Die Welt von 2006 existiert nicht mehr. Was bleibt, ist eine Hülle, die noch glänzt, aber ihre Sicherheit verloren hat.

    Als Fortsetzung funktioniert der Film für mich dennoch gut. Er erreicht nicht die Frische des Originals, aber er will sie auch nicht kopieren. Stattdessen zeigt er, was aus diesem Zeitgeist geworden ist.

    Am Ende ist Der Teufel trägt Prada 2 ein elegantes, bittersüßes Wiedersehen mit einer Welt im Umbruch. Der Film liefert Glamour, starke Darsteller und Nostalgie, erzählt darunter aber auch vom Bedeutungsverlust einer ganzen Branche.

    Ich bin aus dem Kino gegangen mit dem Gefühl, nicht nur eine Fortsetzung gesehen zu haben, sondern einen modisch verpackten Nachruf. Auf Print, auf Journalismus, auf kulturelle Autorität. Und vielleicht auch auf eine Zeit, in der solche Filme noch Ereignisse waren. Der Film weiß, dass er selbst Teil dieser Entwicklung ist – und genau das macht ihn interessant. Er trägt Prada, aber diesmal sieht man die Risse.

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