REM (Sebastian Fitzek & Annika Strauss)

  • REM (Sebastian Fitzek & Annika Strauss)

    Die Grundidee hat mich sofort gepackt: Was wäre, wenn Träume nicht einfach verschwinden, sondern aufgezeichnet werden könnten – und was, wenn genau das zur tödlichen Gefahr wird? Alysee trägt seit ihrer Kindheit eine Angst mit sich herum, die tief sitzt und nie ganz verschwindet. Der Tod ihres Vaters ist eng mit dem Schlaf verbunden, und genau dieses Trauma führt sie Jahre später an einen Ort, der alles verändern soll – ein verlassenes Hotel, das mehr Geheimnisse birgt, als es zunächst scheint. Dort entfaltet sich eine Geschichte, die zwischen Wissenschaft, Horror und etwas völlig Unberechenbarem schwankt.

    Ich war relativ schnell drin in der Geschichte. Der Einstieg ist spannend, ohne zu viel zu verraten, und erzeugt genau dieses Gefühl von „Ich will wissen, wie es weitergeht“. Gerade als Horror-Neuling fand ich die Dosierung ziemlich angenehm. Es ist nicht permanent düster oder bedrückend, sondern arbeitet viel mit Atmosphäre und einzelnen intensiven Momenten.

    Typisch für ein Audible Original ist der relativ hohe Erzähleranteil – und ja, das merkt man hier auch deutlich. Für mich hat das aber gut funktioniert, weil es der Geschichte eine gewisse Ruhe gibt und man sich besser orientieren kann. Es ist kein klassisches Voll-Hörspiel, sondern eher eine Mischung aus Lesung und inszenierten Szenen. Die Spannung baut sich eher schleichend auf. Es gibt ruhigere Passagen, die die Figuren und Hintergründe ausbauen, und dann wieder Momente, in denen der Horror stärker durchkommt. Gerade die Idee mit den lebendig werdenden Albträumen funktioniert als Hörspiel erstaunlich gut, weil man vieles nicht sieht, sondern sich selbst vorstellt – und genau das macht es intensiver. Was mir aufgefallen ist: Es fehlen ein bisschen die ganz großen, überraschenden Twists, die man sonst oft mit Fitzek verbindet. Dafür setzt die Geschichte mehr auf Atmosphäre und ein durchgehendes Unbehagen. Das Ende geht dann nochmal in eine Richtung, die man so nicht unbedingt erwartet – und genau darüber lässt sich definitiv streiten. Ich war im ersten Moment auch eher irritiert, aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto stimmiger fand ich diesen Ansatz.

    Luna Wedler und Max Schimmelpfennig tragen das Hörspiel maßgeblich und machen das wirklich stark. Beide wirken sehr nahbar und schaffen es, die Emotionen glaubwürdig rüberzubringen. Gerade Wedler hat eine Präsenz, die gut zur Figur passt und die Unsicherheit sowie die Angst spürbar macht. Das restliche Ensemble ist ebenfalls gut besetzt. Stimmen wie Tanja Geke, Sabine Arnhold oder Thomas Schmuckert sorgen für zusätzliche Qualität und Abwechslung. Insgesamt wirkt das Ganze sehr rund, auch wenn durch den hohen Erzähleranteil die einzelnen Rollen nicht immer gleich stark im Vordergrund stehen.

    Die Soundkulisse ist insgesamt stimmig, wenn auch eher zurückhaltend eingesetzt. Gerade im Auto ist mir auch aufgefallen, dass einige Passagen etwas leiser wirken – mit Kopfhörern kommt das deutlich besser zur Geltung. Dann entfaltet sich auch die Atmosphäre viel intensiver. Die Mischung aus Musik, Geräuschen und Stimmen sorgt für ein solides Gesamtbild. Es ist kein überladenes Sounddesign, sondern eher darauf ausgelegt, die Geschichte zu unterstützen und Raum für die eigene Vorstellung zu lassen.

    Das Cover passt perfekt zur Geschichte. Der Blick, die leicht bedrückende Stimmung und die dunkle Farbgebung transportieren genau das Gefühl, das auch das Hörspiel vermittelt. Es wirkt modern, klar und gleichzeitig unheimlich – genau richtig für dieses Thema.

    „REM“ ist für mich ein gut funktionierendes Horror-Hörspiel, das nicht auf Dauergrusel setzt, sondern auf Atmosphäre und eine starke Grundidee. Gerade für Einsteiger im Genre ist die Dosierung sehr angenehm. Die Geschichte ist spannend, wenn auch nicht durchgehend auf Top-Niveau, und das Ende dürfte definitiv Geschmackssache sein. Für mich war es nach kurzem Nachdenken aber eine interessante und mutige Entscheidung. Unterm Strich ein kurzweiliges, gut hörbares Hörspiel mit einer starken Idee, soliden Sprechern und einer Atmosphäre, die vor allem mit Kopfhörern richtig zur Geltung kommt.

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