Holy Klassiker - 110. Tarzan
Die bekannte Ursprungsgeschichte wird hier klassisch erzählt: Eine Expedition in den afrikanischen Dschungel führt Professor Porter und seine Tochter Jane mitten hinein in eine fremde, gefährliche Welt. Zwischen Konflikten mit einem Stamm und der unberechenbaren Natur taucht schließlich Tarzan auf – ein Mann zwischen zwei Welten, geprägt vom Leben unter Affen, aber mit menschlicher Herkunft. Die Geschichte folgt dabei weitgehend der Vorlage und konzentriert sich auf das Aufeinandertreffen dieser Kulturen und Figuren.
Ich mag solche klassischen Stoffe ja grundsätzlich, gerade wenn sie als Hörspiel neu aufbereitet werden. Tarzan ist so eine Figur, die man irgendwie kennt, aber selten wirklich bewusst erlebt. Hier hatte ich direkt das Gefühl, dass man sich bewusst an der klassischen Erzählweise orientiert hat – kein modernes Uminterpretieren, sondern eher ein sauber inszeniertes Abenteuer im ursprünglichen Geist der Vorlage.
Die Geschichte wird recht geradlinig erzählt, ohne große Experimente. Das funktioniert aber erstaunlich gut, weil der Fokus klar auf Atmosphäre und Figuren liegt. Der Dschungel wird nicht nur als Kulisse genutzt, sondern wirkt wie ein eigener Charakter – lebendig, gefährlich und gleichzeitig faszinierend. Das Tempo ist angenehm gewählt. Es gibt ruhige Passagen, in denen Figuren aufgebaut werden, und dann wieder Momente, in denen die Handlung anzieht. Gerade die Begegnungen zwischen Tarzan und den anderen Figuren tragen viel zur Wirkung bei. Es geht nicht nur um Abenteuer, sondern auch um Identität und Zugehörigkeit. Man merkt, dass hier kein überladenes Actionhörspiel entstehen sollte, sondern eher eine klassische Abenteuererzählung mit klarer Struktur. Das passt sehr gut zum Stoff.
Die Besetzung ist durchweg stark und vor allem sehr passend gewählt. Nico Sablik als Tarzan funktioniert hervorragend. Er bringt genau diese Mischung aus Wildheit und innerer Ruhe mit, die die Figur braucht. Franciska Friede als Jane wirkt glaubwürdig und bringt eine angenehme Natürlichkeit in ihre Rolle. Patrick Bach und Santiago Ziesmer sind ohnehin Stimmen, die man sofort erkennt und die hier wieder zuverlässig abliefern. Gerade Ziesmer gibt der Figur des Professors eine schöne Präsenz. Auch die Nebenrollen – unter anderem mit Mark Bremer, Wanja Gerick und Sebastian Fitzner – fügen sich stimmig ein. Insgesamt ein Ensemble, das sehr rund wirkt und die Geschichte gut trägt.
Hier zeigt sich die große Stärke der Produktion. Die Geräuschkulisse ist dicht, ohne überladen zu wirken. Dschungelgeräusche, Tiere, Umgebung – alles fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Die Musik unterstützt die Atmosphäre sehr gut, ohne sich aufzudrängen. Es entsteht dieses typische Abenteuergefühl, das man sich bei Tarzan auch wünscht. Sounddesign und Mischung sind sauber und wirken durchdacht.
Das Cover geht eher in eine klassische, fast schon romantisierte Richtung. Es passt zur Geschichte, wirkt aber gleichzeitig ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Für mich stimmig, auch wenn es nicht unbedingt modern wirkt – aber genau das scheint hier auch gewollt zu sein.
Eine wirklich runde Produktion, die sich bewusst auf ihre Stärken konzentriert: eine klassische Geschichte, starke Sprecher und eine dichte Atmosphäre. Kein modernes Experiment, sondern ein sauber umgesetztes Abenteuerhörspiel, das genau das liefert, was man von Tarzan erwartet. Für mich funktioniert das sehr gut – gerade weil es sich nicht verbiegt, sondern einfach konsequent seinen Stil durchzieht.