Fragen an unsere Autoren hinter den Geschichten

  • Nein, das tue ich nicht 😊

    In dem konkreten Fall war es einfach so, dass ich mir die Beiträge in Ruhe komplett durchgelesen habe, dann mehrere Antworten hintereinander formuliert und sie anschließend nacheinander gepostet habe. Daher wirkt das vielleicht wie im „Minutentakt“.

    Mir ist schon wichtig, dass meine Antworten meine eigenen Gedanken widerspiegeln – auch wenn sich bestimmte Formulierungen vielleicht mal ähneln, weil ich versuche, auf die jeweiligen Punkte einzugehen.

    Und alles gut, ich nehme dir die Frage überhaupt nicht übel. Kann verstehen, dass der Eindruck entstehen kann 👍

  • Tolkien  Tobi Jawtusch  Schamane  gruenspatz  Martin Seebeck  Soundjob

    Gibt es eine Szene oder ein Skript, auf das ihr besonders stolz seid – und was macht es für euch so besonders?

    Wie wichtig ist euch Feedback und beeinflusst es eure weitere Arbeit?

    Habt ihr bestimmte Auslöser für neue Ideen, wie zum Beispiel Musik, Bilder oder Alltagssituationen?

    Feedback ist mir sehr wichtig. Ich freue mich wirklich sehr darüber, denn das zeigt ja, dass man wahrgenommen wird.

    Ideen habe ich eigentlich immer ausreichend und die kommen oft aus dem unerklärlichen Nichts oder ich lasse mich von historischen Geschehnissen inspirieren.

    Besonders stolz bin ich schon auf das Live-Hörspiel "Das Grauen von Schloss Moosdran", dass zu schreiben war schon etwas besonderes.

    http::olis-weite-welt-des-wahns-blogspot.com

    Es war mit Sicherheit nicht richtig - doch es war einzig und nicht artig!

  • -Gibt es eine Szene oder ein Skript, auf das ihr besonders stolz seid – und was macht es für euch so besonders?-

    Ich mag schon eher Szenen von mir, die eher ruhig sind, so z.B. die Kennenlernphase in DLG 56 zwischen Felix Strüwen und Luisa Wietzorek, als sie ihm ihr Baumhaus aus Kindertagen zeigt. Oder oft begeben sich meine Charaktere auf eine lange Reise, wie im Midnight Tales Vierteiler ab 25 Tote neue Welt, bei Schwert und Runenzauber oder bei meinen Geister-Schockern rund um die Weaver-Brüder. Diese zunächst idyllische Szenen, die sich dann nach und nach in eine Reise ins Grauen verwandeln.

    -Wie wichtig ist euch Feedback und beeinflusst es eure weitere Arbeit?-

    Konstruktives Feedback ist mir sehr wichtig, aber ich mußte auch zunächst lernen, daß die Kritiker nicht mich als Person angreifen, sondern Teile meiner Geschichte. Ich nehme auch gerne mal Ideen entgegen. So meinte in einer FB-Gruppe mal ein Hörer, daß man mal etwas mit einem Werwolf in einem Flugzeug machen könne. Das habe ich aufgenommen und ein Skript geschrieben und nun befindet sich die Geschichte bei der Romantruhe in Produktion. Den Hörer habe ich nach Absprache in das Skript eingebaut. Aber es dürfte noch etwas dauern, bis wir es hören können, wahrscheinlich jenseits der Folge 150.

    -Habt ihr bestimmte Auslöser für neue Ideen, wie zum Beispiel Musik, Bilder oder Alltagssituationen?-

    Ganz oft. Diese Geschichte habe ich schon in einigen Interviews preisgegeben. Ich habe früher einmal Zeitungen früh morgens ausgetragen und da fiel mir eine kleine Sitzbank auf. Schon überlegte ich, was im Laufe der Zeit da stattgefunden haben könnte und so entstand die Idee zu meiner Scary Story-Geschichte Die Blutbank von Guisborough https://www.youtube.com/watch?v=5l99tdoA9a8

  • Uiui, kaum ist man mal zwei Tage privat beschäftigt und untergetaucht, schon gibt es hier ein interessantes Fragen-Bombardement an Autoren!
    Da habe ich jetzt einige Fragen abzuarbeiten... ;)

    -> Wie lange sitzt ihr eigentlich an einem Skript?
    Schwer abzuschätzen, da sich manches schneller, manches aber auch langsamer schreibt. So ganz grob über den Daumen gepeilt werden es wohl um die 20 Stunden sein, mit allem Drum und Dran - wie gesagt: im Schnitt. / Ich denke, meist dauert es 17-24 Tage, bis ich ein Skript schließlich beim Verlag einreiche.
    In meinem speziellen Fall schreibe ich sowohl eigenständige Geschichten als auch Skripte für die Schwarze Serie, wo manches anders abläuft und die zeitlichen Schwerpunkte einfach anders liegen. Ist bei einem klassischen Krimi zum einen der Plotaufbau (wirklich alles muss stimmig sein, schließlich findet Sherlock Holmes jeden noch so kleinen Fehler, der Pedant!) zeitintenisiv und das eigentliche Schreiben, geht das zB bei der Midnight Tale, die insgesamt kürzer und übersichtlicher ist, alles etwas schneller. Und die Schwarze Serie ist ein spezialgelagerter Sonderfall. Hier recherchiere ich extrem viel im Vorfeld. Es muss gesucht, übersetzt, gelesen, verworfen werden, sehr lange manchmal, bis eine Story gefunden ist. Habe ich sie dann und wird sie danach auch noch vom Verlag als Idee freigegeben, geht das eigentlich Schreiben dann etwas schneller als ein Krimi. Gesondert betrachtet werden muss hier aber, dass ich die Geschichten nie 1:1 übernehme. Hier muss die Story fürs Hörspiel bearbeitet werden, Szenen fallen ganz weg, die sich nicht ins Medium übertragen lassen, Spannungsbögen müssen angelegt werden (du meine Güte, mit Spannungsbögen haben es die Viktorianer wirklich noch nicht so gehabt), um das alles für die heutige Zeit interessant und hörbar zu gestalten (ich sage nur: Monologe, Monologe, Monologe). Man sieht: Viel Recherchezeit, Umarbeitung der Story bis hin zu anderen Schlusspunkten, und dann am Ende ein schnelleres Schreiben. Interessanterweise ergibt sich aus all dem am Ende eine beinahe identische Gesamtzeit wie für andere Projekte.

    -> Schreibt ihr eher konzentriert an einem Projekt – oder laufen bei euch mehrere Skripte parallel?
    Meist arbeite ich Skript nach Skript. Da ist man dann immer bis zum Hals in den Figuren drin. Sehr selten auch mal 2 parallel, und da fällt mir dann zB ein, dass ich die Skripte mit Marek (das letzte ist auch schon ein Weilchen her) tatsächlich parallel zu meinen eigenen geschrieben habe. Gerade weil wir Szene für Szene hin und her geschrieben und geschickt haben und dadurch natürlich zeitliche freie Lücken entstanden sind.

    -> Wie viel Zeit vergeht am Ende, bis ein Skript wirklich fertig ist?
    Tja - siehe oben?! Ich nehme mir immer Zeit, am Ende das Skript mal etwas liegen zu lassen und dann erst ein, zwei Korrekturläufe mit Abstand zu machen. Schön daran: es kommen tatsächlich sehr wenig Korrekturwünsche von Seiten der Verlage (meist gar keine).

    -> Und vielleicht ganz spannend: Verwerft ihr auch schon mal ein Skript, wenn es sich nicht richtig anfühlt?
    Äußerst selten. Wenn, dann die Schwarze Serie. Meist schiebe ich solche "Problem-Kandidaten" einfach gerne nach hinten und schreibe erst eine andere Story. Bei der Schwarzen Serie hole ich mir meist gleich 2 oder 3 Ideen-Freigaben und bin dann zeitlich flexibel.

    Tatsächlich habe ich (wie scheinbar jeder meiner Autorenkollegen hier im Faden) auch eine angefangene Geschichte, die einfach gelassen in der Schublade darauf wartet, bis mir noch der "gewisse Kniff" für sie einfällt.

    -> Wie frei könnt ihr euch kreativ bei euren Skripten entfalten – oder sind die Vorgaben eher eng gesteckt? Gerade bei Serienformaten stelle ich mir das spannend vor: Gibt es feste Vorgaben, an die ihr euch halten müsst – zum Beispiel bei wiederkehrenden Figuren, Schauplätzen oder bestimmten Abläufen? Oder könnt ihr auch mal bewusst ausbrechen und eigene Akzente setzen?
    Sehr frei. Natürlich gibt es bei bestehenden Reihen mit verschiedenen Autoren immer ein paar Eckpfeiler, innerhalb derer sich die Hauptfiguren (zB Rutherford, Holmes) zu bewegen haben (Miss Rutherford ist nunmal keine Berufspilotin), aber das war es dann auch schon. In einer Folge zB konnte Miss Rutherford das Verbrechen zwar lösen, aber der Täter konnte sich der Gerechtigkeit entziehen ("Des Apfels Kern"). Hier spiele ich sehr gerne auch einmal mit dem Aufbrechen von Routinen. Oder in einer Holmes Mystery habe ich die Story der "Vergessenen Welt" von Arthur Conan Doyle weitergesponnen ("Das Ei des Kolumbus"). Nur halt im Rahmen einer Holmes-Story.

    Insgesamt geben mir die Verlage, für die ich schreibe, eine immense Freiheit mit auf den Weg, was ja auch bedeutet, Vertrauensvorschuss. Meist erzähle ich nur "Du, ich hab da eine Idee": zwei, drei Schlagworte bringe ich dann an, das wars - dann heißt es einfach: mach! Und ich kann loslegen.

    -> Und wie fühlt sich das für euch an? Ist es eher angenehm, einen Rahmen zu haben, in dem man sich bewegt, oder reizt euch gerade die völlige kreative Freiheit mehr?
    Wie gesagt, in den bestehenden Reihen gibt es natürlich einen Rahmen, aber den kann man ausfüllen, wie man möchte. Hauptsache, man bleibt den Figuren und ihren Fähigkeiten treu. Anderes macht auch keinen Sinn. Ich schätze prinzipiell das Schreiben dieser Reihen, weil es einem "Charakter-Arbeit" abnimmt, das Schreiben ist wie ein Heimkommen zu Freunden. - Andererseits schätze ich es mindestens genauso, wenn ich in eigenen Serien oder Einzelhörspielen komplett frei bin und es genau anders herum angehen kann - die völlige kreative Freiheit! Midnight Tales! Und auch einiges mehr. ;)
    Ich breche auch gerne öfter mal Routinen. Bei den Midnight Tales zB. mit "Trollporten", wo ich den Hörern etwas mehr zugemutet habe, weil die Geschichte sehr verschachtelt ist. Oder bei "Die Goldene Tafel", wo der Hörer am Ende mit überlegen soll, wie die Geschichte wohl endet. (Hier auch mal angemerkt: Wäre das Ende anders verlaufen, wäre die Geschichte als Ganzes total verpufft.)

    -> Gibt es eine Szene oder ein Skript, auf das ihr besonders stolz seid – und was macht es für euch so besonders?
    Ich gehe es mal anders herum an: Geschichten, die ich komplett selbst entwickeln kann, geben mir mehr als die Neu-Inszenierung einer viktorianischen Geister-Story. - Mein Hörbuch Federträger. Daraus hätte man auch eine mehrstaffelige Hörspielserie machen können, aber der Bedarf an aufwändiger Fantasy ist nunmal leider nicht groß.

    -> Wie wichtig ist euch Feedback und beeinflusst es eure weitere Arbeit?
    Konstruktives Feedback ist mir sehr wichtig. Allerdings kann ich mit Äußerungen wie "ich habs jetzt schon dreimal zum Einschlafen angefangen zu hören und mir fehlt der Faden in der Geschichte. Ich komme da nicht mit. Die Geschichte ist zu schwierig." absolut nichts anfangen. ;)


    Habt ihr bestimmte Auslöser für neue Ideen, wie zum Beispiel Musik, Bilder oder Alltagssituationen?
    Unmengen! Kopfkino entsteht aus den absurdesten Situationen. - In einer meiner Pater-Brown-Geschichten gab es einen senilen alten Herrn, der war stark inspiriert von meiner damaligen Realität. Zeitungsnews. Schlagzeilen allgemein...


    Lieben Dank für dein Interesse an meiner / unserer Arbeit, Poldi ! :)
    --


    Eins und eins ist zwei - von London bis Shanghai!

    Edited 3 times, last by gruenspatz (April 19, 2026 at 12:57 PM).

  • Tolkien

    Diese Sache mit der Sitzbank ist genau das, was ich an solchen Einblicken so liebe. Dass aus so einem scheinbar völlig unscheinbaren Moment im Alltag plötzlich eine komplette Geschichte entstehen kann – das hat fast schon etwas Magisches. Gerade weil man merkt, wie sehr du mit offenen Augen durch die Welt gehst und solche Eindrücke sofort weiterdenkst.

    Was du zum Feedback schreibst, fand ich ebenfalls richtig stark. Dieser Punkt, Kritik nicht als persönlichen Angriff zu sehen, sondern als Chance, an der Geschichte zu arbeiten – das ist gar nicht so selbstverständlich. Und dass du sogar Ideen von Hörern aufgreifst und sie kreativ weiterentwickelst, zeigt ja auch, wie nah du an deinem Publikum dran bist. Die Nummer mit dem Werwolf im Flugzeug ist da ein schönes Beispiel – sowas bleibt hängen.

    Diese Momente, die erstmal fast schon idyllisch wirken und einen einlullen, bevor sich alles langsam ins Unheimliche verschiebt – das hat eine ganz eigene Qualität. Gerade solche Übergänge machen für mich oft den Reiz aus, weil sie viel nachhaltiger wirken als reiner „Dauer-Horror“. Man merkt bei dir einfach, dass du ein gutes Gespür für Atmosphäre hast – nicht nur für das Offensichtliche, sondern gerade für diese leisen, schleichenden Entwicklungen. Genau das bleibt am Ende hängen.

  • gruenspatz

    Die Schwarze Serie klingt nach einem ganz eigenen Arbeitsprozess. Dieses viele Suchen, Anpassen und teilweise auch Umdenken, bevor überhaupt geschrieben wird, stellt man sich deutlich einfacher vor, als es am Ende ist. Gerade wenn man alte Stoffe erst hörspieltauglich machen muss.

    Dass du meist an einem Skript bleibst, passt gut zu deiner Herangehensweise. Wenn man so tief in Figuren und Struktur drin ist, würde ständiges Wechseln wahrscheinlich eher stören als helfen.

    Bei der kreativen Freiheit klingt es so, als ob der Rahmen eher Orientierung ist als Einschränkung. Solange die Figuren stimmig bleiben, scheint ja vieles möglich zu sein – das merkt man auch an den Beispielen, die du genannt hast.

    Solche Rückmeldungen wie dein Beispiel bringen einen nicht wirklich weiter. Da fehlt einfach der konkrete Ansatz, mit dem man arbeiten kann.

    Insgesamt ein interessanter Einblick, gerade weil man sieht, wie unterschiedlich die Wege zum fertigen Skript sein können.

  • Ich wüsste gerne von unseren Autoren Tolkien  gruenspatz  Tobi Jawtusch  Martin Seebeck  Chris2710  Schamane

    Gibt es Genres, an die ihr euch bisher noch nicht herangetraut habt, die euch aber reizen würden?

    Welche Szene fällt euch beim Schreiben meistens am schwersten – Anfang, Mittelteil oder Finale?

    Habt ihr feste Schreibrituale oder bestimmte Bedingungen, unter denen ihr am besten schreiben könnt?

    Denkt ihr beim Schreiben eher filmisch oder eher literarisch?

  • Gibt es Genres, an die ihr euch bisher noch nicht herangetraut habt, die euch aber reizen würden?

    Ich schreibe ja sehr viele Genre - modernen Krimi, historischen Krimi, Mystery, Grusel, Fantasy und etwas SciFi - was mich noch reizt, wäre mehr SciFi, aber da fehlt mir für einige Ideen in meinen Augen die physikalische, wissenschaftliche Basis. Ansonsten wäre noch Abenteuer interessant, aber momentan bin ich zeitlich mit meinen aktuellen Problemen total ausgelastet.


    Welche Szene fällt euch beim Schreiben meistens am schwersten – Anfang, Mittelteil oder Finale?

    Keins davon. Mir geht erfreulicherweise jeder Part gleich locker von der Hand.


    Habt ihr feste Schreibrituale oder bestimmte Bedingungen, unter denen ihr am besten schreiben könnt?

    Nein, eher Routinen. Am Wochenende nach einem guten Frühstück schreibe ich sehr gerne. Am liebsten habe ich eine ausreichend ruhige Atmosphäre um mich herum. Baulärm oder Rasenmäher vom Nachbarn nerven mich hin und wieder.


    Denkt ihr beim Schreiben eher filmisch oder eher literarisch?

    Absolut und zu fast 100% filmisch! Durch die Regieanweisungen, Musikeinblendungen, Sounds, Geräusche ähnelt ein Spielbuch fürs Hörspiel extrem einem Drehbuch für Film. Für epische Prosa ist da wenig Platz, die Takes für die Figuren sind eher kurz und knackig. Ausnahmen sind zB die klassischen längeren Erzählerparts von Dr. Watson in den Mysteries, für die ich schreibe.


    Eins und eins ist zwei - von London bis Shanghai!

  • gruenspatz

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort 😊

    Gerade solche Einblicke finde ich immer spannend. Und dass du so filmisch denkst, merkt man vielen Hörspielen auch an – das passt einfach sehr gut zu diesem Medium.

    Mehr SciFi kann ich mir bei dir übrigens gut vorstellen 👍

  • Ich würde mich als Autor tatsächlich gerne mal im Genre Krimi versuchen, habe da auch einige Ideen im Kopf, aber wahrscheinlich für Romane und nicht für Hörspiele.

    Bei der Schwierigkeit gibt es für mich keine Unterschiede. Generell gilt, was leicht zu hören/lesen ist, ist vorher schwer geschrieben worden.

    Am besten kann ich schreiben, wenn ich ganz alleine bin und absolute Ruhe ab, abgesehen von Hintergrundmusik bzw. Geräuschen.

    Da ich ja beides schreibe, Romane und Hörspiele, denke ich stets so, wie es sein muss. g

    http::olis-weite-welt-des-wahns-blogspot.com

    Es war mit Sicherheit nicht richtig - doch es war einzig und nicht artig!

  • Na dann will ich mal.

    Wie lange sitzt ihr eigentlich an einem Skript?

    Das ist ganz unterschiedlich. Wenn mich die Muse küsst und ich so richtig Spaß an der Sache habe, kann ein Skript auch schon einmal innerhalb einer Woche entstehen. Ist aber seltener geworden. Im Moment sind es eher 4 Wochen.

    Schreibt ihr eher konzentriert an einem Projekt – oder laufen bei euch mehrere Skripte parallel?

    Parallel an mehreren Skripten arbeiten, habe ich versucht, ist aber nicht meine bevorzugte Arbeitsweise. Das passiert höchstens dann, wenn ich mich bei einer Geschichte sehr schwer tue und schon eine Idee für eine andere, vermeidlich spannendere, Geschichte habe.

    Wie viel Zeit vergeht am Ende, bis ein Skript wirklich fertig ist?

    Schreiben ist eine Sache (siehe oben). Korrekturlesen eine andere. Das kommt noch on Top. Da können auch gern noch einmal 3 Tage für ins Land gehen.

    Und vielleicht ganz spannend: Verwerft ihr auch schon mal ein Skript, wenn es sich nicht richtig anfühlt?

    Ja, ist schon vorgekommen. Wenn ich merke, dass es einfach nicht funktioniert, wird es entsorgt. Meistens aber nicht zu 100%. Man schreibt nie völlig für die Tonne (ich jedenfalls) nicht. Oft kann ich das ein oder andere retten und für eine neue Geschichte recyclen.

    “Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.” – Erich Kästner / “Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.” – Jorge Bucay
    --- https://www.wortwelten.info ---

  • Gibt es Genres, an die ihr euch bisher noch nicht herangetraut habt, die euch aber reizen würden?

    Nach meinem Mumien-Dreiteiler würde ich gerne mal eine Abenteuer-Geschichte schreiben im Indy Stil, über die ich bereits vor Jahren mit Carsten Hermann gesprochen habe. Nur fehlte mir irgendwie immer die Zeit. Aber es bestehen schon zwei oder drei Szenen.

    Ansonsten habe ich bereits für jedes Genre geschrieben, sogar im Erotik Bereich. Vielleicht erscheinen ja noch irgendwann meine beiden Sex in Serie Folgen bei David Holy? Geschrieben habe ich die schon um 2019/2020 herum.

    Welche Szene fällt euch beim Schreiben meistens am schwersten – Anfang, Mittelteil oder Finale?

    Schon das Finale. Den Anfang schreibe ich immer am liebsten, da sich die Charaktere erst finden und zusammen raufen müssen. Leider hat man das ja nur bei Einzelhörspielen oder bei dem Piloten einer Serie. Daran habe ich am meisten Spaß.

    Habt ihr feste Schreibrituale oder bestimmte Bedingungen, unter denen ihr am besten schreiben könnt?

    Ich schreibe ja i.d.R., wie schon öfter berichtet, in meiner Mittagspause (2 1/2 Stunden) entweder im Firmenwagen, auf einer Bank draußen oder in einem Café. Mein Laptop ist immer dabei. Am Samstag dann zuhause im Wohnzimmer oder auf dem Balkon mit einer Kanne Kaffee dabei, im Hintergrund spielt mir Alexa Rock und Metal aus den 70ern vor oder Filmmusik. Am Sontag schreibe ich aber nur selten, höchstens mal einige Stündchen am Vormittag.

    Denkt ihr beim Schreiben eher filmisch oder eher literarisch?

    Immer filmisch, da ein Hörspielskript oder noch vielmehr ein Comicskript nah am Drehbuch dran ist. Da habe ich sofort Bilder vor Augen, aber auch entsprechende Stimmen in den Ohren. Wenn beides dann in einem Hörspiel aufgeht, also das visuelle (das es ja eigentlich bei einem Hörspiel nicht gibt) durch den Sounddesigner in meinem Kopf zum Leben erweckt wurde mit den passenden Stimmen, die ich dann zum Teil vorgeschlagen habe, dann bin ich rundum zufrieden. Wenn es dann auch noch bei euch ankommt, bereitet mir das tatsächlich mehr Freude als das Honorar dafür.

  • Tolkien

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort 😊

    Solche Einblicke finde ich immer unglaublich spannend, weil man dabei merkt, wie viel Arbeit, Gedanken und Leidenschaft eigentlich hinter einem Hörspielskript stecken. Gerade dieses filmische Denken kann ich mir beim Schreiben für Hörspiele total gut vorstellen.

    Und man merkt bei dir einfach, dass du das mit echter Begeisterung machst. Vor allem der Gedanke, dass dir die Reaktionen der Hörer am Ende mehr bedeuten als das Honorar, sagt eigentlich schon alles 👍

  • Gibt es Genres, an die ihr euch bisher noch nicht herangetraut habt, die euch aber reizen würden?

    Ja, echtes Drama oder reine Comedy.

    Welche Szene fällt euch beim Schreiben meistens am schwersten – Anfang, Mittelteil oder Finale?

    Action-Szenen. Und das Ende von Szenen.

    Habt ihr feste Schreibrituale oder bestimmte Bedingungen, unter denen ihr am besten schreiben könnt?

    Wenn ich an Hörspielen schreibe, schreibe ich immer von morgens 8 bis 12 Uhr mittags. Danach wird alles weg gepackt.

    Denkt ihr beim Schreiben eher filmisch oder eher literarisch?

    Auf jeden Fall filmisch.

  • Gibt es Genres, an die ihr euch bisher noch nicht herangetraut habt, die euch aber reizen würden ?
    Historisches reizt mich, allerdings bleibt mir in meinem Terminkalender weniger Zeit für ausgiebig fundierte Recherchen, bzw. liegt es meinem Naturell nicht, mich zu lange an nur einem Projekt aufhalten zu wollen.
    Die (leider) immer nur relativ kurz anhaltende Dopaminphase nach erfolgreicher Projektbeendigung, steht bei mir in Relation langer Produktionszeiten doch im zu starken im Widerspruch, ob sich jener Aufwand "lohnt".
    Ich habe für mich gemerkt, dass mir zügige, schnelle Produktionen (nur) den selben "Kick" verleihen , wie das auch langwierige Produs tun.
    Der ausschlaggebende Unterschied ist hier für mich allerdings, dass mir zügigere Produktionen in ihrer Summe einfach mehr Kicks verleihen und der "Rausch" über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden kann.
    Daher meide ich eigentlich die Arbeit an Mehrstünder.

    Welche Szene fällt euch beim Schreiben meistens am schwersten – Anfang, Mittelteil oder Finale ?
    Keine dieser Akte fällt mir besonders schwer, aber das Finale ist stets der Part, über den ich mir am meisten Gedanken mache und von der Übersetzung eines Exposés in das spielfertige Skript, gelegentlich noch einmal twistend umwerfe, weil das Skript in ihrer Kohärenz der Figuren/Charaktereigenschaften, bzw. Dialogführungen, eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat und das Finale noch einmal zugeschnitten modifiziert wird.

    Denkt ihr beim Schreiben eher filmisch oder eher literarisch ?
    Weder noch... ich denke "hörspielerisch", aber inszeniere mein Zeugs gerne filmisch.
    Beim Schreiben denke ich im Kopfkino vorzugsweise plottend und rigoros in Hörspiel-Timestamps einer Dreiakt-Struktur.
    Rein filmisches oder literarisches Denken, führt- nach meinem Dafürhalten und subjektiven Geschmäckle, oft zu unnötig langen Expositionen, so wie auch für die Hörspielhandlung, zu irrelevant aus- und abschweifenden Inhalten (explizit in Dialogen).
    Wenngleich ich "filmische Hörspiele" bevorzuge (auch sehr gerne in anderen Produktionen), ist es dennoch ziemlich tricky und auch nicht immer gelingend, ein gut ausgewogenes Balancing in der Umsetzung zu finden, weil ein Hörspiel doch so anders funktioniert als ein Film, geschweige denn ein Buch.
    Wie viel "Erklärbär" verträgt ein Dialog ?
    Bringt jener Satz und Info die Geschichte eigentlich gerade voran ? Beißt er sich nicht gerade in der Plausibilität einer erwartbaren Emotion ?
    Sind die Actionparts vlt. zu wenig oder zu kurz ?
    Bin ich eigentlich schon bei Minute 10 ? Ist eigentlich schon etwas dramatisches passiert ? Hat der Hauptcharakter neben seinen Namen auch eine ersichtliche Funktion ?

    Habt ihr feste Schreibrituale oder bestimmte Bedingungen, unter denen ihr am besten schreiben könnt ?
    Am Abend kommt oft eine Idee oder zündender Gedanke, aber sehr früh Morgens schreibt es sich für mich immer am besten.
    Trigger ist oft das Geklimper während eines musikalischen Kompositionsprozesses- und hierbei muss und möchte ich meine absolute Ruhe haben.
    Klingelnde Telefone, Gespräche im Haus, der laute Fernseher oder ein leise laufendes Radio (unten im Wohnzimmer), treiben mich an den Rand zur Weißglut.
    Beim Schreiben allerdings, stört mich das alles nicht im geringsten, da bin ich absolut in einer anderen Welt und man könnte in meinem Arbeitszimmer Motorrad fahren und ich würde es nicht mitbekommen.
    Im Gegenteil- ich mache mir beim Schreiben oft auch ein anderes Hörspiel an oder meine Lieblingsserien laufen nebenbei dezent berieselnd über die Lautsprecher.

    Ist es eher angenehm, einen Rahmen zu haben, in dem man sich bewegt, oder reizt euch gerade die völlige kreative Freiheit mehr ?
    Mal so, mal so.
    Grundsätzlich präferiere ich aber einen vordefinierten Rahmen, da ein definierter Weg und Ziel kein großes Risiko birgt, sich zu verrennen.
    Die Entfaltung völlig kreativer Freiheit bringt die für mich zwar interessantesten Ergebnisse hervor, aber mit dieser subjektiven Auffassung stehe ich oft auch ganz alleine da.
    Und ich mag Deadlines !
    Den Druck zu haben, fertig werden zu müssen, fördert zumindest meine Kreativität und Produktivität. Unter Druck funktioniere ich am besten, da ich ansonsten Gefahr laufe, mich durch andere Dinge (schön wie völlig sinnlos), ablenken zu lassen.

    Wie wichtig ist euch Feedback und beeinflusst es eure weitere Arbeit ?
    Wer mag kein positives Feedback ?
    Für den Lernprozess ist die kritische Auseinandersetzung natürlich aber unerlässlich.
    Ehrlich gesagt- sofern es keine bezahlte Auftragsarbeit mit Anforderungsprofilen ist, tangiert mich beides aber kaum bis gar nicht, denn ich mache mein Ding dennoch so, wie es mir vorschwebt. Entweder es gefällt- oder eben nicht.
    Arbeiten explizit für Kritiker zu machen, ist sehr unbefriedigend bis hin vergebene Liebesmühe. Das Wagnis seine treuen Fans zu vergraulen, nur um aber drei Kritiker zu überzeugen, ist nicht erquickend.
    Daher finde ich Feedback zwar schön, ob positiv oder kritisch, aber sie beeinflusst mich eigentlich kaum.

    Gibt es eine Szene oder ein Skript, auf das ihr besonders stolz seid ?
    Jeweils das aktuelle.
    Es macht erfüllenden Spaß daran zu arbeiten und seine Aufgaben zu haben... aber man ist auch nicht weniger froh, wenn es fertig und vorbei ist und sich neuen Aufgaben widmen kann.

    +Jeder Tag mehr ist auch ein Tag weniger-

    Edited once, last by Soundjob (May 11, 2026 at 1:16 PM).

  • Ok, dann auch mal meine 2 Cent dazu. :)

    Quote

    Gibt es Genres, an die ihr euch bisher noch nicht herangetraut habt, die euch aber reizen würden?

    Also rantrauen würde ich mich mit einer guten Idee überall, aber ich gebe zu, dass mir historische Sachen eher weniger liegen. Aber ja, es gibt Genres, in denen ich bisher nichts veröffentlicht habe, aber wenn der passende Moment und die Idee da sind - warum nicht? :)

    Quote

    Welche Szene fällt euch beim Schreiben meistens am schwersten – Anfang, Mittelteil oder Finale?

    Im Grunde kein Teil, aber der Anfang ist schon immer besonders. Einen für die Geschichte guten Einstieg zu finden, bedarf ein paar mehr Überlegungen. Aber alles fällt mir nicht besonders schwer.

    Quote

    Habt ihr feste Schreibrituale oder bestimmte Bedingungen, unter denen ihr am besten schreiben könnt?

    Ich habe oft instrumentale Musikstücke zur Entspannung leise im Hintergrund laufen. Damit meine ich solche Stücke, die zu Hauf auf Youtube zu finden sind. Es muss aber immer etwas trüb, düster oder gemütlich sein. Siehe hier. Fröhliche Musik lenkt mich da eher ab. ^^

    Quote

    Denkt ihr beim Schreiben eher filmisch oder eher literarisch?

    Definitiv eine Kombi aus filmisch und Hörspiel. Wenn es komplett neue Geschichten sind, stelle ich es mir schon manchmal vor, wie die Charaktere gerade handeln und wie die Szenerie ist. Bei bestehenden Serien höre ich eher die Stimmen der Charaktere beim Schreiben. :)

  • Ich bin wirklich begeistert von all euren Antworten und möchte euch ganz, ganz herzlich dafür danken.

    Es macht unglaublich viel Freude zu sehen, wie unterschiedlich die Gedanken und Sichtweisen zu diesem Thema sind. Genau solche Beiträge und der Austausch darüber sind es, die solche Diskussionen für mich erst wirklich interessant machen.

    Deshalb einfach einmal ein großes Dankeschön an euch alle fürs Mitmachen, Teilen eurer Gedanken und die vielen spannenden Antworten. 😊

  • Ja, das kommt schonmal vor. Ein Beispiel dafür ist "Nichts. Was im Leben wichtig ist". Das war auch mal ziemlich weit oben bei der

    Ohrcast-Wahl oder hat sogar gewonnen.


    Das fand ich dermaßen stark, so daß es mich zu meinem Hörspiel "Der Bunker" inspiriert hat.

    Wie aus etwas harmlosen ein immer größeres Ding wird "bis einer weint". Das mag ich doch sehr.

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