Fragen an unsere Autoren hinter den Geschichten

  • Wir haben ja mittlerweile einige Autoren mit an Bord – und ich finde, genau das eröffnet eine richtig schöne Möglichkeit: Warum ihnen nicht ab und zu mal ein paar Fragen stellen? Ein kleiner Blick hinter die Kulissen, persönliche Einblicke, Gedanken zu ihren Geschichten oder auch ganz eigene Sichtweisen auf das Schreiben selbst. Ich glaube, da steckt jede Menge spannender Gesprächsstoff drin, der nicht nur uns interessiert, sondern auch alle, die unsere Inhalte verfolgen.

    Tolkien  Chris2710  gruenspatz  Tobi Jawtusch  Schamane  Martin Seebeck

    Ich hätte da direkt mal ein paar Fragen an euch:

    Wie lange sitzt ihr eigentlich an einem Skript?

    Schreibt ihr eher konzentriert an einem Projekt – oder laufen bei euch mehrere Skripte parallel?

    Wie viel Zeit vergeht am Ende, bis ein Skript wirklich fertig ist?

    Und vielleicht ganz spannend: Verwerft ihr auch schon mal ein Skript, wenn es sich nicht richtig anfühlt?

    Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten und Einblicke!

  • Das mit der Länge kann ich pauschal nicht beantworten, mal geht es schneller, mal brauche ich länger. Ich schreibe ja neben Beruf und Familie, da kann schon einiges vom Schreiben abhalten. Auch die reine Schreibzeit kann ich schwer schätzen, gefühlt so an die zwanzig Stunden hätte ich jetzt gesagt. Vielleicht etwas weniger. Aber auch das hängt davon ab, wie es läuft und was ich nachher wieder abändere.

    Eigentlich erledige ich immer einen Auftrag nach dem anderen, aber irgendwie ist es jetzt tatsächlich passiert, dass ich an zehn Projekten arbeite, die sich in komplett unterschiedlichen Stadien befinden. Von reiner Idee im Kopf über Idee schriftlich skizziert bis hin zu fast fertig ist da alles dabei. Die Abarbeitungszeit dieser Projekte liegt aber auch zwischen Ende des Monats und irgendwann 2027.

    Bis aus dem Skript ein Hörspiel geworden und es veröffentlicht ist, vergehen schon mehrere Monate.

    Verwerfen eigentlich nicht, aber ich habe ein Skript begonnen, dass schon lange halbfertig auf der Festplatte liegt, aber immer von anderen Projekten abgelöst wird, weil mir nicht das richtige einfällt dazu.

    http::olis-weite-welt-des-wahns-blogspot.com

    Es war mit Sicherheit nicht richtig - doch es war einzig und nicht artig!

  • Schamane

    Das fand ich gerade richtig spannend zu lesen. Vor allem, weil es genau das widerspiegelt, was man oft gar nicht sieht – dass hinter einem Skript eben nicht nur „mal eben schreiben“ steckt, sondern ein ständiges Ringen mit Zeit, Ideen und dem echten Leben drumherum.

    Diese etwa zwanzig Stunden reine Schreibzeit hätte ich ehrlich gesagt gar nicht so eingeschätzt – vor allem, weil da ja noch alles dazukommt, was man gar nicht messen kann: Überarbeiten, Umdenken, Verwerfen von Szenen. Und genau das merkt man den fertigen Hörspielen dann auch an.

    Dass du aktuell an so vielen Projekten parallel sitzt, finde ich ebenfalls total spannend. Gerade diese Mischung aus Idee im Kopf bis fast fertig zeigt ja, wie unterschiedlich so ein kreativer Prozess verlaufen kann. Und gleichzeitig auch, wie viel Geduld man braucht, wenn sich manches eben bis 2027 zieht.

    Danke dir auf jeden Fall für den ehrlichen Einblick – genau solche Antworten machen das Ganze hier richtig lebendig.

  • Da ich hauptsächlich in meiner Mittagspause schreibe, die mit über 2 Stunden recht großzügig ausfällt (plus der Samstag, wenn nichts anliegt), brauche ich so drei Wochen für ein 60 Seiten Skript. Im letzten Jahr habe ich 13 Rechnungen gestellt, was aber auch mit meinem Krankenhausaufenthalt zu tun hatte, sonst sind es so 15 - 18. Außerdem kommt es ganz klar auf die Länge des Skriptes an. Eine Midnight Tales hat ja nur etwas mehr als die Hälfte an Wörtern im Vergleich zu einem Inselkrimi. Und natürlich auch auf das Genre. Grusel und Horror fließt mir leichter von der Hand als ein Krimi, in dem viel mehr bedacht werden muß.

    Ich schreibe oft an zwei Skripten parallel, um Schreibblokaden zu verhindern. Wenn es an der einen Stelle stockt, schreibe ich entweder erst an einer anderen Szene weiter oder gleich am anderen Skript.

    Eher selten verwerfe ich ein begonnenes Skript, aber es kam schonmal vor, das ich ein Skript komplett nochmal umgeschrieben habe. Bei meinem siebten Langeoog-Abenteuer (erscheint voraussichtlich im Herbst) hat sich sogar während des Schreibens jemand ganz anderes als Täter herausgestellt, als es zu Beginn noch geplant war, einfach weil es besser passte.

  • Tolkien

    Das war richtig interessant zu lesen – vor allem, weil man bei dir sehr schön merkt, wie strukturiert du an die Sache rangehst, trotz des doch recht straffen Alltags.

    Drei Wochen für ein 60-Seiten-Skript in der Mittagspause – das ist schon eine Hausnummer. Da sieht man mal, was möglich ist, wenn man seine Zeit konsequent nutzt. Und gleichzeitig bekommt man auch ein gutes Gefühl dafür, wie viel Arbeit tatsächlich hinter so einem Skript steckt.

    Spannend fand ich auch den Unterschied zwischen den Formaten und Genres. Dass dir Grusel und Horror leichter fallen als Krimi, kann ich gut nachvollziehen – beim Krimi muss ja wirklich jedes Detail sitzen, damit am Ende alles aufgeht. Umso beeindruckender, dass du beides bedienst.

    Das parallele Schreiben finde ich ebenfalls total nachvollziehbar. Gerade als „Gegenmittel“ gegen Schreibblockaden klingt das nach einer richtig guten Strategie – statt sich festzufahren, einfach die Spur wechseln.

    Und die Sache mit dem Täter, der sich während des Schreibens quasi selbst „enttarnt“ hat, ist für mich fast das Highlight. Genau solche Momente machen kreative Arbeit doch aus, wenn die Geschichte plötzlich ein Eigenleben entwickelt und einen selbst überrascht.

    Danke dir für den offenen Einblick – das macht richtig Spaß, sowas zu lesen.

  • Rechne ich drei Wochen, also 15 Mittagspausen mit je zwei Stunden (die sicher nicht durchgeschrieben werden, oder?), dann komme ich ungefähr auch auf zwanzig Stunden Schreibzeit je Skript. 🙂

    http::olis-weite-welt-des-wahns-blogspot.com

    Es war mit Sicherheit nicht richtig - doch es war einzig und nicht artig!

  • Tolkien  Schamane

    Wie frei könnt ihr euch kreativ bei euren Skripten entfalten – oder sind die Vorgaben eher eng gesteckt?

    Mich würde da wirklich interessieren, wie groß euer Spielraum ist. Habt ihr die Möglichkeit, eure Geschichten, Figuren und Wendungen weitgehend frei zu entwickeln, oder arbeitet ihr eher innerhalb klarer Leitplanken, was Tonalität, Dramaturgie oder bestimmte Inhalte angeht?

    Gerade bei Serienformaten stelle ich mir das spannend vor: Gibt es feste Vorgaben, an die ihr euch halten müsst – zum Beispiel bei wiederkehrenden Figuren, Schauplätzen oder bestimmten Abläufen? Oder könnt ihr auch mal bewusst ausbrechen und eigene Akzente setzen?

    Und wie fühlt sich das für euch an? Ist es eher angenehm, einen Rahmen zu haben, in dem man sich bewegt, oder reizt euch gerade die völlige kreative Freiheit mehr?

    Ich glaube, genau dieser Blick auf den kreativen Spielraum macht nochmal deutlich, wie unterschiedlich Schreiben im Auftragskontext sein kann – und wie viel von euch persönlich am Ende trotzdem in jeder Geschichte steckt.

  • Der Thread kommt, glaube ich, auch in Verbindung mit der Anfrage, sich auch noch einmal vorzustellen... was ich hiermit gerne mache.
    Hauptberuflich als Musiker/Composer/Audiodesign für kommerzielle Produktionen in Film/Funk/TV tätig, ist die Hörspielproduktion für mich ein willkommener Ausgleich zum manchmal stressigen Alltag.
    Ich vertreibe meine Hörspiele zwar nicht kommerziell- alleine schon weil dies nicht auch noch eine berufliche Belastung sein solle, aber nicht weniger kommen in den Hörspielen die gleichen technischen Standards wie in kommerziellen Audioproduktionen cineastischer Natur zum Einsatz.

    Die Hörspielproduktionen umfassen das Schreiben der Geschichten, das Skripten als Dialogbuch, das Sounddesign (Technik&Foleys), die Musikkomposition, das Projektmanagement, Remote-Regie, als ich auch hin und wieder selbst als Sprecher involviert bin, sowie die Gesamtproduktion im Cut und Mixing aus (m)einer Hand.

    So wie viele Musiker, denke auch ich meine Musik in Bildern und Geschichten- und so ist es dann oft auch die Musik, die mir als Grundlage dafür dient, eine Geschichte für ein Hörspiel zu schreiben.
    ("Das ist ein schön albernes Westernstück, aha, dazu fällt mir eine absurd alberne SciFi-Westerngeschichte ein... Aliens machen sich auf eine 75.000 jährige Reise auf/Cryo-Kammern werden aus Versehen mit Leberwurst befüllt/Zwei restlich verbliebene Aliens landen zur falschen Zeit am falschen Ort und werden vom alten Cowboy Bill erschossen, weil er die Besucher für Pferdediebe hält"... so in etwa erzählt mir meine Musik meine Geschichten, wie hier in der Kurzerzählung zu "Lie True- Wahre Ungeschichten".)

    Für klassische 45-60er Minüter, brauche ich zumeist eine Woche für Exposé, Plot und Dialogbuch+Regievorgaben, da die Hörspiele i.d.R. Remote produziert werden.
    Das Denken in musikalischen Kompositionsstrukturen (Arrangement), hilft mir dabei ungemein, ein Hörspiel relativ zügig in einer 3.Akt Struktur durch zu plotten und eine "innere Timeline" insofern mitläuft, zu wissen, dass ich z.B. mit der Exposition Minute 10 erreicht habe und bezüglich Spannungsbögen, das erste Hindernis zu erfolgen hat.
    Es gibt spezielle Skript Software/Screenwriting wie z.B. "Fade-In", die das Skripten/Plotten/Arrangieren auf einer Timeline sichtbar und planbar machen, welche ich allerdings nicht benutze, da sich mit der Zeit auch einfach das Gespür durch jene "innere Timeline" entwickelt hat.
    Dennoch mache ich mir natürlich immer kontrollierende Gedanken bezüglich des zeitlichen Ablaufs einer Dreiakt-Geschichte und meine Dramaturgiemarken im Skript setze und ggfls. den Rotstift ansetze, wenn die Akte zu unausgewogen werden oder Twists zu lange auf sich warten lassen.

    Natürlich verwerfe ich auch Skripte wieder... und zwar dann, wenn die Geschichte sich partout nicht mehr weiter schreiben lässt, bzw. der Reiz der Geschichte mitten im Skript verfliegt, was hin und wieder vorkommt.
    Natürlich komme ich wie jeder andere Autor auch an jene Punkte, in welcher etwaige Logikfragen noch einmal unter die Lupe genommen werden.
    Sofern ich merke, dass die Geschichte zunehmend "windend hingebogen" werden muss, anstatt sich plausibel fortführen lässt, wandert eine Story in den Papierkorb- und wird dort auch nicht mehr rausgeholt.
    Ich habe an mich auch nicht den Anspruch (und möchte diesen nicht haben), ein komplex literarisches Meisterwerk zu schaffen, sondern in ca. 45 Minuten eine kurzweilige Unterhaltung zu bieten, von der man nebenbei auf den Weg von A nach B oder als Snack für Zwischendurch, berieseln lassen kann.

    Alle meine Hörspiele bekommen meine eigene Musik zugeschnitten und auch die Foleys, stammen größtenteils von mir selbst.
    (Beziehungsweise liegt der Anteil eigener Foleys und lizenzierter Libs aus der Filmproduktion zu 75:25).
    Ich mache nur noch selten explizite Foleys zu einem Hörspiel, da ich mir über die Jahre ein eigenes Archiv mit allen wichtigsten Geräuschen des täglichen Gebrauchs zusammenstellte.
    Bei Star Wars hingegen, war dies wiederum eine ganz andere Sache, da ich eigene Sounds erstellen musste (Soundalikes), die den Originalen möglichst nahe kommen, aber nicht 1:1 ähnlich klingen durften, da ansonsten schnell der Vorwurf im Raum gelegen hätte, originalen Content zu verwenden.
    An anderer Stelle hatte ich es schon einmal erwähnt, dass ich für z.B. den Wookie Horrkon, in eine leere Getränkedose gegrölt und gegrunzt habe, um diese typischen resonanten Wookie-Laute zu erzeugen, was besser als mit jedweder Software geklappt hatte.

    Zumeist benötige ich, wenn alle erforderlichen Takes eingetrudelt sind und ich loslegen kann, für einen klassischen 45er ca. 8-12 Arbeitstage, vom ersten Cut im Dialog, über musikalische Leitmotive und Moods, Sounddesign bis hin zur Release fertigen Abmischung als Binaural/3D-Audio/klassisch Stereo. (Bei Star Wars waren das ca. 3 Monate Produktionszeit)
    Parallel dazu, wirke ich auch noch oft in irgendeiner anderen Form als z.B. Sprecher, Musiker oder technische Unterstützung in anderen Hörspielen mit.

    Da mein Tag wie Berufsleben sehr strukturiert und getaktet ist, aber zwischendurch auch immer wieder Freizeit habe, fühle ich mich hin und wieder etwas unausgelastet, weswegen ich immer irgendetwas fummeln muss und gerne zu tun habe möchte, wenn es mir mein Terminkalender erlaubt.
    Daher verbringe ich auch wenig Zeit mit TV-Serien etc. (Ausnahme sind zu erwartend spannende Fußballübertragungen) und ich fast schon einer Sucht ähnlich (da in ansonsten mit Entzugserscheinungen unruhig werde), gerne kreativ und produktiv beschäftigt bin.

    +Jeder Tag mehr ist auch ein Tag weniger-

    Edited once, last by Soundjob (April 18, 2026 at 5:48 PM).

  • Soundjob

    Das ist wirklich eine beeindruckende Arbeitsweise, die du da beschreibst – vor allem diese komplette Eigenständigkeit, mit der du deine Hörspiele umsetzt. Dass bei dir von der ersten Idee bis zur finalen Mischung alles aus einer Hand kommt, merkt man sofort daran, wie geschlossen und durchdacht das Ganze wirkt.

    Besonders hängen geblieben ist bei mir dein Zugang über die Musik. Dass Geschichten bei dir quasi aus Klängen entstehen, finde ich unglaublich spannend. Diese Verbindung von Sound und Narration – gerade auch mit diesen herrlich schrägen Einfällen wie deinem SciFi-Western – zeigt, wie organisch sich bei dir beides miteinander verzahnt. Das ist kein „erst Text, dann Ton“, sondern ein Gesamtbild, das gleichzeitig wächst.

    Auch dein Umgang mit Dramaturgie hat mir gefallen. Diese innere Timeline, die einfach mitläuft, ohne dass du sie künstlich sichtbar machen musst – das klingt nach viel Erfahrung und einem sehr guten Gefühl für Rhythmus und Spannung. Dass du trotzdem bereit bist, konsequent den Rotstift anzusetzen oder eine Idee komplett zu verwerfen, wenn sie sich nicht mehr trägt, spricht für einen sehr klaren Anspruch an dich selbst.

    Und dann dieser handwerkliche Teil – gerade die Sache mit den eigenen Foleys. Das ist genau die Art von Detailverliebtheit, die man am Ende hört. Diese Wookie-Geschichte mit der Getränkedose ist da fast schon sinnbildlich für deinen Ansatz: lieber kreativ selbst lösen als auf Standardlösungen zurückgreifen.

    Was ich ebenfalls stark finde, ist deine Haltung zur Hörspielproduktion insgesamt. Dieser Gedanke, bewusst keinen zusätzlichen kommerziellen Druck aufzubauen, sondern sich die kreative Freiheit zu bewahren – das merkt man deinen Ausführungen einfach an. Da steht der Spaß am Erzählen und Gestalten ganz klar im Vordergrund, ohne dass die Qualität darunter leidet – im Gegenteil.

    Und ganz ehrlich: Diese „ich muss ständig irgendwas machen“-Mentalität kenne ich vom Gefühl her. Gerade dieses permanente kreative Arbeiten, weil es sich einfach richtig anfühlt – das ist Fluch und Segen zugleich.

    Danke dir auf jeden Fall für diesen tiefen Einblick – das war nicht nur informativ, sondern auch einfach inspirierend zu lesen.

  • Ich habe tatsächlich wenig kreative Einengung in meinen Geschichten. Klar, das sollte schon irgendwie in das Muster der Hörspielreihe passen, so sind die Insel-Krimis vom Grundtenor ja eher amüsant, während es bei den Küsten-Krimis ja etwas düsterer zugehen kann.

    Bei Dreamland sind es im Gruselrahmen ja "Good Feeling" Hörspiele, bei den Horror Tales, Holy Horror oder den Geister-Schockern kann es auch schonmal etwas härter zugehen. Das berücksichtige ich natürlich.

    Aber insgesamt gibt es wenig Vorgaben, die es zu beachten gilt.

  • Also, ich habe letztes Jahr so 24 Hörspiele abgeschickt. Das heißt, ca. 2 Monat.

    Ich würde daher sagen, pro Hörspiel brauch ich etwa 2 Wochen. Manche Hörspiele gehen schneller, manche brauchen etwas länger.

    Mir geht es auch ähnlich wie Tolkien , dass ich an mehreren Projekten gleichzeitig sitze und immer etwas hin und her springe.

    Ansonsten auch das was Tolkien schreibt. Jede Reihe hat ihre Eigenarten, ansonsten sind wir relativ frei in unserer Kreativität und können, mehr oder weniger, schreiben was wir wollen.

  • Danke DerPoldi für die Frage und ich versuche sie gerne aus meiner Sicht zu beantworten. 😉

    Quote

    Wie lange sitzt ihr eigentlich an einem Skript?

    Zu meinen Anfangszeiten habe ich immer so 3 Tage für ein 60 Minuten-Skript gebraucht. Heute bin ich da etwas ruhiger und habe auch andere Verpflichtungen im Privatleben als damals. Ich schreibe ja auch nur nebenbei und arbeite dafür nur noch in Teilzeit, sodass ich, wenn es grob überschlagen wird, zu den 30h Brotjob in der Woche noch ca. 20-25 Stunden oben drauf für das Schreiben kommen. Da kann ich ja Mo-So dran sitzen. Da lasse ich mir pro Skript (mit 60+ Minuten) 2-4 Wochen Zeit. Das ist je nach Zeit und Intensivität. Damit meine ich, ob es ein Skript ist, wo die Details nicht so "wichtig/kompakt" sind oder ob ich wirklich alles im Kopf haben muss, um nicht jedes Mal erst von vorne zu lesen, um wieder einzusteigen. Obwohl ich mir natürlich auch manchmal Notizen nebenbei mache. Ich habe vor meinem Schreibtisch ein Whiteboard und da kritzele ich auch zwischendurch mal Begriffe, Namen oder Motive rauf, um mich an relevanten Stellen wieder daran zu erinnern.

    Quote

    Schreibt ihr eher konzentriert an einem Projekt – oder laufen bei euch mehrere Skripte parallel?

    Ich schreibe immer Skript für Skript. Wenn ich mehrere durcheinander schreiben würde, wäre das für mich eine Katastrophe. Wenn ein neues Skript ansteht, schaue ich auf mein Whiteboard, wo ich mit beschreibbaren Magneten die Projekte geordnet habe. Immer wenn ich eines fertig habe, wische ich einen Magneten frei oder füge neue hinzu, wenn neue Aufträge anstehen. Ich lasse mich also gedanklich immer auf diese eine Geschichte ein und erzähle sie für mich zu Ende. Sicherlich entwerfe ich nebenbei Ideen für andere Serien/Folgen, aber dann eher mit Stichpunkten. Ich schreibe kaum noch ganze Plots auf (wenn ich es nicht muss) und lasse mich dann von den Figuren leiten. Heißt: Ich habe immer einen gedanklichen, groben Plan für ein Skript, weiß am Ende aber selbst nie, ob es wirklich so ausgeht, wie ich es mir am Anfang vorgenommen habe. Das macht die Sache immer spannend und würde durch das Abarbeiten von mehreren Skripten sicher schwierig werden.

    Quote

    Wie viel Zeit vergeht am Ende, bis ein Skript wirklich fertig ist?

    Wie ich schrieb, mittlerweile so 2-4 Wochen. Das Schreiben ist dabei der längste Prozess. Das Vorbereiten, die Nachkontrolle bis zum Absenden ist relativ kurz. Je nach Aufwand. Die bessere Frage ist eher, wie viel Zeit vergeht, bis es vom Skript zu einem Hörspiel wird, was jeder hören kann. Da können oft mehrere Jahre zwischen liegen. Was aber als Hörer von Hörspielen wieder passend ist, denn so hab ich nicht mehr so viele Erinnerungen an die Skript-Details und kann mich von meinen eigenen Werken überraschen lassen. 😁

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    Und vielleicht ganz spannend: Verwerft ihr auch schon mal ein Skript, wenn es sich nicht richtig anfühlt?

    Direkt verworfen hab ich glaube ich so noch keines. Ich hatte ca. 3-4 Aufträge wo im Nachgang viel umgeschrieben wurde, bis es für die Labels passend war. Das ist aber oft ein "undankbarer" Akt. Kritik, Fragen oder ähnliches zu dem Skript sind ja immer gut, aber wenn es dann überhand nimmt und man schwierig auf einen Nenner kommt, dann hab ich auch schon mal im Kopf gehabt, einfach was Neues zu schreiben. Es wäre (für mich) deutlich einfacher. Das sind aber zum Glück nur minimale Erfahrungswerte, die aber auch helfen können. Wichtig ist immer im Austausch mit den Labels zu sein, was sie erwarten und was sie von mir erwarten können.

    Quote

    Verwerfen eigentlich nicht, aber ich habe ein Skript begonnen, dass schon lange halbfertig auf der Festplatte liegt, aber immer von anderen Projekten abgelöst wird, weil mir nicht das richtige einfällt dazu.

    Das kenne ich. Ich habe neben einigen Konzepten auf dem Rechner, noch 1-2 angefangene Skripte und das seit Jahren. Diese wurden auch nicht beauftragt, sondern die habe ich für mich geschrieben. Und da ein Auftrag den nächsten jagt, lagern sie irgendwie stiefmütterlich auf der Festplatte. 😅

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    Wie frei könnt ihr euch kreativ bei euren Skripten entfalten – oder sind die Vorgaben eher eng gesteckt? Mich würde da wirklich interessieren, wie groß euer Spielraum ist. Habt ihr die Möglichkeit, eure Geschichten, Figuren und Wendungen weitgehend frei zu entwickeln, oder arbeitet ihr eher innerhalb klarer Leitplanken, was Tonalität, Dramaturgie oder bestimmte Inhalte angeht?

    Ich bin frech und beantworte es mal gleich mit. 😁
    Also grundsätzlich bin ich sehr frei bei der Ideen-Findung. Es kommt ja auch mal ein Vorschlag von der Label-Seite wie "Wir bräuchten mal eine Folge mit Thematik X und Y". Dann gebe ich ein paar kurze Impulse und wenn das ok ist, kommt es auf die Projektwand. Natürlich können Ideen auch mal von Label A abgelehnt werden, doch oft findet man dann die Möglichkeit die Idee bei Label B etwas angepasst unterzubringen. Dann war die Idee nicht umsonst. (Davon hab ich noch reichlich in petto). Aber ja, ich bin bei den meisten Projekten sehr frei und das ist aber auch etwas, was durch längere Zusammenarbeit entsteht. Das Label weiß ja, wie ich an Skripte herangehe und was ich bisher so "verzapft" habe. Wenn das Vertrauen da ist, darf ich mich austoben, solange es z.B. bei Serien in das bestehende Konzept passt. Was ja auch verständlich ist. Bei Einzelfolgen kann man dafür mehr experimentieren, je nach Genre. Und gerade DAS macht unheimlich Spaß. Es muss nicht von dutzenden Redakteuren usw. abgesegnet, überarbeitet oder was auch immer werden. Richtige Auftragsarbeiten haben auch ihren Reiz, klar. Doch das freie Schreiben macht mehr mit mir und meiner Kreativität. 😍

  • Ich habe tatsächlich wenig kreative Einengung in meinen Geschichten. Klar, das sollte schon irgendwie in das Muster der Hörspielreihe passen, so sind die Insel-Krimis vom Grundtenor ja eher amüsant, während es bei den Küsten-Krimis ja etwas düsterer zugehen kann.

    Bei Dreamland sind es im Gruselrahmen ja "Good Feeling" Hörspiele, bei den Horror Tales, Holy Horror oder den Geister-Schockern kann es auch schonmal etwas härter zugehen. Das berücksichtige ich natürlich.

    Aber insgesamt gibt es wenig Vorgaben, die es zu beachten gilt.

    Was der Kollege sagt. In den letzten Hörspielen habe ich mich bei Dreamland ja immer Tom und Nina gewidmet und dabei muss ich natürlich auf einen bestimmten Tonfall in den Geschichten achten.

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    Es war mit Sicherheit nicht richtig - doch es war einzig und nicht artig!

  • Chris2710

    Das war ein richtig angenehmer Einblick – vor allem, weil man bei dir sofort merkt, wie klar du deinen eigenen Rhythmus gefunden hast. Dieses bewusste „runterfahren“ im Vergleich zu früher finde ich total nachvollziehbar. Drei Tage für ein Skript klingt erstmal nach Wahnsinnstempo, aber dass du dir heute mehr Zeit nimmst und dafür tiefer in die Details gehst, wirkt auf mich deutlich nachhaltiger.

    Dein Ansatz, wirklich nur ein Skript nach dem anderen zu schreiben, hat mich besonders abgeholt. Gerade dieses komplette Eintauchen in eine Geschichte, ohne gedanklich ständig zu springen, stelle ich mir extrem hilfreich vor. Und dass du dich dabei von deinen Figuren leiten lässt und selbst nicht immer weißt, wo es am Ende hingeht – genau das macht ja oft den Reiz aus.

    Das mit deinem Whiteboard fand ich übrigens ein schönes Detail. Diese Mischung aus Struktur und Kreativität – auf der einen Seite klare Organisation mit den Projekten, auf der anderen Seite das freie Entwickeln der Geschichte – das wirkt sehr greifbar und irgendwie auch beruhigend bodenständig.

    Richtig spannend war für mich auch dein Blick auf die Zeitspanne bis zur Veröffentlichung. Dass zwischen fertigem Skript und hörbarem Hörspiel teilweise Jahre liegen, vergisst man als Hörer total. Umso schöner eigentlich, dass du deine eigenen Geschichten dann selbst wieder mit etwas Abstand erleben kannst.

    Und beim Thema kreative Freiheit klingt bei dir eine richtig gesunde Balance durch. Einerseits klare Leitplanken durch Serien und Labels, andererseits genug Raum, um sich auszutoben – vor allem, wenn das Vertrauen gewachsen ist. Genau das scheint ja der Punkt zu sein, an dem die besten Ideen entstehen.

    Das mit den „liegengebliebenen“ eigenen Projekten kenne ich vom Gefühl her auch – gerade wenn ein Auftrag den nächsten jagt, rutschen solche Herzensideen schnell nach hinten. Aber oft sind es genau die, die irgendwann wieder spannend werden.

    Danke dir für die offenen Worte – das war nicht nur informativ, sondern auch richtig sympathisch zu lesen.

  • Also, ich habe letztes Jahr so 24 Hörspiele abgeschickt. Das heißt, ca. 2 Monat.

    Ich würde daher sagen, pro Hörspiel brauch ich etwa 2 Wochen. Manche Hörspiele gehen schneller, manche brauchen etwas länger.

    Mir geht es auch ähnlich wie Tolkien , dass ich an mehreren Projekten gleichzeitig sitze und immer etwas hin und her springe.

    Ansonsten auch das was Tolkien schreibt. Jede Reihe hat ihre Eigenarten, ansonsten sind wir relativ frei in unserer Kreativität und können, mehr oder weniger, schreiben was wir wollen.

    Tobi Jawtusch

    Das ist schon eine beeindruckende Schlagzahl – 24 Hörspiele in einem Jahr, das muss man erstmal so konstant hinbekommen. Diese zwei Wochen pro Skript wirken dabei fast schon wie ein eingespielter Rhythmus, gerade wenn man bedenkt, dass manche Stoffe ja doch mehr Zeit und Feinarbeit verlangen als andere.

    Dass du – ähnlich wie Tolkien – parallel an mehreren Projekten arbeitest, kann ich gut nachvollziehen. Dieses Hin- und Herspringen hat ja auch etwas Befreiendes, weil man sich nicht festfährt und immer irgendwo weiterkommt, wenn es an einer Stelle gerade hakt.

    Spannend finde ich auch, wie sich das Bild bei euch allen so langsam ergänzt: Jede Reihe bringt ihre eigenen Regeln mit, aber innerhalb dieses Rahmens scheint ihr doch ziemlich frei zu sein. Genau diese Mischung aus Vorgaben und kreativer Freiheit klingt für mich nach dem idealen Boden, auf dem gute Geschichten entstehen können.

    Danke dir für den Einblick – gerade diese unterschiedlichen Arbeitsweisen nebeneinander machen das Ganze hier echt interessant.

  • Ich habe tatsächlich wenig kreative Einengung in meinen Geschichten. Klar, das sollte schon irgendwie in das Muster der Hörspielreihe passen, so sind die Insel-Krimis vom Grundtenor ja eher amüsant, während es bei den Küsten-Krimis ja etwas düsterer zugehen kann.

    Bei Dreamland sind es im Gruselrahmen ja "Good Feeling" Hörspiele, bei den Horror Tales, Holy Horror oder den Geister-Schockern kann es auch schonmal etwas härter zugehen. Das berücksichtige ich natürlich.

    Aber insgesamt gibt es wenig Vorgaben, die es zu beachten gilt.

    Tolkien

    Das klingt für mich nach genau der Art von Freiheit, die man sich als Autor wünscht – ein klarer Rahmen, aber innerhalb dessen genug Platz, um sich wirklich auszuleben. Gerade diese unterschiedlichen „Tonlagen“ der Reihen, die du beschreibst, finde ich spannend. Dass man je nach Serie sofort weiß, in welche Richtung es gehen darf oder soll, ohne dass einem dabei die Ideen beschnitten werden.

    Ich glaube, genau dieser feine Unterschied macht’s: Es ist keine Einschränkung, sondern eher eine Art Leitlinie, die der Geschichte eine gewisse Identität gibt. Und wenn man das einmal verinnerlicht hat, kann man sich darin ja fast schon intuitiv bewegen.

    Besonders interessant finde ich den Wechsel zwischen eher „Good Feeling“ im Gruselbereich und den härteren Tönen bei anderen Formaten. Das zeigt ja auch, wie vielseitig du unterwegs bist und wie unterschiedlich man Spannung und Atmosphäre aufbauen kann, je nachdem, was die Reihe verlangt.

    Unterm Strich wirkt das bei dir nach einer sehr gesunden Balance – genug Orientierung, um den Ton zu treffen, aber gleichzeitig so viel Freiheit, dass die eigene Handschrift nicht verloren geht. Genau das hört man am Ende dann auch.

  • Quote

    Gibt es eine Szene oder ein Skript, auf das ihr besonders stolz seid – und was macht es für euch so besonders?

    Stolz bin ich auf alle meine Werke, meist ist DAS, was gerade erschienen ist, immer wieder im Fokus und man denkt "Das ist richtig gut", bis dann das nächste Hörspiel erscheint und man wieder denkt "Das ist richtig gut". :D Besonders stolz bin ich in Bezug Hörspiel auf eine Sache, über die ich aber noch lange Zeit nicht sprechen darf. Aber wenn man den Spiegel vorhält, gibt es auch Skripte, wo ich nachträglich etwas ändern würde. Es ist nie so, dass ich unzufrieden bin, aber manchmal denke ich dann "Ich hätte noch dies und das zufügen oder abändern können". Ich vermute aber, dass es vielen Leuten so geht.

    Quote

    Wie wichtig ist euch Feedback und beeinflusst es eure weitere Arbeit?

    Feedback ist IMMER wichtig und ich wünschte fast, es wäre mehr. Früher war es durch die vielen Foren doch noch anders, um in den Austausch zu kommen, heute freue ich mich über Beitrage in den Foren oder Kommentare bei Social Media. Und ja, manches Feedback beeinflusst mich auch, denn nur so kann ich auch an meiner Arbeit wachsen. Gemeinheiten ignoriere ich, aber wenn etwas hinterfragt wird, schaue ich schon genauer, ob und wie da etwas dran ist und verändert werden kann. Außerdem sind Diskussionen/Gespräche immer Bestandteil meiner Arbeit. Als Beispiel habe ich u.a. schöne Gespräche mit Elga Schütz von den "3 Senioren" gehabt, die auch Ideen, Wünsche oder Spekulationen für ihre Figur geäußert hat. Oder halt Themen, die sie als wichtig in der heutigen zeit empfindet. Und wenn es passt, baue ich dies gezielt in die Handlungen ein. Es ist dabei nie ein "Das muss jetzt rein", sondern die Kunst ist die Zwischentöne der Gespräche wahr zunehmen und dann zu filtern. Ich würde von mir selbst behaupten, dass ich vom Grundwesen her eher zurückhaltend bin, aber eben gut zuhören kann. Ich habe aber auch schon negative Erfahrungen aus der Hörspielwelt (Foren, Labels, Personen, User usw.) entfernt/abgewandelt aufgegriffen, ohne es natürlich so explizit zu nennen. Einfach weil es gerade in die Handlung passte.

    Quote

    Habt ihr bestimmte Auslöser für neue Ideen, wie zum Beispiel Musik, Bilder oder Alltagssituationen?

    Es kann bei mir alles sein. Ein Bild, ein Lied, ein gehörtes Gespräch im Bus, eine Bemerkung im Fernsehen oder eigene Erinnerungen/Erlebnisse. Das alles beeinflusst mich in meiner Ideen-Findung. :)

  • Hallo DerPoldi, ich hätte mal eine Frage an Dich, ist wirklich nicht böse gemeint (!), beschäftigt mich nur gerade, da ich Deine Worte lese, aber kann es sein, dass Du manche Deiner Posts von einer KI erstellen lässt?

    Die Reaktionen auf die Beiträge der Hörspielautoren lesen sich so, wenigstens in weiten Teilen (oder habe nur ich diesen Eindruck?): dieses Aufnehmen der einzelnen Punkte plus positiver Hervorhebung der Vorteile dessen usw. Klingt schon alles sehr danach.

    Außerdem werden die wortreichen Reaktionen ja beinahe im Minutentakt gepostet (teilweise 1-2 Minuten). Das wäre schon ein beeindruckendes Pensum für einen normalen User.

    Wie gesagt, nicht als Angriff gemeint, aber mir war nicht bewusst, dass es so etwas mittlerweile auch gibt - so es denn so ist, wie es scheint...

    Ist das heutzutage gängig (und ich habe mal wieder einen Trend verschlafen)?

    Ansonsten aber ein interessantes Thema. Mich würden vor allem auch mal die Arbeitsweisen von Martin Seebeck und AliBaba interessieren...

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