Sherlock Holmes: Baker Street - 2. Das Porzellanzimmer
Wenige Wochen nach ihrem ersten gemeinsamen Fall wird Watson mit einem persönlichen Schicksalsschlag konfrontiert: Sein Mentor Dr. Vale stirbt unter mysteriösen Umständen auf Marwood Manor. Alles deutet auf Gift hin. Während Holmes anderweitig gebunden ist, reist Watson allein an und gerät dort in ein Netz aus Geheimnissen, seltsamen Ritualen und einer Atmosphäre, die von Anfang an Unheil ankündigt. Was er im sogenannten Porzellanzimmer erlebt, bringt ihn in unmittelbare Lebensgefahr.
Nach dem starken Auftakt war ich ehrlich gesagt gespannt, ob die Reihe dieses Niveau halten kann. Gerade weil man bei neuen Holmes-Serien oft erlebt, dass der Einstieg überzeugt, danach aber schnell Routine einkehrt. Hier war das Gefühl aber ein anderes. Schon früh merkt man, dass die Folge ihren eigenen Weg geht und sich nicht einfach auf bekannten Strukturen ausruht. Vor allem die Entscheidung, Watson stärker in den Mittelpunkt zu stellen, gibt dem Ganzen direkt eine andere Dynamik.
Die Geschichte lebt stark von ihrer dichten, fast schon unangenehmen Atmosphäre. Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, zieht sich durch die gesamte Folge. Das beginnt schon mit Watsons Ankunft und wird im Verlauf immer intensiver. Besonders gelungen ist, wie das Mysteriöse aufgebaut wird. Vieles bleibt zunächst unklar, wirkt seltsam und schwer greifbar. Genau das sorgt dafür, dass man dranbleibt. Die Folge nimmt sich Zeit, diese Stimmung zu entwickeln, ohne dabei ins Beliebige abzurutschen. Im Gegensatz zur ersten Folge wirkt hier alles kompakter und zielgerichteter. Die Handlung bleibt übersichtlich, ohne simpel zu sein. Und auch die Auflösung funktioniert gut, weil sie nicht einfach aus dem Nichts kommt, sondern sich logisch aus dem vorher Erzählten ergibt. Was mir besonders gefallen hat: Die Geschichte fühlt sich tatsächlich wieder mehr nach klassischem Doyle an, ohne altmodisch zu wirken. Diese Mischung ist nicht leicht hinzubekommen, gelingt hier aber erstaunlich gut.
Torben Liebrecht und Jonas Minthe funktionieren als Holmes und Watson weiterhin hervorragend zusammen. Gerade Watson bekommt hier mehr Raum, was der Figur spürbar guttut. Carla Becker, Leoni Kristin Oeffinger und Wolfgang Häntsch sorgen für starke Nebenrollen, während Kai-Henrik Möller und Robin Brosch zusätzliche Akzente setzen. Oliver Warsitz rundet das Ensemble stimmig ab. Insgesamt wieder eine sehr passende Besetzung, die die Atmosphäre der Folge optimal trägt.
Auch technisch bleibt die Serie auf hohem Niveau. Die Klanggestaltung ist detailreich, die Musik unterstützt die unheimliche Stimmung sehr gezielt. Besonders in den ruhigeren Szenen entfaltet sich eine dichte Atmosphäre, die einen wirklich reinzieht.
Das Cover wirkt im Vergleich zur Qualität des Hörspiels fast etwas zurückhaltend. Es transportiert zwar die düstere Grundstimmung, spiegelt für mich aber nicht ganz die Intensität wider, die die Folge inhaltlich bietet.
„Das Porzellanzimmer“ bestätigt den starken Eindruck des Auftakts und legt für mich sogar noch einen drauf. Die Geschichte ist dichter, atmosphärischer und wirkt insgesamt runder. Eine Folge, die zeigt, dass die Reihe nicht nur von der Vorlage lebt, sondern auch mit eigenen Ideen überzeugen kann. Für mich bisher ein echtes Highlight und genau die Richtung, die ich mir von einer neuen Holmes-Serie wünsche.