Sherlock Holmes: Baker Street - 1. Eine Studie in Scharlachrot

  • Sherlock Holmes: Baker Street - 1.Eine Studie in Scharlachrot

    London im Jahr 1881. Dr. John H. Watson kehrt aus Afghanistan zurück und trifft auf den eigenwilligen Sherlock Holmes. Gemeinsam beziehen sie die berühmte Wohnung in der Baker Street – und geraten schon kurz darauf in ihren ersten Fall. In einem verlassenen Haus wird eine Leiche gefunden, daneben ein rätselhaftes Wort an der Wand. Scotland Yard steht vor einem Rätsel und bittet Holmes um Unterstützung. Was zunächst wie ein klassischer Mordfall wirkt, entwickelt sich schnell zu einer vielschichtigen Geschichte mit überraschenden Hintergründen.

    Noch eine Vertonung von „Eine Studie in Scharlachrot“ – genau das war mein erster Gedanke. Der Stoff ist nun wirklich oft genug umgesetzt worden, und die Erwartungshaltung ist entsprechend vorsichtig. Umso überraschender ist, wie frisch sich das Ganze dann anfühlt. Man merkt schnell, dass hier nicht einfach nur eine weitere Version heruntererzählt wird, sondern dass sich jemand wirklich Gedanken gemacht hat, wie man diesen bekannten Stoff neu präsentieren kann.

    Die Folge nimmt sich sehr viel Zeit für ihre Geschichte – und das im positiven wie im leicht kritischen Sinne. Die Handlung wird ausführlich aufgebaut, die Figuren bekommen Raum, und gerade die Begegnung zwischen Holmes und Watson wirkt angenehm natürlich und unaufgeregt. Besonders gelungen ist, dass die beiden nicht überzeichnet werden. Sie wirken greifbarer, menschlicher, ohne dabei ihre typischen Eigenschaften zu verlieren. Das sorgt dafür, dass man sich deutlich näher an den Figuren fühlt als in manch anderer Umsetzung. Die Struktur mit den verschiedenen Zeitebenen ist sauber umgesetzt und sorgt für Abwechslung, ohne verwirrend zu werden. Gleichzeitig verlangt die Folge aber auch Aufmerksamkeit. Das ist kein Hörspiel, das man einfach nebenbei laufen lässt. Dafür ist die Erzählweise zu detailliert und die Laufzeit schlicht zu umfangreich. Und genau da liegt auch der kleine Kritikpunkt: An einigen Stellen hätte man durchaus straffen können. Nicht alles, was erzählt wird, ist zwingend notwendig, und gelegentlich verliert die Geschichte etwas an Tempo. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck sehr stark, weil die Inszenierung durchgehend hochwertig und durchdacht wirkt.

    Torben Liebrecht als Sherlock Holmes ist für mich ein echter Glücksgriff. Er bringt genau die richtige Mischung aus Intelligenz, Eigenwilligkeit und Ruhe mit. Jonas Minthe als Watson passt hervorragend dazu und bildet ein sehr stimmiges Gegenstück. Christian Gaul, Santiago Ziesmer und Michael Bideller ergänzen das Ensemble ebenso überzeugend wie Gerlinde Dillge, Jürgen Holdorf und Karin Rasenack. Auch die weiteren Rollen – von Piet Rose über Enna Rose bis hin zu Frank Felicetti und Konstantin Graudus – sind durchweg passend besetzt. Insgesamt eine Besetzung, die sich sehr homogen anfühlt und der man jederzeit gerne zuhört.

    Die technische Umsetzung ist auf einem sehr hohen Niveau. Musik, Geräusche und Übergänge greifen perfekt ineinander und schaffen eine dichte, fast schon filmische Atmosphäre. Gerade die musikalische Untermalung fällt positiv auf. Sie unterstützt die Szenen, ohne sich aufzudrängen, und sorgt dafür, dass die Geschichte durchgehend getragen wird.

    Das Cover ist schlicht, aber wirkungsvoll. Die reduzierte Darstellung passt gut zur klassischen Vorlage und setzt einen klaren, stilvollen Ton für die Reihe. Sehr passend gewählt.

    „Eine Studie in Scharlachrot“ ist ein starker Auftakt, der zeigt, wie man einen oft erzählten Stoff neu und interessant aufbereiten kann. Die Inszenierung ist hochwertig, die Sprecher sind hervorragend gewählt, und die Atmosphäre stimmt durchgehend. Ein kleiner Abzug bleibt für die teilweise etwas zu lange Erzählweise, die das Tempo gelegentlich ausbremst. Trotzdem überwiegt klar der positive Eindruck. Eine sehr gelungene Umsetzung, die Lust auf mehr macht.

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