Der Super Mario Galaxy Film
Schon nach den ersten Minuten hatte ich das Gefühl, dass dieser Film gar nicht erst versucht, etwas anderes zu sein als eine große, grelle, extrem liebevolle Verbeugung vor allem, was Mario über Jahrzehnte ausgemacht hat. Und genau darin liegt für mich seine größte Stärke. The Super Mario Bros. Movie wirft einen mit so viel Tempo, Farbe und Wiedererkennungswert in diese Welt, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Ich war sofort drin – und gleichzeitig hatte ich die ganze Zeit dieses leise Gefühl im Hinterkopf: Das macht Spaß, aber es bleibt irgendwie an der Oberfläche.
Visuell ist das Ganze wirklich beeindruckend. Diese Welt ist so detailverliebt gebaut, dass man ständig etwas entdeckt. Jede Szene wirkt, als hätte man sich ganz bewusst gefragt, wie sich ein Mario-Spiel anfühlt – und genau das dann in Bilder übersetzt. Die Farben knallen, die Bewegung ist ständig da, alles ist in Fluss. Es gibt kaum einen Moment, in dem der Film zur Ruhe kommt. Und genau das sorgt dafür, dass er einen regelrecht mitzieht. Ich hatte nie das Gefühl von Langeweile, eher das Gegenteil: Es geht fast schon zu schnell.
Und dann ist da Bowser. Für mich ganz klar die Figur, die am meisten hängen bleibt. Jack Black bringt da eine Energie rein, die dem Film richtig gut tut. Diese Mischung aus Größenwahn, Humor und völlig überzogener Selbstinszenierung – das ist genau die Art von Figur, die man hier braucht. Immer wenn Bowser auftaucht, hat der Film plötzlich eine ganz eigene Dynamik. Da entsteht etwas, das über reinen Fanservice hinausgeht.
Mario selbst ist sympathisch, keine Frage. Aber er bleibt für mein Gefühl eher eine Funktion als eine wirklich greifbare Figur. Man folgt ihm gern, man nimmt ihm seine Motivation ab, aber man kommt ihm nicht wirklich näher. Das gilt im Grunde auch für die meisten anderen Figuren. Sie sind da, sie funktionieren innerhalb der Handlung, aber sie entwickeln sich kaum. Beziehungen werden eher vorausgesetzt als wirklich erzählt. Und genau da beginnt für mich das eigentliche Problem.
Die Geschichte ist einfach sehr dünn. Sie erfüllt ihren Zweck, bringt die Figuren von A nach B, liefert die passenden Situationen für Action und Humor – aber sie hat kaum Gewicht. Es gibt fast keine Momente, in denen der Film innehält und seinen Figuren Raum gibt. Alles ist auf Tempo ausgelegt. Szene folgt auf Szene, Idee auf Idee, und bevor man überhaupt darüber nachdenken kann, ist man schon beim nächsten Schauplatz.
Während ich den Film gesehen habe, hat mich das erstaunlich wenig gestört. Im Gegenteil – ich war gut unterhalten. Aber je länger ich danach darüber nachgedacht habe, desto mehr ist mir aufgefallen, wie wenig wirklich hängen bleibt. Es sind eher Eindrücke als echte Erinnerungen. Bilder, Sounds, Momente – aber kaum etwas, das emotional nachwirkt.
Und genau da liegt für mich dieser spannende Widerspruch. Der Film funktioniert hervorragend als Erlebnis. Er weiß genau, welche Knöpfe er drücken muss. Die Nostalgie sitzt, die Welt fühlt sich vertraut an, die Inszenierung ist auf Spaß ausgelegt – und das geht auf. Aber als Film im klassischen Sinne fehlt ihm etwas. Tiefe, Gewicht, vielleicht auch ein bisschen Mut, mehr zu erzählen als nur das Offensichtliche.
Ich hatte oft das Gefühl, dass man sich bewusst dagegen entschieden hat, mehr daraus zu machen. Nicht, weil man es nicht könnte, sondern weil man es nicht wollte. Stattdessen setzt der Film konsequent auf das, was sicher funktioniert: Tempo, Humor, Wiedererkennung. Und ja – das trägt ihn ziemlich weit.
Am Ende bleibe ich mit einem insgesamt positiven Eindruck zurück, aber eben auch mit einer gewissen Ernüchterung. Ich mochte das alles, ich habe mich gut unterhalten gefühlt, ich habe vieles daran wirklich genossen. Aber ich habe auch gemerkt, dass da mehr möglich gewesen wäre.
Es ist kein Film, der mich wirklich gepackt hat. Aber es ist einer, der mich für seine Laufzeit sehr gut mitgenommen hat. Und vielleicht ist genau das sein Kern: Er will kein großer Animationsfilm sein. Er will ein Mario-Film sein.
Und das ist er.