Ghostly Tales & Creepy Stories - 12. Das Ding im Eis
In einer abgelegenen Wetterstation in der Arktis kommt es zu einem grausamen Mord. Die kleine Gruppe von Wissenschaftlern ist von der Außenwelt abgeschnitten, und schnell stellt sich die Frage, ob einer von ihnen selbst für die Tat verantwortlich ist. Gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass sich etwas Unbekanntes im Eis befindet. Während die Situation zunehmend eskaliert, wächst das Misstrauen innerhalb des Teams – und die Bedrohung scheint näher zu kommen.
Das Setting funktioniert auf den ersten Blick sofort. Eine Forschungsstation im ewigen Eis bringt automatisch eine dichte, abgeschottete Atmosphäre mit sich. Isolation, Kälte und eine kleine Gruppe von Menschen auf engem Raum – das ist eigentlich eine sehr dankbare Grundlage für eine spannende Geschichte. Allerdings merkt man recht schnell, dass man sich hier auf Motive verlässt, die man in ähnlicher Form schon oft gehört hat. Gerade im Horrorbereich ist dieses Szenario nichts Neues, und genau das nimmt der Folge ein Stück weit ihre Eigenständigkeit.
Die Handlung ist relativ klassisch aufgebaut. Ein abgelegener Ort, ein Mord, Misstrauen innerhalb der Gruppe und die mögliche Bedrohung durch etwas Übernatürliches. Das funktioniert grundsätzlich, wirkt aber über weite Strecken recht vertraut. Was mir dabei etwas gefehlt hat, ist die Dynamik zwischen den Figuren. Die Gruppe bleibt insgesamt recht blass, wodurch die Geschichte weniger Spannung aufbauen kann, als sie eigentlich könnte. Gerade bei einem solchen Setting lebt vieles davon, wie die Charaktere miteinander umgehen und wie sich die Situation zuspitzt. Das kommt hier nur bedingt zur Geltung. Hinzu kommt, dass sich früh erahnen lässt, in welche Richtung die Geschichte geht. Große Überraschungen bleiben aus, und auch die Auflösung bewegt sich eher im erwartbaren Rahmen. Das Ende ist zwar ordentlich umgesetzt, sorgt aber nicht für einen wirklichen Aha-Moment. Auf der anderen Seite hat die Folge auch ihre Stärken. Sie ist einfach gehalten, klar strukturiert und lässt sich gut hören. Gerade diese unkomplizierte Herangehensweise kann auch ihren Reiz haben, weil die Geschichte nicht unnötig verkompliziert wird.
Die Sprecher liefern eine solide Leistung ab. Dietmar Wunder, Berenice Weichert, Frank Schaff, Wanja Gerick und Hans Bayer sorgen dafür, dass die Figuren verständlich und klar transportiert werden. Auch wenn die Charaktere selbst nicht allzu viel Tiefe bekommen, tragen die Stimmen dazu bei, dass die Geschichte durchgehend gut hörbar bleibt.
Die technische Umsetzung ist stimmig. Geräusche und Musik unterstützen die kalte, unwirtliche Umgebung sehr gut und sorgen für eine passende Grundstimmung. Gerade die ruhigen Passagen profitieren von der Klanggestaltung, weil sie die Isolation und die Kälte spürbar machen.
Das Cover passt sehr gut zur Folge und nimmt das zentrale Motiv direkt vorweg. Die Darstellung ist atmosphärisch dicht und vermittelt sofort den Eindruck, in welche Richtung die Geschichte geht. Gleichzeitig verrät es aber auch schon recht viel, sodass die Überraschung beim Hören etwas geringer ausfällt.
„Das Ding im Eis“ ist eine Folge, die solide funktioniert, aber wenig Neues bietet. Das Setting ist stark, wird aber inhaltlich nicht vollständig ausgeschöpft. Vieles wirkt vertraut und vorhersehbar, ohne dabei schlecht umgesetzt zu sein. Für mich gehört diese Episode eher zu den schwächeren der Reihe, auch wenn sie durch ihre einfache, geradlinige Erzählweise durchaus ihren eigenen Reiz hat. Wer genau diese Art von klassischem, unkompliziertem Gruselhörspiel mag, wird hier dennoch auf seine Kosten kommen.