Christoph's Hörspiel-Garten - Kommentare & Bewertungen querbeet

  • Hallo liebe Freunde! 🤗

    In diesem Thread möchte ich Bewertungen zum Besten geben, welche ich schon vor langer Zeit mal geschrieben habe... und die zum Teil auch bereits an anderer Stelle veröffentlicht wurden.

    Dieses Schreiben war mir immer sehr wichtig... und so kam ich auf die Idee, die Texte auch hier einmal zu präsentieren.

    Hierbei geht es vorrangig um Texte der Hörspiele:

    »Die Gruselserie von H.G. Francis«

    »Die drei ???«

    »Ein Fall für TKKG«

    Aber auch viele Einzelhörspiele wurden bedacht.

    Wichtig war mir vor allem immer, dass dies nicht bierernst vonstatten geht, immer eine gehörige Portion Humor mit an Bord ist... und bitte nicht immer alles 100%-ig für bare Münze genommen werden sollte.

    Viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln.

    Es geht bald los...

    LG Christoph 😉

  • Das klingt nach einem wirklich interessanten Ansatz – gerade weil Humor im Hörspielkontext ja oft zu kurz kommt oder sehr ernst diskutiert wird. Bewertungen mit Augenzwinkern und bewusst nicht bierernst zu schreiben, hat einen großen Reiz. Das nimmt den Druck raus und eröffnet oft nochmal ganz andere Perspektiven auf bekannte Stoffe.

    Mich würde sehr interessieren, wie du das konkret umsetzt. Gibt es irgendwo schon Beispiele oder veröffentlichte Texte von dir, in die man mal reinlesen kann? Das würde ich mir gern anschauen – am besten gleich mehrere, wenn es welche gibt. 😊

  • Guten Morgen Poldi!

    Es freut mich, dass es auf Interesse stößt.

    Ja, meine Texte sind nahezu alle auf http://www.claudius-brac.de veröffentlicht.

    Hier kannst Du gerne schon mal reinschauen...

    ... allerdings frage ich mich - Du hattest Dich ja ähnliches gefragt - ob ich sie vollkommen unverändert lasse.

    Einiges hat Bezug zu anderen Themen der Seite, anderes würde ich vielleicht heute auch nicht mehr so schreiben.

    Wie gesagt, Humor war mir immer wichtig... und ich hoffe, dass vor allem aufgrund dessen meine Texte nicht zerrissen werden.

    Es sind auch weniger Bewertungen, eher Kommentare mit einer abschließenden Bewertung...

    ... und sehr, sehr oft lag ich mit dieser konträr zu anderen Kommentatoren...

    LG und bis denn

    Christoph

  • Er zijn veel hoorspelen - spannend, verdrietig, griezelig, grappig - met vampiers, piraten, onderzoekers, cowboys en indianen, met dieven en boeven, politieagenten, vaders, moeders en kinderen. Veel hoorspelen gaan over Amerikanen, Engelsen, Fransen, Duitsers ...

    Übersetzung für alle Nicht-Niederländer:

    Hörspiele gibt es viele - spannende, traurige, gruselige, lustige - mit Vampiren, Piraten, Forschern, Cowboys und Indianern, mit Dieben und Gaunern, Polizisten, Vätern, Müttern und Kindern. Viele Hörspiele beschäftigen sich mit Amerikanern, Engländern, Franzosen, Deutschen ...

    Hörspiele, in denen Holländer (in Fachkreisen auch Niederländer genannt) vorkommen, sind dagegen nicht ganz so zahlreich. Im Vorliegenden haben wir es gar mit einem recht bösartigen Exemplar dieser (für uns Deutsche) wohl ungewöhnlichen Spezies zu tun. Nein, Mr. De Groot ist eben nicht der nette "Käskopp" von Nebenan, der einem jenseits der Grenze grinsend seine Frikandeln, Bitterballen und Frietjes met Sauce Spezial andrehen will. Eine recht erfreuliche Tatsache, da das ansonsten eher nicht so rasante Hörspiel allein schon durch diese Zutat etwas an Tempo beziehungsweise Geschwindigkeit (ndl.: "de snelheit") aufnimmt.

    Doch womit beschäftigt sich das Hörspiel eigentlich? »Ein Sprachwissenschaftler kann sich heutzutage ein solches Haus gar nicht leisten«, betont Professor Carswell (sehr angenehm gesprochen von Volker Bogdan) aus mir völlig unerklärlichen Gründen bereits zu Beginn des Hörspiels. Würde so etwas wirklich jemals jemand zu einem Fremden sagen? Diese Frage ist für mich beinahe rätselhafter als besagte Bilder selbst. Der Professor und sein Sohn Harold, welche den kürzlich verstorbenen Mr. Joshua Cameron beherbergten, staunen nicht schlecht, als die drei Detektive nebst Onkel Titus vor der Türe stehen und einen mysteriösen Einbrecher gesehen haben wollen.

    Mr. Cameron, der eigentlich wenig Wertvolles besaß, hinterließ unterdessen mehrere unbedeutende Bilder, welche stets das gleiche Motiv darstellen. Hierfür interessiert sich nicht nur der "fliegende Holländer", der vermeintlich gleich zweimal in dieselbe Schlucht zu stürzen scheint (»Aaaah, verdomme!«), sondern auch noch eine europäische Gräfin nebst ihrem Begleiter Armand Marechal. Die Bilder, welche einem durch das sich verändernde Motiv schon ein Rätsel aufgeben, wecken überdies auch noch das Interesse des Erzfeindes der drei Detektive - Skinny Norris. Auch dieser agiert wiederum erfrischend niederträchtig, und es ist einfach nur ein teuflisches Vergnügen, diesem Brechmittel in Menschengestalt dabei zuzuhören. Andreas von der Meden (R.I.P.) war schon großartig - ein Garant für tolle Hörspielunterhaltung, ein Stein auf den man bauen konnte.

    Überhaupt stellt diese Folge abermals ganz klar zur Schau, was eine so exzellente Riege an Sprechern in der Lage ist, auf die Beine zu stellen. Wenn ich da an manch aktuellen Kram denke, so tut mir unsere heutige Hörspiel-Jugend leid. René Genesis als Holländer Mr. De Groot, Gisela Trowe, die hier mit so elegant tiefer Stimme serviert, als dass sie auch mit Bravour hätte Gräfin Dracula (Gruselserie, Folge 8) sprechen können oder auch Werner Cartano als exzentrischer Maler Maxwell James sind einfach nur großartig - genial. Darüber hinaus kann man sich an einem wahrhaft spielfreudigen Joachim Wolff ergötzen, der mit dem übertrieben dargestellten "Franzmann" Marechal ein weiteres Klischee bedient.

    Auch finde ich es toll, dass man den Hörern von damals durchaus noch zugetraut hat, mit etwaigen Klischees (die ja niemanden umbringen) umgehen zu können. Was für ein blutleerer Aufguss wäre da wohl heutzutage bei all der "political correctness" rausgekommen. Damit würde man wohl niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken können. Wie bereits gesagt ist das Hörspiel keine rasante Geisterbahnfahrt, zeichnet sich jedoch durch gewitzte Dialoge sowie einzelne packende Sequenzen aus.

    Zum Beispiel die Szene, in der die drei Detektive und Hal eingesperrt sind und wohl nur durch ein schwarzes Loch im Boden (bei dem man nicht weiß, wie tief es ist) entkommen können, lässt einem wirklich den Atem stocken. Als Bob dann als erster ins Ungewisse springt, möchte man schreien: "Junge, tu es nicht!" Auch als der dritte Detektiv und Harold mit den Fahrrädern De Groots Wagen verfolgen, da dieser Justus und Peter entführt hat, ist irre spannend. »Jetzt kommt ein Stück auf dem fast keine Ampeln sind«, keucht Bob, der befürchtet, die Verfolgung abbrechen zu müssen. Und dann sind es natürlich immer wieder Mr. De Groots Einschüchterungen und Drohungen (»Seht Ihr dieses Messer? Ich werde es gebrauchen ...«), welche einen bei Laune halten. Da wurde dem jungen Zuhörer schon einiges zugemutet - niet slecht.

    »Die drei ??? und die rätselhaften Bilder«, ein Hörspielspaß der Extraklasse - interessant, lustig, spannend, immer wieder gut ... ein Klassiker.

    Tien punten van de tien, natuurlijk. Tot ziens.

    Edited 3 times, last by Ghost (March 25, 2026 at 11:10 AM).

  • Hier noch der Ort in Oostende, in welchem man hätten Mr. De Groot verorten können...🤣

    Siehe hierzu auch...

    Ghost
    January 26, 2026 at 5:17 PM
  • »Diese Neger fühlen nicht wie wir weißen Menschen. Sie halten viel aus.«

    Großer Gott, dieses Hörspiel aus dem Jahre 1972 hat es wirklich in sich. Und dies gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist es meines Erachtens das absolut traurigste Hörspiel, welches ich jemals aus dem Hause EUROPA zu hören bekommen habe. Wirklich - sollte man mal einen "Depri-Tag" haben, so wird einen dieses Hörspiel mit Sicherheit nicht aus dem Loch herausziehen. Es sei denn, man kann etwas Positives daraus schöpfen, dass es anderen noch weitaus schlechter geht oder besser gesagt ging, als einem selbst.

    Zum anderen wird man in heutiger Zeit bestimmt auch seine Probleme mit (dieser Adaption von) »Onkel Toms Hütte« haben. So findet beispielsweise das unschöne Wort "Neger" in Heikedine Körtings Hörspiel gefühlte tausend Mal seine Anwendung. Und auch wenn es rein schreibtechnisch nur noch ein Katzensprung bis zu der verschärften Variante, dem "Nigger", zu sein scheint, so macht einem der Gebrauch dieses Unwortes innerhalb eines Kinderhörspiels nahezu sprachlos. Aber zu Zeiten Onkel Toms wurde halt so gesprochen... und wie wollte man es auch anders authentisch rüberbringen?

    Über jeden Zweifel erhaben dürften jedoch die gutgemeinten und gleichzeitig ermahnenden Absichten der Verfasserin sein. Die Amerikanerin Harriet Beecher Stowe, welche den Roman im Jahre 1852 veröffentlichen ließ, war eine erklärte Gegnerin der Sklaverei - ein Umstand, der ihr zu dieser Zeit sicherlich nicht nur Sympathien einbrachte. Aber wie bitteschön kann man auf ein Unrecht besser aufmerksam machen, als dass man es klar beim Namen nennt und nicht um den heißen Brei herumredet. Nur so lassen sich meiner Meinung nach Probleme wirklich lösen, denn nichts ist doch nur schwarz oder nur weiß. Womit wir - überspitzt gesagt - wieder beim Thema »Onkel Toms Hütte« wären.

    Kurz worum es geht: Eine Farm in Kentucky. Jeder kennt Tom, jeder achtet Tom und jeder liebt Tom. Ein Umstand, der den gottesfürchtigen und kindguten "Neger" (sehr ergreifend gesprochen von Franz-Josef Steffens), der mehr oder weniger die Farm seines Herrn verwaltet, schon bald in arge Bedrängnis bringt. Denn mit seiner Beliebtheit und all seinen Begabungen steigt auch sein Marktwert. Und da sein Herr, Mr. Shelby (Helmut Kolar spricht sehr glaubwürdig den verzweifelten Farmer), in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ist er gezwungen, Tom an den seelenlosen Sklavenhändler Haley (Andreas von der Meden) zu verkaufen. Tom nimmt sein Schicksal ergeben an und muss seine Heimat und vor allem seine Familie verlassen. Von der Hoffnung getrieben, jemals seine Lieben wiederzusehen, geht er einer ungewissen Zukunft entgegen, welche sich trotz allen Leids dennoch zunächst günstig für ihn entwickeln soll. Weitere Schicksalsschläge lassen jedoch nicht lange auf sich warten und Toms Geschicke werden abermals auf eine harte Probe gestellt. Tom wird alles ertragen. Und nur ein einziges Mal wird er widersprechen.

    Wirklich erschreckend an Beecher Stowes Roman ist für mich die Erkenntnis, dass Aufrichtigkeit, Gottesfürchtigkeit, Sanftmut und Tugend mit Füßen getreten werden und dass das absolut Böse mit einer selten so wahrgenommenen Selbstverständlichkeit siegt, auf dass es einem schlecht werden könnte. Das Unrecht scheint stets im Recht zu sein - Konsequenzen scheint es nie fürchten zu müssen. »Onkel Toms Hütte« ist eben keine "Am Ende siegen die Guten"-Kindergeschichte - hierüber kann nicht einmal der allseits beliebte Märchenonkel-Erzähler Hans Paetsch hinwegtäuschen.

    An dieser Stelle möchte ich nochmals erwähnen, wie viel mir diese großartigen Sprecher von damals bedeuten. Das waren schon irgendwie alles Originale - kaum ersetzbar, jeder für sich gesehen einzigartig. Was allein Franz-Josef Steffens in seiner Rolle als Onkel Tom hier abliefert, ist wirklich bemerkenswert. Diese Magie in seiner Stimme lässt Beecher Stowes Onkel Tom wahrlich Gestalt annehmen - man kann nicht nur seine Stimme hören, man kann die Gedanken seiner gequälten Seele förmlich sehen. Den Zwiespalt, wie er versucht, in all seiner ausweglosen Lage, doch immer noch das Gute in den Vordergrund zu stellen.

    Andreas von der Meden hingegen kann einem beinahe leidtun. Es war bestimmt nicht einfach für ihn, den Charakter des gewissenlosen Sklavenhändlers so dermaßen exzellent interpretieren zu müssen - wohl seine mieseste Rolle als Hörspielsprecher. Macht es einem Spaß, die Gehässigkeiten seines Skinny Norris zu genießen, so ist es kaum zu ertragen, die schamlosen Ausflüchte des Sklavenhändlers Haley über sich ergehen zu lassen. Auch Horst Stark als Mr. St. Clare sowie Regine Lamster als dessen todkranke Tochter Evangeline sind grandios. Die Szene, in der Eva an einer tödlichen Lungenkrankheit verstirbt, ist wirklich herzzerreißend. Kein einfaches Hörspiel.

    Heikedine Körting ist es gelungen, eine sicherlich nicht einfache Romanvorlage packend und eindrucksvoll umzusetzen. »Onkel Toms Hütte«, ein großartiges Plädoyer gegen Rassismus und Gleichgültigkeit - sollte jeder kennen.

    Volle Punktzahl, also 10 Punkte.

  • Diesen Kommentar bitte nicht zu ernst nehmen...

    »Überall in Spanien gibt es Paradores.«

    Zuerst die gute Nachricht: Tom Fawley hat doch wirklich endlich sein »Plabbermäulchen«, die gute Eireen Fox, geheiratet. Damit war wohl zu rechnen. Das muss eine schmissige Hochzeit gewesen sein. Da wäre ich gern dabei gewesen.

    Und was haben die beiden nicht schon vor diesem dritten (und leider letzten) Abenteuer alles erlebt. Bereits vier Jahre zuvor hatten sie das Rätsel um »Nessie - Das Ungeheuer von Loch Ness«, gelöst. Naja, genau genommen haben sie das nicht, aber sie haben es zumindest versucht. Zwei Jahre später legten sie sich mit dem Fürsten der Finsternis (Graf Dracula), dem berühmt berüchtigten Forscher Dr. Frankenstein nebst seiner durchgeknallten Assistentin Frau Dr. Finistra sowie deren selbstgebastelter Kreatur an.

    Und ja, auch im Hörspiel »Dracula trifft Frankenstein« beziehungsweise in der Neuauflage »Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten« war man auch nicht sonderlich erfolgreich. Das Hörspiel an sich war jedoch ein großer Wurf und meiner Meinung nach eines der Besten, welches jemals unter dem EUROPA-Banner erschienen ist.

    Man versuchte es also, wiederum zwei Jahre später, ein drittes Mal mit dem Dreamteam Horst Frank / Brigitte Kollecker. Beide waren übrigens auch im wirklichen Leben ein Ehepaar. Und warum sollte man nach der Kombination Dracula / Frankenstein nicht mal einen Vampir und einen Werwolf sich in einem Hörspiel austoben lassen? Es hätte ja funktionieren können.

    Hat es aber nicht, denn hierfür war das Skript einfach zu schwach, um nicht zu sagen - schlecht. Da konnten dann auch die gute Eireen und ihr bärbeißiger Göttergatte nicht mehr allzu viel rausreißen. Versucht haben sie es wohl, und mangelndes Engagement kann man den beiden nun wirklich nicht vorwerfen. Allein schon die Szene, in welcher Tom mit dem Werwolf auf dem Hotel-Zimmer kämpft und Eireen ausgiebig "mitscreamt", ist eigentlich schon ein Beleg hierfür. Auch ansonsten kalauern die beiden wieder wie gewohnt auf Teufel komm raus. Nein, an den beiden liegts wirklich nicht.

    Anders als gewohnt, gibt in der sechsten Folge Christian Rode den Erzähler. Und auch wenn ich Günther Ungeheuer (Ist das nicht ein unglaublicher Nachname?) ganz gern mag, so ist das mal eine nette Abwechslung. Abgesehen davon ist Christian Rode rein sprechertechnisch gesehen wohl über jeden Zweifel erhaben - eine Legende sozusagen.

    Tom und Eireen Fawley kurven des Nachts - wohl auf ihrer Hochzeitsreise - auf Spaniens Landstraßen umher. Dabei stoßen sie auf eine junge Frau, die behauptet, von einem Werwolf angegriffen worden zu sein. Señorita Alvarez (es scheint für Herrn Franciskowsky keine anderen spanischen Nachnamen zu geben) bringt man zu einem nahe gelegenen Parador - in die Obhut eines Doktors. Dieser scheint so etwas wie der gute Geist des Etablissements und der Verwalter desselbigen zu sein. Jedenfalls weiß er eine Menge, auch über besagten Werwolf, welchem er auf der Spur ist und töten will. Dies mit wohl absoluter Leidenschaft.

    Eireen und Tom quartieren sich ebenfalls in der alten Burg ein und bekommen es - natürlich - auch schon bald mit dem Bösen zu tun. Sowohl eine mysteriöse fremde Frau, als auch der Werwolf "himself" besuchen das besorgte Ehepaar auf dessen Zimmer. Die übrigen Gäste - es müssen gar nicht wenige sein - bekommen seltsamerweise von alldem so gut wie nichts mit. Unglaublich bei dem ganzen Gekreische.

    Gut, soviel bilde ich mir ein, verstanden zu haben. Manchmal kommt es mir vor, als ginge mir auch noch beim Rest ein Licht auf. Meistens verlischt es nur schnell wieder. Bei aller Liebe, aber mir fehlt bei der ganzen Geschichte eine konsequente Handlung. Dass ein Horrorskript wohl nie der Weisheit letzter Schluss sein kann, ist mir schon klar. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt stimmt hier einfach gar nichts mehr. Man kommt nicht mehr durch, was nicht heißt, dass ich das Hörspiel nicht mehr genießen könnte. Kognitive Ebenen verlagern sich lediglich ein paar Etagen nach unten. Auch mag ich die Atmosphäre in der alten Burg, welche beinahe greifbar ist. Das alles, was dort so vor sich geht, hat schon was. Das Hörspiel insgesamt ist mir ein Rätsel.

    Beispielsweise dachte ich, die Frau, die Tom und Eireen auf dem Zimmer überfallen hat und Señorita Alvarez wären ein und dieselbe Person. Die Tatsache, dass dann aber die gesuchte Frau vor den Augen aller zu Staub zerfällt und die gute Señorita noch immer umherschwirrt, belehrt einem eines Besseren. Und dann der kitzlige Werwolf, eine selten beknackte Idee.

    Auch wirkt die Figur des Doktor Ohnenamen (hablado por Joachim Wolff) einfach nur albern. Dem würde man bestenfalls zutrauen, ein paar "Hallo-wach-Pillen" zu verschreiben. Einen Werwolf aber legt der ganz bestimmt nicht flach. Seit wann können Vampire bei Tageslicht existieren? Gut, das Blut vom Werwolf scheint dies wohl zu bewirken. Durch das Blut einer Nachgestalt wird eine andere dazu befähigt, auch am Tage umherzugehen? Minus mal Minus ergibt Plus, auch im Schattenreich? Nicht gerade plausibel.

    Who the fuck is Señor Petersen? Gleich zweimal gibt der Polizist diesen zum Besten. Beim zweiten Mal springt Tom Fawley hierauf an. Also ist mit Petersen Tom Fawley gemeint, oder? Andreas Beurmann (der Polizist), eine Hörspiel-Koryphäe, soll gleich zweimal den gleichen groben Fehler gemacht haben? Oder war das Stück anfangs gar nicht für Tom und Eireen konzipiert, sondern für Imke und Jan Petersen aus Hamburg? Vielleicht hat Herr Beurmann vom falschen Skript abgelesen? Viele Texte wurden ja auch alleine eingesprochen. Vielleicht ist es deshalb niemanden aufgefallen.

    »Das Duell mit dem Vampir«, ein Hörspiel, bei welchem man ganz bestimmt nur die besten Absichten hatte. Atmosphärisch, konfus, wirr, unlogisch ... aber dennoch irgendwie liebenswert. Mit einem doofen Ende, aber immerhin mit Tom und Eireen ... und dem meines Erachtens ausdrucksvollsten Cover-Artwork der gesamten Gruselserie.

    Siete de diez puntos... Sieben von zehn Punkten für die Wolfsmenschvampirfrau.

  • TKKG (55) Der Mörder aus dem Schauerwald

    Gaby hat Angst vor Hunden! Das glaubt ihr nicht? Es ist aber wahr. In dieser tollen Folge wird sie von einem Mastino »angegriffen«. Gott sei Dank springt ihr ein Herr zur Seite, der diesen in die Flucht schlägt.

    Gaby ist hin- und hergerissen, erkennt sie doch in dem Mann einen flüchtigen Straftäter, nachdem die ganze Stadt und besonders ihr Vater, der Kommissar Glockner, sucht.

    Nicht nur weil sie Hasso Flühter dankbar ist, glaubt sie diesem. Nein, er kann sie von seiner Unschuld überzeugen, wenn auch zunächst nur emotional.

    Sie bittet Tim, Karl und Klößchen zur Hilfe. Letztgenannter ist voreingenommen und glaubt Hasso zunächst ganz und gar nicht.

    Doch dieser beharrt darauf, mit dem Überfall auf die Frau seines eifersüchtigen Nachbarn Lutz Röder (sehr gut Günther Flesch) nichts zu tun zu haben. Im Gegenteil, er bezichtigt ihn der Falschaussage...

    »TKKG - Der Mörder aus dem Schauerwald« ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie gute und kurzweilige Unterhaltung funktionieren kann.

    Es macht einfach Freude, auch wenn es jetzt nicht der absolute Burner ist. Man ist schnell in der Geschichte drin und möchte auch wirklich wissen, wie es weiter geht.

    Auch sehr schön finde ich den kleinen Auftritt von Katharina Brauren, welche ich sehr verehre.

    Etwas traurig stimmt einem jedoch die Erzählstimme von Günther Dockerill, dem man seine schwere Erkrankung hier schon deutlich anmerken kann. Dies ist sein vorletzter Auftritt als TKKG-Erzähler. Ein Jahr später verstummte seine prägnante aber stets angenehme Stimme für immer.

    Ich gebe 8 von 10 Punkten.

  • Ghost February 27, 2026 at 2:39 PM

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  • Mal ganz im Ernst: Wer würde sich, wenn er unter einem Handicap wie beispielsweise einem deutlichen Sprachfehler (»Er stieß mit der Zunge an ...«) leidet, von jemanden vertreten lassen, der das gleiche Problem hat? Richtig, diese Person würde man hierfür sicherlich nicht in die engere Wahl ziehen, oder?

    Derjenige, der sich genau diese Frage stellt, das Ganze noch ein bisschen weiterspinnt und dann zwei und zwei zusammenzählt, hat den Fall um das »Gespensterschloss« schon beinahe gelöst, ohne ein Genie wie Justus Jonas zu sein oder alle Einzelheiten dieses Falls genau zu kennen.

    Aber beginnen wir von vorn. Der von den drei ??? hoch geschätzte Alfred Hitchcock bittet das Detektivtrio (in ihrem ersten Fall laut Buchreihenfolge) um Hilfe, da er einen Gruselfilm drehen will, hierfür aber noch kein geeignetes Ambiente gefunden hat. Eine besonders reizvolle Aufgabe für Justus, Peter und Bob, bei der Letztgenannter ein verlassenes Anwesen ermittelt, welches einmal einem bekannten Schauspieler aus der Stummfilmzeit namens Stephan Terrill gehörte.

    Der ehemalige Hausherr lebt jedoch (vermutlich) nicht mehr. Es existiert ein Abschiedsbrief, in der der ehemalige Grusel-Film-Star sein nahes Ende ankündigt und das Haus verflucht, auf dass es für alle Zeiten gemieden werde. Der Grund für den Abstieg und die anschließende Vorgehensweise des Künstlers lag in dem zuvor erwähnten Handicap, sodass sich die Zuschauer über den lispelnden Protagonisten eher schlapplachten, als sich vor diesem zu fürchten. Der Beginn des Tonfilms hatte somit das Ende der Karriere von Stephan Terrill eingeläutet, der sich darauf verbittert zurückzog und wohl später im Meer ertrunken sein soll.

    Justus ist von alldem fasziniert und möchte das Schloss, dessen düsterer und unheimlicher Ruf diesem vorauseilt, unbedingt besuchen, während der nicht ganz so mutige Peter (um es mal nett auszudrücken) am liebsten schon zuvor das Handtuch werfen will. Bereits der erste Besuch von Justus und (natürlich) Peter heizt den beiden gruseltechnisch ordentlich ein, und fortan hat man das Gefühl, dass es Justus um wesentlich mehr geht, als nur für Mr. Hitchcock einen geeigneten Drehort zu finden. Jedenfalls verlässt man bereits nach kurzer Visite fluchtartig das Anwesen. Dies fordert Justus zum Leidwesen Peters nur noch mehr raus. Es gilt, mehr über das Schloss zu erfahren.

    Bei Recherchen stößt man auf die Person des Jonathan Rex. Dieser war (und ist) die rechte Hand von Stephan Terrill. Er kümmert sich derweil um das gespenstige Anwesen, welches der verschollene beziehungsweise tote Terrill seinerzeit als eine Art Gruselschloss erbauen ließ. Die drei Detektive suchen Jonathan Rex auf.

    Seltsamerweise fällt unseren drei Lieblingsdetektiven nicht sofort auf, was eigentlich jedem geneigten Hörer augenblicklich bewusst werden sollte. Auch der gute Jonathan hat diesen hinderlichen Sprachfehler. Eines leuchtet mir bei näherer Betrachtung (im wahrsten Sinne des Wortes) selbst heute noch nicht ein. Wie konnte Bob bei seinen Recherchen ein Foto auftreiben, auf dem der Gruselstar Stephan Terrill und sein Vertrauter Jonathan Rex gemeinsam abgebildet sind, wenn es sich doch in Wahrheit nur um eine Person handelt?

    Wie dem auch sei, Terrill's perfider Plan, sein unheimliches Anwesen trotz seiner beruflichen sowie finanziellen Pleite durch Furcht und Abschreckung vor dem Verlust desselbigen zu schützen, mag eine Zeitlang funktioniert haben - keiner wollte das "Gruselhaus" käuflich erwerben. Die Beharrlichkeit der drei ???, die auch bei weiteren Besuchen des Schlosses etwaigen Angriffen sowohl psychischer als auch (später) physischer Natur trotzen, zahlt sich schlussendlich aus - sprich, sie finden das raus, was man (der aufmerksame Hörer) bereits nach einem Drittel des Hörspiels bereits erahnen konnte.

    Und auch wenn es das Hörspiel an der einen oder anderen Stelle schon ein bisschen an Logik fehlen lässt, macht es dennoch Freude, die drei Gesellen aus Rocky Beach bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Allein die sich immer weiter steigernde Angst (»vom Unbehagen bis zur panischen Angst«), die vor allem Peter im Gespensterschloss ertragen muss, kann man schon fast mit den Händen greifen.

    Zudem sind die zugegeben recht wenigen Rollen allesamt hervorragend besetzt, und das Hörspiel selbst nimmt relativ schnell Fahrt auf. Besonders positiv fällt der leider viel zu früh verstorbene Andreas von der Meden auf, der hier gleich zwei Parts übernimmt, einmal als smarter aber stets zuvorkommender Chauffeur Morton und ein zweites Mal als der vom Neid zerfressende Erzfeind Skinny Norris - zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher wohl kaum sein könnten. Letzterer bringt viel Freude, ist er doch so mies und niederträchtig wie kaum in einem anderen »drei ???«-Hörspiel. Auch seine offensichtlichen Schwächen (ein prahlerisches Großmaul, das dann doch recht schnell die Hosen voll hat) kommen hier recht gut zur Geltung und machen einfach nur Spaß.

    »Die drei ??? und das Gespensterschloss«, eines der wenigen Stücke aus der Feder des Original-Autors Robert Arthur (»The secret of terror castle«), ist keine absolut runde Sache, wirft einige Fragen auf, ist aber andererseits insgesamt etwas zu leicht zu durchschauen. Dennoch haben wir hier ein munteres Hörspiel mit Witz und viel Charme, das man nicht missen will. Natürlich die volle Punktzahl.

    Edited 2 times, last by Ghost (March 5, 2026 at 6:12 PM).

  • Maggie Brown: »Sagten Sie wirklich, er befahl Ihnen?«

    Dr. Giralda: »Hab' ich das gesagt?« 😃

    Sicherlich kennt das jeder. Man findet eine Sache gut beziehungsweise ist sogar von ihr begeistert, obwohl man eigentlich gar nicht so genau weiß, was einem so besonders daran gefällt. Ein Paradebeispiel hierfür ist genau diese Folge, die ich einfach liebe, die ich mir ungelogen bestimmt schon hundertmal angehört habe, welche mir immer wieder Freude macht.

    Nun spielt es mit Sicherheit eine große Rolle, dass ich die Hörspiele der Gruselserie von Hans Gerhard Franciskowsky schon seit meiner frühesten Kindheit - ich war etwa 10 Jahre - mehr oder weniger verschlungen habe. Klar, was man in der wohl angenehmsten Zeit seines Lebens mochte, wird man auch später nicht verschmähen oder doof finden. Jedoch hat sich meine Einstellung in Bezug auf diese Hörspiele sowieso kaum verändert. Ich bin in dieser Hinsicht ein kleiner Junge geblieben. Was soll's? Es gibt schlechtere Eigenschaften.

    Obwohl ich meine »Frankenstein«-Kassette von damals nicht mehr habe, kann ich mich noch sehr genau an sie erinnern. Ich sehe mich selbst in meinem kleinen Zimmer, vor dem Bett neben dem Kassettenrekorder sitzend, die Kassettenhülle, heute wohl "Case" genannt, betrachten. Sie hatte gegenüber der transparenten Stirnseite, an der man den Titel ablesen kann, eine weich abgerundete Aussparung zum Öffnen. Diese gab es nicht allzu häufig - war schon etwas Besonderes. Und überhaupt dann diese tolle knallrote Farbe - schwärm.

    Das Neongrün des Covers war (wohl produktionsbedingt) etwas verwaschen. Dafür waren im Inneren des Inlays (um es ebenfalls neudeutsch auszudrücken) ebenfalls Spuren von diesem Neongrün. Der Text der Innenseite war leicht matt, fast wie von der Sonne ausgeblichen. Das mag alles völlig belanglos klingen. Mir sind diese Erinnerungen jedoch sehr wichtig, und es gibt manchmal Momente, da fühlt man für Bruchteile von Sekunden Dinge, welche man nur in seiner Kindheit so empfunden hat. Erinnerungen bekommen Farbe, werden fast greifbar, sind förmlich zu schmecken. Als würde sich eine Türe in die Kindheit einen spaltweit öffnen - Wahnsinn. Ein Gefühl, welches man leider nicht bewusst erzeugen, geschweige denn abspeichern kann - leider. Aber ich schweife ab ...

    Dass es natürlich auch in »Frankensteins Sohn im Monster-Labor« ebenso, wie fast in jeder anderen Horrorklamotte auch, vor Ungereimtheiten beziehungsweise logischen Fehlern nur so scheppert, bedarf eigentlich keiner weiteren Erwähnung. Warum sollte beispielsweise der Spanier Alvarez sich auf die Burg Düsternbrunn begeben, wenn er doch genau weiß, dass ihm dort Lebensgefahr droht? Warum lassen Dr. Giralda und der Diener Horr das Reporterpärchen in der Burg mehr oder weniger uneingeschränkt schalten und walten? Warum hat man nicht einfach nur Maggie Brown auf die Burg entführt? An Bob hatte man doch sowieso nur wenig bis gar kein Interesse? Wieso raffen Maggie und Bob eigentlich nicht von Anfang an, in wessen Etablissement sie sich befinden? Noch nie von Dr. Frankenstein gehört?

    Nein, nach alledem darf man nicht wirklich fragen. Aber als echter Fan dieses Genres würde man dies wohl ohnehin nicht tun. Da mag man diesen klassischen Kram ganz einfach. Und klassisch geht es hier nun wirklich zu. Ein Reporterehepaar sucht, fragt, bekommt keine oder nur widerwillig Hilfe, findet, wird belogen, getäuscht, gewarnt, begibt sich in Gefahr, wird mit dieser konfrontiert und kommt knapp mit dem Leben davon - Ende gut, alles gut.

    Ja, das alles passiert dem Ehepaar Brown. Dabei finde ich es sehr schade, dass Eva Gelb und Gerd Martienzen als Maggie und Bob nur ein einziges Mal die Hörspielwelt unsicher machten. Denn nach meiner Ansicht kommen die beiden hierbei dem Reporter-Dreamteam par excellence - Eireen Fox und Tom Fawley - wirklich recht nah. Ich finde, Maggie kann sich sensationell gut aufregen, ist zickig und bringt auch ansonsten einiges für einen interessanten Hörspielpart mit. Gerd Martienzen, den man vor allem durch seine Synchro-Arbeit bei einem Großteil der Louis de Funès-Filme kennt, finde ich ebenfalls genial. Interessant ist auch, dass man Bob eigentlich niemals mit dem französischen Wirbelwind de Funès in Verbindung bringt. Von einem »Ich habe einen jüdischen Chauffeur, ohh ...« aus dem Munde eines Victor Buntspecht (aus dem Spielfilm »Die Abenteuer des Rabbi Jacob«) ist man hier meilenweit entfernt. Doch, die beiden Browns hätten eine weitere Chance verdient.

    Auch ganz witzig finde ich den "Assistenten" Dr. Giralda, welcher Bob und Maggie von Beginn an dermaßen belügt und täuscht, dass sich die Balken biegen. Über obige Zitate aus dem Hörspiel könnte ich mich jedes Mal wieder kringeln. Einen unfähigeren Lügner kann man sich weiß Gott nicht vorstellen. Macht Spaß zu hören, wie er sich um Kopf und Kragen redet. Man kann nur hoffen, dass er sich als Arzt geschickter anstellt. Ebenfalls zum Totlachen ist Hans Paetsch als Dr. Frankenstein. Oder ist er nur die Kreatur Frankensteins? Sein Sohn? Egal. Hans Paetsch mochte alles sein, nur gruselig war er einfach nicht. So muss man sich schon ein wenig zusammennehmen, um bei seinem »Ich bin ... ich bin der Sohn des berühmten (ich glaube, es heißt "berühmten") ... Frankenstein!« nicht in Gelächter auszubrechen. Nein, unheimlich sein, konnte er nicht, der nette Märchenonkel.

    Was auch hätte besser sein können, ist die oftmals miese Akustik bei einigen Passagen. Ich denke, ich kenne kein zweites Hörspiel, bei dem ich so oft raten musste, wie bei vorliegendem. Mensch, was war ich stolz, als ich dann endlich irgendwann mal herausgehört hatte, dass sich Señor Alvarez als »freier Journalist« vorgestellt hatte. Lange hat's gedauert.

    Genug des Meckerns. Die Geschichte um das recht unterhaltsame Ehepaar Brown, welches einer Einladung folgt und die Burg Düsternbrunn aufsucht, gefällt mir ausgesprochen gut. Die Dialoge sind knackig und ansprechend, die düstere Düsternbrunn-Atmosphäre wird ebenfalls ausreichend transportiert und die hervorragenden Sprecher hauen sowieso den einen oder anderen Schnitzer wieder raus. Somit kann ich gar nicht anders, als diesem Hörspiel, welches übrigens bereits im Jahre 1977 schon einmal unter dem Namen »Frankensteins Sohn« veröffentlicht wurde, die volle Punktzahl zu verpassen. Tolle Sprecher - tolle Musik - tolle Story - tolles Cover - tolles Hörspiel.

  • »Sieh das Geheimnis in einem Spiegel.« (Angus Gunn)

    Fragt man nach DEM Hörspiel aus der »drei ???«-Reihe, welches vor Charme und vor allem vor Atmosphäre nur so strotzt, kommt meiner Meinung nach nur der Fall »Phantomsee« in Betracht. Demzufolge ist vorliegender Output auch einer meiner absoluten Favoriten. Eine Folge, die mir als Kind super gut gefallen hat - eine Folge, die ich auch als Erwachsener nicht missen will. Ein Stück Kindheit, welches ich mir von Zeit zu Zeit immer wieder mal gerne zu Gemüte führe.

    Ich drücke auf "Play", schmunzele beim Ertönen der lustigen (und einzigartigen) Eröffnungsmelodie und tauche sogleich ab in die Welt von Justus, Bob und Peter. Ich bin dabei - für eine gute dreiviertel Stunde - und genieße es, den Tücken des Alltags zu entfliehen und mich den Geschehnissen meiner drei Freunde aus Rocky Beach zu widmen. Ich höre mir Justus' oftmals übertriebene Ausführungen zu Dingen an, von denen ich noch nie etwas gehört habe (»Immer diese Vorträge ...«). Ich überlege mir, wie ich der dröhnenden Stimme von Tante Mathilda entrinnen kann. Ich lache in mich hinein und versuche mir auszumalen, auf welche Art und Weise die gute Mathilda den mehr als unverschämten Java-Jim denn bestrafen würde, wenn sie dazu käme.

    Ich schaue mir zusammen mit Bob die Unterlagen an, welche uns die nette ältere Bibliothekarin freundlicherweise schon herausgesucht hat. Anschließend gehe ich mit meinen drei Detektivkollegen die steile Straße hinauf und sehe ein altes Steinhaus, von dessen Turm man Feinde wohl schon meilenweit ausmachen könnte. Ich betrete mit den anderen eine frisch eingezäunte alte Goldgräberstadt - eine Geisterstadt, in welcher ich mich sehr fürchte und erwache schlagartig aus meiner Starre, als im Saloon plötzlich laute Musik ertönt ...

    Ihr merkt bestimmt schon, dass ich dieses Hörspiel liebe und wahrscheinlich noch ewig so weiterschwärmen könnte. Und in der Tat fällt es mir schwer, bei der Betrachtung des Hörspiels für diesen Kommentar den notwendigen Abstand zu wahren. Da ist zum Beispiel das faszinierende Cover von Aiga Rasch. Genial waren ihre Cover-Illustrationen ja eigentlich immer. Jedoch finde ich, dass sie sich bei diesem zugegebenermaßen recht wenig farbenfrohen, weil Ton in Ton gehaltenem Werk selbst übertroffen hat. Wie oft habe ich dieses Phantom betrachtet und mich gefragt, wie es möglich ist, dass ein solch einfach gehaltenes Bild eine so große Wirkung auf mich ausüben kann.

    Und dann sind es wiederum die Sprecher selbst, die dieses Hörspiel zu etwas ganz Besonderem machen. Allen voran natürlich das Detektivteam, welches im »Super-Papagei« noch nicht ganz so treffsicher aufeinander abgestimmt war, wie es beim »Phantomsee« der Fall ist. Hier klemmt hingegen wirklich nichts mehr und vor allem Jens Wawrczeck (die Schreibweise musste ich gerade nochmal googeln) alias Peter Shaw machte hier einen verdammt guten Job. Bereits zu dieser Zeit zeichnete sich vermutlich schon ab, dass die drei Jungen wohl noch sehr oft gemeinsam vor dem Mikro sitzen würden. Die totale Spielfreude halt - als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. Oliver, Jens und Andreas - ein echter Gewinn für meine und kommende Hörspiel-Generationen.

    Und es ist schön zu beobachten, wie sich auch Sprecher der "alten Garde" in diesen - ja wie soll man sagen - modernen Kram grandios miteinfügen. Hier ist natürlich in erster Linie Gottfried Kramer zu nennen, der einen wunderbar vergreisten Professor Shay sowie den total schrägen, ja fast psychopatischen, Seemann Java-Jim abgibt. Ich könnte mich kringeln, wenn man im Historischen Forschungsinstitut von Rocky Beach den wirren bis zuweilen tuntig wirkenden Professor heranschlürfen hört - dessen abgetretene Latschen kann man fast greifen. An dieser Stelle möchte ich auch den Geräuschemachern mal ein Lob aussprechen. Oftmals sind es nur nette kleine Belanglosigkeiten, die dann aber doch den Unterschied ausmachen.

    Wollte man nun wirklich ein Haar in der Suppe suchen, so könnte man eventuell bemängeln, dass man praktisch schon nach wenigen Minuten weiß, dass Professor Shay und Java-Jim ein und dieselbe Person sind. Auch stellt sich rein von der Logik her die generelle Frage, warum der sicherlich nicht dumme Professor Shay überhaupt in die Rolle des Java-Jims schlüpfen muss. Denn wo dessen Versuche, an Informationen zu kommen, kläglich scheitern, ist es doch gerade der Professor, der den drei Detektiven für geraume Zeit auf der Nase herumtanzen kann. Auch besonders witzig finde ich Ernst von Klipstein (... immer nur mit einem "p" bitte!) in der Rolle des Jesse Widmer. Erst sein Gejammer (»Bitte ... bitte helft mir doch!«) und dann sein anschließender Enthusiasmus (»Ah ... da ist ja schon was! Ja, ja ...«), als er den drei Detektiven nebst Cluny bei einer Recherche behilflich sein will. Einfach nur liebenswert, der ältere Herr aus dem Stadtarchiv, der nicht müde wird, zu betonen, dass man Java-Jim zuvorkommen müsse.

    Schlussendlich gefallen mir die musikalischen Einlagen. Beispielsweise diese wohl orientalischen Klänge, die man immer dann hört, wenn Java-Jim wie aus dem Nichts auf der Bildfläche erscheint, fand ich immer schon sehr interessant und spannend. Auch mag ich die flippige Eröffnungs- beziehungsweise Abschlussmelodie. Eigentlich schade, dass in den weiteren Folgen stets die gleiche Titelmusik (wenn auch in unterschiedlichen Variationen) gespielt wird. Auf der anderen Seite stärkt natürlich ein einheitlicher Sound das Bewusstsein, welches man zu einer liebgewonnenen Serie entwickelt.

    Abschließend zum Thema Musik möchte ich noch anmerken, dass mir als Kind diese verstörenden Streicherklänge, welche am Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Seite zu hören sind, immer einen Schauer über den Rücken gejagt haben. Ich erinnere mich, dass ich abends beim Wechseln der Kassettenseite immer wieder schnellstens unter die Bettdecke gekrochen bin, eben weil ich diese Töne so unheimlich fand. Heilfroh war ich dann immer, wenn endlich die (alberne) Saloon-Musik erklang (Puh ... wieder mal überstanden!).

    Ach so, noch in aller Kürze worum es eigentlich geht: Im Geheimfach einer alten Seemannstruhe findet man ein Tagebuch. Dieses gehörte dem schottischen Matrosen Angus Gunn, welcher an Bord der Argyll Queen seinen Dienst versah. Im Jahre 1870 ging das Schiff unter. Den legendären Schatz, von dem man sich erzählt, soll Gunn jedoch noch rechtzeitig von Bord gebracht haben. Zwei Jahre später wird Gunn, der sich in der Nähe von Rocky Beach angesiedelt hatte, von seinen ehemaligen Schiffskameraden ermordet. Der Schatz wurde jedoch nie gefunden.

    Der schrullige Professor Shay, der jedoch fest an dessen Existenz glaubt, versucht mit allen Mitteln, diesem habhaft zu werden - und sei es in der Gestalt des nicht gerade umgänglichen Java-Jims. Die drei Detektive, die Gunns Schriften deuten und darüber hinaus Kontakt mit der Familie des toten Matrosen aufnehmen, beteiligen sich im Auftrage der Gunns ebenfalls an der Suche ...

    »Die drei ??? und der Phantomsee« ist ein echter Klassiker - ein Hörspiel, welches mir fest ans Herz gewachsen ist. Es strotzt, wie beinahe alle Hörspiele dieser Serie, zwar nicht gerade vor Logik, ist aber mit seiner atmosphärischen Dichte über jeden Zweifel erhaben. Ich möchte jedoch nicht vergessen, anzumerken, dass mein Urteil, hätte ich das Hörspiel als Erwachsener zum ersten Mal gehört, mit Sicherheit anders ausgefallen wäre. Die Gnade der frühen Geburt.

    10 von 10 Punkten, eigentlich mehr...

  • »Die drei ??? und der Automarder«

    Keine Ahnung, wie ihr das seht, aber für mich waren 10er Folgen immer etwas besonderes bzw. ich meinte, sie müssten etwas besonderes sein.

    Im Fall der »flüsternden Mumie« traf dies ja auch voll und ganz zu, wohingegen ich bei der »flammenden Spur« anfangs so meine Probleme hatte. Als Kind hat mir diese überhaupt nicht gefallen, jetzt empfinde ich sie als stilles Highlight. Auch das »Riff der Haie« suggerierte irgendwie mehr, als es dann schlussendlich war. Kein besonders spannender Fall, jedoch wenigstens mit toller Atmosphäre.

    Beim »Automarder« musste es besser werden, dachte ich mir, zumal mein Freund mir erzählte, dass hier auch »Tarzan« von TKKG, also Sascha Draeger, mit dabei sei.

    Ihr ahnt es schon, auch diese 10er Folge hat mir nicht richtig gefallen. Genau. Das stimmt.

    Aber warum? Da ist einmal die Geschichte, in welcher immer wieder Autoscheiben zu Bruch gehen. Das fand ich jetzt wirklich nicht so interessant, als dass sich »meine« Detektive damit befassen müssten. Justus, Bob und Peter sollen sich um vermeintlich übernatürliche Dinge, wie Spukschlösser, Teufelsberge oder Geisterinseln kümmern... nicht um profane Fälle, die eher was für die Ortspolizei wären.

    Also die Autoscheiben waren mir egal. Dann empfand ich das Hörspiel irgendwie immer als sehr steril und noch unspontaner als sonst. Selbst Sascha Draeger (»Kannst Du das mal auf Deutsch sagen?«) brachte hier keinen Schwung in die Sache. Und über Justus hatte ich mich zum ersten Mal geärgert, da er hier so dermaßen übertrieben den Chef heraushängen lässt, dass es schon fast wehtut. Tat er es sonst auf charmante Art und und Weise, so fiel es mir hier unangenehm auf.

    Bereits nach gefühlten 5 Minuten wusste ich beim ersten Hören, dass ja nur derjenige der Unhold sein kann, der auch davon profitiert. Kaputte Scheiben -> eine Autowerkstatt... wer hätte das gedacht? Dass es dann auch wirklich so war, erstaunte mich dann ehrlich gesagt wieder. Gott sei Dank gab es dann noch das Rätsel um den verschwundenen »Adler«, einer wertvollen Goldmünze, die dem Ganzen dann noch etwas Würze gab.

    Auch verstehe ich nicht, wie so ein cooler Charakterdarsteller wie Ben Becker hier so blaß und farblos rüberkommen konnte. Einzig und allein die Person des alten Jarvis Temple (Jochen Sehrndt) hält den Laden etwas am Laufen. Seine Bösartigkeiten sind wahrhaft ein Genuss und es macht Spaß dem Alten beim Krächzen zuzuhören. Wenigstens etwas.

    Das hört sich alles vielleicht negativer an, als es wirklich ist. »Die drei ??? und der Automarder« ist durchaus kein schlechtes Hörspiel, jedoch nicht auf dem Niveau eines durchschnittlichen Outputs dieser Serie. Jedenfalls nicht in der frühen Phase.

    Höchstens 5 von 10 Punkten.

  • Moby Dick (Europa)

    Ein Hörspiel lebt von seinen Sprechern. »Welch großartige Erkenntnis«, wird sich so mancher jetzt sagen. Und doch ist es so bzw. (muss man leider fast sagen) war es so, dass die großartigen Hörspiele von damals (in diesem Fall aus dem Jahr 1972) gerade deshalb großartig waren, weil es damals Sprecher gab, die mit Herzblut an die Sache herangingen und dem Tonträger im wahrsten Sinne des Wortes Leben einflößten.

    Zieht man die heutigen Hörspiele heran, dann bemerkt man sehr oft, dass dies nicht mehr so ist. Sicherlich werden oft große beziehungsweise bekannte Namen bevorschusslorbeert, jedoch fragt man sich im Nachhinein oft, warum man nicht auf "wirkliche" (vielleicht unbekanntere) Hörspielsprecher zurückgegriffen hat, anstatt auf die Werbewirksamkeit etablierter Namen zu setzen. Vielleicht übertreibe ich ein wenig, jedoch finde ich es schon wichtig, dass man bei einem Hörspiel zweifelsfrei erfassen kann, ob da gerade der "böse Wolf" oder das "Rotkäppchen" etwas von sich gegeben hat.

    Mal ehrlich, von einem Hörspiel, bei dem man darauf setzen muss, dass einem am Ende der Erzähler verrät, ob nun "Chefinspektor Jenkins" oder doch der "Frauenmörder Jake" das tödliche Finale überlebt hat, wird schon drei Wochen später niemand mehr sprechen - schon gar nicht Jahrzehnte später.

    Wie dem auch sei, dieses Problem scheint es damals noch nicht gegeben zu haben. Somit wurde schon per se garantiert, dass man da ein Hörspiel an den Mann (die Frau) bringt, welches zumindest Wirkung erzeugt und / oder einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

    Wenn ein Hörspiel zudem noch auf einer solch genialen Romanvorlage basiert - Herman Melville schrieb sein Werk »Moby Dick (The Whale)« im Jahre 1851 - ist ein entsprechender Erfolg wohl schon fast vorprogrammiert.

    Bekannt und hochgelobt ist unterdessen auch die fantastische Verfilmung von John Huston aus dem Jahr 1956, in dem Gregory Peck (welchen man aus damaliger Sicht eher für eine Fehlbesetzung hielt, verkörperte er doch zumeist den charmanten und unwiderstehlichen Gentleman) den charismatischen, wenn auch diabolischen Kapitän Ahab gab.

    Und Hand aufs Herz (und ich kenne den Film beinahe auswendig): Wenn Kapitän Ahab im Film mit wutverzerrtem Gesicht seinen wohl "göttlichen" Feind Moby Dick den Tod ansagt und ihm die schlimmsten Worte entgegenschreit, höre ich eigentlich die Stimme von Benno Gellenbeck, welcher in diesem Hörspiel dem Kapitän seine Stimme lieh. Ganz nebenbei bemerkt halte ich Benno Gellenbeck für einen der fähigsten und eindrucksvollsten Sprecher, den es je in unseren Breiten gegeben hat - seine markante Stimme - ein Garant für ansprechenden, kurzweiligen Hörspielgenuss auf höchstem Niveau.

    Worum es im Hörspiel selbst geht, muss man eigentlich nicht erläutern - ich tue es trotzdem:

    Ismael (im Buch Ishmael), pleite und des Lebens auf dem Lande überdrüssig, will sein Glück auf See versuchen. Dies nicht (wieder) auf einem Handelsschiff, nein, er möchte das harte Leben auf einem Walfänger kennenlernen. So führt ihn sein Weg in die Hafenstadt Nantucket. Dort heuert er als Matrose auf der »Albatros« (im Buch »Pequod«) an - einem Schiff, das unter keinen guten Stern segeln kann, wird es doch von Kapitän Ahab, einen sowohl körperlich als auch seelisch gebrochenem Mann, geführt. Der Kapitän, dem seine finstere Vergangenheit vorauseilt und dessen diabolische Aura schon bald seine komplette Bootsmannschaft infizieren wird, sinnt auf tödliche Rache an Moby Dick, dem weißen Wal, welcher ihm bei der Ausübung seiner Pflicht einst ein Bein abgerissen hatte. Rache ist seine fixe Idee, seine Mission, der er alles andere unterordnet und für die er alles und jeden opfern wird.

    Dies verheißt auch Elias (ein wahrscheinlich Geisteskranker oder vielleicht doch eher ein Prophet), der Ismael bereits kurz nach Unterzeichnung der Musterrolle begreiflich machen will, auf welchen "Trip" er und seine künftigen Kameraden gehen werden. Und auch wenn Elias' Worte nicht ohne Wirkung bleiben (weissagt er doch, dass von der Fahrt lediglich einer mit dem Leben davonkommen wird), kann er Ismael nicht von seinem Vorhaben abhalten. Kapitän Ahab sucht, findet und harpuniert den weißen Wal und besiegelt somit sowohl sein eigenes als auch das Schicksal seiner Mannschaft.

    »Moby Dick« - ein wirklich großartiges Drama, würdig, packend und absolut kurzweilig als Hörspiel umgesetzt, mit tollen Sprechern und einer für damalige Zeiten schon nahezu perfekten Geräuschkulisse (wenn man da an so manch aktuelles Hörspiel denkt, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass Technik nicht alles ist, beziehungsweise dass man diese eben auch beherrschen muss).

    Volle Punktzahl.

  • »Die drei ??? und die singende Schlange« Special

    Dass bei mir dieses Remake gegen das Original-Hörspiel von 1981 wohl wenig Chancen hatte, war mir eigentlich schon zuvor klar... dafür mag ich die alte Version einfach viel zu gern.

    Dennoch muss ich sagen, dass ich sehr positiv überrascht bin und sich der Kauf auf alle Fälle gelohnt hat.

    Allzu viel Neues ist allerdings nicht enthalten, lediglich das Finale ist etwas umfangreicher. Ich konnte das Hörspiel im Prinzip mitsprechen und habe mich über die eine oder andere Ergänzung gefreut.

    Als erstes fiel mir die etwas entschärfte Allie auf, welche nicht mal den guten Justus mit dem netten Zusatz »Dicker« betitelte.

    Vieles wurde anders betont. Insgesamt kam es mir vor, als wären die Texte langsamer gesprochen worden. Das kindlich spontane fehlt halt.

    Überhaupt fällt es natürlich auf, dass hier allesamt Erwachsene agieren. Und dann ist es schon fast zum Totlachen, dass Justus den doch sehr bekannten Code-Spruch »Ich will in den 12er Kreis treten!« dann noch etwas tiefer spricht... was er ja eigentlich gar nicht müsste.

    Schade fand ich, dass Lutz Mackensy hier nicht mehr den Dr. Shaitan gesprochen hat. Aber auch Tim Grobe hat seine Sache recht gut gemacht... das kam schon gut rüber... und auch Justus bekam dann doch noch seinen »Fettsack« ab!

    Die »Schlange« sang auch nicht mehr ganz so aufdringlich laut. Hierauf hatte ich mich eigentlich gefreut, beim Remake ist es dezenter, dafür aber nicht weniger unheimlich.

    Auf die Bannung von Patricia Osborne's Fluch durch die Hexe Mara hätte ich sehr gut verzichten können. Andernseits verdankt diese Hinzunahme jedoch die eigentliche Exklusivität des Remakes, beim Übrigen wurde ja lediglich leicht ausgeschmückt.

    All meine Anmerkungen hören sich jetzt wahrscheinlich schlimmer an, als sie es sind. Mir hat dieses Hörspiel sehr gut gefallen.

    Ich denke, ich werde es öfter hören.

    Weitere Remakes, vor allem von früheren Folgen, würden mir schon Spaß machen. Keine Frage.

    8 von 10 Punkten, auf alle Fälle...👍

    Edited once, last by Ghost (March 15, 2026 at 9:18 AM).

  • »Na los, vorwärts, flieg' Rosinante!«

    ... bittet der eher verzweifelte denn siegesgewisse König Julius der 111. sein Streitross, welches ihm Hui Buh für ein Turnier überlassen hat. Ja, dem Herrn von Schloss Burgeck ergeht es übel - hat er sich doch dummerweise vom rostigen Kettenrassler zu einer aberwitzigen Unternehmung verleiten lassen. Dabei geht es um das Schloss Burgeck selbst - hier stellt sich im direkten Vergleich mit einer anderen Burg eine wohl für damalige Verhältnisse wichtige Frage. Es geht nicht darum, welche Burg schöner oder größer ist oder welche den höheren Söller hat - auch ist nicht von Interesse, welches Haus wohlhabender ist - nein, allein das Alter des jeweiligen Bollwerks ist ausschlaggebend.

    Dumm, dass gerade der selbstbewusste und wohl auch zweikampferfahrene Nachbar, Herr von Mausestein (ein genialer Name, wie ich finde), sich genau diese Frage stellt. Um die Frage nach der älteren Behausung abschließend zu klären und somit die Burgfehde endlich aus der Welt zu schaffen, schlägt der »alte Mäuserich« ein Turnier vor, dessen Sieger fürderhin vor aller Welt verkünden kann, dass seine Burg die ältere ist.

    Noch dümmer ist, dass sich der eher schüchterne und nicht gerade waffentechnisch begabte Julius vom erzürnten Burggeist dazu verleiten lässt, am Turnier teilzunehmen. Naja, wenigstens hat sich der Burgherr von Hui Buh nicht dazu überreden lassen, seine Gemahlin Konstanzia als Wettpfand einzusetzen. Am allerdümmsten hingegen ist jedoch, dass sich Julius ausgerechnet den Pechgeist Hui Buh als Berater zur Seite nimmt. Gerade ihm dürfte eigentlich bekannt sein, dass mit Hilfe des tollpatschigen Gespensts der Wettstreit im Grunde genommen schon vor dem Turnierbeginn verloren ist.

    Aber gerade dafür lieben wir unsere "Helden" von Schloss Burgeck ja so sehr. Wer will und muss schon immer gewinnen. Im wahren Leben ist es ja auch nicht so, dass man immer als Sieger vom Platz geht - schön wär's. Umso erfrischender ist es also für uns, wenn sogar einem über 400 Jahre alten Gespenst der eine oder andere Fauxpas widerfährt.

    Hui Buh, das "furchteinflößende" Gespenst, welches es im Grunde genommen immer nur gut mit seinen "lebendigen" Zeitgenossen meint, kommt mit wahrlich abenteuerlichen Ratschlägen daher, welche dem Widersacher von Burg Mausestein den Garaus machen sollen. Da wäre zum Beispiel das bereits erwähnte Streitross »Rosinante«, dass wohl im Laufe der Zeit einen Großteil seiner einstigen Spritzigkeit eingebüßt haben dürfte. Auch Hui Buhs Bogen, welcher sogar um die Ecke schießen kann, ist Julius nicht wirklich eine Hilfe. Freilich hätte er wissen müssen, dass er daneben zielen muss, um genau zu treffen. Das heißt, getroffen hat der Pfeil schon, nur nicht das Ziel, sondern das Hinterteil des ergebenen und ebenfalls sehr besorgten Kastellans.

    Das wirklich lustige und (wie ich finde für Hui Buh-Verhältnisse) recht schlüssige Hörspiel ist mal wieder mit "Sprecherlegenden" gespickt. Neben den unvermeidlichen Hauptsprechern Hans Clarin, Claus Wilke, Ingrid Andree und Andreas von der Meden geben sich Ernst von Klipstein sowie dessen Gemahlin Marianne Kehlau als Herr und Frau von Mausestein die Ehre. Den wahrlich feierlich agierenden Schiedsrichter (Fürst Ehrenberg) des denkwürdigen Wettstreits spricht Franz-Josef Steffens.

    »Hui Buh und die unheilvolle Burgfehde« ist ein spannendes und superlustiges Hörspiel, welches von Anfang an Freude bereitet. Wie immer mit dabei: lustige Sprüche, irrwitzige Begebenheiten und wirklich liebevoll gesprochene Texte - natürlich eher kindgerecht, aber auch für die mithörende ältere Generation durchaus ansprechend dargeboten. Und auch wenn König Julius, der ebenfalls wie sein Burggeist Hui Buh eher zwei linke Hände zu haben scheint, nicht einen einzigen Sieg davonträgt, weiß der geneigte Hörer, dass dem Schlossgespenst noch ganz andere Mittel zur Verfügung stehen und am Ende eben alles gut werden wird.

    10 von 10 Punkten für dieses "vermaledeite" Hörspiel. Natürlich!

  • »Diesen Brief hier haben mir die Zigeuner gegeben ...« (Zitat von Graf Dracula)

    Mal abgesehen von den wenigen Auftritten, welche Graf Dracula im Hörspiel »Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten« hatte, war vorliegendes Hörspiel meine erste Begegnung mit dem Fürsten der Finsternis - jedenfalls auf rein akustischer Ebene. Natürlich hatte ich, wie wahrscheinlich sehr viele meiner Altersgenossen, verbotenerweise bereits die alten Hammer-Filme aus den 60'er Jahren gesehen. Jedoch waren die Hörspiele der Gruselserie sozusagen mein erstes greifbares "Horror-Equipment", zu deren Kauf ich meine Eltern gerade noch so überreden konnte. Demzufolge hat sich in puncto Dracula besonders dieses Hörspiel tief in mein Bewusstsein eingebrannt.

    Konrad Halvers vorangegangenes EUROPA-Hörspiel »Dracula - Jagd der Vampire« aus dem Jahre 1970 bzw. dessen überarbeitete Version (»Dracula - Die Geschichte des berühmten Vampirs« [1976]) waren mir damals nicht bekannt. Das war vor meiner Zeit - ich bin Baujahr 1973. Natürlich habe ich das Versäumte nachgeholt, als im Rahmen der "Rückkehr der Klassiker - Die Originale" das Hörspiel 2007 auf CD erschien. Wie man sich bereits denken kann, hat mir "Dracula 1970" im Nachhinein natürlich weit weniger gefallen, als das vorliegende Werk. Es spielt also schon eine große Rolle, ob man ein Hörspiel in seiner Jugend (Kindheit) kennen und lieben gelernt hat oder ob man sich erst viel später darauf einlässt. »Dracula, König der Vampire« wird daher immer mein favorisiertes Dracula-Hörspiel sein - egal was da komme.

    Ganz kurz zur Wahrnehmung: Seltsamerweise sind es fast die gleichen Argumente, welche bei einer Diskussion meist über Pro und Kontra in beidseitiger Richtung angeführt werden. Dem einen hat Charles Regnier als Dracula in der 70'er Version besser gefallen, fand ihn engagierter. Ein anderer fand seinen Grafen in Hans Gerhard Franciskowskys 81'er Version schmissiger beziehungsweise passender. Ähnlich verhält es sich bei der Frage, ob Vorlagen aus dem Buch stärker in den Vordergrund gesetzt oder gar ganz weggelassen werden sollten. Zum Beispiel die Frage, ob die Person einer Lucy Westenraa für das Hörspiel auch noch von Wichtigkeit sei. Da ist sicherlich vieles Geschmackssache.

    Und natürlich ist es auch unglaublich schwer, aus Bram Stokers nicht gerade kurzem Roman (englische Erstausgabe 1897) das für ein Hörspiel Essentielle herauszufiltern. Meine ungekürzte Taschenbuchausgabe hat satte 540 Seiten. Im Übrigen hat Stoker den Roman in Form von Tagebucheintragungen abgefasst. Demzufolge und auch auf Grund der damaligen oft umständlichen sprachlichen Formulierungen liest sich der Text auch nicht gerade einfach bzw. flüssig.

    Franciskowsky ist es meiner Meinung nach durchaus gelungen, sowohl das für ein Jugend-Hörspiel Notwendige zu ermitteln, als auch dasselbige in eine anspruchsvolle und transportierende Sprache zu verpacken. Dies sicherlich stark gerafft und stark vereinfacht - das Hörspiel dauert nur gute vierzig Minuten. Halvers Urversion ist hingegen etwa 5 Minuten länger. Die Frage, ob es eine gute Idee war, Mina (Murray) direkt mit zum Schloss reisen zu lassen, würde ich im Nachhinein dann doch mit einem klaren "Ja" beantworten. Ein Hörspiel lebt nun mal von Sprache - von Dialogen. Und mit wem, wenn nicht gerade mit dem unnahbaren Grafen selbst, hätte sich Jonathan Harker bitteschön sonst unterhalten sollen? Richtig, nur mit sich selbst. Und das, was sich in Buchform (weil Tagebucheinträge) gut umsetzen ließ, funktioniert bei einem Hörspiel eben nur bedingt.

    Eines vermisse ich hingegen schon. Es ist zwar schon einige Jahre her, als ich Bram Stokers Schwarte gelesen habe, jedoch ist mir eines stark in Erinnerung geblieben. Nämlich die sich in Jonathan Harker durch die Erlebnisse immer stärker entwickelnde Angst, ja bald schon Panik. Auch das klaustrophobische Element, Harker war mutterseelen allein und mehr oder weniger in kleine Räume eingesperrt, fehlt mir hier gänzlich. Im Hörspiel konnten Harker und Mina sich recht frei im Schloss bewegen. Sorgen und Ängste konnte er stets mit Mina teilen. Und ängstlich ist mir der gute Jonathan in Franciskowskys Version eigentlich nie vorgekommen. Diesen Part übernahm dann voll und ganz die schon zuvor nicht ganz ausgeglichen wirkende Mina.

    Des Weiteren muss einen natürlich negativ auffallen, dass alles recht schnell vonstatten geht - wie könnte es auch anders sein. Dennoch ist es durchaus gelungen, eine einigermaßen würdige Atmosphäre zu schaffen, in welcher sich dann auch ein gewisser Grad an Spannung aufbauen kann. Auch Draculas Ableben selbst finde ich ziemlich gelungen und spektakulär. Vor allem der Übergang, als Dracula zunächst noch glaubt, Herr der Lage zu sein und sich dann schließlich fast jämmerlich seinem nahenden Schicksal fügt, ist beeindruckend.

    Darüber hinaus verfügt das Hörspiel wiederum über eine exzellente Sprecherriege. Wirklich alles, was Rang und Namen hat, ist mit an Bord. Ernst von Klipstein (Kutscher), Marianne Kehlau (bedauernswerte Mutter), Charles Regnier (Dracula), Katharina Brauren (Fahrgast) und Reinhilt Schneider (Mina) - da kann ja nicht viel schief gehen. Außerdem finde ich es klasse, dass Günther Ungeheuer neben seinen Part als zugegeben recht furchtloser Jonathan Harker auch noch den Ich-Erzähler gibt. Eine tolle Idee, die auch dem Tagebuch-Stil des Romans in gewisser Weise Rechnung trägt.

    »Dracula, König der Vampire«, ein tolles Hörspiel.

    Zehn blutrote Punkte und somit volle Punktzahl - weniger wäre Majestätsbeleidigung. Und wer will sich schon mit einem Untoten anlegen ...

  • »TKKG (12) Nachts, wenn der Feuerteufel kommt«

    »Probier' doch mal was Neues!«, sagte damals mein bester Kumpel zu mir und meinte damit, ich solle auch mal einer anderen Serie eine Chance geben. »Es muss ja nicht immer die 'Gruselserie' oder 'Die drei ???' sein.« Und er hatte ja auch recht. »Versuche ich halt mal eine von den 'Blauen'«, sagte ich mir. Herausgesucht hatte ich mir eben diese Folge Nr. 12, da ich auch das Cover recht ansprechend fand.

    Abends im Bett wollte ich mir dann die Folge anhören, schaltete aber nach den ersten Sekunden wieder ab, da ich durch die (in meinen Augen grauenhafte) Titelmusik total enttäuscht beziehungsweise irritiert war. Was für ein Mist wurde mir hier empfohlen? Ich hätte das Ding am liebsten aus dem Fenster geworfen, hatte die MC dann aber doch erst einmal unters Bett verbannt - kein Witz. »Dann höre ich doch lieber zum hundertsten Mal 'Die drei ???'«, sagte ich mir. Auch als Zwölfjähriger möchte man schon wenigstens ein bisschen ernstgenommen werden und genau dieses Gefühl vermittelte mir mein erstes Date mit »TKKG« auf Grund dieser grottigen Titelmusik nun ganz und gar nicht.

    Nach etwa einer Woche hatte ich mir das Teil dann nochmal vorgekramt, die Zähne zusammengebissen und sogar dieses dämliche Lied ertragen. Alles was danach kam hat mich eigentlich nur positiv überrascht. Wirklich, ich war begeistert, da die Geschichte so ganz anders war, als alles was ich zuvor aus dem Hause EUROPA gehört hatte. Das erste Wort, was mir im (ewigen) Vergleich mit meinen drei Freunden aus Rocky Beach einfällt, ist Spontanität. Während das Material rund um Justus Jonas & Co. wesentlich steriler und geradliniger klingt, warten die Folgen von »TKKG« mit (liebevollen) Ecken und Kanten auf. Wie gesagt, alles klingt wesentlich spontaner und kommt frischer herüber.

    Tolle (meist) unverbrauchte Stimmen mit Wiedererkennungswert - vor allem natürlich die lustige "Quäke" von Gaby, in welche sich wahrscheinlich so mancher junge männliche Hörer verliebt hatte. Günther Dockerill als Erzähler empfand ich zunächst etwas altbacken und schnarchig - dies jedoch nur ganz zu anfangs. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, war seine stets korrekte aber auch sehr angenehme Erzählstimme eine der besten, die ich je gehört habe (R.I.P. Günther Dockerill, 1924-1988).

    Auch finde ich die Namen der einzelnen Sprechrollen sensationell witzig: Norbert, Helmut, Hartwig, Werner, Erich, Karlo ... echt der Brüller - so hieß doch in den 70'er Jahren schon niemand mehr.

    Tarzan mit seiner stets großen Klappe hat Sprüche drauf (» ... das haut den stärksten Neger aus der Weltraumkapsel ...«), die ein Justus Jonas so niemals sagen würde. Das, was ihm vielleicht an Intelligenz im Vergleich zum Großmeister aus Rocky Beach fehlt, wird durch das wandelnde Lexikon Karl Vierstein komplettiert. Karl, der Computer, weiß einfach alles, kann die Informationen oftmals nur nicht treffsicher miteinander verbinden - dafür aber wahrscheinlich bis an sein Lebensende in seinem sensationellen Langzeitgedächtnis abspeichern. Klößchen ist zwar »ein guter Typ«, kann aber rein Detektiv-technisch nicht gerade die Masse beisteuern. Dafür sorgt das Schokolade killende Dickerchen stets für gute Laune im Team. Die »Pfote« Gaby hat nicht nur »den Tarzan lieb«, sondern ist auch ansonsten die gute Seele der Vierer-Bande - und außerdem die Tochter des Kommissars, welcher fast in jeder Folge bemüht wird. Gabys Hund Oskar rundet das Bild ab und erinnert natürlich an den Hund Timmy von den »Fünf Freunden«.

    Auch ist es schön, mal (neben Rocky Beach oder beispielsweise Kirren Island) was aus unseren Gefilden zu hören. Wenn also beispielsweise der Bauer Fanhauser die Dorfschenke betritt, so konnte man sich dies Kopfkino-mäßig weitaus besser vorstellen, als so manche Örtlichkeit in Rocky Beach oder etwa auf der »Insel der Zombies«. Auf der anderen Seite sind viele Dinge, die damals bei »TKKG« geboten wurden, heute auch schon wieder Anachronismen - so wie es Dorfkneipen heute eben auch nur noch sehr selten gibt. Auch Karls Supergedächtnis hätte in unserer heutigen Smartphone-Zeit wohl einen weit geringeren Stellenwert.

    Worum es geht: Tarzan (Peter Carsten), Karl (Vierstein), Klößchen (Willi Sauerlich) und Gaby (Glockner) machen todmüde von einer langen Wanderung in einer Scheune Rast. Sie beobachten, wie jemand eine brennende Kerze ins Heu stellt, um somit zeitverzögert die Scheune in Asche zu verwandeln. Sie löschen die Kerze und können kurz darauf in der nahegelegenen Dorfschenke den vermeintlichen Brandstifter auffinden. Sie alarmieren die Polizei und Gabys Vater, Kommissar Glockner, führt den Beschuldigten ab, nachdem seltsamerweise die Scheune dennoch in Flammen aufging.

    Trotzdem ist man sich sicher, den Feuerteufel unschädlich gemacht zu haben. Doch man hat sich zu früh gefreut, denn die Untaten des seit Wochen gesuchten Verbrechers reißen nicht ab. Viele sind beziehungsweise machen sich verdächtig, für die zahlreichen Brände verantwortlich zu sein. Selbst Freunde und Bekannte von TKKG scheinen Interesse am "großen Feuer" zu haben - begeisterte Bombenbastler inklusive. Da viele der abgebrannten Gebäude gut versichert waren, haben die vier Freunde jedoch einen ganz bestimmten Verdacht. Die Spur führt zwar in die richtige Richtung, jedoch nicht sofort zum Ziel. Doch dann kommt Tarzan ein Geistesblitz zu Hilfe und er kann dem Feuerteufel eine Falle stellen, in die er nichtsahnend hineintappt.

    »Nachts, wenn der Feuerteufel kommt« ist ein sehr gelungenes, kurzweiliges und vor allem spannendes Hörspiel, welches auf den Punkt kommt - wo es zur Sache geht. Für mich damals - wie gesagt - meine erste Begegnung mit der Vierer-Bande, welche mich dann ebenfalls in ihren Bann gezogen hatte, sodass ich mich von da an auch mit »TKKG«-Kassetten eindeckte.

    Erwähnenswert finde ich auch die meist lustigen Cover-Artworks von Reiner Stolte, welche oftmals allein dadurch schon komisch wirken, wenn man die ungleichförmigen Proportionen betrachtet. So ist Klößchens Korpus manchmal gar dreimal breiter als Gabys. Bohnenstange Karl könnte sich hinter dem dicken Willi glatt umziehen.

    Traurig anmerken möchte ich noch den viel zu frühen Tod von Veronika Neugebauer, die der quirligen Gaby Glockner ihre nette Stimme verlieh. Sie starb an einer Darmkrebserkrankung und wurde nur 40 Jahre alt (R.I.P. Veronika Neugebauer, 1968-2009).

    Natürlich 10 von 10 Punkten... zwei für Tarzan, zwei für Karl, zwei für Klößchen, zwei für Gaby... und selbstverständlich auch zwei für den Cocker Spaniel...

  • »Nicht einmal Hilfe kannst du holen...« (Zitat: Joanne Marlow)

    Ich schätze, ich bin nicht der Einzige, der in dem kleinen Wüstenkaff Dustville eher die Riesenspinne aus dem Jack-Arnold-Klassiker »Tarantula« aus dem Jahre 1955 verortet hätte. Auch wenn natürlich der bereits ein Jahr früher erschienene Horrorfilm »Formicula« (»Them«) wohl für dieses Hörspiel die Steilvorlage bot, so konnte ich mit diesem weit weniger bis gar nichts anfangen. Ist ja eigentlich auch egal, krabbeln tut's ja bei beiden und das Skript von Hans Gerhard Franciskowsky kommt erfrischenderweise weder dem einen noch dem anderen sonderlich nah.

    Vorweg möchte ich jedoch schon jetzt nehmen, dass Franciskowsky ein recht gruseliges und sehr unheimliches Hörspiel gelungen ist - sicherlich nicht bis ins letzte Detail durchdacht. In dieser fünften Folge seiner Gruselserie gibt es wirklich unheimliche Momente, welche eine total beklemmende Atmosphäre transportieren und einem wahrlich einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Ähnlich konzentrierter Grusel in dieser Reihe ist mir allenfalls noch aus dem »Schloss des Grauens« bekannt.

    Beispielsweise, als die ersten Opfer der Ameisen aufgefunden werden und Joanne plötzlich einen markerschütternden Schrei ausstößt, hatte ich mich damals total erschrocken. Echter Horror und ein Wahnsinns-Schrei. Mich würde interessieren, ob Ursula Sieg diesen schon beim ersten Versuch so toll hinbekommen hat. Wie kann man überhaupt so schreien? Ursula Sieg - meine persönliche "Scream-Queen" - vergesst Jamie Lee Curtis aus dem Slasher-Film »Halloween - Die Nacht des Grauens« (1978).

    Worum es geht: Harry Marlow und seine ziemlich dominante Schwester Joanne haben eine Panne - der Motor will (ach, wie originell) nicht mehr anspringen. Harry, ein Handwerker mit fünf Daumen an jeder Hand, muss unter den bissigen Kommentaren seiner Schwester einsehen, dass er nichts ausrichten kann. Man sucht Hilfe und findet zwei grausam zugerichtete Leichen, welchen wohl das Blut entzogen wurde (»Sie sehen aus wie Mumien.«). Unterdessen nimmt man seltsame, aber sehr unheimliche Geräusche wahr. Man betritt das Wüstenstädtchen Dustville und sucht den Sheriff auf. Dieser glaubt den beiden natürlich kein Wort und man muss den Guten schon fast mit der Brechstange bearbeiten, um sein Interesse für die Sache zu gewinnen. Dann gibt es noch die recht bestimmende Dr. Doris Barn (wahrscheinlich der Traum aller Männer), welche Harry ihre Hilfe anbietet und ihn wohl auch ansonsten ganz gern leiden mag.

    Harry und Doris stöbern die Riesenameisen auf. Nur knapp können sie diesen entkommen. Fatalerweise bewegen sich die tödlichen Krabbler mehr und mehr auf das Städtchen Dustville zu. Nun gilt es, den knurrigen Sheriff zu überzeugen - auch kein leichter Akt. Die Ameisen kommen, doch dank einer genialen Idee Harrys kann man die Monster in ihren Bau zurücktreiben und schließlich unschädlich machen - Benzin sei Dank.

    An diesem Hörspiel gefallen mir besonders die Szenen, in welchen die Protagonisten direkt mit der tödlichen Gefahr konfrontiert werden - sprich, wenn die "Ants" kommen. Das ist wirklich Spannung und Grusel pur. Man ist praktisch dabei und wünscht sich nur schnellstens weg.

    Auch die Sprecher machen ihre Sache recht gut. Wolfgang "Käpt'n Blaubär" Völz gibt einen wahrlich kantigen Sheriff ab, dem man am liebsten in den Hintern treten würde. Außerdem wundert man sich, dass man diesen im Saloon antrifft. Ist wohl so in USA. Cordula Hubrich spielt eindrucksvoll eine wohl desillusionierte Akademikerin - wenig charmant, dafür mit Charakter und Durchsetzungsvermögen - nichts zum Heiraten.

    Günther Flesch als Harry Marlow und Ursula Sieg sind ebenfalls ein Dreamteam - sozusagen die Geschwister Tom und Eireen unter Ameisenbedingungen. Es ist einfach herrlich mit anzuhören, wie der tollpatschige Harry all diese Spitzen und Demütigungen seiner nervigen Schwester ertragen muss. Der arme Kerl kann einem wirklich nur leidtun, und ich gehe jede Wette ein, dass das Stück auch ohne die Killer-Ameisen ein dramatisches Ende gefunden hätte. So eine Schwester erträgt keiner auf Dauer. Ein doppelter Whiskey zu viel, das eine oder andere falsche Wort, die Wüstenhitze ... (he, he, he)

    Apropos Ende: Dieses finde ich nicht ganz so toll. Gut, dass sich durch Mutation auf Grund der ganzen unsäglichen Atombombentests die sechsbeinigen Krabbler in fiese Monster entwickeln können, leuchtet mir noch ein ... glaube ich. Aber warum kann man diese durch eine Tonbandwiedergabe ihrer eigenen Geräusche beeindrucken und in die Schranken weisen? Vor allem, was für ein super Equipment muss Harry zur Verfügung gestanden haben? Recht guter Raumhall in der Wüste. Ich denke da immer an meinen wahnsinnig lauten Kassettenrekorder von damals. Und dann, wie kommt Harry auf diese sensationelle Idee? Wusste er, dass es sich lohnt, für ein paar Tonbandaufnahmen sein Leben zu riskieren? Auf der anderen Seite freut es mich, dass der leidgeplagte Harry auch mal einen Treffer landet - wenn auch nur einen zufälligen. Das hat ihm bestimmt sehr gutgetan. Welch ein Sprung: Vom ewigen "Turnbeutelverbummler" zum Retter einer kleinen Kleinstadt. All right, Harry!

    Der fünfte Streich der Gruselserie, ein gelungenes Stück Hörspielgeschichte. Spannend, einfallsreich, kurzweilig, gut erzählt ... kann man immer wieder hören. Darüber hinaus ist »Der Angriff der Horrorameisen« auch wieder mal ein gutes Beispiel dafür, wie man ein Hörspiel, welches ohne die Musik von Carsten Bohn auskommen muss, zerstören kann. Die 1999'er Version mit der neuen Musik ist einfach eine Katastrophe - teilweise mit Techno-Sound. Die komplette Atmosphäre wurde dem Erdboden gleichgemacht. Das hätten wohl nicht mal die Horrorameisen so hinbekommen. Die Gruselserie 1999 - ein Fall für die Rundablage.

    In der Urversion jedoch jeden Punkt Wert. Natürlich 10 von 10 Punkten.

  • bisher wurden besprochen:


    Die drei ???

    (2) und der Phantomsee

    (9) und die rätselhaften Bilder

    (11) und das Gespensterschloß

    (40) und der Automarder

    Special - Die singende Schlange


    Ein Fall für TKKG

    (12) Nachts, wenn der Feuerteufel kommt

    (55) Der Mörder aus dem Schauerwald


    H.G. Francis Gruselserie

    (1) Frankensteins Sohn im Monsterlabor

    (3) Dracula, König der Vampire

    (5) Der Angriff der Horrorameisen

    (6) Das Duell mit dem Vampir


    Hui Buh - Das Schloßgespenst

    (14) und die unheilvolle Burgfehde


    Einzelhörspiele von Europa

    Moby Dick

    Onkel Toms Hütte

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