Christoph's Hörspiel-Garten - Kommentare & Bewertungen querbeet

  • Hallo liebe Freunde! 🤗

    In diesem Thread möchte ich Bewertungen zum Besten geben, welche ich schon vor langer Zeit mal geschrieben habe... und die zum Teil auch bereits an anderer Stelle veröffentlicht wurden.

    Dieses Schreiben war mir immer sehr wichtig... und so kam ich auf die Idee, die Texte auch hier einmal zu präsentieren.

    Hierbei geht es vorrangig um Texte der Hörspiele:

    »Die Gruselserie von H.G. Francis«

    »Die drei ???«

    »Ein Fall für TKKG«

    Aber auch viele Einzelhörspiele wurden bedacht.

    Wichtig war mir vor allem immer, dass dies nicht bierernst vonstatten geht, immer eine gehörige Portion Humor mit an Bord ist... und bitte nicht immer alles 100%-ig für bare Münze genommen werden sollte.

    Viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln.

    Es geht bald los...

    LG Christoph 😉

  • Das klingt nach einem wirklich interessanten Ansatz – gerade weil Humor im Hörspielkontext ja oft zu kurz kommt oder sehr ernst diskutiert wird. Bewertungen mit Augenzwinkern und bewusst nicht bierernst zu schreiben, hat einen großen Reiz. Das nimmt den Druck raus und eröffnet oft nochmal ganz andere Perspektiven auf bekannte Stoffe.

    Mich würde sehr interessieren, wie du das konkret umsetzt. Gibt es irgendwo schon Beispiele oder veröffentlichte Texte von dir, in die man mal reinlesen kann? Das würde ich mir gern anschauen – am besten gleich mehrere, wenn es welche gibt. 😊

  • Guten Morgen Poldi!

    Es freut mich, dass es auf Interesse stößt.

    Ja, meine Texte sind nahezu alle auf http://www.claudius-brac.de veröffentlicht.

    Hier kannst Du gerne schon mal reinschauen...

    ... allerdings frage ich mich - Du hattest Dich ja ähnliches gefragt - ob ich sie vollkommen unverändert lasse.

    Einiges hat Bezug zu anderen Themen der Seite, anderes würde ich vielleicht heute auch nicht mehr so schreiben.

    Wie gesagt, Humor war mir immer wichtig... und ich hoffe, dass vor allem aufgrund dessen meine Texte nicht zerrissen werden.

    Es sind auch weniger Bewertungen, eher Kommentare mit einer abschließenden Bewertung...

    ... und sehr, sehr oft lag ich mit dieser konträr zu anderen Kommentatoren...

    LG und bis denn

    Christoph

  • Er zijn veel hoorspelen - spannend, verdrietig, griezelig, grappig - met vampiers, piraten, onderzoekers, cowboys en indianen, met dieven en boeven, politieagenten, vaders, moeders en kinderen. Veel hoorspelen gaan over Amerikanen, Engelsen, Fransen, Duitsers ...


    Übersetzung für alle Nicht-Niederländer:

    Hörspiele gibt es viele - spannende, traurige, gruselige, lustige - mit Vampiren, Piraten, Forschern, Cowboys und Indianern, mit Dieben und Gaunern, Polizisten, Vätern, Müttern und Kindern. Viele Hörspiele beschäftigen sich mit Amerikanern, Engländern, Franzosen, Deutschen ...

    Hörspiele, in denen Holländer (in Fachkreisen auch Niederländer genannt) vorkommen, sind dagegen nicht ganz so zahlreich. Im Vorliegenden haben wir es gar mit einem recht bösartigen Exemplar dieser (für uns Deutsche) wohl ungewöhnlichen Spezies zu tun. Nein, Mr. De Groot ist eben nicht der nette "Käskopp" von Nebenan, der einem jenseits der Grenze grinsend seine Frikandeln, Bitterballen und Frietjes met Sauce Spezial andrehen will. Eine recht erfreuliche Tatsache, da das ansonsten eher nicht so rasante Hörspiel allein schon durch diese Zutat etwas an Tempo beziehungsweise Geschwindigkeit (ndl.: "de snelheit") aufnimmt.

    Doch womit beschäftigt sich das Hörspiel eigentlich? »Ein Sprachwissenschaftler kann sich heutzutage ein solches Haus gar nicht leisten«, betont Professor Carswell (sehr angenehm gesprochen von Volker Bogdan) aus mir völlig unerklärlichen Gründen bereits zu Beginn des Hörspiels. Würde so etwas wirklich jemals jemand zu einem Fremden sagen? Diese Frage ist für mich beinahe rätselhafter als besagte Bilder selbst. Der Professor und sein Sohn Harold, welche den kürzlich verstorbenen Mr. Joshua Cameron beherbergten, staunen nicht schlecht, als die drei Detektive nebst Onkel Titus vor der Türe stehen und einen mysteriösen Einbrecher gesehen haben wollen.

    Mr. Cameron, der eigentlich wenig Wertvolles besaß, hinterließ unterdessen mehrere unbedeutende Bilder, welche stets das gleiche Motiv darstellen. Hierfür interessiert sich nicht nur der "fliegende Holländer", der vermeintlich gleich zweimal in dieselbe Schlucht zu stürzen scheint (»Aaaah, verdomme!«), sondern auch noch eine europäische Gräfin nebst ihrem Begleiter Armand Marechal. Die Bilder, welche einem durch das sich verändernde Motiv schon ein Rätsel aufgeben, wecken überdies auch noch das Interesse des Erzfeindes der drei Detektive - Skinny Norris. Auch dieser agiert wiederum erfrischend niederträchtig, und es ist einfach nur ein teuflisches Vergnügen, diesem Brechmittel in Menschengestalt dabei zuzuhören. Andreas von der Meden (R.I.P.) war schon großartig - ein Garant für tolle Hörspielunterhaltung, ein Stein auf den man bauen konnte.

    Überhaupt stellt diese Folge abermals ganz klar zur Schau, was eine so exzellente Riege an Sprechern in der Lage ist, auf die Beine zu stellen. Wenn ich da an manch aktuellen Kram denke, so tut mir unsere heutige Hörspiel-Jugend leid. René Genesis als Holländer Mr. De Groot, Gisela Trowe, die hier mit so elegant tiefer Stimme serviert, als dass sie auch mit Bravour hätte Gräfin Dracula (Gruselserie, Folge 8) sprechen können oder auch Werner Cartano als exzentrischer Maler Maxwell James sind einfach nur großartig - genial. Darüber hinaus kann man sich an einem wahrhaft spielfreudigen Joachim Wolff ergötzen, der mit dem übertrieben dargestellten "Franzmann" Marechal ein weiteres Klischee bedient.

    Auch finde ich es toll, dass man den Hörern von damals durchaus noch zugetraut hat, mit etwaigen Klischees (die ja niemanden umbringen) umgehen zu können. Was für ein blutleerer Aufguss wäre da wohl heutzutage bei all der "political correctness" rausgekommen. Damit würde man wohl niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken können. Wie bereits gesagt ist das Hörspiel keine rasante Geisterbahnfahrt, zeichnet sich jedoch durch gewitzte Dialoge sowie einzelne packende Sequenzen aus.

    Zum Beispiel die Szene, in der die drei Detektive und Hal eingesperrt sind und wohl nur durch ein schwarzes Loch im Boden (bei dem man nicht weiß, wie tief es ist) entkommen können, lässt einem wirklich den Atem stocken. Als Bob dann als erster ins Ungewisse springt, möchte man schreien: "Junge, tu es nicht!" Auch als der dritte Detektiv und Harold mit den Fahrrädern De Groots Wagen verfolgen, da dieser Justus und Peter entführt hat, ist irre spannend. »Jetzt kommt ein Stück auf dem fast keine Ampeln sind«, keucht Bob, der befürchtet, die Verfolgung abbrechen zu müssen. Und dann sind es natürlich immer wieder Mr. De Groots Einschüchterungen und Drohungen (»Seht Ihr dieses Messer? Ich werde es gebrauchen ...«), welche einen bei Laune halten. Da wurde dem jungen Zuhörer schon einiges zugemutet - niet slecht.

    »Die drei ??? und die rätselhaften Bilder«, ein Hörspielspaß der Extraklasse - interessant, lustig, spannend, immer wieder gut ... ein Klassiker.

    Tien punten van de tien, natuurlijk. Tot ziens.

    Edited 2 times, last by chp73 (February 25, 2026 at 9:10 AM).

  • Hier noch der Ort in Oostende, in welchem man hätten Mr. De Groot verorten können...🤣

    Siehe hierzu auch...

    chp73
    January 26, 2026 at 5:17 PM
  • »Diese Neger fühlen nicht wie wir weißen Menschen. Sie halten viel aus.«

    Großer Gott, dieses Hörspiel aus dem Jahre 1972 hat es wirklich in sich. Und dies gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist es meines Erachtens das absolut traurigste Hörspiel, welches ich jemals aus dem Hause EUROPA zu hören bekommen habe. Wirklich - sollte man mal einen "Depri-Tag" haben, so wird einen dieses Hörspiel mit Sicherheit nicht aus dem Loch herausziehen. Es sei denn, man kann etwas Positives daraus schöpfen, dass es anderen noch weitaus schlechter geht oder besser gesagt ging, als einem selbst.

    Zum anderen wird man in heutiger Zeit bestimmt auch seine Probleme mit (dieser Adaption von) »Onkel Toms Hütte« haben. So findet beispielsweise das unschöne Wort "Neger" in Heikedine Körtings Hörspiel gefühlte tausend Mal seine Anwendung. Und auch wenn es rein schreibtechnisch nur noch ein Katzensprung bis zu der verschärften Variante, dem "Nigger", zu sein scheint, so macht einem der Gebrauch dieses Unwortes innerhalb eines Kinderhörspiels nahezu sprachlos. Aber zu Zeiten Onkel Toms wurde halt so gesprochen... und wie wollte man es auch anders authentisch rüberbringen?

    Über jeden Zweifel erhaben dürften jedoch die gutgemeinten und gleichzeitig ermahnenden Absichten der Verfasserin sein. Die Amerikanerin Harriet Beecher Stowe, welche den Roman im Jahre 1852 veröffentlichen ließ, war eine erklärte Gegnerin der Sklaverei - ein Umstand, der ihr zu dieser Zeit sicherlich nicht nur Sympathien einbrachte. Aber wie bitteschön kann man auf ein Unrecht besser aufmerksam machen, als dass man es klar beim Namen nennt und nicht um den heißen Brei herumredet. Nur so lassen sich meiner Meinung nach Probleme wirklich lösen, denn nichts ist doch nur schwarz oder nur weiß. Womit wir - überspitzt gesagt - wieder beim Thema »Onkel Toms Hütte« wären.

    Kurz worum es geht: Eine Farm in Kentucky. Jeder kennt Tom, jeder achtet Tom und jeder liebt Tom. Ein Umstand, der den gottesfürchtigen und kindguten "Neger" (sehr ergreifend gesprochen von Franz-Josef Steffens), der mehr oder weniger die Farm seines Herrn verwaltet, schon bald in arge Bedrängnis bringt. Denn mit seiner Beliebtheit und all seinen Begabungen steigt auch sein Marktwert. Und da sein Herr, Mr. Shelby (Helmut Kolar spricht sehr glaubwürdig den verzweifelten Farmer), in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ist er gezwungen, Tom an den seelenlosen Sklavenhändler Haley (Andreas von der Meden) zu verkaufen. Tom nimmt sein Schicksal ergeben an und muss seine Heimat und vor allem seine Familie verlassen. Von der Hoffnung getrieben, jemals seine Lieben wiederzusehen, geht er einer ungewissen Zukunft entgegen, welche sich trotz allen Leids dennoch zunächst günstig für ihn entwickeln soll. Weitere Schicksalsschläge lassen jedoch nicht lange auf sich warten und Toms Geschicke werden abermals auf eine harte Probe gestellt. Tom wird alles ertragen. Und nur ein einziges Mal wird er widersprechen.

    Wirklich erschreckend an Beecher Stowes Roman ist für mich die Erkenntnis, dass Aufrichtigkeit, Gottesfürchtigkeit, Sanftmut und Tugend mit Füßen getreten werden und dass das absolut Böse mit einer selten so wahrgenommenen Selbstverständlichkeit siegt, auf dass es einem schlecht werden könnte. Das Unrecht scheint stets im Recht zu sein - Konsequenzen scheint es nie fürchten zu müssen. »Onkel Toms Hütte« ist eben keine "Am Ende siegen die Guten"-Kindergeschichte - hierüber kann nicht einmal der allseits beliebte Märchenonkel-Erzähler Hans Paetsch hinwegtäuschen.

    An dieser Stelle möchte ich nochmals erwähnen, wie viel mir diese großartigen Sprecher von damals bedeuten. Das waren schon irgendwie alles Originale - kaum ersetzbar, jeder für sich gesehen einzigartig. Was allein Franz-Josef Steffens in seiner Rolle als Onkel Tom hier abliefert, ist wirklich bemerkenswert. Diese Magie in seiner Stimme lässt Beecher Stowes Onkel Tom wahrlich Gestalt annehmen - man kann nicht nur seine Stimme hören, man kann die Gedanken seiner gequälten Seele förmlich sehen. Den Zwiespalt, wie er versucht, in all seiner ausweglosen Lage, doch immer noch das Gute in den Vordergrund zu stellen.

    Andreas von der Meden hingegen kann einem beinahe leidtun. Es war bestimmt nicht einfach für ihn, den Charakter des gewissenlosen Sklavenhändlers so dermaßen exzellent interpretieren zu müssen - wohl seine mieseste Rolle als Hörspielsprecher. Macht es einem Spaß, die Gehässigkeiten seines Skinny Norris zu genießen, so ist es kaum zu ertragen, die schamlosen Ausflüchte des Sklavenhändlers Haley über sich ergehen zu lassen. Auch Horst Stark als Mr. St. Clare sowie Regine Lamster als dessen todkranke Tochter Evangeline sind grandios. Die Szene, in der Eva an einer tödlichen Lungenkrankheit verstirbt, ist wirklich herzzerreißend. Kein einfaches Hörspiel.

    Heikedine Körting ist es gelungen, eine sicherlich nicht einfache Romanvorlage packend und eindrucksvoll umzusetzen. »Onkel Toms Hütte«, ein großartiges Plädoyer gegen Rassismus und Gleichgültigkeit - sollte jeder kennen.

    Volle Punktzahl, also 10 Punkte.

  • Diesen Kommentar bitte nicht zu ernst nehmen...

    »Überall in Spanien gibt es Paradores.«

    Zuerst die gute Nachricht: Tom Fawley hat doch wirklich endlich sein »Plabbermäulchen«, die gute Eireen Fox, geheiratet. Damit war wohl zu rechnen. Das muss eine schmissige Hochzeit gewesen sein. Da wäre ich gern dabei gewesen.

    Und was haben die beiden nicht schon vor diesem dritten (und leider letzten) Abenteuer alles erlebt. Bereits vier Jahre zuvor hatten sie das Rätsel um »Nessie - Das Ungeheuer von Loch Ness«, gelöst. Naja, genau genommen haben sie das nicht, aber sie haben es zumindest versucht. Zwei Jahre später legten sie sich mit dem Fürsten der Finsternis (Graf Dracula), dem berühmt berüchtigten Forscher Dr. Frankenstein nebst seiner durchgeknallten Assistentin Frau Dr. Finistra sowie deren selbstgebastelter Kreatur an.

    Und ja, auch im Hörspiel »Dracula trifft Frankenstein« beziehungsweise in der Neuauflage »Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten« war man auch nicht sonderlich erfolgreich. Das Hörspiel an sich war jedoch ein großer Wurf und meiner Meinung nach eines der Besten, welches jemals unter dem EUROPA-Banner erschienen ist.

    Man versuchte es also, wiederum zwei Jahre später, ein drittes Mal mit dem Dreamteam Horst Frank / Brigitte Kollecker. Beide waren übrigens auch im wirklichen Leben ein Ehepaar. Und warum sollte man nach der Kombination Dracula / Frankenstein nicht mal einen Vampir und einen Werwolf sich in einem Hörspiel austoben lassen? Es hätte ja funktionieren können.

    Hat es aber nicht, denn hierfür war das Skript einfach zu schwach, um nicht zu sagen - schlecht. Da konnten dann auch die gute Eireen und ihr bärbeißiger Göttergatte nicht mehr allzu viel rausreißen. Versucht haben sie es wohl, und mangelndes Engagement kann man den beiden nun wirklich nicht vorwerfen. Allein schon die Szene, in welcher Tom mit dem Werwolf auf dem Hotel-Zimmer kämpft und Eireen ausgiebig "mitscreamt", ist eigentlich schon ein Beleg hierfür. Auch ansonsten kalauern die beiden wieder wie gewohnt auf Teufel komm raus. Nein, an den beiden liegts wirklich nicht.

    Anders als gewohnt, gibt in der sechsten Folge Christian Rode den Erzähler. Und auch wenn ich Günther Ungeheuer (Ist das nicht ein unglaublicher Nachname?) ganz gern mag, so ist das mal eine nette Abwechslung. Abgesehen davon ist Christian Rode rein sprechertechnisch gesehen wohl über jeden Zweifel erhaben - eine Legende sozusagen.

    Tom und Eireen Fawley kurven des Nachts - wohl auf ihrer Hochzeitsreise - auf Spaniens Landstraßen umher. Dabei stoßen sie auf eine junge Frau, die behauptet, von einem Werwolf angegriffen worden zu sein. Señorita Alvarez (es scheint für Herrn Franciskowsky keine anderen spanischen Nachnamen zu geben) bringt man zu einem nahe gelegenen Parador - in die Obhut eines Doktors. Dieser scheint so etwas wie der gute Geist des Etablissements und der Verwalter desselbigen zu sein. Jedenfalls weiß er eine Menge, auch über besagten Werwolf, welchem er auf der Spur ist und töten will. Dies mit wohl absoluter Leidenschaft.

    Eireen und Tom quartieren sich ebenfalls in der alten Burg ein und bekommen es - natürlich - auch schon bald mit dem Bösen zu tun. Sowohl eine mysteriöse fremde Frau, als auch der Werwolf "himself" besuchen das besorgte Ehepaar auf dessen Zimmer. Die übrigen Gäste - es müssen gar nicht wenige sein - bekommen seltsamerweise von alldem so gut wie nichts mit. Unglaublich bei dem ganzen Gekreische.

    Gut, soviel bilde ich mir ein, verstanden zu haben. Manchmal kommt es mir vor, als ginge mir auch noch beim Rest ein Licht auf. Meistens verlischt es nur schnell wieder. Bei aller Liebe, aber mir fehlt bei der ganzen Geschichte eine konsequente Handlung. Dass ein Horrorskript wohl nie der Weisheit letzter Schluss sein kann, ist mir schon klar. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt stimmt hier einfach gar nichts mehr. Man kommt nicht mehr durch, was nicht heißt, dass ich das Hörspiel nicht mehr genießen könnte. Kognitive Ebenen verlagern sich lediglich ein paar Etagen nach unten. Auch mag ich die Atmosphäre in der alten Burg, welche beinahe greifbar ist. Das alles, was dort so vor sich geht, hat schon was. Das Hörspiel insgesamt ist mir ein Rätsel.

    Beispielsweise dachte ich, die Frau, die Tom und Eireen auf dem Zimmer überfallen hat und Señorita Alvarez wären ein und dieselbe Person. Die Tatsache, dass dann aber die gesuchte Frau vor den Augen aller zu Staub zerfällt und die gute Señorita noch immer umherschwirrt, belehrt einem eines Besseren. Und dann der kitzlige Werwolf, eine selten beknackte Idee.

    Auch wirkt die Figur des Doktor Ohnenamen (hablado por Joachim Wolff) einfach nur albern. Dem würde man bestenfalls zutrauen, ein paar "Hallo-wach-Pillen" zu verschreiben. Einen Werwolf aber legt der ganz bestimmt nicht flach. Seit wann können Vampire bei Tageslicht existieren? Gut, das Blut vom Werwolf scheint dies wohl zu bewirken. Durch das Blut einer Nachgestalt wird eine andere dazu befähigt, auch am Tage umherzugehen? Minus mal Minus ergibt Plus, auch im Schattenreich? Nicht gerade plausibel.

    Who the fuck is Señor Petersen? Gleich zweimal gibt der Polizist diesen zum Besten. Beim zweiten Mal springt Tom Fawley hierauf an. Also ist mit Petersen Tom Fawley gemeint, oder? Andreas Beurmann (der Polizist), eine Hörspiel-Koryphäe, soll gleich zweimal den gleichen groben Fehler gemacht haben? Oder war das Stück anfangs gar nicht für Tom und Eireen konzipiert, sondern für Imke und Jan Petersen aus Hamburg? Vielleicht hat Herr Beurmann vom falschen Skript abgelesen? Viele Texte wurden ja auch alleine eingesprochen. Vielleicht ist es deshalb niemanden aufgefallen.

    »Das Duell mit dem Vampir«, ein Hörspiel, bei welchem man ganz bestimmt nur die besten Absichten hatte. Atmosphärisch, konfus, wirr, unlogisch ... aber dennoch irgendwie liebenswert. Mit einem doofen Ende, aber immerhin mit Tom und Eireen ... und dem meines Erachtens ausdrucksvollsten Cover-Artwork der gesamten Gruselserie.

    Siete de diez puntos... Sieben von zehn Punkten für die Wolfsmenschvampirfrau.

  • TKKG (55) Der Mörder aus dem Schauerwald

    Gaby hat Angst vor Hunden! Das glaubt ihr nicht? Es ist aber wahr. In dieser tollen Folge wird sie von einem Mastino »angegriffen«. Gott sei Dank springt ihr ein Herr zur Seite, der diesen in die Flucht schlägt.

    Gaby ist hin- und hergerissen, erkennt sie doch in dem Mann einen flüchtigen Straftäter, nachdem die ganze Stadt und besonders ihr Vater, der Kommissar Glockner, sucht.

    Nicht nur weil sie Hasso Flühter dankbar ist, glaubt sie diesem. Nein, er kann sie von seiner Unschuld überzeugen, wenn auch zunächst nur emotional.

    Sie bittet Tim, Karl und Klößchen zur Hilfe. Letztgenannter ist voreingenommen und glaubt Hasso zunächst ganz und gar nicht.

    Doch dieser beharrt darauf, mit dem Überfall auf die Frau seines eifersüchtigen Nachbarn Lutz Röder (sehr gut Günther Flesch) nichts zu tun zu haben. Im Gegenteil, er bezichtigt ihn der Falschaussage...

    »TKKG - Der Mörder aus dem Schauerwald« ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie gute und kurzweilige Unterhaltung funktionieren kann.

    Es macht einfach Freude, auch wenn es jetzt nicht der absolute Burner ist. Man ist schnell in der Geschichte drin und möchte auch wirklich wissen, wie es weiter geht.

    Auch sehr schön finde ich den kleinen Auftritt von Katharina Brauren, welche ich sehr verehre.

    Etwas traurig stimmt einem jedoch die Erzählstimme von Günther Dockerill, dem man seine schwere Erkrankung hier schon deutlich anmerken kann. Dies ist sein vorletzter Auftritt als TKKG-Erzähler. Ein Jahr später verstummte seine prägnante aber stets angenehme Stimme für immer.

    Ich gebe 8 von 10 Punkten.

  • chp73 February 27, 2026 at 2:39 PM

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  • Mal ganz im Ernst: Wer würde sich, wenn er unter einem Handicap wie beispielsweise einem deutlichen Sprachfehler (»Er stieß mit der Zunge an ...«) leidet, von jemanden vertreten lassen, der das gleiche Problem hat? Richtig, diese Person würde man hierfür sicherlich nicht in die engere Wahl ziehen, oder?

    Derjenige, der sich genau diese Frage stellt, das Ganze noch ein bisschen weiterspinnt und dann zwei und zwei zusammenzählt, hat den Fall um das »Gespensterschloss« schon beinahe gelöst, ohne ein Genie wie Justus Jonas zu sein oder alle Einzelheiten dieses Falls genau zu kennen.

    Aber beginnen wir von vorn. Der von den drei ??? hoch geschätzte Alfred Hitchcock bittet das Detektivtrio (in ihrem ersten Fall laut Buchreihenfolge) um Hilfe, da er einen Gruselfilm drehen will, hierfür aber noch kein geeignetes Ambiente gefunden hat. Eine besonders reizvolle Aufgabe für Justus, Peter und Bob, bei der Letztgenannter ein verlassenes Anwesen ermittelt, welches einmal einem bekannten Schauspieler aus der Stummfilmzeit namens Stephan Terrill gehörte.

    Der ehemalige Hausherr lebt jedoch (vermutlich) nicht mehr. Es existiert ein Abschiedsbrief, in der der ehemalige Grusel-Film-Star sein nahes Ende ankündigt und das Haus verflucht, auf dass es für alle Zeiten gemieden werde. Der Grund für den Abstieg und die anschließende Vorgehensweise des Künstlers lag in dem zuvor erwähnten Handicap, sodass sich die Zuschauer über den lispelnden Protagonisten eher schlapplachten, als sich vor diesem zu fürchten. Der Beginn des Tonfilms hatte somit das Ende der Karriere von Stephan Terrill eingeläutet, der sich darauf verbittert zurückzog und wohl später im Meer ertrunken sein soll.

    Justus ist von alldem fasziniert und möchte das Schloss, dessen düsterer und unheimlicher Ruf diesem vorauseilt, unbedingt besuchen, während der nicht ganz so mutige Peter (um es mal nett auszudrücken) am liebsten schon zuvor das Handtuch werfen will. Bereits der erste Besuch von Justus und (natürlich) Peter heizt den beiden gruseltechnisch ordentlich ein, und fortan hat man das Gefühl, dass es Justus um wesentlich mehr geht, als nur für Mr. Hitchcock einen geeigneten Drehort zu finden. Jedenfalls verlässt man bereits nach kurzer Visite fluchtartig das Anwesen. Dies fordert Justus zum Leidwesen Peters nur noch mehr raus. Es gilt, mehr über das Schloss zu erfahren.

    Bei Recherchen stößt man auf die Person des Jonathan Rex. Dieser war (und ist) die rechte Hand von Stephan Terrill. Er kümmert sich derweil um das gespenstige Anwesen, welches der verschollene beziehungsweise tote Terrill seinerzeit als eine Art Gruselschloss erbauen ließ. Die drei Detektive suchen Jonathan Rex auf.

    Seltsamerweise fällt unseren drei Lieblingsdetektiven nicht sofort auf, was eigentlich jedem geneigten Hörer augenblicklich bewusst werden sollte. Auch der gute Jonathan hat diesen hinderlichen Sprachfehler. Eines leuchtet mir bei näherer Betrachtung (im wahrsten Sinne des Wortes) selbst heute noch nicht ein. Wie konnte Bob bei seinen Recherchen ein Foto auftreiben, auf dem der Gruselstar Stephan Terrill und sein Vertrauter Jonathan Rex gemeinsam abgebildet sind, wenn es sich doch in Wahrheit nur um eine Person handelt?

    Wie dem auch sei, Terrill's perfider Plan, sein unheimliches Anwesen trotz seiner beruflichen sowie finanziellen Pleite durch Furcht und Abschreckung vor dem Verlust desselbigen zu schützen, mag eine Zeitlang funktioniert haben - keiner wollte das "Gruselhaus" käuflich erwerben. Die Beharrlichkeit der drei ???, die auch bei weiteren Besuchen des Schlosses etwaigen Angriffen sowohl psychischer als auch (später) physischer Natur trotzen, zahlt sich schlussendlich aus - sprich, sie finden das raus, was man (der aufmerksame Hörer) bereits nach einem Drittel des Hörspiels bereits erahnen konnte.

    Und auch wenn es das Hörspiel an der einen oder anderen Stelle schon ein bisschen an Logik fehlen lässt, macht es dennoch Freude, die drei Gesellen aus Rocky Beach bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Allein die sich immer weiter steigernde Angst (»vom Unbehagen bis zur panischen Angst«), die vor allem Peter im Gespensterschloss ertragen muss, kann man schon fast mit den Händen greifen.

    Zudem sind die zugegeben recht wenigen Rollen allesamt hervorragend besetzt, und das Hörspiel selbst nimmt relativ schnell Fahrt auf. Besonders positiv fällt der leider viel zu früh verstorbene Andreas von der Meden auf, der hier gleich zwei Parts übernimmt, einmal als smarter aber stets zuvorkommender Chauffeur Morton und ein zweites Mal als der vom Neid zerfressende Erzfeind Skinny Norris - zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher wohl kaum sein könnten. Letzterer bringt viel Freude, ist er doch so mies und niederträchtig wie kaum in einem anderen »drei ???«-Hörspiel. Auch seine offensichtlichen Schwächen (ein prahlerisches Großmaul, das dann doch recht schnell die Hosen voll hat) kommen hier recht gut zur Geltung und machen einfach nur Spaß.

    »Die drei ??? und das Gespensterschloss«, eines der wenigen Stücke aus der Feder des Original-Autors Robert Arthur (»The secret of terror castle«), ist keine absolut runde Sache, wirft einige Fragen auf, ist aber andererseits insgesamt etwas zu leicht zu durchschauen. Dennoch haben wir hier ein munteres Hörspiel mit Witz und viel Charme, das man nicht missen will. Natürlich die volle Punktzahl.

    Edited 2 times, last by chp73 (March 5, 2026 at 6:12 PM).

  • Maggie Brown: »Sagten Sie wirklich, er befahl Ihnen?«

    Dr. Giralda: »Hab' ich das gesagt?« 😃

    Sicherlich kennt das jeder. Man findet eine Sache gut beziehungsweise ist sogar von ihr begeistert, obwohl man eigentlich gar nicht so genau weiß, was einem so besonders daran gefällt. Ein Paradebeispiel hierfür ist genau diese Folge, die ich einfach liebe, die ich mir ungelogen bestimmt schon hundertmal angehört habe, welche mir immer wieder Freude macht.

    Nun spielt es mit Sicherheit eine große Rolle, dass ich die Hörspiele der Gruselserie von Hans Gerhard Franciskowsky schon seit meiner frühesten Kindheit - ich war etwa 10 Jahre - mehr oder weniger verschlungen habe. Klar, was man in der wohl angenehmsten Zeit seines Lebens mochte, wird man auch später nicht verschmähen oder doof finden. Jedoch hat sich meine Einstellung in Bezug auf diese Hörspiele sowieso kaum verändert. Ich bin in dieser Hinsicht ein kleiner Junge geblieben. Was soll's? Es gibt schlechtere Eigenschaften.

    Obwohl ich meine »Frankenstein«-Kassette von damals nicht mehr habe, kann ich mich noch sehr genau an sie erinnern. Ich sehe mich selbst in meinem kleinen Zimmer, vor dem Bett neben dem Kassettenrekorder sitzend, die Kassettenhülle, heute wohl "Case" genannt, betrachten. Sie hatte gegenüber der transparenten Stirnseite, an der man den Titel ablesen kann, eine weich abgerundete Aussparung zum Öffnen. Diese gab es nicht allzu häufig - war schon etwas Besonderes. Und überhaupt dann diese tolle knallrote Farbe - schwärm.

    Das Neongrün des Covers war (wohl produktionsbedingt) etwas verwaschen. Dafür waren im Inneren des Inlays (um es ebenfalls neudeutsch auszudrücken) ebenfalls Spuren von diesem Neongrün. Der Text der Innenseite war leicht matt, fast wie von der Sonne ausgeblichen. Das mag alles völlig belanglos klingen. Mir sind diese Erinnerungen jedoch sehr wichtig, und es gibt manchmal Momente, da fühlt man für Bruchteile von Sekunden Dinge, welche man nur in seiner Kindheit so empfunden hat. Erinnerungen bekommen Farbe, werden fast greifbar, sind förmlich zu schmecken. Als würde sich eine Türe in die Kindheit einen spaltweit öffnen - Wahnsinn. Ein Gefühl, welches man leider nicht bewusst erzeugen, geschweige denn abspeichern kann - leider. Aber ich schweife ab ...

    Dass es natürlich auch in »Frankensteins Sohn im Monster-Labor« ebenso, wie fast in jeder anderen Horrorklamotte auch, vor Ungereimtheiten beziehungsweise logischen Fehlern nur so scheppert, bedarf eigentlich keiner weiteren Erwähnung. Warum sollte beispielsweise der Spanier Alvarez sich auf die Burg Düsternbrunn begeben, wenn er doch genau weiß, dass ihm dort Lebensgefahr droht? Warum lassen Dr. Giralda und der Diener Horr das Reporterpärchen in der Burg mehr oder weniger uneingeschränkt schalten und walten? Warum hat man nicht einfach nur Maggie Brown auf die Burg entführt? An Bob hatte man doch sowieso nur wenig bis gar kein Interesse? Wieso raffen Maggie und Bob eigentlich nicht von Anfang an, in wessen Etablissement sie sich befinden? Noch nie von Dr. Frankenstein gehört?

    Nein, nach alledem darf man nicht wirklich fragen. Aber als echter Fan dieses Genres würde man dies wohl ohnehin nicht tun. Da mag man diesen klassischen Kram ganz einfach. Und klassisch geht es hier nun wirklich zu. Ein Reporterehepaar sucht, fragt, bekommt keine oder nur widerwillig Hilfe, findet, wird belogen, getäuscht, gewarnt, begibt sich in Gefahr, wird mit dieser konfrontiert und kommt knapp mit dem Leben davon - Ende gut, alles gut.

    Ja, das alles passiert dem Ehepaar Brown. Dabei finde ich es sehr schade, dass Eva Gelb und Gerd Martienzen als Maggie und Bob nur ein einziges Mal die Hörspielwelt unsicher machten. Denn nach meiner Ansicht kommen die beiden hierbei dem Reporter-Dreamteam par excellence - Eireen Fox und Tom Fawley - wirklich recht nah. Ich finde, Maggie kann sich sensationell gut aufregen, ist zickig und bringt auch ansonsten einiges für einen interessanten Hörspielpart mit. Gerd Martienzen, den man vor allem durch seine Synchro-Arbeit bei einem Großteil der Louis de Funès-Filme kennt, finde ich ebenfalls genial. Interessant ist auch, dass man Bob eigentlich niemals mit dem französischen Wirbelwind de Funès in Verbindung bringt. Von einem »Ich habe einen jüdischen Chauffeur, ohh ...« aus dem Munde eines Victor Buntspecht (aus dem Spielfilm »Die Abenteuer des Rabbi Jacob«) ist man hier meilenweit entfernt. Doch, die beiden Browns hätten eine weitere Chance verdient.

    Auch ganz witzig finde ich den "Assistenten" Dr. Giralda, welcher Bob und Maggie von Beginn an dermaßen belügt und täuscht, dass sich die Balken biegen. Über obige Zitate aus dem Hörspiel könnte ich mich jedes Mal wieder kringeln. Einen unfähigeren Lügner kann man sich weiß Gott nicht vorstellen. Macht Spaß zu hören, wie er sich um Kopf und Kragen redet. Man kann nur hoffen, dass er sich als Arzt geschickter anstellt. Ebenfalls zum Totlachen ist Hans Paetsch als Dr. Frankenstein. Oder ist er nur die Kreatur Frankensteins? Sein Sohn? Egal. Hans Paetsch mochte alles sein, nur gruselig war er einfach nicht. So muss man sich schon ein wenig zusammennehmen, um bei seinem »Ich bin ... ich bin der Sohn des berühmten (ich glaube, es heißt "berühmten") ... Frankenstein!« nicht in Gelächter auszubrechen. Nein, unheimlich sein, konnte er nicht, der nette Märchenonkel.

    Was auch hätte besser sein können, ist die oftmals miese Akustik bei einigen Passagen. Ich denke, ich kenne kein zweites Hörspiel, bei dem ich so oft raten musste, wie bei vorliegendem. Mensch, was war ich stolz, als ich dann endlich irgendwann mal herausgehört hatte, dass sich Señor Alvarez als »freier Journalist« vorgestellt hatte. Lange hat's gedauert.

    Genug des Meckerns. Die Geschichte um das recht unterhaltsame Ehepaar Brown, welches einer Einladung folgt und die Burg Düsternbrunn aufsucht, gefällt mir ausgesprochen gut. Die Dialoge sind knackig und ansprechend, die düstere Düsternbrunn-Atmosphäre wird ebenfalls ausreichend transportiert und die hervorragenden Sprecher hauen sowieso den einen oder anderen Schnitzer wieder raus. Somit kann ich gar nicht anders, als diesem Hörspiel, welches übrigens bereits im Jahre 1977 schon einmal unter dem Namen »Frankensteins Sohn« veröffentlicht wurde, die volle Punktzahl zu verpassen. Tolle Sprecher - tolle Musik - tolle Story - tolles Cover - tolles Hörspiel.

  • »Sieh das Geheimnis in einem Spiegel.« (Angus Gunn)

    Fragt man nach DEM Hörspiel aus der »drei ???«-Reihe, welches vor Charme und vor allem vor Atmosphäre nur so strotzt, kommt meiner Meinung nach nur der Fall »Phantomsee« in Betracht. Demzufolge ist vorliegender Output auch einer meiner absoluten Favoriten. Eine Folge, die mir als Kind super gut gefallen hat - eine Folge, die ich auch als Erwachsener nicht missen will. Ein Stück Kindheit, welches ich mir von Zeit zu Zeit immer wieder mal gerne zu Gemüte führe.

    Ich drücke auf "Play", schmunzele beim Ertönen der lustigen (und einzigartigen) Eröffnungsmelodie und tauche sogleich ab in die Welt von Justus, Bob und Peter. Ich bin dabei - für eine gute dreiviertel Stunde - und genieße es, den Tücken des Alltags zu entfliehen und mich den Geschehnissen meiner drei Freunde aus Rocky Beach zu widmen. Ich höre mir Justus' oftmals übertriebene Ausführungen zu Dingen an, von denen ich noch nie etwas gehört habe (»Immer diese Vorträge ...«). Ich überlege mir, wie ich der dröhnenden Stimme von Tante Mathilda entrinnen kann. Ich lache in mich hinein und versuche mir auszumalen, auf welche Art und Weise die gute Mathilda den mehr als unverschämten Java-Jim denn bestrafen würde, wenn sie dazu käme.

    Ich schaue mir zusammen mit Bob die Unterlagen an, welche uns die nette ältere Bibliothekarin freundlicherweise schon herausgesucht hat. Anschließend gehe ich mit meinen drei Detektivkollegen die steile Straße hinauf und sehe ein altes Steinhaus, von dessen Turm man Feinde wohl schon meilenweit ausmachen könnte. Ich betrete mit den anderen eine frisch eingezäunte alte Goldgräberstadt - eine Geisterstadt, in welcher ich mich sehr fürchte und erwache schlagartig aus meiner Starre, als im Saloon plötzlich laute Musik ertönt ...

    Ihr merkt bestimmt schon, dass ich dieses Hörspiel liebe und wahrscheinlich noch ewig so weiterschwärmen könnte. Und in der Tat fällt es mir schwer, bei der Betrachtung des Hörspiels für diesen Kommentar den notwendigen Abstand zu wahren. Da ist zum Beispiel das faszinierende Cover von Aiga Rasch. Genial waren ihre Cover-Illustrationen ja eigentlich immer. Jedoch finde ich, dass sie sich bei diesem zugegebenermaßen recht wenig farbenfrohen, weil Ton in Ton gehaltenem Werk selbst übertroffen hat. Wie oft habe ich dieses Phantom betrachtet und mich gefragt, wie es möglich ist, dass ein solch einfach gehaltenes Bild eine so große Wirkung auf mich ausüben kann.

    Und dann sind es wiederum die Sprecher selbst, die dieses Hörspiel zu etwas ganz Besonderem machen. Allen voran natürlich das Detektivteam, welches im »Super-Papagei« noch nicht ganz so treffsicher aufeinander abgestimmt war, wie es beim »Phantomsee« der Fall ist. Hier klemmt hingegen wirklich nichts mehr und vor allem Jens Wawrczeck (die Schreibweise musste ich gerade nochmal googeln) alias Peter Shaw machte hier einen verdammt guten Job. Bereits zu dieser Zeit zeichnete sich vermutlich schon ab, dass die drei Jungen wohl noch sehr oft gemeinsam vor dem Mikro sitzen würden. Die totale Spielfreude halt - als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. Oliver, Jens und Andreas - ein echter Gewinn für meine und kommende Hörspiel-Generationen.

    Und es ist schön zu beobachten, wie sich auch Sprecher der "alten Garde" in diesen - ja wie soll man sagen - modernen Kram grandios miteinfügen. Hier ist natürlich in erster Linie Gottfried Kramer zu nennen, der einen wunderbar vergreisten Professor Shay sowie den total schrägen, ja fast psychopatischen, Seemann Java-Jim abgibt. Ich könnte mich kringeln, wenn man im Historischen Forschungsinstitut von Rocky Beach den wirren bis zuweilen tuntig wirkenden Professor heranschlürfen hört - dessen abgetretene Latschen kann man fast greifen. An dieser Stelle möchte ich auch den Geräuschemachern mal ein Lob aussprechen. Oftmals sind es nur nette kleine Belanglosigkeiten, die dann aber doch den Unterschied ausmachen.

    Wollte man nun wirklich ein Haar in der Suppe suchen, so könnte man eventuell bemängeln, dass man praktisch schon nach wenigen Minuten weiß, dass Professor Shay und Java-Jim ein und dieselbe Person sind. Auch stellt sich rein von der Logik her die generelle Frage, warum der sicherlich nicht dumme Professor Shay überhaupt in die Rolle des Java-Jims schlüpfen muss. Denn wo dessen Versuche, an Informationen zu kommen, kläglich scheitern, ist es doch gerade der Professor, der den drei Detektiven für geraume Zeit auf der Nase herumtanzen kann. Auch besonders witzig finde ich Ernst von Klipstein (... immer nur mit einem "p" bitte!) in der Rolle des Jesse Widmer. Erst sein Gejammer (»Bitte ... bitte helft mir doch!«) und dann sein anschließender Enthusiasmus (»Ah ... da ist ja schon was! Ja, ja ...«), als er den drei Detektiven nebst Cluny bei einer Recherche behilflich sein will. Einfach nur liebenswert, der ältere Herr aus dem Stadtarchiv, der nicht müde wird, zu betonen, dass man Java-Jim zuvorkommen müsse.

    Schlussendlich gefallen mir die musikalischen Einlagen. Beispielsweise diese wohl orientalischen Klänge, die man immer dann hört, wenn Java-Jim wie aus dem Nichts auf der Bildfläche erscheint, fand ich immer schon sehr interessant und spannend. Auch mag ich die flippige Eröffnungs- beziehungsweise Abschlussmelodie. Eigentlich schade, dass in den weiteren Folgen stets die gleiche Titelmusik (wenn auch in unterschiedlichen Variationen) gespielt wird. Auf der anderen Seite stärkt natürlich ein einheitlicher Sound das Bewusstsein, welches man zu einer liebgewonnenen Serie entwickelt.

    Abschließend zum Thema Musik möchte ich noch anmerken, dass mir als Kind diese verstörenden Streicherklänge, welche am Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Seite zu hören sind, immer einen Schauer über den Rücken gejagt haben. Ich erinnere mich, dass ich abends beim Wechseln der Kassettenseite immer wieder schnellstens unter die Bettdecke gekrochen bin, eben weil ich diese Töne so unheimlich fand. Heilfroh war ich dann immer, wenn endlich die (alberne) Saloon-Musik erklang (Puh ... wieder mal überstanden!).

    Ach so, noch in aller Kürze worum es eigentlich geht: Im Geheimfach einer alten Seemannstruhe findet man ein Tagebuch. Dieses gehörte dem schottischen Matrosen Angus Gunn, welcher an Bord der Argyll Queen seinen Dienst versah. Im Jahre 1870 ging das Schiff unter. Den legendären Schatz, von dem man sich erzählt, soll Gunn jedoch noch rechtzeitig von Bord gebracht haben. Zwei Jahre später wird Gunn, der sich in der Nähe von Rocky Beach angesiedelt hatte, von seinen ehemaligen Schiffskameraden ermordet. Der Schatz wurde jedoch nie gefunden.

    Der schrullige Professor Shay, der jedoch fest an dessen Existenz glaubt, versucht mit allen Mitteln, diesem habhaft zu werden - und sei es in der Gestalt des nicht gerade umgänglichen Java-Jims. Die drei Detektive, die Gunns Schriften deuten und darüber hinaus Kontakt mit der Familie des toten Matrosen aufnehmen, beteiligen sich im Auftrage der Gunns ebenfalls an der Suche ...

    »Die drei ??? und der Phantomsee« ist ein echter Klassiker - ein Hörspiel, welches mir fest ans Herz gewachsen ist. Es strotzt, wie beinahe alle Hörspiele dieser Serie, zwar nicht gerade vor Logik, ist aber mit seiner atmosphärischen Dichte über jeden Zweifel erhaben. Ich möchte jedoch nicht vergessen, anzumerken, dass mein Urteil, hätte ich das Hörspiel als Erwachsener zum ersten Mal gehört, mit Sicherheit anders ausgefallen wäre. Die Gnade der frühen Geburt.

    10 von 10 Punkten, eigentlich mehr...

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