Conan - 1. Der Turm des Elefanten
In einer schummrigen Schenke von Zamora hört Conan von einem sagenumwobenen Ort: dem Turm des Elefanten, dem geheimnisvollen Heiligtum des Priesters Yara, in dem ein Juwel von unschätzbarem Wert verborgen sein soll. Obwohl er die Stadt nach einem tödlich endenden Duell eigentlich schleunigst verlassen müsste, siegt der Drang nach Gefahr und Abenteuer. Conan dringt in den Turm ein – und findet dort nicht nur tödliche Fallen und übernatürliche Mächte, sondern auch ein Wesen, dessen Schicksal die Geschichte in eine unerwartet tragische Richtung lenkt.
„Der Turm des Elefanten“ ist ein Einstand, wie man ihn sich für eine Conan-Hörspielreihe nur wünschen kann. Archaisch, düster, exotisch und von einer melancholischen Grundstimmung durchzogen, die weit über das reine Abenteuerschema hinausgeht. Schon die Vorlage von Robert E. Howard zählt zu den eindrucksvollsten Conan-Geschichten – und diese Hörspielumsetzung versteht es, genau diese Mischung aus brutaler Welt, fremdartiger Magie und leiser Tragik einzufangen.
Die Geschichte entfaltet sich wie ein klassisches Fantasy-Gemälde: staubige Gassen, flackerndes Fackellicht, ein Turm, der wie ein Fremdkörper in den Himmel ragt, und eine Atmosphäre, die von uralter Macht und unterdrücktem Leid durchzogen ist. Besonders stark ist der Moment, in dem sich das Abenteuer vom reinen Einbruch in eine fast schon philosophische Begegnung mit dem Leid eines fremden Wesens wandelt. Hier zeigt sich, dass Conan nicht nur der rohe Krieger ist, sondern auch jemand, der Mitgefühl empfinden kann – ein Zug, der der Figur zusätzliche Tiefe verleiht.
Sascha Rotermund als Conan ist eine Idealbesetzung: kraftvoll, rau, dabei aber jederzeit kontrolliert und nuanciert. Er trägt die Rolle mit einer Selbstverständlichkeit, die den Cimmerier sofort lebendig macht. Nicolai Tegeler gibt Promero eine elegante, leicht zwielichtige Note, während Stefan Krause als Taurus von Nemedien die Mischung aus Gerissenheit und Abenteuerlust überzeugend transportiert. André Beyer gestaltet den Priester Yara kalt und unheimlich, Michael-Che Koch als Gadh der Kothier und Christoph Jablonka als Yag-Kosha sorgen für emotionale Kontraste – letzterer mit einer besonders eindringlichen, tragischen Präsenz. Ergänzt wird das Ensemble durch Maja Maneiro als Atali, János Jung als Baruk und Marcel Collé als Heimdul, die das zamoranische Umfeld glaubwürdig bevölkern.
Das Sounddesign von Tarek Khalf erschafft eine dichte, exotische Klangwelt: nächtliche Stadtgeräusche, hallende Turmräume, das leise Raunen des Übernatürlichen. Die Abmischung lässt den Szenen Raum zum Atmen und unterstützt die Atmosphäre, ohne sich in Effekten zu verlieren. Die Musik verstärkt die epische, leicht melancholische Grundstimmung und verleiht der Geschichte einen Hauch von tragischer Größe.
Das Artwork mit dem einsamen Krieger vor dem gewaltigen Elefantenturm ist ein starkes Symbol für das, was diese Geschichte ausmacht: Konfrontation mit dem Fremden, dem Übermächtigen und letztlich auch mit dem eigenen Gewissen. Die Bildsprache ist kraftvoll, düster und zugleich geheimnisvoll – genau die richtige visuelle Einstimmung auf dieses Abenteuer.
„Der Turm des Elefanten“ ist ein beeindruckender Auftakt, der Conans Welt in all ihrer Wildheit, Magie und Tragik erlebbar macht. Die Mischung aus klassischem Abenteuer, übernatürlichem Mysterium und emotionaler Tiefe funktioniert hervorragend. Die starke Sprecherbesetzung, allen voran Sascha Rotermund, und die atmosphärische Inszenierung machen diese erste Folge zu einem echten Highlight. Ein Einstand, der sofort Lust auf mehr macht und zeigt, welches erzählerische Potenzial in dieser Reihe steckt.