Die geheimen Archive des Sir Arthur Conan Doyle - 5. Der Ripper von Edinburgh

  • Die geheimen Archive des Sir Arthur Conan Doyle - 5. Der Ripper von Edinburgh

    In den düsteren Gängen nahe der South Bridge Vaults wird die brutal zugerichtete Leiche einer jungen Prostituierten entdeckt. Für den ambitionierten Journalisten Justin McNair ist sofort klar: Hier könnte sich die Geschichte seines Lebens auftun. Die Gerüchteküche brodelt, denn der Name Jack the Ripper steht plötzlich wieder im Raum – diesmal nicht in London, sondern in Edinburgh. Getrieben von Ehrgeiz, Neugier und dem Wunsch nach journalistischer Anerkennung beginnt Justin, auf eigene Faust zu recherchieren. Je tiefer er gräbt, desto gefährlicher wird sein Weg. Seine Nachforschungen führen ihn nicht nur an die dunklen Ränder der Stadt, sondern auch an seine persönlichen Grenzen – und schließlich mitten hinein in eine tödliche Bedrohung.

    Mit „Der Ripper von Edinburgh“ kehrt die Reihe an einen zentralen Ort zurück: Edinburgh, die Geburtsstadt von Sir Arthur Conan Doyle. Anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, steht Doyle selbst erneut nicht im Mittelpunkt. Vielmehr dient sein Name als literarischer Rahmen für eine eigenständige, klassisch erzählte Kriminalgeschichte. Besonders reizvoll ist dabei der Perspektivwechsel: Die Handlung wird konsequent aus Sicht des Journalisten Justin McNair erzählt. Das verleiht der Folge eine unmittelbare, fast rastlose Dynamik. Man spürt von Beginn an Justins Hunger nach der großen Story – aber auch seine Blindheit gegenüber den Risiken, die er eingeht. Diese Mischung aus Ehrgeiz und Naivität bildet das emotionale Fundament der Episode.

    Die Inszenierung setzt stark auf Atmosphäre und Figurenkonstellationen. Edinburgh wird als dunkle, von Nebel, Gerüchten und Angst durchzogene Stadt gezeichnet. Besonders gelungen ist, wie das Hörspiel mit dem Mythos Jack the Ripper spielt. Die bekannten Motive werden gezielt angedeutet, ohne die Geschichte zur bloßen Kopie vergangener Schrecken verkommen zu lassen. Stattdessen entsteht eine unterschwellige Spannung, die sich aus der Frage speist, ob hier tatsächlich ein Nachahmer am Werk ist – oder etwas völlig anderes. Der Erzählrhythmus ist flott, aber kontrolliert. Dialoge übernehmen eine tragende Rolle und dienen nicht nur dem Informationsaustausch, sondern auch der Figurenzeichnung. Justins Schwester Sheena fungiert dabei als moralischer und rationaler Gegenpol, während Inspector Hower die nüchterne, professionelle Ermittlerperspektive einbringt. Die Inszenierung verzichtet weitgehend auf reißerische Effekte und vertraut auf die Kraft der Geschichte. Das sorgt für einen konstanten Spannungsbogen, der eher leise, aber nachhaltig wirkt.

    Tammo Kaulbarsch trägt das Hörspiel nahezu allein – und das mit beeindruckender Präsenz. Sein Justin McNair ist getrieben, neugierig, manchmal überheblich, dann wieder unsicher. Kaulbarsch gelingt es, diese Facetten hörbar zu machen, ohne die Figur unsympathisch wirken zu lassen. Sarah Alles verleiht Sheena McNair Wärme und Klarheit. Ihre Stimme bringt Ruhe in die Handlung und macht glaubhaft, warum sie immer wieder versucht, ihren Bruder zu bremsen. Christian Wewerka überzeugt als Inspector Hower mit rauer Autorität und einer gewissen Reserviertheit, die gut zur Figur passt. Er wirkt erfahren, kontrolliert und bildet einen starken Kontrast zum impulsiven Journalisten. Ergänzt wird das Ensemble unter anderem von Uschi Hugo, Dagmar Dreke und Victoria Sturm, die ihre Rollen sicher und atmosphärisch ausfüllen. Insgesamt lebt die Folge stark von ihren Stimmen und dem fein austarierten Zusammenspiel.

    Die Musik setzt gezielt Akzente und unterstützt vor allem Übergänge und spannungsreiche Momente. Sie trägt wesentlich zur düsteren Grundstimmung bei, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Geräuschkulisse ist bewusst reduziert gehalten. Das sorgt für Klarheit in den Dialogen, nimmt der Atmosphäre aber stellenweise etwas Tiefe. Gerade in den unterirdischen Schauplätzen hätte man sich hier noch mehr akustische Dichte wünschen können. Dennoch bleibt das Klangbild insgesamt stimmig und sauber produziert.

    Das Cover ist ein echter Blickfang. In einem unterirdischen Gewölbe beugt sich eine männliche Gestalt im viktorianischen Stil über eine Frauenleiche. Licht und Schatten spielen eine zentrale Rolle und verleihen dem Motiv eine bedrückende Intensität. Die Szene wirkt wie ein eingefrorener Moment aus der Geschichte selbst und transportiert die düstere, morbide Atmosphäre der Folge sehr überzeugend.

    „Der Ripper von Edinburgh“ ist eine starke, atmosphärisch dichte Folge, die von ihrer klaren Perspektive und den überzeugenden Figuren lebt. Die bekannte Ripper-Thematik wird geschickt eingesetzt, ohne die Handlung zu dominieren. Besonders Tammo Kaulbarsch prägt das Hörspiel nachhaltig. Kleine Schwächen in der Geräuschkulisse fallen kaum ins Gewicht. Insgesamt eine spannende, gut erzählte Episode, die zeigt, wie wirkungsvoll klassische Krimimotive neu interpretiert werden können.

    VÖ: 16. Mai 2025
    Label: all ears
    Bestellnummer: 9783962825973

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