Die Pumuckl-Show- Zwischen Nostalgie und Ratlosigkeit
Ich saß bei der Aufzeichnung der ersten Ausgabe der Pumuckl-Show im Studio – voller Neugier, mit einer gewissen Vorfreude, aber auch mit Respekt vor dem, was RTL hier vorhatte. Eine abendfüllende Samstagabendshow rund um ? Der Gedanke an sich ist charmant, mutig und im besten Sinne nostalgisch. Pumuckl gehört zu den Figuren, die Generationen verbinden können. Genau deshalb bin ich an diesem Abend mit einer Mischung aus Skepsis und Hoffnung nach Hause gefahren. Und leider hat sich diese Skepsis im Nachhinein eher bestätigt.
Die Grundidee fand ich tatsächlich gut. Pumuckl ins Abendprogramm zu holen, weg vom reinen Kinderfernsehen, hinein in eine große, bunte Samstagabendshow – das hätte funktionieren können. Vielleicht sogar sehr gut. Aber schon während der Aufzeichnung wurde deutlich, wo das Konzept zu kippen beginnt: bei der schieren Länge. Drei Stunden reine Show sind für das anvisierte Publikum am Samstagabend schlicht zu viel. Im Fernsehen, mit Werbeunterbrechungen, dehnt sich das Ganze dann auf eine gefühlte Ewigkeit. Gerade Kinder, die man hier doch ganz offensichtlich auch erreichen möchte, verlieren dabei schnell die Aufmerksamkeit. Und Erwachsene, die mit Pumuckl eher Erinnerungen als Dauerbespaßung verbinden, ebenfalls.
Was mich besonders enttäuscht hat, war die Entscheidung für ein reines Promiteam. Die Spiele waren durchaus lustig, teilweise sogar sehr kreativ, keine Frage. Aber warum setzt man bei einer Pumuckl-Show ausschließlich auf Erwachsene? Wenn eine Figur wie Pumuckl im Zentrum steht, dann doch gerade deshalb, weil sie auch – oder vielleicht sogar vor allem – Kinder anspricht. Warum also nicht ein Promiteam gegen ein Kinderteam antreten lassen? Warum nicht echte kindliche Perspektiven, echtes Staunen, echtes Chaos zulassen – das, was Pumuckl eigentlich ausmacht?
So blieb ein merkwürdiger Widerspruch: Eine Show, die sich thematisch an Kinder richtet, aber strukturell so angelegt ist, dass Kinder kaum eine Rolle spielen. Pumuckl selbst tritt dabei eher als kommentierende Randfigur auf, die immer wieder dazwischenfunkt, statt wirklich organisch Teil des Geschehens zu sein. Das wirkte für mich stellenweise bemüht, fast so, als wolle man die Zeichentrickfigur zwanghaft ins Erwachsenenfernsehen pressen, ohne ihr dort wirklich Raum zu geben.
Auch konnte daran wenig ändern. Er macht seine Sache sympathisch, engagiert und sichtbar bemüht, aber das Grundproblem der Show kann auch ein guter Moderator nicht auffangen. Das Konzept steht sich selbst im Weg: zu lang, zu zerfasert, zu wenig klar in der Zielgruppenansprache.
Dass die Show beim Publikum letztlich keinen durchschlagenden Erfolg hatte, überrascht mich daher nicht. Die Quoten spiegeln ziemlich genau das wider, was ich schon im Studio gespürt habe: gute Ansätze, nette Ideen, aber keine echte Linie. Es ist schade, denn Pumuckl hätte mehr verdient als ein solches halbherziges Samstagabendexperiment.
Unterm Strich bleibt bei mir das Gefühl, dass RTL eine große Chance liegen gelassen hat. Mit einer kürzeren, straffer erzählten Show, mit echter Einbindung von Kindern und mit mehr Mut zum kindlichen Chaos hätte das Ganze vielleicht wirklich funktionieren können. So aber bleibt die Pumuckl-Show für mich ein Beispiel dafür, dass Nostalgie allein kein tragfähiges Konzept ist – und dass man seine Zielgruppe besser kennen sollte, wenn man sie begeistern will.