Neue Geschichten vom Pumuckl: Staffel 2 - Ein warmes Wiedersehen mit dem Kobold, der nichts verlernt hat

  • Neue Geschichten vom Pumuckl: Staffel 2 - Ein warmes Wiedersehen mit dem Kobold, der nichts verlernt hat

    Die zweite Staffel der Neuen Geschichten vom Pumuckl fühlt sich an wie das erneute Öffnen einer alten Werkstatttür, hinter der es nach Holz, Leim und Kindheit riecht – und zugleich wie ein vorsichtiger Blick nach vorn. Diese sieben neuen Folgen sind kein lautes Comeback, kein effekthascherisches Modernisieren, sondern ein behutsames Weitererzählen. Man merkt ihnen in jeder Minute an, dass hier nicht nur eine Marke fortgeführt wird, sondern ein kulturelles Erbe mit Respekt und echter Zuneigung behandelt wird.

    Schon nach wenigen Minuten ist dieses vertraute Gefühl wieder da: Pumuckl ist präsent, neugierig, frech, laut, eigensinnig – und gleichzeitig erstaunlich sanft eingebettet in die heutige Zeit. Die Serie weiß sehr genau, was sie ist und was sie nicht sein will. Sie versucht nicht, hip zu wirken, sie biedert sich nicht an, sie erklärt sich nicht. Stattdessen vertraut sie auf ihre Figuren, auf kleine Alltagskonflikte und auf jene Mischung aus Anarchie und Herzenswärme, die den Pumuckl immer ausgezeichnet hat.

    Ein zentraler Punkt, über den viel gesprochen wurde – und über den man auch sprechen muss –, ist die KI-Synchronisation von Hans Clarin. In der zweiten Staffel wirkt diese deutlich souveräner als noch zuvor. Die Stimme sitzt besser im Satz, die Übergänge sind flüssiger, das berühmte Kobold-Timbre entfaltet sich natürlicher. Und doch gibt es weiterhin Momente, in denen es kippt, in denen man für einen Augenblick nicht den Pumuckl hört, sondern Maxi Schafroth hinter der Technik wahrnimmt. Das stört nicht dauerhaft, aber es bleibt spürbar. Für mich ist das kein Makel im eigentlichen Sinne, sondern eher eine kleine Sollbruchstelle, die daran erinnert, dass hier etwas Bewahrtes mit modernen Mitteln rekonstruiert wird. Insgesamt funktioniert die Illusion jedoch überzeugender denn je – und trägt viel zur emotionalen Geschlossenheit der Staffel bei.

    Inhaltlich erlaubt sich die zweite Staffel erfreulich viel Charakterarbeit. Gleich die erste Folge setzt ein klares Zeichen: Wenn Pumuckl ganz selbstverständlich eine „Arschkarte“ haben will, ist das mehr als ein kleiner Gag. Es ist ein Versprechen. Ein Versprechen, dass dieser Kobold nichts von seinem frechen, respektlosen, leicht anarchischen Geist verloren hat. Pumuckl ist nicht weichgespült worden, er ist nicht brav geworden, er eckt weiterhin an – und genau das macht ihn lebendig. Diese Frechheit ist nie bösartig, sondern stets Ausdruck kindlicher Logik und trotzigem Freiheitsdrang.

    Besonders schön ist, wie die Staffel mit Erinnerungen umgeht. Die Folge Der kleine Flori ist dafür ein gutes Beispiel. Der Versuch, Gustl Bayrhammer auf behutsame Weise in die Serie einzubinden, ist zweifellos liebevoll gemeint. Die Entscheidung, ihn nur von hinten zu zeigen und zu doublen, wirkt wie eine Verneigung vor der Originalserie. Für mich persönlich hat dieser Moment jedoch nicht vollständig funktioniert. Vielleicht, weil Bayrhammer als Meister Eder so stark in der eigenen Erinnerung verankert ist, dass jede Annäherung zwangsläufig ein wenig künstlich wirkt. Der Gedanke dahinter ist schön – die Umsetzung hat mich emotional aber weniger erreicht, als es vermutlich beabsichtigt war.

    Umso stärker sind dafür die Momente, in denen neue Figuren oder bekannte Nebenrollen Raum bekommen. Ilse Neubauer als Frau Stürzlinger ist hier ein echtes Geschenk. Sie tritt nicht häufig auf, aber jedes ihrer Erscheinen ist ein kleines Ereignis. Mit welcher Selbstverständlichkeit, welchem Humor und welcher Präsenz sie diese Figur ausstattet, ist beeindruckend. Frau Stürzlinger ist nie Karikatur, sondern immer Mensch – leicht schrullig, warmherzig, wachsam. Man kann ihr beim Spielen regelrecht zusehen, wie viel Freude sie an dieser Rolle hat. Es bleibt zu hoffen, dass diese Figur der Serie noch lange erhalten bleibt, denn sie erdet das Geschehen auf wunderbare Weise.

    Auch Florian Brückner als Florian Eder wirkt in der zweiten Staffel noch sicherer in seiner Rolle. Das Verhältnis zwischen ihm und Pumuckl hat an Natürlichkeit gewonnen. Die Dynamik fühlt sich eingespielt an, weniger erklärend, mehr selbstverständlich. Die Konflikte entstehen organisch, oft aus Kleinigkeiten, und lösen sich nicht immer in klassischen Lehrstücken auf. Das ist wohltuend, gerade für eine Serie, die sich an Kinder richtet, aber Erwachsene nicht ausschließt.

    Die Inszenierung bleibt insgesamt ruhig und unaufgeregt. Es gibt keine überdrehten Kameraexperimente, keine hastigen Schnitte, keine überzeichnete Moral. Stattdessen vertraut die Serie auf Situationen, Dialoge und auf das Zusammenspiel ihrer Figuren. Besonders gelungen sind die leisen Momente – etwa wenn Erinnerungen aufblitzen, wenn Pumuckl für einen Augenblick nachdenklich wird oder wenn Eder erkennt, dass dieser kleine Kobold mehr ist als nur Chaos mit roten Haaren.

    Auch thematisch zeigt sich die Staffel vielseitig. Ob Halloween-Schluckauf, ein geheimnisvolles Geräusch im Keller oder der krumme Weihnachtsbaum – die Geschichten bleiben überschaubar, fast altmodisch in ihrer Struktur, und genau das ist ihre Stärke. Sie erzählen nicht von großen Bedrohungen, sondern von kleinen Missverständnissen, von Nachbarschaft, von Angst, Neugier und Zusammenhalt. Das passt perfekt zu Pumuckl, der nie ein Held im klassischen Sinne war, sondern immer ein Spiegel kindlicher Emotionen.

    Am Ende bleibt der Eindruck einer Staffel, die weiß, woher sie kommt, und die dennoch nicht stehen bleibt. Neue Geschichten vom Pumuckl in Staffel 2 ist kein nostalgischer Selbstzweck, sondern eine liebevolle Fortschreibung einer Figur, die Generationen geprägt hat. Nicht alles funktioniert perfekt, nicht jede Idee zündet vollständig – aber die Haltung stimmt. Und das ist bei einem Stoff wie diesem vielleicht das Wichtigste.

    Diese sieben Folgen sind ein Beweis dafür, dass man auch im Jahr 2025 respektvoll, warmherzig und mit leiser Freude erzählen kann. Der Pumuckl ist wieder da – frech, eigensinnig, manchmal anstrengend, oft herzerwärmend. Und genau so soll es sein. Ostern 2026 geht es weiter.

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