Hallo Zusammen! 🤚
Ich kann jetzt natürlich nur für mich sprechen, aber ich glaube, dass mir die alten Hörspiele (von Europa, Maritim oder auch von PEG) aus den 70ern und 80ern auch deshalb so ans Herz gewachsen sind, weil man sich bei der Vertonung unglaublich viel Mühe gegeben hat. ❤️
Sicherlich konnten die Macher von damals von der heutigen Technik nur träumen. Vielleicht ist es aber auch gut, dass diese ihnen noch nicht zur Verfügung stand und somit viel Herzblut, Liebe, Detailversessenheit und auch Improvisation mit in das Produkt einfließen konnten. 👍
Vielleicht hat man damals auch noch mehr versucht, sich in den Hörer hinein zu versetzen, um zu verstehen, was genau dieser eigentlich will. Auch spielte wohl Produktionszeit noch nicht so eine große Rolle.
Was ich überhaupt sagen will, ist, dass ich bei den alten Hörspielen alles und jeden eigentlich immer perfekt hören und verstehen konnte. Heute ist das bei neueren Hörspielen oft anders. Und das liegt nicht daran, dass man mit jetzt 52 Jahren nicht mehr so gut hört oder dass etwa ein Tinnitus im Hintergrund rauscht.
Ein erster Punkt ist, dass man wohl - wieder nur meiner Meinung nach - mehr Wert auf die Unterscheidbarkeit der Stimmen, also der Klangfarben geachtet hat. Oder ist euch bei der »H.G. Francis Gruselserie« oder den frühen Folgen der »Drei ???« jemals aufgefallen, dass man die unterschiedlichen Charaktere nicht gut auseinander halten konnte? Vielleicht sagte man damals etwaigen Bewerbern mit einer 08/15-Stimme einfach, dass sie eben auch eine solche haben und lehnte sie ab.
Ein weiterer und Punkt ist, dass viele Hörspiele - und wiederum nur meiner Meinung nach - in punkto Lautstärke sehr schlecht ausgependelt sind. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht, weil für andere Abspielgeräte produziert wird. Raumklang? Keine Ahnung. 🤔
Nun konnte man sich damals fragen, warum man Bob Andrews so gut verstehen konnte, wenn er doch bei einer Observation leise sprach oder gar flüsterte. Heute weiß ich, dass es eine gute Idee war, dass der Hörer auch das Geflüsterte einwandfrei verstehen konnte. Und dann wünscht man sich, man würde auf dieses Detail - nämlich das Flüstern wesentlich leiser ist als normales Sprechen - heutzutage verzichten.
Des weiteren fällt mir auch öfter auf, dass musikalische Einlagen in Dialoge manchmal sehr ungeschickt - weil zu laut oder zur unpassenden Zeit - eingebaut werden. Nicht schön.
Oder in spannenden Momenten werden Musiken so laut eingesetzt, dass sie zu dem Rest des Ganzen gar nicht mehr passen.
Ein gutes Beispiel für all das ist etwa die Folge »Die drei ??? und das Geheimnis der Särge« (Folge 67). Hier verstehe ich bei manchen Geflüstere eigentlich fast gar nichts mehr. Also stelle ich wesentlich lauter. Auf einmal ist die Musik in einer dramatischen Situation (in der Höhle) dann so laut, dass man fast vom Stuhl fällt.
Ähnliches ist mir auch gestern Abend bei »Die drei ??? - Diamantenschmuggel« (Folge 65) aufgefallen. Entweder man versteht fast gar nicht mehr, worüber sich die Protagonisten unterhalten oder man ist geflashed, wenn beispielweise der Aufzug mit Überlautstärke im Schacht steckenbleibt und Edith Hancke dazu dramatisch schreit.
Beide Hörspiele gefallen mir eigentlich ganz gut. Beim »Diamantenschmuggel« die goldigen Dialoge, bei den »Särgen« die tolle Atmosphäre. Jedoch macht es mir zuvor Beschriebenes nicht gerade leicht, so dass beide wohl auch nie zu etwaigen Favoriten avancieren könnten.
Dann fällt mir bei manchen Produktionen auch oft auf, dass der Hintergrund nicht so ganz zu der beschriebenen Umgebung oder Situation passt. Wenn man sich beispielweise an der Küste befindet, dann darf man schon mal ein paar Möwen, die Brandung oder das Meeresrauschen hören. An einer gut befahrenen Straße in der Stadt höre ich dann auch gerne mal eine Hupe, das Brummen von Motoren, Fußgänger oder ähnliches Erwartbares. Bekommt der Detektiv in der Bibliothek einen Fall geschildert, so ist es toll, wenn man ein Feuer im Kamin knistern hört, anstatt, dass einfach Totenstille herrscht.
Ich finde, auf solche netten kleinen Details wurde damals irgendwie mehr Wert gelegt... und sei es nur eine leise knarrende Tür, die eine gewisse Stimmung erzeugt.
Auch ist es wichtig, dass Dinge richtig umgesetzt werden. Ein Telefon in einem Wallace-Hörspiel muss beispielsweise altmodisch klingeln. Sprüche, wie »das geht ja gar nicht« oder »das werde ich mir nicht geben« gehören ebenfalls nicht in ein Hörspiel aus den 1920ern.
Aber Fehler dieser Art gab es wohl schon immer. Ich denke da nur an einen Pontius Pilatus, der von einem Osterfest sprach (als Jesus noch lebte) - im Hörspiel »Ben Hur« von Europa. 😉
Was meint Ihr?
LG Christoph