Verliert Weihnachten im Streamingzeitalter an Bedeutung?

  • Früher wurde ein großer Teil des Platten-, Kassetten und CD-Verkaufs in den Monaten vor und auch während Weihnachten gemacht. Nachdem jedoch praktisch nur mehr ein Bruchteil aller Hörspiele auf Medien verkauft werden und man statt dessen im Stream gehört wird, stellt sich mir die Frage ob Weihnachten überhaupt noch eine so große Rolle für die Labels spielt? Gibt es vor Weihnachten mehr VÖs als sonst während des Jahres? Wird zu Weihnachten mehr gehört bzw. gestreamt? Machen die Labels und Verlage zu Weihnachten immer noch die meisten Umsätze?

    Wie seht ihr das? Was meinen die Labels dazu? Wolfy-Office , KlausStudio , Martin Seebeck ?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Wir sind kein Label, aber die, die wir kennen, sind z.T. nach wie vor gestresst vor Weihnachten. Vielleicht wegen parallel laufender Konzert-Vorverkaufsaktionen oder des doch wachsenden Vinylmarkts?
    Unabhängig davon beobachte ich gerade wieder eine Zunahme der Bedeutung von Weihnachten JENSEITS von Konsum. Also als Zeit (Rauhe Nächte) einer spirituellen Stille.

    -- I teach writing courses and first of all, I teach my students what prosody is. (Theodore Sturgeon)

  • Ich würde sagen JA, denn etwas zu STREAMENDES (sogar das Wort streamen finde ich furchtbar) kann man ja nicht verschenken. Wenn, dann wäre es ja ein Gutschein, welcher an sich schon wenig einfallsreich ist.

    Eine LP oder auch eine MC war schon etwas tolles. Die konnte man anfassen, sich schön anschauen... alleine schon die Sprecherliste. Die LP drehte sich auf dem Plattenteller, das Band der MC drehte sich im Rekorder. Alles sogar schön anzusehen.

    Bei der CD wurde das schon schwieriger.

    Und bei einer Datei ist eigentlich gar nichts mehr davon übrig. Ein absolut totes Ding...

    Die Romantik ist hin. Die Begeisterung wird bei folgenden Generationen nie wieder die gleiche sein. Vermute ich.

    Man könnte sagen, LP ist draußen spielen und Streaming ist Daheim herum hocken...

  • Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Weihnachten für die Labels längst nicht mehr dieselbe Bedeutung hat wie zu CD-, MC- und LP-Zeiten – zumindest nicht in dieser klassischen, kaufkräftigen Form, in der man früher im Dezember ganze Jahresumsätze retten konnte. Und dennoch würde ich sagen: Die Adventszeit ist weiterhin ein wichtiger Faktor, nur eben anders als früher.

    Früher bedeutete Weihnachten physischer Absatz. Heute bedeutet Weihnachten eher Aufmerksamkeit.

    Im Stream verteilt sich das Hören über das ganze Jahr – da gibt es keine massiven Peaks mehr durch Geschenkekäufe. Aber was man sehr wohl merkt: Die Leute hören in der Weihnachtszeit einfach mehr. Sie sind zu Hause, haben Zeit, suchen Gemütlichkeit, und Hörspiele gehören für viele genau in diese Stimmung. Das dürfte sich durchaus in den Streamingzahlen bemerkbar machen, nur eben subtiler als ein großer Kaufrausch im Handel.

    Dass es vor Weihnachten mehr Veröffentlichungen gibt, hat sich teilweise gehalten – aber nicht, weil man große Umsätze erwartet, sondern weil die Labels wissen, dass die Aufmerksamkeitsspanne höher ist. Viele greifen in dieser Phase bewusst zu etwas Neuem oder legen eine komplette Serie noch einmal auf. Und natürlich: Adventskalender, Specials und thematische Folgen funktionieren nach wie vor gut, selbst wenn sie nicht mehr diesen „Event-Charakter“ der 80er und 90er haben.

    Ich glaube, Weihnachten ist also immer noch relevant – nur hat sich die Art der Relevanz verschoben. Die Labels verdienen nicht mehr automatisch „mehr“, aber sie profitieren davon, dass die Hörspielwelt in diesen Wochen lebendiger ist. Und das reicht manchmal schon, damit sich eine Veröffentlichung zur richtigen Zeit positiver entwickelt als zu irgendeinem random Termin im März.

    Weihnachten ist nicht mehr das finanzielle Rückgrat – aber es ist nach wie vor ein atmosphärischer Boost. Und der hat seinen Wert, auch im Streamingzeitalter.

  • Im Stream verteilt sich das Hören über das ganze Jahr – da gibt es keine massiven Peaks mehr durch Geschenkekäufe. Aber was man sehr wohl merkt: Die Leute hören in der Weihnachtszeit einfach mehr. Sie sind zu Hause, haben Zeit, suchen Gemütlichkeit, und Hörspiele gehören für viele genau in diese Stimmung. Das dürfte sich durchaus in den Streamingzahlen bemerkbar machen, nur eben subtiler als ein großer Kaufrausch im Handel.

    Stimmt. In der Weihnachtszeit hat man natürlich mehr Zeit. Jedoch höre ich dann das, was ich übers Jahr zusammengetragen habe.

    Ich kaufe eigentlich Monat für Monat für den gleichen Betrag. Gut, das Weihnachtsgeld verleitet schon dazu, etwas mehr zu kaufen... aber nicht viel mehr...😉

  • Umsatz steigt durchaus noch zur Weihnachtszeit. Nicht mehr der Medien Verkauf, aber Merchandise geht in dieser Zeit immer gut und die Aufrufe von bestimmten Hörspielen, besonders wenn es einen Themenbezug zu Weihnachten hat, gehen rauf.


    Es ist noch kaufmännisch eine wichtige Zeit, nur eben anders als Früher.

  • Danke! Ist schon sehr interessant. Es scheint, dass Weihnachten immer noch wichtig ist, aber doch ein bisserl an Bedeutung zu früher verloren hat.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Es scheint, dass Weihnachten immer noch wichtig ist, aber doch ein bisserl an Bedeutung zu früher verloren hat.

    Die Frage ist, warum sollte Weihnachten für die Label an Bedeutung verloren haben, nur weil Musik und Hörspiele in den Stream gewandert sind? Hören die Menschen etwa mittlerweile zu Weihnachten weniger als früher, in Zeiten der Datenträger? Zumindest für Heiligabend und der Musik kann man sagen, dass der Stream letztes Jahr Rekorde gebrochen hat.…

    Musik-Streaming bricht an Heiligabend Rekord
    www.deutschlandfunkkultur.de

    Bei den Hörspielen kommen gerade zu Weihnachten mittlerweile auch viele spezielle Weihnachtsfolgen raus. Von daher glaube ich, dass Weihnachten für die Label auch im Stream immer noch genauso viel, wenn nicht sogar mehr an Bedeutung gefunden hat.

  • Hören die Menschen etwa mittlerweile zu Weihnachten weniger als früher, in Zeiten der Datenträger?

    Glaube ich nicht. Es wird wohl gleich viel gehört. Ich glaube jedoch, dass die Einnahmen zu Weihnachten nicht mehr so hoch sind wie früher bzw. dass es sich mehr auf das ganze Jahr verteilt ist. Der Datenträger-Kauf als Geschenk wie früher fällt komplett weg.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Der Datenträger-Kauf als Geschenk wie früher fällt komplett weg.

    Ja, zumindest bei den Erwachsenen. Bei den Kindern gibt’s ja weiterhin Datenträger in Form von Tonies & Co und da sind gerade vor Weihnachten die Regale gefühlt richtig doll aufgefüllt worden.

    Ich glaube jedoch, dass die Einnahmen zu Weihnachten nicht mehr so hoch sind wie früher bzw. dass es sich mehr auf das ganze Jahr verteilt ist.

    Deine Annahme können wohl nur die Label selber bestätigen oder widerlegen. Könnte nämlich auch umgekehrt sein, dass gerade in der Weihnachtszeit generell mehr gehört wird und weil nun keine „teuren“ Datenträger mehr gekauft werden müssen unterm Strich durch die viel größere Masse an Hörern nun noch mehr als früher eingenommen wird.

  • Es hat sich gewaltig geändert, aber ich seh da keinen Zusammenhang zum Stream.

    Früher gab es ja immer die großen Weihnachtsmehrteiler, immer die größte und teuerste Produktion und das nicht nur von einem Sender. Da hab ich zumindest mich ein halbes JAhr drauf gefreut, nachdem ich es im Programmheft fürs 2. Halbjahr gesehen hab. "Der Name der Rose" war übrigens auch so eine, damals war ich noch etwas zu jung, aber natürlich schon mit Leerkassette und Finger auf REC bewaffnet. Da die Sender wie wir alle wissen an der falschestmöglichen Stelle sparen, ist das heute eher die Weihnachtswiederholung.

    Der Kauf von CDs mag keine große Rolle mehr spielen, aber er spielt noch eine. Für die Ü80-Fraktion werden sicherlich weiterhin CDs verschenkt, da kommen sicherlich 90% nicht in der neuen Zeit an.

    Ich hab ja damals 2002 in der Wiener U3 zwischen Volkstheater und Neubaugasse mit dem Motorala A920 von Drei und Leni Riefenstahl das erste Selfie der Geschichte geknipst” - Aus meiner Biografie, erschienen im Jahr 2039, geschrieben im Jahr zuvor am Pool einer Finca auf den Kanaren

  • Chris Ich komme gerade vom Training meiner Seniorengruppe, und ich kann sagen, dass auch hier einige durchaus auch Filme und Musik streamen. Die sind nicht ganz so altmodisch wie man auf Grund ihres Geburtsjahres Glauben mag 😆 Ob dies jetzt gut oder schlecht fürs Weihnachtsgeschäft ist, bleibt dahin gestellt…

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Chris Ich komme gerade vom Training meiner Seniorengruppe, und ich kann sagen, dass auch hier einige durchaus auch Filme und Musik streamen. Die sind nicht ganz so altmodisch wie man auf Grund ihres Geburtsjahres Glauben mag 😆 Ob dies jetzt gut oder schlecht fürs Weihnachtsgeschäft ist, bleibt dahin gestellt….

    Ja. Kann ich auch bestätigen.

    Meine Mutter wollte auch mit guten 80 Jahren noch unbedingt einen Laptop haben.

    Sie war sogar richtig fit darin.

    Ist jetzt schon 4 Jahre nicht mehr bei uns. War ein tolles Mädchen. Hat viel erlebt... davon war einiges nicht gut!

  • Chris Ich komme gerade vom Training meiner Seniorengruppe, und ich kann sagen, dass auch hier einige durchaus auch Filme und Musik streamen. Die sind nicht ganz so altmodisch wie man auf Grund ihres Geburtsjahres Glauben mag 😆

    Ja. Kann ich auch bestätigen.

    Meine Mutter wollte auch mit guten 80 Jahren noch unbedingt einen Laptop haben.

    Sie war sogar richtig fit darin.

    Na klar, natürlich gibts auch Ü80, die da sogar mehr auf Zack sind als ich :D

    Will da bei Gott nicht alle über einen Kamm scheren, aber der CD-Markt wird trotzdem von dieser Fraktion dominiert, denke, da ist keine gewagte Prognose.

    Ich hab ja damals 2002 in der Wiener U3 zwischen Volkstheater und Neubaugasse mit dem Motorala A920 von Drei und Leni Riefenstahl das erste Selfie der Geschichte geknipst” - Aus meiner Biografie, erschienen im Jahr 2039, geschrieben im Jahr zuvor am Pool einer Finca auf den Kanaren

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