Anne auf Green Gables - 2. Verwandte Seelen

  • Anne auf Green Gables - 2. Verwandte Seelen

    Anne Shirley, die jetzt auf Green Gables bei dem Cuthberts wohnt, hat sich mittlerweile gut eingelebt und fiebert ihrem ersten Besuch bei der Nachbarfarm entgegen. Mit Marilla besucht sie die Familie Barry, wo sie in deren Tocher Diana ihre Busenfreundin findet. Der kleine Rotschopf kommt nach dem Sommerferien in die Schule, die auch Diana besucht, auch hier lebt sie sich schnell ein und lernt dann auch Gilbert kennen. Allerdings verspielt der Gute sich die Gunst von Anne und sie zeigt ihm die kalte Schulter. Als Anne und Diana eine Teestunde abhalten kommt es zu einem folgenschweren Versehen....

    Auch die zweite Folge aus der Anne Reihe aus dem Hause Titania hat es in sich und erzählt die Geschichte des ehemahligen Waisenmädchen Anne liebvoll weiter. Diesmal werden einige neue und, ich denke für die komplette Serie, wichtige Charaktere eingeführt, die das Leben von Anne um einiges bereichern. Es werden dicke Freundschaften geschlossen, die Geduld mancher auf die Probe gestellt und es kommt zu Verwechslungen, die es in sich haben. Das Erfolgslabel hat sich hier einen Stoff vorgenommen, dem es wirklich gebührt, hörspieltechnisch in Szene gesetzt zu werden. Ich frage mich warum das noch keiner vor ihnen getan hat.

    Was sich bereits in der ersten Folge gezeigt hat, entwickelt sich hier noch deutlicher: Die Umsetzung schafft es mühelos, die Atmosphäre von Avonlea lebendig werden zu lassen. Die Welt, in die Anne hineingerät, wird mit liebevollen Szenen ausgestaltet – sei es die erste Begegnung mit Diana Barry, die voller Aufregung, Offenheit und jener stillen Magie steckt, mit der Marc Gruppe solche Momente einfängt, oder Annes Erfahrungen in der Schule, die zwischen herzerwärmenden Augenblicken und kleinen dramatischen Verwicklungen pendeln. Dass die Serie nicht nur von Anekdoten lebt, sondern Annes Entwicklung als junger Mensch ernst nimmt, merkt man in jeder Szene: Sie lernt Verantwortung, sie lernt Grenzen, und sie lernt, dass manchmal ein einziger Fehler – wie die berühmte Teestunde – das Leben ein Stück verändert und wichtige Lektionen mit sich bringt.

    Weiterhin verzaubert Marie Bierstedt als Anne weiterhin die Hörer. In der Rolle der Marilla Cuthbert ist Dagmar von Kurmin zu hören, ihre Stimme passt deutlich hörbar zu dem Charakter. Ihre Stimme klingt schon etwas älter und Marilla ist ja auch etwas betagter angelegt, ich denke auch hier ist die Wahl wieder vortrefflich. Weitere Rollen bekleiden Gerrit Schmidt Foss, Regina Lemnitz und Petra Barthel. Auch hier zeigt sich erneut, wie sorgfältig Titania seine Besetzungen auswählt. Weitere Rollen bekleiden Gerrit Schmidt-Foß, Regina Lemnitz und Petra Barthel, die allesamt ein glaubwürdiges, stimmiges Ensemble bilden und Avonlea mit Leben, Witz und Tiefe erfüllen. Jede Figur wirkt präzise getroffen und bringt jene stille Vertrautheit mit, die man von einer solchen Familiengeschichte erwartet.Alle Sprecherinnen und Sprecher bringen jenes feine Gespür für Nuancen mit, das ein Hörspiel wie Anne unbedingt braucht: Momente voller Wärme müssen genauso getragen werden wie humorvolle Verwicklungen oder die zart melancholischen Untertöne, die Annes Vergangenheit hin und wieder aufruft.

    Nach wie vor ist die musikalische Untermalung auf klassische Stücke angelegt und hält sich auch weiter dezent im Hintergrund. Die Geräusche sind punktgenau eingesetzt und passen in das Hörspiel. Gerade diese Zurückhaltung macht die technische Seite so beeindruckend: Titania setzt Musik und Effekte nicht ein, um laut zu sein, sondern um die richtige Stimmung zu tragen. Die klassischen Klänge verleihen den Szenen eine zeitlose Anmutung, die hervorragend zur literarischen Vorlage passt. Die Geräusche wiederum sind so fein und natürlich eingearbeitet, dass man sich mitten in Avonlea wähnt – sei es in den stillen Räumen von Green Gables, auf den Wegen, die Anne und Diana entlanglaufen, oder in den lebhaften Momenten im Schulhaus.

    Das Cover zeigt Anne wie sie unter einem ihrer geliebten Bäume sitzt und in einem Buch schmökert. Die Covergestaltung passt durchaus zu der Story und ist liebevoll umgesetzt. Wie schon in Folge 1 gelingt es dem Cover, exakt den Geist dieser Reihe einzufangen: idyllisch, warm, einladend und voller Nostalgie. Die Zeichnung strahlt Ruhe und Geborgenheit aus und macht direkt Lust, in diese Welt einzutauchen – ein starkes visuelles Signal, das die Qualität der Serie wunderbar ergänzt.

    Eine schöne Umsetztung einer genrationsübergreifenden Geschichte. Hier fügt sich die Folge nahtlos in die Erzähltradition ein, die bereits mit dem Auftakt so überzeugend begann: Sie ist warm, berührend, humorvoll und voller kleiner Augenblicke, die man als Hörer nicht nur verfolgt, sondern regelrecht erlebt. Dass die Serie generationsübergreifend funktioniert, wird in dieser zweiten Folge noch klarer: Kinder finden Zugang über Annes Fantasie und Abenteuer, Erwachsene über die Themen Zugehörigkeit, Verantwortung und Reife. Titania Medien beweist mit dieser Produktion einmal mehr, wie viel Herz, Handwerk und Respekt vor der Vorlage in diesem Projekt steckt.

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