Faith van Helsing - 68: Der Inquisitor
Faith wird von immer wiederkehrenden Albträumen heimgesucht: Bilder von brennenden Scheiterhaufen, schreienden Frauen, Qualm, Feuer, Angst. Die Visionen sind so intensiv, dass sie den Rauch zu riechen glaubt. Sie steckt in einer Traumschleife fest, die sich mit brutaler Klarheit wiederholt und sie förmlich in eine andere Zeit reißt. Schnell wird deutlich, dass sie einem Fluch unterliegt, der sie nicht nur psychisch belastet, sondern sie in eine gefährliche Form der Zeitreise hineinzieht. Um sich aus diesem Kreislauf zu befreien, ruft sie ihre Freundinnen zu Hilfe – doch je tiefer die Gruppe in das Mysterium rund um die Hexenverbrennungen eintaucht, desto stärker verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und halluzinatorische Wahrnehmung. Die Frage bleibt: Kann Faith diese eskalierende Vision durchbrechen, bevor sie ihren Geist verliert? Oder wird sie vom Inquisitor – einer unnachgiebigen Macht aus der Vergangenheit – endgültig verschlungen?
Die 68. Folge der Reihe taucht tief in Faiths Innenwelt ein und setzt stärker auf psychische Zerrüttung, atmosphärischen Horror und wiederkehrende, bedrückende Bilder als viele der lauteren, actionbetonten Episoden. Der Einstieg wirkt intensiv, beinahe klaustrophobisch: Das Motiv der Hexenverbrennungen wird als traumatischer Kern genutzt und bildet die Grundlage für eine düstere, drängende Erzählung. Gleichzeitig bleibt die Struktur der Folge eher ruhig und langsam aufbauend, was die Schwere des Themas verstärkt. Die Albtraumschleifen wirken eindrucksvoll, doch manche Passagen wiederholen sich spürbar, sodass der Plot zwar emotional packend, aber erzählerisch etwas schmal und weniger vielschichtig wirkt. Die Episode positioniert sich damit eher als atmosphärischer Zwischenschritt im Serienverlauf als als eigenständiger Höhepunkt.
Die Inszenierung setzt ganz auf Intensität: Der Wechsel zwischen Visionen und Gegenwart erfolgt hart, teilweise bewusst desorientierend. Die Akustik täuscht Nähe und Bedrohung vor, Flammen, Schreie und knisternde Holzgerüste stehen im Mittelpunkt. Der Plot selbst bleibt relativ geradlinig: Faith wird in die albtraumhafte Vergangenheitsreise hineingezogen, ihre Verbündeten folgen ihr, und der Kernkonflikt dreht sich weniger um eine klassische Ermittlung als um die Frage, wie man einen Fluch durchbricht. Die Folge lebt daher stärker vom Gefühl, vom Druck und vom Horror der Situationen als von überraschenden Wendungen. Die Spannung ist konstant vorhanden, aber eher bedrückend als rasant – ein psychologischer Horror, der gut funktioniert, aber stellenweise etwas repetitiv wirkt.
Magdalena Höfner trägt die Episode, indem sie Faiths Angst, Verzweiflung und Entschlossenheit glaubwürdig und mit spürbarer Emotionalität transportiert. Sebastian Fitzner als Dexter wirkt wie gewohnt dynamisch und verleiht der Rolle die nötige Klarheit und Bodenständigkeit. Anke Reitzenstein, Victoria Sturm und Ilona Otto geben Faiths Verbündeten klare Konturen – stützend, präsent und emotional eingebunden. Engelbert von Nordhausen als Cornelius bringt Würde und Schwere mit, sein Auftritt bleibt markant. Die kleineren Rollen – Jean Coppong, Janis Zaurins und Patrick Holtheuer – ergänzen das Ensemble punktuell und setzen glaubwürdige Akzente.
Das Sounddesign ist einer der stärksten Aspekte der Folge. Die Produktion erzeugt eine beklemmende, historische Atmosphäre: Feuerknistern, Peitschen von Wind, panische Stimmen, dumpfe Schritte und hallende, harte Umgebungsgeräusche. Musikalisch arbeitet die Folge mit düsteren, fast sakralen Untertönen. Die Mischung ist akkurat, dicht und unterstützt hervorragend den psychologischen Horror. Ein sehr stimmiges Klangbild.
Ein visuell intensives Cover: Die Darstellung des Inquisitors, das Kreuz, die Flammen – alles wirkt kraftvoll, religiös überhöht und brutal. Die Kombination der hellen Labor-/Klinikumgebung auf der einen Seite und der brennenden Häuser auf der anderen schafft eine starke Symbolik zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Vision und Realität. Ein markantes, kompromissloses Motiv.
„Der Inquisitor“ ist eine bedrückende, atmosphärische Folge mit starkem Fokus auf psychologischem Horror und intensiver Traumlogik. Die Inszenierung wirkt dicht und wirkungsvoll, auch wenn die Handlung über weite Strecken eher schlicht und in Wiederholungen gefangen bleibt. Eine solide, eindringliche Episode der Reihe – weniger actionreich, dafür emotional roh und unruhig, getragen von starken Sprecherleistungen und einer beeindruckenden Klangkulisse.
VÖ: 2025
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