Zerstören Charakter Artworks die Immersion?

  • Mir kam jetzt letztens der Gedanke, wie viele Hörspiele eigentlich ihre Hauptcharaktere als Bilder irgendwo auf den Kassetten/CDs/Platten abgebildet haben und in wie weit das förderlich ist oder eher stört. Spontan fallen mir da solche Reihen ein wie TKKG, ??? Kids, Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Da kennt man die Charaktere aus den Cover Artworks, aus Booklets usw. Bei den ??? gab es auch mal Handyspiele (oder irgendwie ein anderes interaktives Spiel, bin mir unsicher, aber kann mich an einige Szenen erinnern) bei denen man zumindest Titus und Mathilda, Kommissar Reynolds usw. als Bilder hatte.

    Zerstört sowas für euch die Fantasie? Oder findet ihr es eher schön, mal zu sehen wie sich die kreativen Köpfe hinter der Reihe das Aussehen gedacht haben? Oder ist euch das völlig egal?

    Ich selbst muss sagen, wenn es konsistent ist und der Stil passt, finde ich es gar nicht schlimm. Je nachdem wie viel man von den Charakteren preis gibt und es sich in das jeweilige Universum einfügt sogar ganz cool und kann sogar als eine Art Storytelling genutzt werden. Schwierig ist für mich nur, wenn die Stile zwischendurch wechseln, sodass die Figuren immer wieder anders aussehen.

    Eure Meinung dazu würde mich mal interessieren.

  • Für mich persönlich zerstört es die Fantasie überhaupt nicht – im Gegenteil, ich finde solche visuellen Darstellungen oft eher eine nette Ergänzung, aber nicht etwas, das sich in meinen Kopf „hineindrängt“. Ich habe bei Hörspielen sowieso fast immer ein eigenes inneres Bild der Figuren, das sich aus Stimme, Atmosphäre, Dialogen und jahrelanger Hörerfahrung zusammensetzt. Und dieses innere Bild lässt sich durch ein Cover oder eine Illustration kaum verdrängen.

    Gerade bei Reihen wie Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg, TKKG oder auch den ??? Kids gehört das visuelle Design ja zum Markenkern. Das empfinde ich als etwas völlig Natürliches – eben Teil des Gesamtpakets. Die Zielgruppe ist dort zudem wesentlich jünger, viele Kinder brauchen eine Bildwelt, um leichter Zugang zu Figuren zu bekommen. Mich stört das kein bisschen.

    Bei „erwachseneren“ Serien sehe ich es ähnlich: Wenn Künstler oder Label eine eigene Vorstellung der Figuren zeigen möchten, warum nicht? Es ist völlig legitim, eine Interpretation zu liefern. Schließlich ist das Bild genauso eine kreative Entscheidung wie Musik oder Sprecherwahl.

    Das Einzige, womit ich mich manchmal schwer tue, ist das Wechseln von Stilen, wenn Figuren plötzlich komplett anders aussehen als in früheren Werbematerialien oder Covermotiven. Dann entsteht schnell das Gefühl, als würde das visuelle Universum jedes Jahr neu erfunden. Wenn es aber konsistent bleibt, finde ich Illustrationen eher bereichernd.

    Ich lasse Bilder zu, aber sie ersetzen nie meine eigene Vorstellung. Und manchmal ist es sogar spannend zu sehen, wie unterschiedlich Kreative und Hörer dieselben Figuren im Kopf haben.

  • Ich denke mal so pauschal kann man das gar nicht sagen. In der Regel passt das Bild am Cover zur dargebrachten Geschichte im Hörspiel. Aber wie wir in der Vergangenheit immer wieder gemerkt haben, nicht immer:

    Evil
    April 13, 2025 at 11:00 AM


    Dann gibt es natürlich auch das Kopfkino, das immer ganz eigene Charaktere und Köpfe entwickelt. Abhängig und unabhängig vom Cover. Für mich war Sinclair zum Beispiel nie blond. Und von Suko habe ich bis heute kein Bild von mir. Da kann ein Cover schon mal sein eigenes Kopfkino gebasteltes Bild stören. Ganz schlimm war es als ich zum ersten Mal ein Bild der Sprecher der ??? gesehen habe. Das passte alleine schon vom Alter überhaupt nicht zu meinem Bild im Kopf. Das war schon desillusionierend für mich. Die meiste Zeit jedoch sind die abgebildeten Köpfe am Cover und mein Kopfkino sehr harmonisch und vertragen sich gut.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ausser das ein oder andere Cover bei audible sind die meistern Cover doch eher Comic Stil oder gemalt / gezeichnet. Da freue ich mich immer über gute und schöne Cover, aber das beeinflusst bei mir eigentlich nie das Kopfkino, im besten Fall gibt es Anstoss wohin die Reise geht, ansonsten ist es einfach egal.

    Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:

  • Quote

    Mir kam jetzt letztens der Gedanke, wie viele Hörspiele eigentlich ihre Hauptcharaktere als Bilder irgendwo auf den Kassetten/CDs/Platten abgebildet haben und in wie weit das förderlich ist oder eher stört.

    Ich mag sowas total! Ich bin immer doch recht enttäuscht, wenn eine Hauptfigur ( wie z.B. Dorian Hunter ) nie auf dem Hörspiel-Cover abgebildet ist (bei den Büchern ist es anders). Bei Sinclair musste ich hin und wieder rätseln, ist er es, ist er es nicht??? ^^

    Ich bin ganz klar dafür! :thumbup:

    Bei Gabriel Burns war es mir aber irgendwie recht egal. Wundert mich im Nachhinein sogar. :)

    The Jokes on you!

  • Ich habe hier einen netten Beispielfall aus unserer ersten Serie.

    Auf den Büchern aus den 70ern war Mark Brandis abgebildet. Er sah da so aus:

    Brandis-Aufkleber.jpg

    Das hat es mich 2x überlegen lassen, ob wir beim Hörspiel dem Publikum nochmal vorgeben wollen, wie der Held aussieht -- woraufhin er auf den Hörspiel-Artworks nirgendwo zu sehen ist. Und so stellt sich jede/r hoffentlich ihren/seinen Brandis anders vor.

    -- I teach writing courses and first of all, I teach my students what prosody is. (Theodore Sturgeon)

  • Uiiii, ja den Schnauzbart hätte ich jetzt nicht als Mark Brandis erlebt. Jede Zeit hat auch so seine eigenen Schönheitsideale und Gesichter. Dieses hier sieht doch nach den 70ern aus, wäre heute wohl passend für einen SF-Helden. #imho#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ich habe hier einen netten Beispielfall aus unserer ersten Serie.

    Auf den Büchern aus den 70ern war Mark Brandis abgebildet. Er sah da so aus:

    Brandis-Aufkleber.jpg

    Das hat es mich 2x überlegen lassen, ob wir beim Hörspiel dem Publikum nochmal vorgeben wollen, wie der Held aussieht -- woraufhin er auf den Hörspiel-Artworks nirgendwo zu sehen ist. Und so stellt sich jede/r hoffentlich ihren/seinen Brandis anders vor.


    ist wohl aber dem geschuldet wie man sich ein Offizier und Gentleman vorgestellt hat in den 70er

    heute waere es Jasons Statham/ Liam Neeson oder so in Uniform der mit leichten grinsen

  • Zerstören nicht unbedingt, aber für mich als jemanden, der sich gerne selbst alles in Gedanken ausmalt, ist es immer so ein innerer Zwiespalt. Wenn ich mir ein Artwork ansehe und ich mir denke: "In meiner Vorstellung sieht XY aber ganz anders aus." Bei Gabriel Burns hat mir ja gerade gefallen, dass man die Charaktere nie auf den Cover nie auf den Covern sehen konnte. So konnte ich mir mein ganz eigene Kopfkino und meine eigenen Artworks erstellen.

    Aber so ähnlich geht es mir auch mit Filmen. Ich muss einfach bei jedem Film, den ich mir ansehe, in meiner Vorstellung eine eigene Note hinzufügen. Sei es, dass ich nur für mich einen eigenen Soundtrack zusammenstelle oder einen der Charaktere nebenbei auf ein Stück Papier kritzele.

    "Mein Name ist Luther. Ich würde mich gerne mit Ihnen unterhalten."

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