Sprecher im (Hörspiel-)Talk-Studio: Folge 68 - Friedrich Schütter

  • Im November möchte ich unserer Talker-Bühne einem Sprecher widmen, dessen tiefe und sonore Stimme mich seit meinen Kindertagen sehr beeindruckt hat. Egal ob im Film, in TV-Serien oder in Hörspielen, er hat stets für akustische Furore gesorgt. Die Rede ist vom unvergessenen


    Friedrich Schütter


    Wie und wann seid ihr erstmals mit Friedrich Schütter zusammen getroffen? Was ist das Besondere an seiner Stimme und seiner Interpretation? Was sind eure absoluten Lieblingshörspiele mit Friedrich Schütter und warum gerade diese?

    Öffnen wir also zum 68. Mal die Türe unseres Talkstudios für einen Sprecher und talken mit & über FRIEDRICH SCHÜTTER #winkewinke#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Was für eine begnadete und wunderbare tiefe Stimme. In meiner Kindheit war ich ein ganz großer Westernfan. Cowboys, Indianer, Winnetou, Old Shatterhand, der Wilde Westen hatten es mir angetan. Und so liebte ich auch alle Filme, die darüber handelten. Natürlich auch Bonanza. Und da war Friedrich Schütter mit seiner tiefen, dominierenden Stimme als Ben Cartwright ein akustischer Blickpunkt für mich. Diese Stimme hatte das gewisse Etwas. Als ich dann seine Stimme in Die Zeitmaschine 1-3 wieder hören durfte, war die Freude sehr groß. Die Rolle des allwissenden Professors war perfekt für ihn. So auch in Draculas Insel, Kerker des Grauens. Traurig, dass er nur in so wenigen Hörspielen zum Einsatz kam. Ich hätte ihn sehr gerne öfters gehört. Er machte sich sehr rar. Als ich ihn dann später in Die Guldenburgs als Chauffeur auch als Person sah, war die anfängliche Überraschung groß. Aber ja, nach einiger Zeit empfand ich, dass hier Stimme und Gesucht durchaus gut zusammen passten. Eine tolle charismatische Stimme, die mir viele schöne Stunden geschenkt hat #danke#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Bonanza war wohl mein erster Kontakt mit dieser einmaligen Stimme, die friedlich und freundlich, aber auch streng und bedrohlich sein konnte. Eine Stimme, die man schwer vergessen oder verwechseln kann.
    Lange Zeit war er mir nur als Synchronstimme aus Film und Fernsehen bekannt, bis ich ihn in der Serie "PS" (Ende der 70er) im Fernsehen als Werkstattmeister sah.

    Ach, und an einen Song kann ich mich erinnern, der früher öfter mal im Radio lief, eher Sprechgesang, bissl schnulzig, Titel entfallen. ;D Vielleicht war es Wandrin' Star...
    Da gab es ja mal eine Zeit, in der einige Synchronstimmen plötzlich Platten aufnahmen, z.B. auch Arnold Marquis.

    Traurig, dass er nur in so wenigen Hörspielen zum Einsatz kam. Ich hätte ihn sehr gerne öfters gehört. Er machte sich sehr rar.

    Seine Hörspielliste bei Wikipedia ist überraschend lang, sehe ich gerade! Beginnt schon Ende der 40er (!!) Jahre und geht durch die gesamten 50er/60er/70er bis in die 80er Jahre hinein. Das war mir bisher so auch noch nicht klar. Womöglich findet sich etwas davon sogar früher oder später in der Mediathek.

    Aber ja, die Anzahl der kommerziellen Hörspiele ist überschaubar. Schade.

  • Tolle Stimme, die sogar im Lied einen tollen Eindruck hinterlässt 😍

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    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Friedrich Schütter – Eine Stimme, die Haltung hatte

    Es gibt Stimmen, die begleiten einen, ohne dass man sie sofort bewusst benennt. Und irgendwann, meist viel später, stellt man fest: Diese Stimme war immer da. Friedrich „Fiete“ Schütter ist für mich genau so eine Stimme. Eine, die nie laut um Aufmerksamkeit gebeten hat, die sich nicht aufdrängte – und die gerade deshalb so tief wirkt. Seine Präsenz hatte etwas Selbstverständliches, etwas Erdiges. Man glaubte ihm. Immer.

    Schütter war kein Schauspieler der großen Gesten. Er war einer der Haltung. Geboren 1921 in Düsseldorf, mit einer Kindheit und Jugend, die ihn früh mit Brüchen, Ortswechseln und später mit den Härten des Krieges konfrontierten, trug er eine Lebenserfahrung in sich, die man seinem Spiel anmerkte. Nach dem Krieg fand er seinen Weg konsequent zum Theater – und dort auch zu sich selbst. Sein Debüt in Goslar, die Ausbildung in Hamburg, die frühen Bühnenstationen: All das wirkt im Rückblick wie eine langsame, aber sehr bewusste Annäherung an eine Kunstform, die für ihn nie Oberfläche war.

    Hamburg wurde sein Zentrum. Nicht nur geografisch, sondern künstlerisch. Das Deutsche Schauspielhaus, kleinere Bühnen, schließlich die Gründung des Jungen Theaters gemeinsam mit Wolfgang Borchert – das war mehr als Theaterarbeit. Das war ein Statement. Dieses Theater, später als Ernst-Deutsch-Theater bekannt, steht für eine Idee von Schauspiel, die mir persönlich sehr nahe ist: zeitgenössisch, ernsthaft, dem Text verpflichtet, ohne Eitelkeit. Dass Schütter dieses Haus bis zu seinem Tod als Direktor prägte, passt vollkommen zu seinem Wesen. Er war kein Intendant des Rampenlichts, sondern einer der Verantwortung.

    Sein Spiel auf Bühne, im Film und im Fernsehen war geprägt von Genauigkeit. Serien wie Stahlnetz, Tatort, Schwarz Rot Gold oder Der Landarzt profitieren bis heute von dieser besonderen Art Präsenz, die Schütter hatte. Selbst in kleineren Rollen war er nie „nur dabei“. Er gab Figuren Gewicht, Geschichte, Würde. Besonders eindrücklich bleibt für mich sein Auftritt in Das Millionenspiel, aber auch seine historischen Rollen zeigen, wie sehr er politische und gesellschaftliche Stoffe durchdringen konnte.

    Ein ganz besonderer Punkt in seinem Wirken ist für mich jedoch „Die Wicherts von nebenan“. Diese Serie lebt von Alltäglichkeit, von leisen Konflikten, von Figuren, die glaubwürdig sein müssen, damit das Ganze funktioniert. Genau hier war Schütter goldrichtig. Sein Spiel wirkte nie wie gespielt, sondern wie beobachtet. Er passte in diesen Kosmos, weil er ihn ernst nahm. Die Wicherts von nebenan sind für mich ein gutes Beispiel dafür, wie wertvoll Schauspieler sind, die nicht dominieren wollen, sondern tragen. Schütter war so einer.

    Auch als Synchronsprecher ist seine Stimme fest in meinem Ohr verankert. Lorne Greene als Ben Cartwright in Bonanza – für mich untrennbar mit Schütter verbunden. Diese sonore, ruhige, väterliche Stimme hatte Autorität, ohne je hart zu sein. Ebenso als Robin Masters in Magnum: Er versuchte nicht, Orson Welles zu kopieren, sondern schuf eine eigenständige deutsche Figur. Genau das macht guten Synchron aus.

    Noch nachhaltiger empfinde ich jedoch sein Wirken im Hörspiel. Beim NWDR, NDR und bei Radio Bremen war Schütter über Jahrzehnte präsent. Seine Stimme konnte erzählen, erklären, führen – ohne jemals pathetisch zu werden. Besonders seine Rolle als Baumbart in Der Herr der Ringe ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie Stimme Zeit tragen kann. Man hört ihm zu, man lässt sich fallen, man vertraut ihm.

    Auch im populären Hörspielbereich – etwa bei der Gruselserie als Professor Dark oder in den Edgar-Wallace-Produktionen von EUROPA – blieb er sich treu. Selbst im Genrehaften war er nie überzeichnet. Er spielte ernst, und genau das machte seine Auftritte so wirkungsvoll.

    Friedrich Schütter starb 1995 in Hamburg. Der nach ihm benannte Platz vor dem Ernst-Deutsch-Theater ist eine schöne, sichtbare Erinnerung. Für mich aber lebt er vor allem in diesen stillen Momenten weiter: in einer Szene, in einer Stimme, in einem Satz, der nachhallt. In Serien wie Die Wicherts von nebenan, in Hörspielen, in Synchronrollen.

    Er war kein Star im lauten Sinn. Und genau das macht ihn für mich so groß. Friedrich Schütter war ein Fundament. Einer von denen, auf denen alles andere ruht.

  • Hier ein Auftritt in einer ORF Sendung. In meinem Geburtsjahr. Moderator Peter Rapp ist heuer im April verstorben. Die Zeit vergeht…

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    Und ein sehr interessantes, kurzes Knapp 7 Minuten dauerndes Interview mit Friedrich Schütter aus dem Jahr 1983 im NDR Talk wo er über Bonanza, 2.Weltkrieg und Theater spricht. Ein sehr charismatischer Mensch, der, wie ich mir auf Grund der Sendung vorstellen könnte, öfters mal angeeckt hat, da er doch die eine oder andere Kritik an der damaligen aktuellen Zeit da ließ.

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  • Ich bin jedes Mal begeistert und elektrisiert wenn ich seine Stimme höre 🤩

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    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ich spreche jetztl niemanden direkt an: aber wenn man hier einen längeren Text postet, der ganz überwiegend durch KI entstand, sollte man meiner Meinung nach die 'Haltung' haben, das irgendwie zu kennzeichnen... ;)

    Ich habe immer gestaunt, wie Maritim 1978 das hochpolitische und etwas trockene 'S.E.T.I.'-Hörspiel mit 'Professor' Schütter für Jugendliche bei den Händlern durchdrücken könnte. Mit anderen als dieser hochqualifizierten Sprechercrew, über die man damals verfügte, hätte man dieses Wagnis nicht eingehen können.

  • Schütter konnte Dank seiner Stimme wirklich auch ein eher trockenes Thema perfekt rüber bringen.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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    🤩

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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  • Und ein sehr interessantes, kurzes Knapp 7 Minuten dauerndes Interview mit Friedrich Schütter aus dem Jahr 1983 im NDR Talk wo er über Bonanza, 2.Weltkrieg und Theater spricht. Ein sehr charismatischer Mensch, der, wie ich mir auf Grund der Sendung vorstellen könnte, öfters mal angeeckt hat, da er doch die eine oder andere Kritik an der damaligen aktuellen Zeit da ließ.

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    Keine Frage, Friedrich Schütter hat sich aktiv mit seiner eigenen Rolle im Nationalsozialismus auseinandergesetzt und nach 1945 im Ernst Deutsch Theater und auch sonst sehr viel mit dem Ziel getan, dass so etwas nie wieder passieren darf.

    Aber bei diesem Fernsehausschnitt ist zu beachten, dass das Interview aus den 1980er Jahren stammt und dass vieles aus Friedrich Schütters Vita entweder nur angerissen wurde oder eben doch komplett unter den Tisch gefallen ist. Im Interview skizziert er (2:11) anfänglich den normalen Weg als Kind/Jugendlicher in der HJ bis zum "Pimpfenführer" anno 1937, das ist alles unverdächtig und nicht relevant, schließlich war er da gerade mal 16 Jahre alt, mehr zur HJ erfahren wir von ihm nicht. Etwas später sagt er (2:33) wortwörtlich für die Zeit ab 1939: "Da habe ich mich kriegsfreiwillig gemeldet und war bis '47 Soldat."

    Stimmt nicht.

    Er hat nichts darüber erzählt, dass er bereits 1942 schwer verletzt aus dem Wehrdienst entlassen wurde. Er hat nichts darüber erzählt, dass er direkt anschließend in die Dienste der HJ getreten ist und dort vom "Oberscharführer" über "K-Führer" und "Komm. Bannführer" bis zu einem "Hauptgefolgschaftsführer" der HJ aufstieg, der Schulungsmaßnahmen sowie Propaganda-Veranstaltungen durchführte, sprich: aktiv für weiteren HJ-Nachwuchs gesorgt hat. Er hat nichts davon erzählt, dass er 1942 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP gestellt hat und nach etlichen bürokratischen Wirrungen im Januar 1944 Mitglied der NSDAP geworden ist. Er hat nichts davon erzählt, dass er - offensichtlich aufgrund seiner späten Funktionen in der HJ - nach Kriegsende mehr als ein Jahr in einem Internierungslager der britischen Militärregierung inhaftiert war; das ist etwas völlig anderes als wenn er nach Mai 1945 in Kriegsgefangenschaft geraten wäre, was er im Interview ("bis '47") suggeriert. Er hat nichts davon erzählt, dass es bei seiner Entnazifizierung aufgrund seiner HJ-Funktionen Bedenken gab, ihn in die untere Kategorie V einzustufen, und dass man von einer höheren Stufe (mit entsprechenden Konsequenzen) nur aufgrund seiner Verletzung und der "Jugendamnestie"-Regelung abgesehen hat.

    Vgl. hier: hamburg.de / Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene / Friedrich Schütter

    Wie gesagt: Friedrich Schütter war in den Jahrzehnten nach 1945 vorbildlich und vorbildhaft für die Demokratie und gegen den Faschismus aktiv, Hut ab dafür. Aber darf man von einem Vorbild nicht vielleicht auch das ganze Bild erwarten? Klar: so genau wollte man das in den 1980er-Jahren auch noch gar nicht wissen ... aber eins muss auch klar sein: autobiographische Auskünfte sind immer mit Vorsicht zu genießen, weil dann vielleicht doch einige Dinge lieber verschwiegen werden.

  • Danke für die Hintergrundinfos, die mir so nicht bekannt waren. 🙏

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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