Als ich gestern so meine Top 10 der Hörspiele, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde ansah, dachte ich mir wie einfach manchmal diese Hörspiele aufgebaut sind, aber auch wie genial und wie schwierig es ist solche „Knaller“ zu produzieren. Beinah jedes Label hat solche absoluten Kaliber in ihren Reihen, aber ungleich mehr Mittelmaß. Warum ist es so schwierig wirkliche Highlights zu produzieren? Auch für renommierte Labels wie EUROPA, MARITIM, AUIBLE oder LÜBBE? Die müssten es doch eigentlich wissen wie es geht? Oder wissen sie es nicht? Oder wollen sie vielleicht gar nicht nur Top Hörspiele produzieren? Was meint ihr?
Warum ist es so schwierig sehr gute Hörspiele zu produzieren?
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Ich glaube, genau da liegt die Magie – und auch das Problem. Wirklich große Hörspielmomente entstehen nicht aus Routine, Budget oder Erfahrung, sondern aus einer seltenen Konstellation, die man weder planen noch erzwingen kann. Ein bisschen wie Wetterphänomene: Man weiß, wie ein Sturm entsteht, aber man kann keinen auf Knopfdruck erzeugen.
Natürlich könnten Labels wie EUROPA, Maritim, Audible oder Lübbe theoretisch das Know-how haben, ständig Spitzenproduktionen abzuliefern – sie verfügen über großartige Sprecherinnen und Sprecher, hervorragende Tonstudios und jahrzehntelange Erfahrung.
Aber selbst das ist keine Garantie, denn: Die wirklich starken Folgen haben etwas, das man nicht herstellen kann: ein Gefühl. Ein emotionales Zentrum, das sich nicht kalkulieren lässt. Es ist nicht die perfekte Technik, nicht die größte Dramatik, nicht der lauteste Knall. Es ist dieses eine Zusammenspiel – Sprecher, Atmosphären, Text, Musik, Timing, Stimmungen – das plötzlich zündet. Und genau das passiert nicht oft. Schon gar nicht regelmäßig.
Dazu kommt etwas, das gerne unterschätzt wird: Manchmal ist Mittelmaß sogar gewollt. Nicht im Sinne von „Wir geben uns keine Mühe“, sondern im Sinne von: Ein Label muss verlässlich produzieren. Serien brauchen Kontinuität, nicht jeden Monat ein Meisterwerk. Und viele Hörer wollen genau das – eine solide Folge, die die Reihe weiterführt, nicht ständig ein emotionales Erdbeben.
Und dann ist da auch noch der eigene Geschmack. Meine Top-Highlights – die echten Insel-Titel – sind oft gar nicht die teuersten oder aufwendigsten Produktionen. Es sind die, die mich getroffen haben. Die, die mir etwas gegeben oder etwas ausgelöst haben. Und so etwas ist zutiefst individuell.
Man darf außerdem nicht vergessen, dass Hörspiele – gerade im Erwachsenenbereich – ein vergleichsweise kleines Segment sind. Wer nur Meisterwerke produziert, produziert wirtschaftlich am Markt vorbei. Ein „solider Fall“ verkauft sich meist besser als ein aufwendig inszeniertes Psychodrama, weil es breiter funktioniert.
Aber wenn dann doch mal eine Folge heraussticht, wenn alles zusammenfließt und man ab der ersten Minute merkt: Hier passiert gerade etwas Besonderes, dann sind das genau diese Momente, über die man Jahre später noch spricht. Und genau deshalb sind „Highlights“ Highlights – weil sie selten sind. Weil sie überraschen. Weil sie nicht planbar sind.
Vielleicht ist es gerade das, was dieses Medium so anziehend macht: Hörspiel ist Handwerk – aber die echten Knaller sind Kunst.
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Auch super produziert ist ja nicht jede Geschichte vom Inhalt her dazu geeignet, später als legendär zu gelten.
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Da hängen halt so viele, auch sehr persönliche, Faktoren von ab, ob ein Hörspiel in den eigenen Ohren als „gut“ empfunden wird. Ist für die Label nicht unbedingt einfach da alle Nerven zu treffen.
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Bei manchen Labels habe ich schon den Eindruck sie haben es ein bisserl verlernt. Bei manchen Labels denke ich mir einfach, es fehlt ihnen die passende Vorlage, ohne dieser kann der beste Hörspielmacher keine Granate produzieren. Und bei manchen meine ich auch zu erkennen, dass sie ganz klar Quantität der Qualität vorziehen (müssen).
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Ich würde hier meinen Vorrednern bzw. Vorschreibern Recht geben und meinen eigenen Senf dazu klatschen. Zum einen müssen die Labels ja regelmäßig was abliefern. Man schreibt, man nimmt auf, man führt Regie, man schneidet usw. und es gibt eben genau diese Moment, wie DerPoldi richtig sagte, wo alles zusammen fließt und alles passt. Und unter umständen ist es nicht mal die Folge die am teuersten oder aufwändigsten produziert wurde, oder wo sich jemand besonders Mühe beim Schreiben gegeben hat, Sondern die wo die Chemie stimmt. Und am Ende kann man vorher auch nicht wissen was daraus wird. Es gibt auch Bands und Musiker, die sich unglaublich viel Mühe mit bestimmten Liedern geben und der große Hit den alle Fans bei jedem Konzert wollen und textsicher mitsingen können, ist das was so in 10 Minuten raus rutscht und fertig ist. Man hat da keinen Einfluss drauf. Und rein Wirtschaftlich betrachtet kommen dann die Ja / Nein Fragen. Ist es ein Meisterwerk? Nein. Ist es Schlecht? Nein. Kann man es produzieren, damit wir unser Label am Laufen halten können? Ja. Ist die Alternative zu warten bis man was besseres hat? Nein. Dann raus damit.
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Weil Sternstunden nicht seriell gefertigt werden können und Faktoren wie wirtschaftlich oft nötige Fließbandproduktion, Zeit- und Erwartungsdruck gekoppelt mit der individuellen Hörerfahrung dies ebenso erschweren können ein konstantes Produkt im höchsten Sektor dauerhaft zu präsentieren. Viel mehr ist ein gut funktionierendes, solides Fundament wichtig, eine gut geölte, verlässliche Maschine, die das Marktfeld beackern kann, auf dessen Gründen dann auch mal schöne Blüten treiben werden
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