Asterix in Lusitanien (Comic)
Kaum ein Comic hat mich so lange begleitet wie die Abenteuer von Asterix und Obelix. Mit jedem neuen Band schwingt ein Stück Kindheitserinnerung mit – und genau dieses Gefühl stellt sich auch beim 41. Band „Asterix in Lusitanien“ sofort wieder ein. Schon nach den ersten Seiten war ich wieder mitten in dieser unverwechselbaren Welt, die vertraut wirkt und trotzdem genug Raum für neue Ideen lässt.
Wie bei so vielen Klassikern dieser Reihe beginnt alles im kleinen gallischen Dorf, wo die Geschichte ihren Ausgang nimmt. Ein alter Bekannter taucht auf: Schnurres bittet die Gallier um Hilfe. Sein Freund Schaõprozes, ein kleiner Garum-Produzent, ist ins Visier eines skrupellosen Großkonzerns geraten, der ihn mit einer Intrige ausschalten will. Angeblich soll er Julius Caesar vergiftet haben – natürlich völlig absurd. Asterix, Obelix und Idefix zögern keine Sekunde und brechen Richtung Lusitanien auf, um ihren Freund zu retten.
Schon die Ankunft in Portugal – oder besser gesagt: im römischen Lusitanien – ist ein herrlich augenzwinkernder Auftakt. Kabeljau, melancholische Fado-Klänge und Männer mit Schnurrbärten prägen das Bild, während Obelix verzweifelt nach Wildschwein sucht. Stattdessen bekommt er getrockneten Fisch serviert. Idefix passt sich schneller an und bellt sogar ein begeistertes „Wão!“. Diese liebevolle Überzeichnung der portugiesischen Eigenheiten hat für mich wunderbar funktioniert – sie transportiert sofort ein Gefühl von Atmosphäre und Lokalkolorit, ohne je respektlos zu sein.
Im Vergleich zu „Die weiße Iris“ ist dieser Band erzählerisch viel gradliniger. Fabcaro und Conrad legen das Augenmerk nicht auf ein Feuerwerk aus Gags, sondern auf eine klassische, sauber erzählte Geschichte mit einem klaren Spannungsbogen. Asterix und Obelix müssen undercover ermitteln, Verkleidungen tragen, Intrigen aufdecken und sich mit Zenturio Pistorius und dem Präfekten Fetterbonus anlegen. Dass die Autoren dabei bewusst an die alten Reiseabenteuer anknüpfen, merkt man an jeder Stelle.
Die Satire auf Globalisierung, Kapitalismus und überbordenden Reichtum ist pointiert und wirkt nie belehrend. Als Asterix bei einem Garum-Konzern ein Benutzerkonto anlegen muss, inklusive Sonderzeichen – da habe ich tatsächlich laut gelacht. Auch die Anspielungen auf Tech-Milliardäre wie Marcus Zuckergus und Elonmus sind ein kleines Highlight. Fabcaro trifft hier sehr genau den Ton, der die Reihe schon immer ausgemacht hat: gesellschaftlicher Kommentar, verpackt in Humor, der zeitlos funktioniert.
Didier Conrad liefert dazu wie gewohnt fantastische Zeichnungen. Die Szenen in Olisipo – dem antiken Lissabon – sind so lebendig, dass man die Stimmung fast spüren kann. Besonders die Auftritte von Obelix, wenn er im Fado-Takt tanzt oder sich über den Fisch beklagt, sind wunderbar eingefangen. Auch das große Finale auf dem Schiff, wenn die kleinen Leute gegen die Mächtigen antreten, ist optisch ein echter Höhepunkt.
Was mir besonders gut gefallen hat: Die Modernisierungen fügen sich sehr natürlich ein. Baba, der schwarze Pirat, spricht endlich ohne Sprachfehler – eine längst überfällige Anpassung, die hier ganz selbstverständlich wirkt. Auch aktuelle Themen wie die Rentendebatte oder wirtschaftliche Machtstrukturen werden elegant eingebaut, ohne den Tonfall der Reihe zu sprengen.
Die Melancholie, die Fabcaro ins Spiel bringt, verleiht dem Band einen ganz eigenen Unterton. Sie schwingt leise mit, ohne die Leichtigkeit zu stören. Die portugiesische Saudade ist hier nicht nur ein Gag, sondern ein stimmungsgebender Bestandteil der Geschichte. Humor und Wehmut liegen angenehm nah beieinander – und genau das macht den Band so charmant.
Natürlich endet auch dieses Abenteuer so, wie es enden muss: mit einem furiosen Aufstand, einer großen Prügelei und einem kleinen Seitenhieb auf die Kunstgeschichte. Die Szene, in der eine Weinhändlerin die Menschen mit einer weißen Tischdecke auf die Barrikaden führt, ist nicht nur witzig, sondern auch sehr schön inszeniert – ein verspieltes Augenzwinkern an Eugène Delacroix’ berühmtes Gemälde.
Asterix in Lusitanien ist kein lauter, überbordender Band, sondern ein warmherziges, pointiertes Abenteuer, das vor allem durch seine erzählerische Klarheit überzeugt. Fabcaro und Conrad führen die Serie mit Respekt vor ihrer Tradition weiter und geben ihr gleichzeitig moderne Impulse. Gerade für langjährige Leser wie mich fühlt sich das wie ein Heimkommen an – vertraut, witzig, ein bisschen wehmütig und rundum gelungen.
Der 41. Asterix-Band ist ein sehr schönes, stimmungsvolles Reiseabenteuer geworden. Er erzählt seine Geschichte ruhig, klug und mit feinem Humor. Die Anspielungen auf unsere Zeit funktionieren hervorragend, die Zeichnungen sind brillant, und das Gefühl, das Asterix seit Jahrzehnten vermittelt, ist wieder voll da. Für Fans ein echtes Vergnügen – und für neue Leser ein sehr guter Einstieg in eine der charmantesten Comicwelten überhaupt.