Asterix bei EUROPA – Die legendäre Hörspiel-Saga mit Hans Clarin & Günter Pfitzmann

  • Asterix bei EUROPA – Die legendäre Hörspiel-Saga mit Hans Clarin & Günter Pfitzmann

    Von Galliern, Römern und Kassetten – der Beginn einer Ära

    1986 war das Jahr, in dem sich ein kleiner gallischer Held und sein schwergewichtiger Freund aufmachten, den deutschen Hörspielmarkt zu erobern. Die Comic-Abenteuer von René Goscinny und Albert Uderzo waren längst Kult, ihre Übersetzungen millionenfach verkauft. Doch die eigentliche Sensation war die Umsetzung durch EUROPA: 19 Folgen erschienen noch im Startjahr, ein Paukenschlag, der die Serie von Asterix der Gallier bis Die Lorbeeren des Cäsar in einem Rutsch zugänglich machte. Damit war die Reihe von Anfang an mehr als ein Nebenprojekt – sie wurde zu einem der großen Flaggschiffe im EUROPA-Programm. In den Jahren darauf folgten weitere Abenteuer, bis die Serie 1992 mit Asterix und Maestria ihren Abschluss fand. 29 Hörspiele, deckungsgleich mit den ersten 29 Comics – eine Vollständigkeit, die ihresgleichen sucht.

    Hinter den Kulissen – die Architekten des Erfolgs

    Wer verstehen will, warum diese Reihe so geschlossen und kraftvoll wirkt, muss einen Blick auf ihre Macher werfen. Peter Bondy übertrug die Vorlage in Texte, die nicht nur Panels vertonten, sondern eigene dramaturgische Kraft entfalteten. Er verstand, wie man das Tempo der Comics in Rhythmus, in Dialog, in Szenen überführt.

    Heikedine Körting stand als Regisseurin an der Spitze der Produktion. Ihr Gespür für Timing, für Humor und für die richtige Balance zwischen Ernst und Komik prägte jedes Hörspiel. Die Szenen sind schnörkellos, auf den Punkt, zugleich aber atmosphärisch dicht.

    Phil Moss schließlich zeichnete verantwortlich für Musik und Effekte. Seine Fanfaren, Trommeln, lustigen Zwischenspiele und pointierten Geräusche schufen eine akustische Welt, die zugleich vertraut und komisch war. Wenn Legionäre mit Schilden klirrten, wenn Wildschweine grunzten oder wenn eine Prügelei zum perkussiven Schlagzeugsolo wurde, dann hatte Moss seine Hand im Spiel.

    Über allem wachte Dr. Andreas E. Beurmann, der künstlerische Leiter, der dem Projekt seinen Stempel aufdrückte. Was so entstand, war keine hastige Lizenzproduktion, sondern eine sorgfältig ausgearbeitete Hörspielreihe, die bis heute Maßstäbe setzt.

    Stimmen, die unsterblich wurden

    So sehr die Produktion glänzte – das eigentliche Herzstück war das Sprecherensemble. Hans Clarin als Asterix war eine Offenbarung. Seine helle, quirlige Stimme, sein schalkhaftes Timbre und sein blitzschnelles Timing machten den kleinen Gallier lebendig. Man hörte in jedem Satz den pfiffigen Stratege, den verschmitzten Taktiker, den Helden wider Willen, der nie um einen Kommentar verlegen ist.

    Günter Pfitzmann setzte dem den perfekten Kontrapunkt. Seine Stimme war warm, kräftig, freundlich – ideal für Obelix, der Stärke, Gutmütigkeit und naive Direktheit vereint. Pfitzmanns lakonische Art, seine beiläufigen Kommentare, sein „Mir ist noch nie jemand zu schwer gewesen“ – all das verlieh Obelix jenen Charme, der ihn im Duo mit Asterix unvergesslich machte.

    Wolfgang Draeger als Erzähler war die Stimme, die alles zusammenhielt. Mit ruhigem, leicht augenzwinkerndem Ton führte er durch die Handlung, erklärte, verband, kommentierte – ohne jemals belehrend zu wirken. Er war die Brücke zwischen Comic und Hörspiel.

    Dazu kamen Stimmen, die jedem EUROPA-Fan vertraut sind: Eric Vaessen als Miraculix, Wolfgang Völz als Majestix, Gisela Trowe als Gutemine, Edgar Bessen als Homöopatix, Franz Josef Steffens, Douglas Welbat und viele andere. Diese Besetzung war kein Zufall, sondern eine bewusst zusammengestellte Mischung aus bekannten Stimmen, die schon andere EUROPA-Produktionen geprägt hatten.

    Vom gezeichneten Panel zur akustischen Bühne

    Die größte Leistung der Reihe ist vielleicht die Transformation der Comics ins rein Hörbare. Hier wurde nicht nacherzählt, sondern inszeniert. Prügeleien wurden zu akustischen Gags, bei denen man die Römer förmlich durch die Luft fliegen hörte. Wortspiele bekamen durch Pausen, Betonungen und Dialogtempo ihr Gewicht. Satire und historische Anspielungen, die im Comic oft über ein Bild transportiert werden, fanden ihren Platz im Erzählertext oder in kurzen Dialogeinsprengseln.

    So entstand ein eigenes Universum, das ohne die Bilder auskam und dennoch denselben Humor, dieselbe Schlagkraft hatte. Man konnte die Kassetten hören, ohne je einen Comic aufgeschlagen zu haben – und doch verstand man alles. Genau darin lag der Triumph dieser Adaption.

    Die Optik der Kassetten – Sammlerstücke mit Kultstatus

    Nicht nur inhaltlich, auch äußerlich war die Reihe markant. Die gelben Kassettenrücken mit dem roten Quadrat wurden zu einem unverwechselbaren Bild in vielen Regalen. Wer die Serie sammelte, konnte seine 29 Folgen wie ein geschlossenes Mosaik aufstellen – ein Anblick, der schon für sich einen Sammlerreiz hatte.

    Darüber hinaus gab es Varianten: Sonocord-Sonderauflagen, farblich unterschiedliche Kassetten-Shells, Sticker, die eigens auf die Besetzung hinwiesen („Mit Hans Clarin als Asterix und Günter Pfitzmann als Obelix“). Solche kleinen Unterschiede machen die Reihe bis heute für Sammler spannend. Auf Flohmärkten, in Kleinanzeigen und Onlinebörsen sind die Asterix-Kassetten begehrte Stücke – nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen ihres ikonischen Designs.

    Ein Echo über Jahrzehnte

    Die Wirkung der Serie reicht weit über ihre eigentliche Veröffentlichungszeit hinaus. Für viele Hörer der achtziger und frühen neunziger Jahre sind Clarin und Pfitzmann die Stimmen von Asterix und Obelix. Wer einmal ihre Dialoge gehört hat, kann sich die Figuren kaum anders vorstellen.

    Bis heute lebt die Reihe in den Erinnerungen weiter. In Foren, Sammlerkreisen und Gesprächen über Hörspielgeschichte fällt der Name immer wieder. Manche wünschen sich seit Jahren eine Wiederveröffentlichung auf CD oder im Streaming, doch bislang blieb die EUROPA-Reihe ein Schatz der Kassettengeneration. Umso größer ist die Nostalgie, die sie umgibt.

    Zwischen Telefunken und Karussell – das Herzstück der Asterix-Hörspiele

    Die EUROPA-Serie ist die zweite große Hörspielwelle im deutschen Asterix-Kosmos. Bereits in den siebziger Jahren hatten Telefunken und DECCA Hörspiele produziert, mit anderer Besetzung und in anderer Machart. Ab 2004 brachte Karussell eine neue Serie heraus, frisch produziert und für CDs gedacht. Doch keine dieser Reihen hatte die Geschlossenheit und die Popularität der EUROPA-Produktionen.

    Die Telefunken-Hörspiele gelten heute als Rarität, die Karussell-Ausgaben sind solide, aber sie haben nicht denselben Kultwert. Die EUROPA-Version dagegen ist für viele die wahre Stimme von Asterix im Hörspiel – die Referenz, an der sich alle anderen messen müssen.

    Die Magie der Balance – warum die Serie unsterblich ist

    Warum also funktioniert diese Serie auch heute noch? Weil sie die perfekte Balance gefunden hat. Sie ist der Vorlage treu, ohne sklavisch zu sein. Sie ist komisch, ohne in Parodie abzugleiten. Sie ist schnell, ohne zu hetzen. Sie ist lebendig, ohne das Wesentliche zu übertönen.

    Es ist diese Mischung, die den Zauber ausmacht. Wer heute eine Kassette auflegt, spürt sofort wieder die Wärme, den Witz, die Vertrautheit. Man sitzt da, hört Clarin und Pfitzmann streiten, lacht über Draegers Erzählerkommentare, genießt Moss’ Musik – und weiß: Die spinnen, die Römer. Und das klingt noch immer so frisch, als wäre es erst gestern aufgenommen worden.

  • Ohne hier wieder eine endlose Diskussion lostreten zu wollen – wir wissen ja, dass es ohnehin nicht passieren wird –, aber wenn ich mir eine Nostalgiebox von Europa wünschen dürfte, die dann tatsächlich umgesetzt würde, dann wäre es Asterix.

  • Die Telefunken-Hörspiele gelten heute als Rarität, die Karussell-Ausgaben sind solide, aber sie haben nicht denselben Kultwert. Die EUROPA-Version dagegen ist für viele die wahre Stimme von Asterix im Hörspiel – die Referenz, an der sich alle anderen messen müssen.

    Die von Telefunken habe ich erst im erwachsenen Alter kennengelernt, konnten mich nicht überzeugen, weil sie mir von der Art viel zu albern rüberkommen. Schon so manche Lieder und Dialoge empfinde ich dort einfach zu überzogen. Mit der EUROPA Serie bin ich aufgewachsen und habe sie einfach geliebt. Da habe ich alle Kassetten komplett in meinem Regal stehen und die bleiben zu Lebzeiten auch dort, die gebe ich nicht her. Die Karussell Vertonung habe ich auch erst als Erwachsener wahrgenommen, muß allerdings sagen, dass die sich mittlerweile sehr gut entwickelt hat. Man darf hier nicht nur die anfänglichen Folgen als Vergleich nehmen. Ab den höheren Nummern ist die Karussell Vertonung schon eher die Referenz geworden, auch weil sie halt zeitgemäßer erscheint. Dies ist auch der Grund, warum mein Sohn die von Karussell mehr mag, als die von EUROPA. Er kennt beide Versionen, aber hört lieber in die modernere Fassung von Karussell. Ist also auch eine Frage der Generation. ;)

  • hoerspiel

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich selbst bin mit den EUROPA-Folgen groß geworden und habe dadurch natürlich auch eine enge Bindung zu dieser Fassung, die für mich einfach „die“ Version geblieben ist. An die Telefunken-Reihe habe ich mich zwar auch irgendwann herangewagt, aber so richtig warm geworden bin ich damit ebenfalls nicht – für meinen Geschmack war das Ganze stellenweise zu überdreht.

    Bei Karussell sehe ich es ähnlich wie du: die frühen Folgen fand ich eher schwierig, aber gerade in den späteren Produktionen merkt man eine deutliche Weiterentwicklung. Sie wirken runder, moderner und haben dadurch auch ihren eigenen Reiz. Dass dein Sohn mit dieser Variante mehr anfangen kann, finde ich eigentlich sehr schön, weil es zeigt, dass die Geschichten auch für eine neue Generation noch funktionieren – wenn auch in einer anderen Form. Am Ende bleibt es wohl immer eine Mischung aus Nostalgie und Zeitgeist, welche Version man bevorzugt.

  • ich habe als Kind nur 3 Asterix Kassetten von Europa gehabt, und geliebt, die habe ich immer noch und höre ich immer noch gerne, das sind Asterix der Gallier, als Gladiator und die goldene Sichel. Glaube ich hatte sie in den Ferien bei meiner Oma väterlicherseits gekauft, sie wohnte in Essen Wir sind dann auch mind. 1x in die Stadt in Gelsenkirchen auf der Bahnhofsstrasse gegangen, weil das Näher war, wo ich mir was aussuchen durfte. Oft war es ein Hörspiel

  • Ja, auch für mich eine Reihe, die ich aus der Kindheit kenne und somit viel nostalgisches bei mir auslöst. Ich erinnere mich an die Hörspiele in Zusammenhang mit Urlauben an der Ostsee. Dort habe ich sie als Kind in unserer Ferienwohnung das erste mal gehört.

    Hinsichtlich der Karussell-Vertonung ist dir ein Fehler unterlaufen. Die Hörspiele von Karussell gibt es bereits seit 1997, seinerzeit nur auf MC.

  • Auch wenn ich jetzt wieder als unverbesserlicher Nörgler wahrgenommen werde:

    Die Jahresangaben hinsichtlich der Europa-Reihe sind auch nicht korrekt. Asterix erschien erstmals als Europa-Hörspiel 1984. Es ist damit auch nicht korrekt, dass im Jahr 1984 insgesamt 19 (!) Folgen erschienen sind. In keinem Jahr sind mehr als 9 Folgen veröffentlicht worden. (1987). Standart waren bei Asterix (wie auch bei allen anderen Europa-Serien) 5-7 Folgen pro Jahr.

    Bezeichnend ist, dass die Serie 1989 mit Folge 28 auslief, man sich aber entschloss, 1992 noch mal den damals neuesten Band (29) vertonen.

    DerPoldi : Nimm es mir nicht krumm, aber gerade bei solch historischen Abhandlungen sollten die Jahresangaben, die einfach zu erfahren sind schon stimmen. Sonst wird (wie oben) der gesamte Beitrag mitsamt seiner These ad absurdum geführt. (Hier: Flaggschiff, da 19 Folgen im Jahr veröffentlicht). Lieber diese ganzen "blumigen" Umschreibungen rauslassen, und dafür korrekte Jahresangaben reinpacken. 🙃

  • Für Veröffentlichungsdaten sind die Hörspielforscher weitaus verlässlicher: https://hoerspielforscher.de/kartei/hoerspi…=1829#page-main

    Asterix taucht im EUROPA-Jugendkalender 1985 erstmals auf und der wurde Mitte 1984 gedruckt. Aus eigener Erinnerung kann ich bestätigen, spätestens im ersten Halbjahr 1985 erste Asterix-Hörspielkassetten bei einem Klassenkameraden gesehen, gehört und für grauenhaft befunden zu haben. ;) Ein weiteres Indiz: die Titelmusik, die in etlichen Hörspielen von 1984 erstmals zum Einsatz kommt, natürlich auch in "Die drei ??? und der Höhlenmensch" (16.10.1984).

  • Also, ich habe den Artikel nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und hatte dabei eine Menge Spaß. Ich würde ihn jederzeit wieder genauso blumig schreiben, und ich denke, auch ohne die Zahlen wird deutlich, was ich damit ausdrücken wollte.

  • Ich habe eben mal in meine Kassetten geschaut, aber die ersten Folgen haben leider keine Jahresangabe. In der EUROPA-Chronik steht aber…

    Quote

    Zum 25. Geburtstag von Frankreichs beliebtester Comicserie Asterix, bringt MILLER zum Jubiläum 1984 die Abenteuer des Galliers nun auch als Hörspielserie.

  • Bin gerade mal meine Asterix Sammlung noch ein wenig genauer durchgegangen und die Kassetten 1-12 haben bei mir alle keine Datumsangabe. Anscheinend hat EUROPA in diesem Zeitraum dies weggelassen? Von Folge 13 bis 19 steht 1986 vermerkt, ab Folge 20 bis 27 dann 1987, die Folge 28 hat das Jahr 1988 und Folge 29 das Jahr 1992 vermerkt.

  • Bin gerade mal meine Asterix Sammlung noch ein wenig genauer durchgegangen und die Kassetten 1-12 haben bei mir alle keine Datumsangabe. Anscheinend hat EUROPA in diesem Zeitraum dies weggelassen? Von Folge 13 bis 19 steht 1986 vermerkt, ab Folge 20 bis 27 dann 1987, die Folge 28 hat das Jahr 1988 und Folge 29 das Jahr 1992 vermerkt.

    Es war im Hause Europa generell bis 1986 unüblich, Jahresabgaben in die Cover der Hörspiele zu drucken. Ähnliches auch bei Drei ???. Auch da wurde erst ab Folge 40 (1986) eine Jahresangabe geliefert.

  • Es war im Hause Europa generell bis 1986 unüblich, Jahresabgaben in die Cover der Hörspiele zu drucken. Ähnliches auch bei Drei ???. Auch da wurde erst ab Folge 40 (1986) eine Jahresangabe geliefert.

    War mir gar nicht so bewusst. Ich habe mal spontan eine Tom und Locke aus meinem Regal gefischt und dort steht aber ein Datum (1983) im Inlay. Ok, ist auf Pelikan bezogen, aber die „Hoerspielforscher“ geben dies auch als Jahr für die EUROPA VÖ an.

    https://hoerspielforscher.de/kartei/hoerspiel?detail=2282

  • Ich habe zum Spaß mal in die Europa Chronik geschaut. Da steht auf Seite 162 etwas über die Asterix Hörspiele. Demnach sind anlässlich des 25 jährigen Bestehens der Asterix Comics im Jahr 1984 die ersten Hörspiele von Europa erschienen. Leider konnte ich nicht entnehmen wieviele erschienen sind.

    Trotzdem finde ich deinen Beitrag zu Asterix DerPoldi fantastisch und toll geschrieben. Ich habe nich nie einen Comic von Asterix gelesen und auch keinen Bezug dazu. Meine aber Mal in ein Europa Hörspiel reingehört zu haben und fand sie leider nicht ansprechend und zu übertrieben, na ja Comic halt ^^

    Niemand kann so hart zuschlagen wie das Leben.

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