Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben (BR 1976)

  • Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben (BR 1976)

    Nahe dem Tegernsee lebt der verarmte Brandner Kaspar, königlicher Jagdgehilfe, dessen Lebensende naht. Doch als der Boandlkramer – der Tod höchstpersönlich – ihn holen will, weiß sich Kaspar zu helfen. Mit Kerschgeist setzt er den Tod unter Alkohol, beim Kartenspiel trickst er ihn zusätzlich aus und ringt ihm weitere 18 Lebensjahre ab. Fortan lebt der listige Kaspar, doch das Schicksal lässt sich nicht dauerhaft betrügen: Als seine geliebte Enkelin Marei früh stirbt, kommt die Schwindelei ans Licht. Der Himmel verlangt den Ausgleich, und der Boandlkramer, hin- und hergerissen zwischen Pflicht und gegebenem Versprechen, muss Kaspar zurückholen. Dieser willigt schließlich ein, sich das Reich des Ewigen für eine Stunde anzusehen – eine Begegnung, die ihn zutiefst verändert und die Frage nach Leben, Tod und Gerechtigkeit in poetisch-humorvoller Weise beantwortet.

    Mit der Hörspielinszenierung von 1976 gelang Kurt Wilhelm eine zeitlose Umsetzung eines Stoffes, der bereits seit dem 19. Jahrhundert die bayerische Volksseele bewegte. Der Brandner Kaspar nach Motiven von Franz von Kobell ist weit mehr als eine Komödie: Es ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens, verpackt in feinsinnigen Humor und volkstümlichen Charme. In seiner Hörspielbearbeitung kombiniert Wilhelm deftige Volkskomik mit metaphysischen Fragen, erschafft eine vertraute, warme Atmosphäre und verankert den Stoff fest in der Tradition des bayerischen Volkstheaters – jedoch mit der Leichtigkeit und Direktheit, die das Medium Hörspiel so wirkungsvoll transportieren kann.

    Die Regie von Kurt Wilhelm trägt unverkennbar die Handschrift des Volkstheaters: Klar strukturierte Szenen, pointierter Dialogwitz und gleichzeitig die Fähigkeit, Stille und Nachdenklichkeit Raum zu geben. Besonders eindrucksvoll gelingt der Balanceakt zwischen heiterem Spiel und der leisen Ahnung des Unausweichlichen. Die Szenen im Wirtshaus, beim Kartenspiel oder in der Bauernstube sind geprägt von Vertrautheit und Bodenständigkeit, während die Begegnungen mit dem Himmel eine andere, fast surreale Dimension eröffnen. Wilhelm verwebt geschickt Komik und Tragik, sodass der Übergang vom Lachen zum Nachdenken beinahe unmerklich geschieht.

    Die Besetzung ist kongenial: Fritz Strassner als Brandner Kaspar verkörpert die List, den Eigensinn und die Wärme der Figur mit einer Natürlichkeit, die ihresgleichen sucht. Toni Berger als Boandlkramer gibt dem Tod eine unvergessliche Gestalt – urig, grantig, manchmal bemitleidenswert, aber stets mit einer Präsenz, die gleichzeitig Furcht und Sympathie weckt. Yvonne Brosch als Marei bringt sanfte Zärtlichkeit ein, Henner Quest, Edmund Steinberger und Josef Saxinger fügen sich als Bauern und Jäger in das dörfliche Kolorit ein. Besonders Gustl Bayrhammer als heiliger Portner verleiht dem Himmelsszenario einen unverwechselbaren volkstümlichen Tonfall. Die Stimmen tragen den gesamten Kosmos der Geschichte – vom rustikalen Alltag bis hin zu metaphysischen Höhen.

    Die technische Realisierung durch Regine Müller und Günter Heß sorgt für ein lebendiges, authentisches Klangbild. Geräusche wie klirrende Gläser, das Rascheln der Karten oder das Knacken eines Kamins lassen die bäuerliche Welt greifbar werden. Dem gegenüber stehen sphärische Klänge und choralartige Momente, die den Himmel akustisch erfahrbar machen. Rolf Alexander Wilhelms Musik unterstreicht diesen Gegensatz und begleitet die Handlung mit einer Mischung aus volkstümlichen Weisen und getragenen, feierlichen Motiven. So entsteht eine Klangwelt, die Heimat und Jenseits gleichermaßen erfahrbar macht.

    In der CD-Edition von 2005 findet sich ein schlichtes, aber stimmungsvolles Cover, das an Theatertradition und bayerisches Erzählgut erinnert. Viel stärker jedoch bleibt das ikonische Bild des Boandlkrame in Erinnerung – die Verkörperung Toni Bergers im Zusammenspiel mit Fritz Strassner wurde auch visuell zur Legende. Das Bildmaterial zeigt genau diesen Kontrast: den verschmitzten Kaspar und den schaurig-urigen Tod – ein Motiv, das den Kern der Erzählung in einem Augenblick einfängt.

    Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben in Kurt Wilhelms Hörspielversion ist ein Juwel des bayerischen Volkstheaters im Radioformat. Humorvoll, bodenständig und tiefsinnig zugleich, gelingt es dieser Fassung, den Stoff lebendig, nahbar und zugleich poetisch zu halten. Mit einem großartigen Ensemble, fein gearbeiteter Inszenierung und detailreicher technischer Umsetzung gehört dieses Hörspiel zu den Klassikern des BR, die Generationen überdauern. Eine Produktion, die mit Herz und Witz über den Tod spricht – und dabei das Leben feiert.

  • Danke, werde ich gerne mal wieder hören.

    Muss aber auch sagen, dass das ein für Kinder völlig ungeeignetes Hörspiel ist.

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

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