Macht uns das Hören von Hörspielen zu besseren Zuhörern?

  • Bestimmt hat jeder schon einmal den Satz gehört: „Du hörst mir ja gar nicht richtig zu!“ – und manchmal steckt da ja auch ein wahrer Kern drin. In unserer heutigen Gesellschaft sind wir es gewohnt, ständig visuelle Reize um uns herum zu haben. Bilder, Texte, Videos – das Auge ist permanent beschäftigt, und vielleicht fällt es uns deshalb schwerer, uns wirklich ganz auf das gesprochene Wort einzulassen.

    Beim Hörspielhören ist es jedoch genau andersherum: Hier gibt es keine Bilder, die uns leiten oder ablenken, wir sind gezwungen, die ganze Aufmerksamkeit auf das Gehörte zu richten, Zusammenhänge über Stimmen, Dialoge, Geräusche und Musik herzustellen. Das ist ja eigentlich eine Art „Training“, aktiv zuzuhören und aufmerksam auf Details zu achten.

    Daher die Frage in die Runde: Habt ihr das Gefühl, dass euch diese jahrelange Gewohnheit, Hörspielen zu folgen, im Alltag zu besseren Zuhörern macht? Also dass ihr auch in Gesprächen konzentrierter seid, genauer hinhört, Nuancen besser wahrnehmt? Oder ist es für euch eine völlig getrennte Erfahrung, die nichts mit dem Alltag zu tun hat?

    Mich würde sehr interessieren, wie ihr das seht.

  • So schön der Gedanke wäre -- ich habe diese Beobachtung nicht gemacht. Meiner Einschätzung nach hören Menschen, die vorher schon zuhören konnten und wollten, auch bei Hörspielen genauer hin, und die, die ohne sowas auskamen, sehen auch keinen gesteigerten Gewinn darin, das nun ausgerechnet beim Hörspielhören zu üben.

    Zuhören lernt man bei Momo oder in der Kindheit. Danach ist es deutlich schwerer.

    -- I teach writing courses and first of all, I teach my students what prosody is. (Theodore Sturgeon)

  • Möglicherweise ist es sogar andersherum: Wer gut zuhören kann, findet eher Zugang zu Hörspielen. Denn zuhören zu können, ist eine der wenigen Voraussetzungen dafür. Wer schnell abgelenkt ist oder komplexe Zusammenhänge ohne Bilder nicht versteht wird kaum zu Hörspielen greifen und hat an ihnen wohl nur wenig Freude.

  • Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei?

    Schönes Thema #danke# Für mich gesprochen, denke ich schon dass mich das Hören von Hörspielen geprägt hat und ich manche Dinge beim Hören schneller, besser bemerke als Nichthörspielhörer. Das beginnt beim Erkennen von Stimmen und Sprechern. Viele Stimmen sagen mir um Anhieb etwas, oftmals weiß ich sofort Namen und Rollen. Ich erkenne auch öfters bestimmte Geräusche und kann dadurch Querverbindungen aufbauen, die andere nicht können. Generell bin ich aber auch eher der Typ, der Menschen zuhören kann und muss diesen nicht sofort unterbrechen um meine eigene „Lebensgeschichte“ los zu werden. Ich kann zuhören und ausreden lassen. Eine Tugend, die heute immer öfters verloren geht. Ich denke aber dies ist angeboren und hat mit Hörspielen wenig zu tun. ABER ich kann mich für einen längeren Zeitraum auf ein gesprochenes Wort konzentrieren ohne daneben etwas anderes machen zu müssen. Ich glaube wir Hörspielhörer haben hier sehr wohl einen Vorteil. Ich erlebe oft dass Menschen heute öfters Schwierigkeiten haben sich für eine längere Zeit auf ein gesprochenes Wort zu konzentrieren und sich auf den Redner zu fokussieren.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • ***Daher die Frage in die Runde: Habt ihr das Gefühl, dass euch diese jahrelange Gewohnheit, Hörspielen zu folgen, im Alltag zu besseren Zuhörern macht?***

    Es kommt immer drauf an, ob mich was interessiert. Interessiert es mich nicht, stell ich auf Durchzug. Ist das Gegenteil der Fall, hör ich zu. :)

    The Jokes on you!

  • ***Daher die Frage in die Runde: Habt ihr das Gefühl, dass euch diese jahrelange Gewohnheit, Hörspielen zu folgen, im Alltag zu besseren Zuhörern macht?***

    Es kommt immer drauf an, ob mich was interessiert. Interessiert es mich nicht, stell ich auf Durchzug. Ist das Gegenteil der Fall, hör ich zu. :)

    So kann man es natürlich handhaben – und ich verstehe auch, dass man nicht zu allem gleichermaßen Interesse aufbringen kann. Mir persönlich geht es aber so, dass ich es meinem Gegenüber gegenüber als respektlos empfinden würde, wenn ich einfach auf „Durchzug“ stelle, nur weil mich ein Thema auf den ersten Blick nicht interessiert.

    Natürlich, ich habe auch nicht zu allem eine Meinung und kann nicht auf jedes Gespräch mit viel Inhalt reagieren. Aber wenn jemand mir etwas erzählt, das ihn bewegt oder für ihn wichtig ist – aus welchen Gründen auch immer – dann finde ich, schulde ich es ihm, zuzuhören. Es geht da weniger darum, ob mich das Thema inhaltlich packt, sondern vielmehr darum, dass der andere Mensch es mir mitteilen möchte. Und umgekehrt ist es ja auch so: Ich erzähle Dinge, die sicher nicht jeden interessieren. Trotzdem freue ich mich, wenn mir jemand zuhört, einfach weil es zeigt, dass er mich und meine Gedanken ernst nimmt.

    Das sehe ich auch hier im Talk so. Ich weiß sehr genau, dass nicht alle Beiträge, die ich schreibe, für alle spannend sind. Genauso lese ich Beiträge, die nicht unbedingt mein Thema sind. Aber ich versuche dann immer zu verstehen, warum der Verfasser das für wichtig hält. Wenn ich antworte, möchte ich dem mit größtmöglichem Respekt begegnen – denn jeder Beitrag ist ein Stück der Person, die ihn geschrieben hat.

    Gerade in der heutigen Zeit, wo so vieles schnelllebig, laut und oberflächlich geworden ist, halte ich dieses gegenseitige Zuhören für besonders wichtig. Es ist eine Form von Wertschätzung, die man nicht unterschätzen sollte.

  • Ich muss schon von Berufswegen viel zuhören, dann noch mehr reden, reagieren, umdenken, schalten, manchmal bin ich dadurch im zwischenmenschlich- Privaten geschlaucht, nicht immer zu ausufernden Diskussionen oder schieren small talk motiviert..möchte aber der Person, die mir in diesem einen Moment ihre Gedankenwelt mitteilen möchte, respektieren und schätzen, so wie ich es auch erfahren möchte, wenn mir etwas wichtig ist. Früher war ich da schroffer, egoistischer, heutzutage habe ich mehr Geduld und Muße mit den Mitmenschen.

    Ich bin ein Mensch, der sehr gut Zeit mit sich selbst verbringen kann, gleichermaßen schätze ich die Gesellschaft. Die Hörspiele haben daran jedoch keinen Anteil, die sehe ich als Entertainment, persönliche Entspannung und Hobby an seit Kindestagen.

  • Poldi, wenn ich mit Freunden oder Freundin oder meinem Bruder, Gespräche führe, also Menschen, die mir wichtig sind, haben die immer 100% meiner Aufmerksamkeit. :)

    Und wenn mir meine Mutter erzählt, dass der Nachbar seine Hecke um was weiß ich wieviel cm geschnitten hat, interessiert mich das einen feuchten Kehricht!:D

    The Jokes on you!

  • Die Kunst ist es auch heraus filtern zu können ob der „Sender“ sich nur gerne beim Reden von Belanglosem zuhört und endlose Monologe liefert, die langweilen oder ob es wirklich etwas Wichtiges ist, dass ihm auf der Seele liegt und wo mein Zuhören tatsächlich helfen kann. Ich bin da also ganz bei Evil , manchmal macht es auch Sinn, für sich selbst, auf Durchzug zu schalten. Ich denke wir Hörspielhörer haben es über Jahre hinweg schon geschafft uns die Fähigkeit anzueignen das Wichtige in einer gesprochenen Geschichte vom Unwichtigen heraus zu filtern. Nur so kann man auch konzentriert hören.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ganz interessant was Orko aus dem Zauberland in einem anderen Thread schreibt:

    Beim Hörbuchhören schweifen meine Gedanken irgendwann ab, ich konzentriere mich nicht auf das hören und kann somit ziemlich schnell der Handlung nicht mehr folgen.

    Bedeutet dies dass von allen Hörern die Hörbuchhörerschaft am Ende noch fokussierter und konzentrierter „zuhören“ können als die Hörspielhörer/innen, die ja, wie wir hier bemerkt haben schon bessere Zuhörer sein können als die „Normalos“?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ich glaube, das lässt sich gar nicht so eindeutig sagen. Beim Hörbuchhören ist die Konzentration sicher noch einmal anders gefordert, weil man sich ausschließlich auf die Stimme und die Erzählung einlassen muss – ohne akustische Hilfen wie Musik oder Geräusche, die im Hörspiel unterstützen und Atmosphäre schaffen. Das kann natürlich schnell anstrengend werden, wenn man nicht komplett bei der Sache ist. Aber ob das nun automatisch zu „noch besseren Zuhörern“ macht, weiß ich nicht. Ich denke, es kommt mehr darauf an, wie man hört – aufmerksam und interessiert oder eben nebenbei. Wer bewusst hört, egal ob Hörspiel oder Hörbuch, trainiert damit auf jeden Fall seine Konzentration und sein Zuhörvermögen.

  • Ich kenne Hörbuchhörer, die meinen, dass Hörspielhören für sie schwierig ist, weil Geräusche, Musik, verschiedene Stimmen sie zu stark ablenken. Es scheint also letztlich eine Gewohnheitssache zu sein, wie ich glaube.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

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