Benjamin Blümchen - 163. Die Drehorgel
Als Benjamin und Otto im Garten von Herrn Tierliebs Tante Hilde helfen, stoßen sie auf einen ganz besonderen Schatz: eine alte Drehorgel im Keller. Für Benjamin, der schon immer eine Vorliebe für Musik hatte, ist es Liebe auf den ersten Blick. Mit leuchtenden Augen bittet er Tante Hilde, ob er das Instrument ausleihen darf, und verspricht feierlich mit seinem Elefantenehrenwort, dass nichts geschehen wird. Doch wie so oft in Neustadt kommt alles anders: Benjamin zieht voller Freude musizierend durch die Straßen, während Otto ihn begleitet – und plötzlich ist die Drehorgel verschwunden. Das sorgt nicht nur für banges Herzklopfen, sondern auch für allerlei Verwicklungen, die Benjamin schließlich in eine missliche Lage bringen.
Die Folge „Die Drehorgel“ reiht sich in die lange Tradition von Episoden ein, in denen Benjamin ein neues Hobby oder eine neue Leidenschaft entdeckt. Schon der Ausgangspunkt ist reizvoll: das Aufspüren eines nostalgischen Instruments, das Generationen miteinander verbindet und eine gewisse Märchenhaftigkeit verströmt. Gleichzeitig entsteht ein klassischer Konflikt – das gegebene Ehrenwort, das in Gefahr gerät, gebrochen zu werden. Kinder können sich mit dieser Situation leicht identifizieren: Man will helfen, etwas Schönes ausprobieren, und gerät doch ungewollt in Schwierigkeiten. Gerade dieser moralische Aspekt macht die Geschichte interessant, auch wenn sie im Vergleich zu anderen Abenteuern weniger spektakulär ausfällt.
Die Handlung entwickelt sich eher ruhig und in kleineren Szenen, statt auf große Abenteuer zu setzen. Das Bummeln mit der Drehorgel durch Neustadt ist charmant, weckt Bilder von Straßenmusikern und lässt fast nostalgische Stimmung aufkommen. Doch dramaturgisch bleibt die Geschichte ein wenig zögerlich: Die eigentliche Spannung, nämlich das Verschwinden der Orgel, entfaltet sich spät und wirkt etwas schnell abgehandelt. Zwar gibt es amüsante Begegnungen mit den bekannten Neustädter Figuren, aber ein echter Spannungsbogen, der die Hörer fesselt, stellt sich nur bedingt ein. Die Folge lebt stärker von ihrer Atmosphäre und dem liebenswerten Grundton als von packender Dramaturgie.
Martin Klemm gibt Benjamin erneut mit viel Wärme und seiner charakteristischen Mischung aus Naivität und Begeisterung. Otto, gesprochen von K. Primel, überzeugt mit jugendlicher Frische und ist wie immer ein verlässlicher Begleiter. Besonders schön ist der Auftritt von K. Lopinski als Tante Hilde, deren Stimme den Charakter einer bodenständigen, aber liebevollen Verwandten sehr gut einfängt. Reinhard Hemmo als Bürgermeister und Santiago Krause als Pichler liefern gewohnt humorvolle Zwischentöne, auch wenn ihre Szenen etwas kurz geraten sind. Ulli Stürzbecher als Karla Kolumna bringt wie immer Schwung hinein, während Tobias Hagen als Karl das Ensemble abrundet. Erzähler Günter Schoß führt in gewohnter Souveränität und Ruhe durch die Geschichte. Insgesamt eine solide Sprecherleistung, die keine Höhepunkte, aber auch keine Ausfälle kennt.
Klanglich ist die Folge tadellos umgesetzt. Besonders die Drehorgel selbst ist gut inszeniert: Das typische Orgelspiel klingt warm und vermittelt sofort die richtige Stimmung. Auch die Hintergrundgeräusche von Neustadt – sei es auf den Straßen oder im Zoo – schaffen eine glaubwürdige Kulisse. Der Sound bleibt stets ausgewogen, ohne Effekthascherei, was zur eher gemächlichen Erzählweise passt. Dennoch fehlt es etwas an Dynamik, um die Geschichte akustisch spannender wirken zu lassen.
Das Cover zeigt Benjamin im Zylinder, an der Seite die Drehorgel, während Otto mit einem Äffchen auf der Schulter die Szene komplettiert. Die Zeichnung ist farbenfroh und fröhlich, weckt sofort Neugier und transportiert das zentrale Motiv der Folge sehr direkt. Gerade die nostalgische Darstellung des Instruments passt gut zur Grundidee der Geschichte. Allerdings verrät das Bild schon viel und lässt den Überraschungseffekt etwas schwinden.
„Die Drehorgel“ ist eine nette, aber unspektakuläre Folge, die von ihrer liebenswerten Grundstimmung lebt. Die Idee, Benjamin als Straßenmusiker durch Neustadt ziehen zu lassen, ist charmant, und das Thema „Ehrenwort und Verantwortung“ wird kindgerecht behandelt. Doch im Vergleich zu stärkeren Abenteuern der Serie fehlt es hier an Spannung und originellen Wendungen. Sprecher und Technik liefern solide Qualität, das Cover ist gelungen – insgesamt aber bleibt die Episode im Mittelfeld. Für Fans der Serie bietet sie ein angenehmes Wiederhören mit vertrauten Stimmen und eine heitere Atmosphäre, doch sie gehört nicht zu den unvergesslichen Höhepunkten.