Im Musikbereich gibt es Interpreten bei dem jedes Album und jedes Lied ein Hit wird. Ist so etwas im Hörspielbereich möglich? Gab es dass früher mal? Fiele Euch ein Label, ein Regisseur, ein Hörspielmacher oder eine Serie/Reihe ein, wo jede VÖ ansatzweise ein richtiger „Hit“ wurde bzw. ist? Wenn Ja, welche? Wenn Nein, warum eigentlich nicht?
„Jedes Hörspiel ein Hit“ - Möglich?
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Spannende Frage – und gar nicht so leicht, weil „Hit“ im Hörspiel anders funktioniert als in der Musik. Ich gehe mal etwas Kleinteiliger auf deine Frage ein.
In der Musik misst man Erfolge klar und sichtbar (Charts, Streams, Radiospins). Im Hörspiel gibt es zwar Verkäufe/Streams, aber viel weniger öffentlich nachvollziehbare Kennzahlen, dazu kommt die enorme Fragmentierung durch Plattformen. Deshalb würde ich zwischen kommerziellem Hit (Reichweite/Absatz) und kulturellem Hit (Präsenz, Langlebigkeit, Zitateffekt) unterscheiden.
Gibt es „jede VÖ ein Hit“?
So absolut wie bei manchen Popstars: eigentlich nein. Das hat mehrere Gründe:
Episodenprinzip & Taktung: Viele Reihen veröffentlichen sehr häufig. Einzelne Folgen sind dann „Kapitel“ – nicht jedes Kapitel wird zum Ereignis.
Algorithmus-Schleifen: Streaming pusht Bekanntes und Ähnliches; Sichtbarkeit verteilt sich ungleich, echte Ausreißer sind selten.
Nischen & Zielgruppen: Der Markt ist kleinteilig. Was für Serie A ein Hit ist, bleibt für die breite Masse unsichtbar.
Wenig Eventisierung: In der Musik wird ein Album zur „Ära“. Hörspiele erscheinen oft leiser, ohne großen Vorlauf oder Kampagne.
Wo es dem Ideal am nächsten kommt:
Am ehesten im Kinder-/Familiensektor mit starken Marken. Reihen wie „Die drei ???“, „Bibi Blocksberg“, „Benjamin Blümchen“ oder „TKKG“ liefern seit Jahrzehnten sehr verlässlich. Nicht jede Folge ist ein Knaller – aber die Grundlinie ist außergewöhnlich stabil: hohe Wiedererkennbarkeit, treue Fanbasis, Familien-Ritual. Auch Neuauflagen klassischer Marken (z. B. „Hui Buh“) können längere Phasen haben, in denen nahezu jede VÖ „funktioniert“.
Im Erwachsenenbereich gibt es eher Phasen oder Bögen mit durchgängig starker Resonanz (etwa bestimmte Staffeln/Arcs bei „John Sinclair“ oder prestigeträchtige Reihen einzelner Labels). Serien wie „Gruselkabinett“ (Titania Medien) gelten vielen als „verlässlich stark“ – vielleicht nicht jeder Titel ein Massenhit, aber eine beeindruckend gleichbleibende Qualität über Jahre.
Macher/Labels mit hoher Trefferquote (ohne „immer Hit“-Mythos):
EUROPA (Heikedine Körting-Schule): Handwerklich klar, markantes Markengefühl, starke Kinder-/Jugendreihen – über lange Strecken sehr konstante Performance.
Titania Medien: Sorgfalt, Atmosphäre, Besetzungen – bei Genrefans häufig „blindkauf“-würdig.
Einzelne Showrunner/Regie-Persönlichkeiten: Wenn eine Handschrift erkennbar ist (klare Dramaturgie, Sound-Identität, gutes Casting), kumuliert das Vertrauen – die Quote an „gelungen“ ist hoch, auch wenn nicht jede Folge zündet.
Warum es trotzdem selten „jeder Titel ein Hit“ gibt:
Story-Risiko: Hörspiele tragen stark über Buch/Inszenierung. Experiment = höheres Risiko. Formelhafte Sicherheit = weniger Wow.
Überangebot in Krimi/Grusel: Viel Gutes, viel Durchschnitt – Sichtbarkeit geht verloren, Differenzierung wird schwer.
Weniger öffentliche Messpunkte: Ohne sichtbare Charts/Medienresonanz fehlt der „Hit“-Stempel, den Musik ständig erhält.
Flatrate-Effekt: In Abo-Ökosystemen wird schneller geskippt; „Durchhören“ (und damit Mundpropaganda) sinkt.
Gab es das „früher“?
In der Kassetten-Ära wirkte es oft so: weniger Konkurrenzkanäle, klarere Regalflächen, starke Markenpräsenz. Reihen wie „Die drei ???“ oder „Benjamin Blümchen“ waren omnipräsent. Aber selbst da war nicht jede Einzelnummer ein „Hit“ im heutigen Sinn – eher war die Serie der Hit, und neue Folgen profitierten vom Sog.
Das Hörspiel kennt wenige „alles wird ein Hit“-Phänomene auf Einzeltitel-Ebene. Stattdessen gibt es Marken und Macher mit hoher Grundtrefferquote. Besonders im Kinderbereich kommt das dem Musik-Ideal am nächsten. Im Erwachsenenbereich verhindern Taktung, Fragmentierung und Genre-Überfüllung den Dauer-Hit-Status einzelner VÖs.
Heißt das, es geht gar nicht? Nein. Wo Eventisierung (klare Staffeln, Premierencharakter), erkennbare Handschrift, starkes Casting und konsequentes Marketing zusammentreffen, entstehen Serienphasen, in denen „gefühlt jede Folge“ einschlägt – nur eben als Serie mit Momentum, nicht als „jedes Lied ein Hit“-Wunder.
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Beim Hörplanet war in gleich mehren Serien das Potential klar da (Amadeus, stellenweise LB, manch angefangene, früh abgebrochene Serie), scheiterte dann jedoch an Außendarstellung und Labelpolitik-Entscheidungen
Rein vom Verkaufsumsatz sind die ??? Hits, jedes neue Hörspiel ist u.a. Nr.1 bei amazon. Qualitativ kann man diskutieren
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Also wenn ich an Hörspielmacher wie Ivar Leon Menger, Marco Göllner oder Sven Stricker denke, dann habe ich sofort das „Gefühl“, das jedes ihrer Produktionen für mich ein richtiger Hit ist. Ich kann hier tatsächlich blind zuschlagen, weil ich weiß, dass es mir tatsächlich sehr gut gefallen wird.
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Bei mir trifft das auf Ascan von Bargen zu, sein Stil gefällt mir einfach richtig gut...
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Bei mir trifft das auf Ascan von Bargen zu, sein Stil gefällt mir einfach richtig gut...
Auch bei den Sherlock Holmes & John H. Watson Fällen? Ich mag sie sehr, doch werden teils kritisch beäugt
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Also wenn ich an Hörspielmacher wie Ivar Leon Menger, Marco Göllner oder Sven Stricker denke, dann habe ich sofort das „Gefühl“, das jedes ihrer Produktionen für mich ein richtiger Hit ist. Ich kann hier tatsächlich blind zuschlagen, weil ich weiß, dass es mir tatsächlich sehr gut gefallen wird.
Ich bin davon ausgegangen, dass die Frage darauf abzielte, ob ein Label mit jedem Hörspiel einen Hit landen kann. 🤔
Geht man hingegen vom persönlichen Geschmack aus, liegt es nicht zwangsläufig am Label. Oft spielt eher der eigene Bias eine Rolle: Wenn man für ein bestimmtes Label eine Schwäche hat, bewertet man dessen Veröffentlichungen automatisch wohlwollender, übersieht Schwächen leichter oder findet vieles „per se“ gut. Kurz: Zwischen objektiver Trefferquote und subjektiver Vorliebe klafft schnell eine Lücke – das berühmte Marken-Halo lässt grüßen.
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Auch bei den Sherlock Holmes & John H. Watson Fällen? Ich mag sie sehr, doch werden teils kritisch beäugt
Habe ich tatsächlich noch nicht gehört, um Holmes mache ich tendenziell einen Bogen, ist nicht mein Genre.
Aber The Dark Omen, Der Sohn des Hades, Gates of Norvia etc gefallen mir sehr gut

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Objektiv ist so was ohnehin immer sehr schwierig. Aber Ivar, Marco und Sven sind wahrscheinlich nicht nur subjektiv Quotenbringer sondern auch objektiv sehr erfolgreich.
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Auch der gute Sassenberg hat für mich mit jedem seiner Hörspiele Gold geschaffen. Um so mehr bedauere ich es dass er sich zurück gezogen hat.
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Im Musikbereich gibt es Interpreten bei dem jedes Album und jedes Lied ein Hit wird. Ist so etwas im Hörspielbereich möglich?
Definitiv nicht!!! Für mich jedenfalls nicht! Das meiste, was an HSps erscheint ist eher Schrott, oder ich sag es mal netter, Zeugs mir dem ich persönlich nichts anfangen kann. Beispiele nennen ich mal keine.
So sehe ich es eben.


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Puh, Göllner oder Stricker bringen mehr Schrott als Gold hervor, da muss ich tatsächlich schlucken.
Ich werfe auch noch Linscheid in den Ring. Da gefiel mir bis dato auch alles gut bis sehr gut. Ebenso Bodo Traber.Es gibt schon Namen, die haben das Gespür für tolle Hörspiele quasi gepachtet.
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Auch der gute Sassenberg hat für mich mit jedem seiner Hörspiele Gold geschaffen. Um so mehr bedauere ich es dass er sich zurück gezogen hat.
Die VÖ-Politik der GB-Folgen 40+41, dazu die Änderung der CD-Rückenmotive durch remastered-Folgen und damit ein Bruch in der Gesamtregaloptik. waren nicht die besten Entscheidungen
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Ich rede wirklich nur von den Hörspielen als solches. Das Göllner und Sassenberg in Sachen VÖs nicht jenes Handerl haben, das sie beim Hörspielmachen stets von Neuem demonstriert haben, ist jedoch unbestritten. Trotzdem gingen ihre Hörspiele stets weg wie warme Semmeln, selbst solche, die nicht mal produziert wurden

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