Michael Ende (zum 30. Todestag)

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    Heute vor 30 Jahren war er gestorben: Michael Ende, zu dem man ja wirklich nichts mehr *schreiben* muss, den man aber gerne wieder mehr *lesen* könnte,…
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    Heute sind es 30 Jahre: Michael Ende starb am 28. August 1995. Zu ihm muss man nicht mehr viel schreiben, aber ihn und sein Werk in Erinnerung zu behalten ist wichtig.

    In den nächsten Jahren sind zwei Neuverfilmungen angesagt, zuerst Momo, jetzt im Herbst, und in den nächsten Jahren irgendwann die schon länger erwartete "werkgetreue" Fassung der Unendlichen Geschichte. Bei letzterer bin ich nicht zuletzt auch deswegen gespannt, weil die erstere mMn an Aussage und Charme des Buches Momo (für mich jedenfalls nach Sichtung des Trailers) vorbeigeht (WTF? Armbänder??).

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    Hoffentlich funktioniert die Qualitätskontrolle bei der Unendlichen Geschichte besser. Nicht auszudenken, wenn bei dem Stoff genauso herumgepfuscht (statt sinnvoll aktualisiert) würde.

    Oder sehe ich das zu streng?

    -- I teach writing courses and first of all, I teach my students what prosody is. (Theodore Sturgeon)

  • Momo wird für mich immer Radost Bokel bleiben. Da möchte ich keine Neuverfilmung. Auch wenn da sicher alle viel Herzblut in das Projekt stecken, werde ich das nicht angucken.

    Von der Neuverfilmung der unendlichen Geschichte hatte ich bisher noch nichts gehört.

  • Für mich schwer zu sagen, weil ich Film und das Buch nicht kenne und die Hörspiele schon länger nicht mehr gehört habe. Aber der Trailer hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Es sieht wie eine sehr zeitgemäße und moderne Produktion aus, die ein überaus spannendes Thema behandelt - die Zeit. Ich werde mir den Film auf jeden Fall ansehen wenn er zuhause erscheint. Und auf die unendliche Geschichte bin ich auch sehr gespannt! #danke# für das Informieren #top#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Michael Ende – Dichter meiner Kindheit, Erzähler meines Lebens

    Wenn ich den Namen Michael Ende höre, dann wird es warm in mir. Es ist, als würden sich sofort Türen öffnen – Türen zu Welten, in die ich als Kind hineingefallen bin und die ich bis heute nicht verlassen habe. Für mich ist er nicht irgendein Autor. Er ist der Erzähler meiner Kindheit, der Dichter, der mein Leben geprägt hat, ohne dass ich es damals begreifen konnte.

    Schon seine Anfänge zeigen, dass er nicht einfach in die Welt der Literatur hineingefallen ist. Als Sohn des Malers Edgar Ende wuchs er in einem Haus auf, in dem Fantasie ein Überlebensmittel war. Während die Nazis die Bilder seines Vaters als „entartet“ verdammten, lernte Michael, dass man Welten im Inneren bewahren kann, selbst wenn die äußere zerstört wird. Vielleicht ist das der Kern seiner Geschichten: Sie sind innere Schutzräume, die man nicht zerstören kann.

    Als ich zum ersten Mal „Jim Knopf“ gelesen habe, war das, als würde jemand nur für mich eine Welt erschaffen. Lummerland war klein, aber es war grenzenlos, und Lukas und Jim wurden sofort zu Freunden. Ich habe gespürt, dass diese Geschichte nicht nur für Kinder gedacht war – sie sprach mich an, als hätte jemand meine eigene Sehnsucht nach Abenteuer und Freundschaft auf Papier gebracht.

    Dann kam „Momo“. Ein Mädchen, das nichts besitzt außer der Fähigkeit zuzuhören – und gerade dadurch die Welt rettet. Dieses Buch hat mich tief bewegt. Es hat mir gezeigt, dass wahre Stärke nicht im Lautsein liegt, sondern im Stillsein, im Da-Sein, im Schenken von Zeit. Noch heute, wenn ich mich im Strudel des Alltags verliere, denke ich an Momo und daran, wie die grauen Herren den Menschen die Stunden stahlen. Und dann weiß ich wieder, wie wichtig es ist, innezuhalten.

    Doch das Herzstück – mein Herzstück – bleibt „Die unendliche Geschichte“. Dieses Buch ist für mich kein Roman, sondern ein Stück Leben. Bastian Balthasar Bux, der in ein Buch eintaucht und selbst Teil der Geschichte wird – das war ich. Ich war dieser Junge, der in den Seiten verschwindet und in einer anderen Welt zu sich selbst findet. Phantásien war nicht nur eine Kulisse, es war eine Wahrheit: die Wahrheit, dass wir Leser die Macht haben, Geschichten lebendig zu machen. Dass wir Mitgestalter sind. Ich habe beim Lesen das Gefühl gehabt, dass Ende genau mich anspricht, mich einlädt, Teil seines Kosmos zu sein.

    Michael Ende war kein „Märchenonkel“. Für mich war er ein Philosoph der Fantasie. Seine Geschichten sind politisch, kritisch, voller Nachdenken über die Welt, in der wir leben. „Momo“ ist eine Anklage gegen ein Leben ohne Zeit. „Die unendliche Geschichte“ ist ein Aufschrei gegen das Verschwinden der Phantasie. Selbst der „Wunschpunsch“ ist mehr als ein Kinderbuch – er ist ein Spiegel unseres zerstörerischen Umgangs mit der Natur. Ende war einer, der sah, was falsch läuft, aber er hat es nicht trocken aufgeschrieben, sondern in Geschichten verwandelt, die bleiben.

    Und das ist es, was ich an ihm so sehr verehre: Er nahm uns ernst. Kinder genauso wie Erwachsene. Er hat nie herabgesprochen, nie belehrt, sondern vertraut. Seine Bücher sagen: „Du bist wichtig. Deine Fantasie zählt.“ Für mich hat das alles verändert.

    Seine Texte sind mehr als Literatur – sie sind Begleiter. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit der Hörspielfassung der „Unendlichen Geschichte“. Harald Leipnitz als Erzähler, Frank Duvals Musik – das war pure Magie. Ich habe damals verstanden, dass Endes Werke auf vielen Ebenen funktionieren: als Bücher, als Hörspiele, als Welten, die man nicht nur liest, sondern lebt.

    Wenn ich heute an seinem Grab auf dem Münchner Waldfriedhof stehe oder an den Michael-Ende-Kurpark in Garmisch denke, spüre ich Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass da einer war, der nie aufgehört hat, an die Kraft der Fantasie zu glauben. Der mich gelehrt hat, dass man in Geschichten Heimat finden kann.

    Michael Ende hat mir gezeigt, dass Fantasie keine Flucht ist, sondern eine Kraft, die uns verändert. Seine Bücher stehen in meinem Regal, aber mehr noch: Sie leben in mir. Sie sind Teil meiner Erinnerungen, Teil meiner Seele.

    Für mich bleibt er ein Dichter von Weltrang, ein Erzähler, der die Welt verändert hat – und mich gleich mit. Seine Geschichten sind nicht zu Ende. Sie gehen weiter, jedes Mal, wenn ich eine Seite aufschlage.

  • Wunderbar beschrieben, DerPoldi

    Der WDR widmete ihm heute ein Zeitzeichen.

    Der unendliche Zauber fantastischer Geschichten: Michael Ende
    Am 28. August 1995 stirbt der Schriftsteller Michael Ende. "Jim Knopf", "Momo" und "Die unendliche Geschichte" haben ihm Weltruhm und seine Kritiker zum…
    www1.wdr.de

    -- I teach writing courses and first of all, I teach my students what prosody is. (Theodore Sturgeon)

  • Auf die Momo Neuverfilming bin ich gespannt. Da gefallen mir die Haare besser, erkläre ich jetzt, warum😉

    Kenne Buch und Film mit Radost Bokel. Den Film liebe ich. Allerdings wurde ich wegen meiner Naturlocken früher immer geärgert und Momo genannt, da sie ähnlich wie Momos Perrücken Haare waren. Hätten die Filme macher auch mich nehmen können😝 😅 mit echten Locken. Aber fand dieses geärgert werden als Kind immer blöd


    Unendliche Geschichte habe ich auch das Buch. Beim Film von 1984 mag den zwar, aber da fehlt mir die Vollständigkeit, ist ja eig. nur die erste Buchhälfte

  • Warum bin ich so kritisch wg. der Momo-Neuverfilmung? Gut, ich kenne den Film nicht, aber es gibt eben auch nur den Trailer. Aber es gibt eine goldene Regel (von Drehbuchlegende William Goldman) bzgl. der Verfilmung von Romanen (aus "Which Lie Did I Tell?", ich übersetze mal selbst):

    Quote
    • Dies ist die erste Regel der Adaption von Buch zu Film: man kann ein Buch nicht wortgetreu verfilmen.
    • Dies ist die zweite Regel, die die meisten Kritiker nicht kapieren: man sollte auch nicht wortgetreu verfilmen. Das Buch ist ein anderes Medium als der Film, und das Buch hat keine Kameras.
    • Aber hier kommt die wichtigste Regel der Adaption: du musst der ABSICHT des Buches zwingend treu bleiben.

    Und diese letzte Regel droht hier verletzt zu sein. Wenn es jemanden interessiert, nehme ich das anhand des Trailers mal auseinander.

    -- I teach writing courses and first of all, I teach my students what prosody is. (Theodore Sturgeon)

    Edited once, last by Martin Seebeck (August 30, 2025 at 3:34 PM).

  • Aber ob die letzte Regel tatsächlich verletzt wird, werden wir erst nach dem Sehen des Films erkennen.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • ... und das macht sich bei mir z.B. an folgenden Punkten fest:

    1. welche Rolle spielt Momos außergewöhnliche Fähigkeit des Zuhörens im Film?
    2. welche Rolle spielt ihre Empathie?
    3. sind die "grauen Herren" sozusagen "real existierend" oder (wie im Buch) Grenzerscheinungen zwischen unserer Welt und der Welt des Unbewussten?

    Könnte natürlich alles drin vorkommen, aber meine Erfahrungen mit Verfilmungen dieser Art waren bisher wenig ermutigend.

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  • Wie so oft bei solchen Debatten, die wir hier ja zu Hauf haben, wenn sich die Vertonung vom Roman unterscheidet, denke ich mir, es ist gut wenn ich den Roman nicht gelesen habe und so Vertonung/Verfilmung als eigenständiges Werk erleben und bewerten kann.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ich habe das Buch gelesen. Ich hatte auch die Hörspiele. Ich fand den Film damals schon echt Scheisse. (Sorry @ die Schauspieler, ihr ward super)

    Ich fand auch die Unendliche Geschichte verfilmt echt Scheisse.

    Das BUCH! Rot und grün. Wunderschön! (Geht übrigens auch in die Tonne)

    Literaturverfilmungen sind schwierig und ich erinnere an Tolkien, der ja als unverfilmbar galt.

    @ MarkusG

    Aber Jim Knopf kennst du doch wohl?

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