In der Hörspielbranche findet man in allen Sparten immer wieder Menschen, die ihre Tätigkeit hauptberuflich nachgehen. Aber auch nebenberuflich nachgehen. Welche Vorteile birgt das eine, welche das andere? Welche negativen Konsequenzen könnt ihr dabei jedoch ausmachen? Wem steht was besser zu Gesicht? Interessant wäre es hier auch von unseren vielen Kreativen in der Branche zu lesen, wie sie es erleben!
Hauptberuflich vs Nebenberuflich
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Ich für meinen Teil habe einen 30h Brotjob in einem Dental-Labor. Selbstständigkeit ist für mich nichts (für mich zu unsicher) und das Schreiben ein (inzwischen bezahltes) Hobby und soll es auch bleiben. Ich schreibe 1 Hörspiel im Monat (im Urlaub schonmal mehr), habe dadurch etwas Geld für meine Comic-Leidenschaft und ich bin damit zufrieden. Dadurch macht mir das Schreiben immer noch viel Freude. Hauptberuflich könnte ich mir das nicht vorstellen.
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Ich finde, beides hat ganz klar seine Vor- und Nachteile – und am Ende hängt es sehr stark davon ab, welche persönlichen Ziele man verfolgt und welche Umstände man hat.
Wenn jemand hauptberuflich in der Hörspielbranche arbeitet, hat das natürlich den großen Vorteil, dass er oder sie die ganze Zeit und Energie in dieses Feld stecken kann. Projekte können schneller umgesetzt werden, die Professionalität steigt meist, weil man sich mit voller Konzentration einarbeiten und Strukturen aufbauen kann. Gleichzeitig ist es aber auch ein großes Risiko: Man hängt wirtschaftlich komplett an einer Branche, die bekanntermaßen klein und manchmal auch unberechenbar ist. Eine verschobene Veröffentlichung, schwache Verkaufszahlen oder Probleme mit Lizenzen können dann schnell existenzielle Sorgen bedeuten.
Wer das Ganze nebenberuflich macht, hat auf der einen Seite die Sicherheit, nicht allein vom Hörspiel leben zu müssen. Das gibt mehr Freiheit, Dinge auszuprobieren, ohne sofort den wirtschaftlichen Druck im Nacken zu spüren. Oft merkt man bei solchen Projekten, dass hier viel Leidenschaft und Herzblut drinsteckt – vielleicht, weil es eben nicht zwingend die Miete zahlen muss, sondern „darf“. Auf der anderen Seite ist es aber natürlich auch begrenzter: Man hat weniger Zeit, muss vieles neben dem eigentlichen Beruf organisieren und jonglieren, manchmal dauert eine Produktion dadurch sehr lange.
Ob einem das eine oder das andere besser „steht“, hängt meiner Meinung nach stark von der eigenen Persönlichkeit ab. Es gibt Menschen, die brauchen die absolute Freiheit und den Fokus, um kreativ wirklich alles rauszuholen – für die passt das Hauptberufliche besser. Andere wiederum können ihre Leidenschaft gerade deshalb ausleben, weil sie im Nebenberuf den Druck rausnehmen und die Dinge mit mehr Gelassenheit angehen.
Ich persönlich denke, dass wir als Hörer am Ende von beiden Seiten profitieren: von der Professionalität und Konstanz der hauptberuflichen Strukturen genauso wie von der Frische und Experimentierfreude der Nebenberuflichen. Und gerade die Mischung macht doch die Hörspielszene so spannend und vielfältig.
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Ich bin ja selbst in einer Sparte hauptberuflich tätig in der sonst die meisten nebenberuflich agieren. Der Vorteil meiner Hauptberuflichkeit ist, dass ich rund um die Uhr meiner Tätigkeit nachgehen kann und zeitlich viel mehr Möglichkeiten habe, als jemand der erst wenn sein Job fertig ist, sich mit seinem „Nebenberuf“ beschäftigen kann. Ablenkung, Erschöpfung, Zeitmangel auf Grund meines Brotberufes für meine „Sache“ sind mir daher fremd. Nachteil ist sicher, dass ich „liefern“ muss um zu überleben. Der Nebenberufliche kann hier locker agieren, denn wenn er nicht „liefert“, hat er immer noch seinen Verdienst durch seinen Hauptberuf.
Ich denke man kann in der Hörspielbranche durchaus nebenbei wunderbar als Kreativer agieren. Jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Ab einer bestimmten benötigten „Schlagzahl“ kann man als Nebenberufler nicht mehr mit. Von der reinen Qualität her sollte im Grunde kein Unterschied zu bemerken sein. Sehr wohl aber im „Ausstoß“. Trotzdem kann man ab und an Qualitätsunterschiede bemerken. -
Manchmal ist die nebenberufliche Selbstständigkeit auch ein "Sprungbrett". So habe ich meinen Job zunächst ein paar Jahre nebenberuflich gemacht und dann irgendwann den Sprung gewagt, als ich relativ sicher sein konnte, dass es passen wird.
Im Hörspielbereich ist Thomas Birker (DLP) ja auch so gestartet...
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Ja, so war es bei mir auch. Oftmals braucht man ein Netzwerk. Wenn dieses steht, klappts dann.
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Vorteil des Hauptberufes ist sicherlich sich ganz und gar seiner Kunst zu verschreiben. Man hat seinen Fokus auf seine künstlerische Arbeit und wird nicht abgelenkt. Alle Ressourcen konzentrieren sich auf das Hörspielmachen.
Nachteil ist sicherlich, dass eine immense Drucksituation entstehen kann, wenn das gewünschte Ergebnis nicht eintritt, man mit Kritik konfrontiert wird oder das eingespielte Geld nicht zum Leben reicht. Aufträge müssen angenommen werden, selbst wenn es keine Freude macht.Als Nebenberufler steht der Spaß bei der „nebenbei Tätigkeit“ im Vordergrund. Man ist auf das Geld nicht angewiesen und kann auch mal etwas machen, dass nicht Profit bringt bzw. ablehnen was keinen Spaß macht.
Nachteil ist hier sicherlich, dass die Zeit „endend“ ist, weil der Tag nur 24 Stunden hat und man hauptsächlich seinem Brotberuf anstatt seiner Kunst nachgehen muss. Dadurch kann man nicht alles machen, muss sortieren und auswählen oder es dauert deutlich länger als wenn man sich nur darauf konzentrieren kann.
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Pandoras Play schreibt auf hoergruselspiele, dass sie auf Grund ihres Brotberufes, Lehrer, so viel zu tun haben und dass sie davon träumen, dass ihre Hörspiele so viel gehört werden, dass sie es hauptberuflich machen können.
Quelle: https://www.hoergruselspiele.de/forum/index.ph…play/&pageNo=14
Glaubt ihr ist es heute oder früher einfacher gewesen hauptberuflich Hörspiele zu produzieren?
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Glaubt ihr ist es heute oder früher einfacher gewesen hauptberuflich Hörspiele zu produzieren?
Ich könnte mir vorstellen, dass es heute schwieriger geworden ist, weil man im Stream einen großen Backkatalog haben muß um richtig zu Geld zu kommen und dies ist mit viel Zeit und vielen Investitionen verbunden. Aber, auch damals wird dies nicht unbedingt einfach gewesen sein, denn auch CDs wollen erst einmal verkauft werden. Früher war der Markt gefühlt auch schon ziemlich gesättigt, denn beim Kaufen kann man sich meist potenziell viel weniger Hörspiele leisten. Also buhlen bei der CD schon wenige Serien um die Ohren.
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Also bei mir ist es so: Ich habe einen normalen Job den ich früher 40h mittlerweile nur noch 30h mache. Ich habe Musik erst als bezahltes Hobby, irgendwann im Nebenberuf gemacht. Als Musiker mit Auftritten, Musikproduktionen, als Studio- und Sessionmusiker, aber auch als Moderator und Showrunner bei Musikevents und Bandcontest. Das war ein sehr lukrativer Nebenverdienst und hatte nie diesen Aspekt "Arbeit" sondern blieb gefühlt immer ein bezahltes Hobby. Irgendwann stand dann tatsächlich die Debatte im Raum den nächsten Schritt zu gehen und es Hauptberuflich zu machen. Ich habe es mir damals nicht getraut und hatte mit psychischen Problemen zu kämpfen. (Spoiler: Mein Kumpel mit dem ich das damals angefangen habe, macht es heute noch beruflich)
Danach habe ich viel in Richtung Videoproduktion, Grafikdesign und Webdesign gemacht. Auch im Nebenberuf. Das war sehr witzig und Spaßig so lange es irgendwie mit Gleichgesinnten stattgefunden hat. Als dann die erste richtig professionelle Kundschaft kam, wurde es anstrengend. Ich habe wenig geschlafen und hatte enorme Schwierigkeiten Hauptberuf, Nebenberuf, Familie und Schlaf unter einen Hut zu bekommen. Besonders wenn Kunden sich nach 20h Arbeit in einer Website entscheiden doch nochmal ein komplett anderes Design haben zu wollen. Das war dann irgendwann so anstrengend und frustrierend geworden, dass ich es komplett gelassen habe und keine neuen Aufträge mehr angenommen habe. Und seitdem geht es mir Besser und ich habe den Kopf frei für andere Dinge.
Jetzt mache ich das alles Hauptsächlich für mich und für mein Hobby. Habe den finanziellen Druck komplett raus genommen. Musik, Video und Grafik mache ich nur noch für meine Band und meine anderen Projekte, geschrieben habe ich sowieso immer nur aus Freude am Schreiben und bei Websites überlege ich gerade ob ich das ganze Thema als Nebenberuf so ausziehen kann, dass es eher in Richtung Boutique geht. Also Individuelle Unikate von mir, aber als fertige Produkte und nicht auf Wunsch der Kundschaft erst designt. Aber da ist derzeit nichts Konkretes.
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