Sprecherinnen im (Hörspiel-)Talk-Studio: Folge 64 - Elga Schütz

  • Kommen wir zur 64 Folge und werfen einen Blick auf Elga Schütz

    Elga Schütz – Wikipedia

    Wie erlebt Ihr ihre Rollen bei Die drei ???, TKKG oder Hanni und Nanni – bringt sie für Euch eher Vertrautheit, Strenge oder sogar einen Anflug von Humor mit?

    Erinnert Ihr Euch an ihre Darstellung der Malice Do’Urden in Drizzt – Die Saga vom Dunkelelf? Ging es Euch auch so, dass ihre Stimme diese Figur mit einer fast majestätischen Kälte und Wucht ausgestattet hat?

    Findet Ihr, dass Elga Schütz zu den unterschätzten Stimmen der Branche gehört – oder wird ihre Präsenz inzwischen ausreichend gewürdigt?

    Welche Rolle möchtet Ihr in Zukunft gern noch von ihr hören – gibt es ein bestimmtes Genre oder eine Figur, die sie unbedingt einmal sprechen sollte?

  • Elga Schütz – Die Stimme für Tiefe, Haltung und Unverwechselbarkeit

    Elga Schütz gehört für mich zu jenen Stimmen, die im Hörspielbereich oft viel zu wenig gewürdigt werden – obwohl sie längst zu den Konstanten gehört, die man über Jahrzehnte hinweg in unterschiedlichsten Rollen erleben durfte. Ihre Stimme hat etwas Beruhigendes, etwas Festes, beinahe Unerschütterliches – und genau darin liegt ihr Reiz. Sie ist nicht schrill, nicht aufgesetzt, nicht bemüht besonders jugendlich oder besonders auffällig zu klingen – sie klingt nach Erfahrung, nach Substanz, nach Charakter. Und das ist selten geworden.

    Ausgebildet an der Hochschule für Musik in Hannover und über viele Jahre in Theaterproduktionen präsent – etwa am Staatstheater Karlsruhe, in Braunschweig, Osnabrück und später vor allem in Hamburg – hat sie sich eine große szenische Tiefe erarbeitet, die auch in ihre Hörspielarbeit eingeflossen ist. Dass man sie heute aus so vielen Serien kennt – Hanni & Nanni, TKKG, Die drei ???, Fünf Freunde oder Die 3 Senioren – ist also kein Zufall, sondern Ausdruck eines langen, durchdachten Weges. In diesen Produktionen überzeugt sie meist in Nebenrollen, die durch sie zu echten Figuren werden: Frau Klamm etwa, die Internatslehrerin bei TKKG, wird durch Schütz‘ Stimme mehr als nur eine Lehrerfigur – sie bekommt Haltung, Wärme, Strenge, alles zugleich. Ebenso Mamsell bei Hanni & Nanni, Francine Breckenridge in Schattenwelt oder Mrs. Leary bei den Fünf Freunden – Schütz versieht jede Rolle mit Charakter, mit Haltung, mit Präzision.

    Aber sie ist nicht nur im Kinder- und Jugendsegment eine Bank. Auch in düsteren Fantasy-Hörspielen und Literaturadaptionen zeigt sie ihre Bandbreite. Besonders in den Das Schwarze Auge-Produktionen oder in Abseits der Wege stellt sie eindrucksvoll unter Beweis, wie viel Ausdruck sie auch jenseits realistischer Figuren mitbringt.

    In Drizzt – Die Saga vom Dunkelelf aber, da war sie für mich auf einem ganz neuen Höhepunkt. Als Malice Do’Urden, die kaltherzige Matriarchin eines der einflussreichsten Dunkelelfenhäuser, hat sie eine Stimmpräsenz entfaltet, die ihresgleichen sucht. Es war nicht nur Schauspiel – es war fast ein musikalischer Akt. Mit einer unglaublichen Wucht, fast sakraler Autorität und düsterer Grandezza füllt sie diese Figur mit Leben. Ihre Stimme wird zum Instrument der Macht, des Stolzes, der inneren Zerrissenheit – und macht Malice zu einer der eindrücklichsten weiblichen Antagonistinnen der Hörspiellandschaft. Jede ihrer Szenen hat Nachhall. Man spürt diese Intrige, diese Kälte, diesen Stolz. Und zugleich offenbart Schütz Nuancen, die die Figur eben nicht zur reinen Karikatur verkommen lassen – sondern zu einem Wesen, das man mit Furcht und Faszination zugleich beobachtet.

    Es ist für mich eine ihrer absoluten Glanzleistungen – eine Meisterklasse in stimmlicher Präsenz, in Kontrolle, in Ausdruck.

    Auch im Fernsehen hat man sie erlebt – etwa in Stubbe, Küstenwache, Die Pfefferkörner oder Bettys Diagnose. Dabei zeigt sich eine erstaunliche Konstanz: Sie spielt keine „lauten“ Figuren, sondern Frauen mit Haltung. Chefinnen, Richterinnen, Ärztinnen – Figuren, die in der zweiten Reihe stehen und doch das Bild prägen. Es passt zu ihrer Präsenz: Sie ist nie die, die in den Vordergrund drängt – aber immer die, die in Erinnerung bleibt.

    Und das gilt eben auch für ihre Hörspielarbeit. Selbst Rollen wie die Harpyie oder die alte Bettlerin in den Das Schwarze Auge-Produktionen klingen bei ihr nicht klischeehaft oder bemüht – sondern bekommen Tiefe, Eigenheit, einen Funken Charakter. Ihre Stimme ist kein Effekt – sie ist ein Bogen, eine tragende Linie durch Geschichten. Man erkennt sie, weil man sie spürt.

    Elga Schütz ist eine dieser Stimmen, die nicht laut sein müssen, um groß zu wirken. Sie ist eine stille Größe, eine mit Würde, Substanz und Haltung. Eine, der man auch noch lange zuhören möchte. Und in Produktionen wie Drizzt zeigt sie, wie tief Hörspielkunst gehen kann – wenn sie von einer Künstlerin getragen wird, die weiß, was sie tut. Für mich ist Elga Schütz eine feste Säule in der Welt des gesprochenen Wortes. Nicht aufdringlich, nicht medienpräsent – aber unverzichtbar. Und das ist vielleicht das größte Kompliment, das man ihr machen kann.

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  • DerPoldi February 2, 2026 at 3:06 PM

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