Der Co-Pilot heißt Tod Zweiteiliges Kriminalhörspiel (mit Bonushörspiel)
Im italienischen Monza herrscht Aufregung: Das traditionsreiche Autorennen steht bevor – für viele Fahrer das sportliche Ziel ihres Lebens. Auch Charly Lynn, ein alter Hase des Motorsports, hegt noch einen Traum: einmal noch den Großen Preis gewinnen. Doch der Rennstall entscheidet anders. Statt Lynn soll Pierre Dumont fahren – ein junger, ehrgeiziger Pilot, der viel von Lynn gelernt hat, nun aber seinen Mentor verdrängt. Was zunächst wie eine bittere, doch sportlich begründete Entscheidung wirkt, entwickelt sich rasch zu einem düsteren Drama: Lynn verunglückt schwer. Die offizielle Version spricht von einem tragischen Unfall, doch die Journalistin Brenda Stone stößt auf Hinweise, die an Zufall nicht glauben lassen. Ihre Recherchen führen sie tief in ein Netz aus Verrat, Manipulation und Eitelkeit – und offenbaren, dass der Tod manchmal im Cockpit mitfährt.
Mit Der Co-Pilot heißt Tod legt Eberhard Kreissig ein Kriminalhörspiel vor, das Motorsport, menschliche Abgründe und investigativen Journalismus miteinander verbindet. Anders als viele Genre-Produktionen aus der DDR der frühen Achtziger entzieht sich das Werk einer allzu schlichten moralischen Deutung. Hier gibt es keine klaren Helden oder Bösewichte – stattdessen ein beklemmendes Tableau aus Ehrgeiz, Eifersucht, enttäuschten Hoffnungen und kalter Berechnung. Die Geschichte spielt auf internationalem Parkett und hebt sich damit von vielen zeitgenössischen DDR-Hörspielen ab. Sie verzichtet auf plakativen Realismus zugunsten einer beinahe noirhaften Atmosphäre, die durch das düstere Motiv des Mordes im Rennmilieu intensiviert wird.
Die Inszenierung folgt einem dichten Erzählrhythmus. Die beiden Hauptteile entwickeln sich entlang der klassischen Dramaturgie: Einführung – Wendepunkt – Eskalation – Auflösung. Doch statt schneller Schnitte und künstlicher Actionmomente setzt die Umsetzung auf psychologischen Druck, Verdachtsmomente und unterschwellige Spannung. Detlef Kurzwegs Regie balanciert geschickt zwischen ruhigen Dialogszenen und intensiv montierten Passagen – etwa dann, wenn Brenda Stone ihre Recherchen vertieft und sich nach und nach ein Puzzle aus Verdachtsmomenten, verpassten Chancen und stillen Feindschaften zusammensetzt. Das Rennen selbst wird nicht voyeuristisch ausgeschlachtet, sondern bleibt akustisch stark reduziert – die Konzentration liegt auf den Figuren und ihren inneren Bewegungen. Die Frage nach Schuld und Verantwortung wird durchgehend gestellt – jedoch nicht abschließend beantwortet.
Bernd Stegemann als Charly Lynn gelingt es, eine Figur zwischen Stolz, Melancholie und verletztem Ego zu verkörpern. Seine Stimme trägt jene Mischung aus Lebensmüdigkeit und ungebrochenem Ehrgeiz, die Lynn zu einer tragischen Figur macht. Klaus-Dieter Klebsch – heute bekannt als deutsche Stimme von Alec Baldwin – brilliert in einer Nebenrolle mit seiner typischen Präsenz: kraftvoll, direkt, doch mit einer leisen Ironie. Jürgen Heinrich, Christoph Engel, Ulrich Voß und Helga Sasse runden das Ensemble ab. Jeder bringt Farbe und Profil in seine Rolle, ohne zu überzeichnen. Besonders hervorzuheben ist Gloria Jadwiga, die Brenda Stone mit einer klaren, analytisch klingenden Stimme spricht – glaubwürdig, präsent, fokussiert.
Die technische Umsetzung entspricht dem Standard hochwertiger DDR-Produktionen jener Zeit. Dialoge sind klar abgemischt, Geräusche realistisch eingebettet. Besonders bemerkenswert ist das Feingefühl bei der akustischen Darstellung der Rennszene: Motoren, Boxenfunk, Menschenmengen – alles bleibt nachvollziehbar, ohne jemals effektheischend zu wirken. Die Musik von Jürgen Meinel bleibt dezent, aber wirkungsvoll: kurze, spannungsbetonte Motive unterstützen die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Das neu gestaltete Cover von Pidax verknüpft klassische Rennästhetik mit moderner Klarheit: Ein stylisierter Rennwagen – aggressiv in Perspektive und Farbgebung – kündigt Dramatik und Geschwindigkeit an. Der Titel Der Co-Pilot heißt Tod springt durch seine typografische Zweifarbigkeit ins Auge: „Co-Pilot“ in rot, „heißt Tod“ in schwarz – eine visuelle Metapher für das Wechselspiel aus Kontrolle und Fatalität.
Der Co-Pilot heißt Tod ist ein spannendes, psychologisch nuanciertes Kriminalhörspiel, das sich mit Motorsport, Stolz und Verrat beschäftigt – weit entfernt von schnellen Effekten, aber gerade durch seine Zurückhaltung intensiv. Die Geschichte, die vermeintlich im Rennsport verankert ist, handelt in Wahrheit von Macht, Eitelkeit und dem Preis des Erfolgs. Kreissigs Erzählweise ist präzise, schnörkellos, doch mit klarem moralischem Subtext. Pidax hat mit dieser Veröffentlichung nicht nur einen seltenen Krimi aus dem Archiv gehoben, sondern zugleich ein Stück Radiogeschichte bewahrt. Die zusätzliche Bonusfolge Der Tod schickt keinen sanften Engel rundet die CD zu einem atmosphärischen Gesamtpaket ab.