Fantasy Tales - 1. Orkblut und Elfenhut
Ilistra, eine junge Waise, lebt ein einfaches Leben – bis zwei Schurken sie bedrohen und sich ein Ork namens Sargras mutig schützend vor sie stellt. Doch was als Rettung beginnt, endet für Sargras im Kerker. Der vermeintliche Held wird als gefährliches Wesen verurteilt, sein Schicksal scheint besiegelt. Doch Ilistra glaubt an seine Unschuld und stellt mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe tapferer Gefährten alles auf den Kopf, um Sargras zu retten. Was folgt, ist eine klassische Fantasygeschichte, verwoben mit Themen wie Loyalität, Mut und dem Mut zur eigenen Wahrheit – mitten in einer Welt, die sich zwischen Magie und Vorurteil bewegt.
Mit Orkblut und Elfenhut beginnt die neue Hörspielreihe Fantasy Tales aus dem Hause Contendo Media – und zwar mit einem Auftakt, der sich bewusst von epischer Schwere distanziert. Statt brachialer Kämpfe und düsterer Endzeitatmosphäre erlebt man hier eine sympathisch erzählte, fast märchenhafte Fantasygeschichte, die durch liebenswerte Charaktere, einen sanften Spannungsbogen und eine warme Grundstimmung überzeugt.
Die Geschichte ist klassisch aufgebaut, aber nicht altbacken. Sie vermittelt die zentralen Werte des Genres – Ehre, Freundschaft, Selbstlosigkeit – ohne dabei ins Pathetische abzugleiten. Frank Hammerschmidt wählt einen ruhigen Einstieg, lässt die Figuren sich entwickeln und verzichtet auf übermäßige Dramatik zugunsten einer Geschichte, die sich durch Herz, nicht durch Hast trägt.
Die dramaturgische Gestaltung ist liebevoll und mit großem Gespür für Rhythmus und Stimmung umgesetzt. Die Geschichte nimmt sich Zeit, ihre Figuren und ihr Setting zu etablieren. Die Übergänge zwischen Dialogen, ruhigen Momenten und dramatischen Entwicklungen sind flüssig gestaltet, ohne Brüche. Die Dialoge sind stimmig und meist angenehm natürlich gehalten – die Mischung aus klassischer Fantasy-Sprache und zeitgemäßem Ausdruck gelingt erstaunlich gut. Der Spannungsbogen ist behutsam, entwickelt sich langsam, aber zielgerichtet, was der Folge einen meditativen Charme verleiht, ohne langweilig zu sein. Insbesondere das Zusammenspiel zwischen Ilistra und Sargras sorgt für berührende Momente. Es ist eine Geschichte der kleinen Gesten und großen Gefühle, in der auch Nebenfiguren glaubwürdig agieren und zu Sympathieträgern werden.
Julia Bautz verleiht Ilistra eine wunderbar lebendige und natürliche Stimme. Sie trägt die Geschichte mit leichter, aber ausdrucksstarker Präsenz und verleiht der Figur Herz, Mut und eine klare Haltung. Ihre Leistung macht Ilistra zur glaubhaften Heldin wider Willen. Peter Lontzek als Sargras ist die Überraschung dieser Folge: Sein Ork klingt nie wie ein Klischee, sondern vielmehr wie ein nachdenklicher, gereifter Charakter mit sanftem Kern – rau, aber nicht roh. Tobias Lelle als Grend Schildstreich bringt rustikale Energie, Axel Lutter als Oroc eine knorrige Weisheit, und Ozan Ünal als Dugal Marder überzeugt mit spürbarer Dynamik. Benjamin Stolz, Sven Plate, Lutz Mackensy und Patrick Bach steuern ebenfalls glaubhafte Performances bei – getragen von klarer Artikulation und ausdrucksstarker Stimmführung. Die Besetzung ist insgesamt sehr ausgewogen, viele bekannte Stimmen aus der Hörspielszene agieren mit hörbarem Spaß an der Sache.
Das Sounddesign ist herausragend. Sanftes Waldrauschen, geheimnisvolle Lichtungen, das metallische Klingen von Waffen, entfernte Stimmen und knisternde Lagerfeuer – alles ist mit viel Feingefühl und Liebe zum Detail eingefangen. Musikalisch bewegen wir uns in einem modernen Fantasy-Soundtrack, der durch stimmige Kompositionen und thematische Leitmotive überzeugt. Die Musik passt sich stets der Szene an: mal melancholisch, mal leichtfüßig, mal bedrohlich – aber nie überladen. Die Mischung von Dialog, Musik und Geräuschen ist ausgewogen, die Klangkulisse wirkt hochwertig, aber nie steril. Besonders hervorzuheben ist der Mut zur leisen Szene – die Inszenierung lässt oft genug Stille und sanfte Töne wirken.
Ein optisches Highlight: Das Artwork von Alexander von Wieding zeigt Ilistra inmitten eines blühenden Waldbodens, umgeben von leuchtenden, fast magischen Blumen. Der goldene Schein der Pflanze in ihrer Hand verleiht der Szene etwas Verwunschenes. Im Hintergrund beobachten zwei Gestalten aus dem Halbdunkel – Freunde oder Feinde? Die Farbgebung changiert zwischen warmem Licht und waldigem Dämmergrün, was perfekt zur Atmosphäre der Folge passt. Das Logo von Fantasy Tales mit dem stilisierten Schwert ersetzt das "T" und bringt die richtige Portion Heldentum ins Spiel. Insgesamt ein wundervolles, stimmungsvolles Titelbild, das den Inhalt poetisch einfängt.
Mit Orkblut und Elfenhut gelingt Contendo ein starker Start in die Welt von Fantasy Tales. Statt bombastischer Schlachten gibt es leise Töne, glaubwürdige Figuren und eine Geschichte, die durch Atmosphäre, Freundschaft und Mut punktet. Wer Geschichten wie Prinzessin Mononoke, Eragon oder Die Chroniken von Narnia mag, dürfte sich hier sofort wohlfühlen – allerdings mit einem deutlich entschleunigten Erzählton. Ein zauberhaftes Fantasy-Hörspiel, das neue Wege geht und eine Welt aufschlägt, in der man gern verweilt.
VÖ: 25. Juli 2025
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967625868