Professor Mobilux - Mit dem Indianerholz durch Zeit und Raum skaten
Als sich Ende der 1980er-Jahre zwei Giganten der Kinderunterhaltung – Playmobil und das Label EUROPA – zusammentaten, entstand eine Hörspielserie, die weit über ihre eigentliche Funktion als Begleitmedium zu Spielzeugen hinauswuchs. Professor Mobilux, benannt nach der Hauptfigur, war mehr als ein Produkt: Es war eine faszinierende Verknüpfung von Hörspielkunst, erzählerischer Fantasie und kindlicher Spiellust. Entwickelt in den Studios von EUROPA, geschrieben vom renommierten H. G. Francis und produziert unter der Leitung von Heikedine Körting, entfaltete sich eine Serie, die nicht nur das Gehör, sondern auch die Vorstellungskraft beflügelte.
Ursprünglich als Werbeinstrument geplant, wurde sie schnell zur eigenständigen Abenteuerreihe. Der Schlüssel: die Integration der damals aktuellen Playmobil-Spielwelten als Schauplätze der Geschichten. Von Westernstädten bis zum Freizeitpark, vom Zirkus bis zur Geisterburg – Professor Mobilux war ein akustischer Katalog voller Fantasie.
Die Magie des Indianerholzes - Grundidee und Rahmenhandlung
Im Zentrum der Serie steht ein unscheinbares, aber geheimnisvolles Objekt: das sogenannte Indianerholz – ein krummes, schwarzes Holzstück mit Kerben, das Professor Mobilux zu Beginn der ersten Folge vor einem Banditen versteckt. In den Griff seines Regenschirms eingearbeitet, entfaltet das Holz magische Kräfte: Wer daran dreht, wird durch Zeit und Raum katapultiert. So beginnt die Reise des exzentrischen Professors und seines Assistenten Patrick F. Patrick – eine Reise, die sie durch Geschichte, Geografie und Fantasie führt.
Die Prämisse ist charmant, kindgerecht und steckt voller erzählerischer Möglichkeiten. Das Prinzip der Zeitreise dient nicht nur als Vehikel für Abenteuer, sondern ermöglicht den Zugang zu pädagogisch wertvollen Themen: Historisches wird spielerisch vermittelt, moralische Fragen werden altersgerecht inszeniert.
Konzept & Struktur - Von Mobilux zu Patrick – und wieder zurück
Die Serie begann 1987 mit einer als Werbebeilage vertriebenen Folge („…und der Überfall“) und ging ab August desselben Jahres mit sechs regulären Episoden in Serie. Diese ersten Folgen liefen unter dem Titel Professor Mobilux. Ab Herbst 1987 jedoch kam es zu einer ungewöhnlichen Wendung: Die Reihe wurde umbenannt in Patrick F. Patrick – benannt nach dem Assistenten. Diese sechs Folgen (Folge 7 bis 12) zeigen den Professor nicht mehr aktiv in der Handlung, sondern lediglich als Erzähler. Die Veränderung wird durch einen Unfall innerhalb der Geschichte erklärt: Mobilux wird beim Zeitskaten in eine Art Zwischenwelt geschleudert.
Die erste Auflage der neuen Episoden nummerierte sie fälschlich als Folge 1 und 2, was für Verwirrung sorgte. Erst mit späteren Auflagen wurden sie korrekt als Folgen 7 und 8 einsortiert. Ab Folge 13 wurde der ursprüngliche Titel Professor Mobilux wieder aufgenommen – mit dem bekannten Duo zurück im Geschehen. Folge 16 markierte das offizielle Ende der Reihe. Zwei weitere Folgen („Der Eierdieb“ und „Gefahr auf Gleisen“) wurden im Playmobil-Katalog 1989/90 angekündigt, aber nie veröffentlicht. Obwohl Playmobil für 1990 neue Episoden versprach, blieb es bei diesen 16.
Die Figuren - Ein skurriles, liebenswertes Ensemble
Professor Oktavius Mobilux - Ein schrulliger, charismatischer Paläontologe europäischer Herkunft. Er stammt – wie es heißt – von der berühmtesten Universität des alten Kontinents. Seine lila Aufschläge, sein Zylinder mit dem gleichfarbigen Band und seine enzyklopädische Bildung machen ihn zur typischen EUROPA-Figur: exzentrisch, moralisch integer, dabei nie humorlos. Wolfgang Draeger verleiht ihm mit ruhiger Stimme und einem Schuss Ironie eine ebenso väterliche wie verschmitzte Aura.
Patrick F. Patrick - Ein junger Ire, der von Europa fortzog, um „den Lehrern und ihren vielen Fragen“ zu entgehen. Er trägt weiße Handschuhe – aus Angst, den Saint Patrick’s Day zu verpassen – und eine Fliege. Sein naiver Blick auf die Welt macht ihn zur idealen Identifikationsfigur für Kinder. Oliver Rohrbeck gibt ihm einen jugendlich-neugierigen Klang, mit dem er selbst den größten Gefahren stets mit Erstaunen und Witz begegnet.
Pedro Juan Maria Movimiento - Ein temperamentvoller Mexikaner und selbsternannter rechtmäßiger Erbe des Indianerholzes. Er tritt nur in den Patrick F. Patrick-Folgen auf, begleitet von seinem sprechfreudigen Geier Paolo. Michael Harck verleiht ihm eine charmant übertriebene Südländer-Attitüde, die zwischen Heldenmut und Heißblütigkeit pendelt. Sein Verschwinden ab Folge 13 bleibt ungeklärt – ein bewusst offenes Ende?
Stimmen & Erzählstruktur - Ein Wechselspiel der Erzähler
Die Serie beginnt mit Hansjörg Felmy als Erzähler – seine Stimme, ruhig und cineastisch, verleiht den ersten sechs Folgen eine seriöse Grundierung, die den Kontrast zur fantasievollen Handlung betont. Felmy, bekannt aus Film und Fernsehen, spricht mit klarer Diktion und angenehmer Distanz, wodurch er das Geschehen fast wie ein Chronist begleitet. Besonders in spannungsgeladenen Szenen gelingt es ihm, Spannung aufzubauen, ohne jemals ins Dramatische zu kippen.
In den mittleren Episoden (Folge 7 bis 12) übernimmt Wolfgang Draeger als Professor Mobilux selbst die Rolle des Erzählers – ein Kunstgriff, der dem Format eine intime Note verleiht. Aus seiner Zwischenwelt berichtet Mobilux mit ruhiger Stimme und einem Hauch Melancholie über Patricks Abenteuer. Dabei verschiebt sich die Perspektive ins Persönliche: Der Professor wird zum reflektierenden Beobachter, was der Serie in dieser Phase eine fast literarische Qualität verleiht.
Ab Folge 13 tritt Dietmar Mues als Erzähler in Erscheinung. Mit sanfter, unaufdringlicher Stimme setzt er auf eine zurückgenommene, fast filmische Erzählweise. Sein Ton ist klar, ruhig und einfühlsam – passend zur gereifteren Atmosphäre der späteren Folgen, in denen gesellschaftliche Themen stärker in den Vordergrund treten. Mues gibt den Figuren Raum und inszeniert weniger kommentierend als begleitend – ein Erzähler, der nicht mehr erklärt, sondern erleben lässt.
Im Zentrum der Serie steht jedoch durchgängig Oliver Rohrbeck als Patrick F. Patrick. Mit seiner hellen, lebendigen Stimme, seinem typischen Berliner Tonfall und jugendlichen Elan prägt er die Figur vom ersten bis zum letzten Auftritt. Rohrbeck – längst bekannt als Justus Jonas aus Die drei ??? – verleiht Patrick einen unverkennbaren Klang: neugierig, ungestüm, sympathisch. Seine Leistung trägt wesentlich zur Dynamik der Serie bei, insbesondere in jenen Folgen, in denen Patrick die Handlung alleine oder mit Pedro vorantreibt.
Auch Michael Harck als Pedro Juan Maria Movimiento bringt in den mittleren Folgen ein lebendiges Gegengewicht zu Patrick ein. Seine Stimme ist farbenfroh, leicht überzeichnet, und verleiht der Figur komödiantische Präsenz. Nebenrollen wurden regelmäßig mit bewährten EUROPA-Stimmen wie Lutz Mackensy, Gisela Trove, Volker Bogdan oder Horst Breiter besetzt, was der Serie ein vertrautes akustisches Fundament verlieh.
So wird bei Professor Mobilux das Erzählen selbst zum Gestaltungselement: Der Wechsel der Erzähler reflektiert nicht nur den Verlauf der Geschichte, sondern markiert bewusst erzählerische Zäsuren – vom klassisch berichteten Abenteuer über das persönliche Memoirenformat bis hin zur filmischen Beobachtung. Ergänzt durch durchgängig starke Sprecherleistungen in den Hauptrollen, entsteht eine stimmlich vielseitige, lebendige Hörspielwelt.
Akustische Welten - Inszenierung & Produktion auf EUROPA-Niveau
Die Toninszenierung ist, wie bei EUROPA üblich, ein besonderes Highlight: Ausgefeilte Geräuschkulissen, stimmige Musik und pointierte Soundeffekte machen jede Episode zum kleinen Hörfilm. Die Zeitsprung-Sequenzen sind besonders markant: eine Mischung aus elektronischem Knistern, Windstößen und pulsierenden Rhythmen – ein akustisches Symbol für das magische „Skaten“.
Die Musik stammt aus dem typischen EUROPA-Archiv der 80er-Jahre – von verträumten Streichern bis hin zu spannungsgeladenen Synthesizerklängen. Dabei bleibt die Musik stets zurückhaltend und lässt den Dialogen den Vortritt. Die Mischung aus Geräusch, Musik und Stimme ist – typisch für Körting-Produktionen – sorgfältig abgestimmt.