Murder Tales - 10. Geifer

  • Murder Tales - 10. Geifer

    Tory Island, eine kleine Insel vor der irischen Küste, wird für Familie Schuster zur scheinbaren Idylle – bis sich etwas Dunkles über das Eiland legt. Es beginnt mit einem leichten Unbehagen, doch bald schon zeigen sich beunruhigende Veränderungen im Verhalten der Hunde der Insel. Was als Urlaub gedacht war, verwandelt sich in ein albtraumhaftes Szenario. Der Blutdurst der Tiere scheint nicht natürlich – sondern entfesselt. Zwischen unheimlichen Begegnungen, düsteren Legenden und immer aggressiver werdenden Hunden entspinnt sich ein Horrortrip, der tief ins Mark geht.

    Mit der zehnten Folge ihrer Reihe Murder Tales liefert Contendo Media einen lupenreinen Tierhorror-Thriller, der sich hörbar an Genreklassikern wie The Pack oder Cujo orientiert, dabei aber seine eigene Handschrift wahrt. Geifer ist kein reines Splatterstück – es ist die Geschichte eines Urlaubs, der in existenzieller Angst mündet.

    Christoph Piasecki inszeniert das Stück mit einem feinen Gespür für Tempo und Atmosphäre. Die Handlung nimmt sich Zeit, ihre Bedrohung schleichend aufzubauen, bevor sie eskaliert. Besonders der Kontrast zwischen dem friedlichen Inselleben und der animalischen Gewalt, die sich plötzlich Bahn bricht, erzeugt große Wirkung. Es gibt keinen übernatürlichen Hokuspokus – gerade das macht das Grauen glaubhaft. Frank Hammerschmidts Buch arbeitet mit Andeutungen, familiären Konflikten, unterschwelliger Anspannung – und liefert gegen Ende einen wuchtigen Kulminationspunkt.

    Tim Knauer als Michael Schuster bringt genau die Mischung aus Normalität und wachsender Verzweiflung, die seine Figur glaubhaft macht. Anja Gräfenstein überzeugt als Jasmin Schuster mit warmherziger, aber zunehmend alarmierter Stimme. In den Nebenrollen glänzen vor allem Elga Schütz als Muirenn Keane mit einer wunderbaren Mischung aus Mystik und Bodenständigkeit sowie Thomas Piper als knurriger Inselbewohner. Joachim Tennstedt setzt mit seiner kleinen Rolle als „Dick“ ein eindrucksvolles Ausrufezeichen.

    Das Sounddesign von Eric Onder de Linden ist durchgehend exzellent. Das Knurren, Winseln, Hecheln und Kreischen der Hunde ist so realistisch und bedrohlich eingefangen, dass man sich unwillkürlich umdreht, ob nicht doch etwas hinter einem steht. Auch die Hintergrundkulisse – Wind, Möwen, entfernte Gespräche in einem Pub – ist mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail gestaltet. Die Musik von Michael Donner und Konrad Dornfels bleibt im Hintergrund, trägt aber punktuell zur Dramatik bei.

    Das Cover von Alexander von Wieding ist ein unübersehbarer Blickfang: Ein sabbernder, rotäugiger Höllenhund springt den Betrachtenden geradezu an – auf blutrotem Grund, mit grotesk überzeichneter Mimik. Es ist plakativ, ja – aber auch ehrlich. Hier weiß man, woran man ist: Tierhorror, roh, direkt, ohne Ironie.

    Geifer ist ein stimmig erzähltes, packend inszeniertes Hörspiel, das klassische Horror-Elemente in ein modernes, akustisch starkes Gewand kleidet. Kein Zynismus, keine Brechung – hier geht es um Angst, um Schutzinstinkte, um eine Familie im Ausnahmezustand. Wer tierischen Horror schätzt und atmosphärisch dichte Erzählungen mag, findet hier eine unbedingte Empfehlung. Eine der stärkeren Murder Tales-Folgen – und definitiv nichts für schwache Nerven.

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