Heute jährt sich der Todestag von Gustl Bayrhammer zum 32. Mal.
Am 24. April 1993 ist einer der größten und menschlichsten Volksschauspieler, die wir je hatten, für immer von uns gegangen. Es ist ein stiller Tag des Erinnerns – und gleichzeitig ein Moment, um Danke zu sagen. Danke für all die Rollen, für das Lachen, für die Wärme und die Ernsthaftigkeit, mit der Gustl Bayrhammer sein Publikum berührt hat. Er fehlt. Bis heute. Und gerade heute.
Mit diesen Zeilen möchte ich an ihn erinnern – persönlich, mit all meiner Wertschätzung. Denn es gibt Schauspieler, die spielen Figuren. Und dann gibt es Gustl Bayrhammer – der war sie.
Wenn ich an den Inbegriff des bayerischen Volksschauspielers denke, dann fällt mir als Allererstes ein Name ein: Gustl Bayrhammer. Diese Stimme, dieser Blick, diese Wärme – all das steht für mich für etwas, das kaum noch jemand so verkörpert wie er es konnte. Gustl Bayrhammer war nicht einfach nur ein Schauspieler. Für mich war er ein Stück Zuhause, ein Stück Kindheit, ein Mensch, der auf der Bühne wie im Fernsehen immer echt war. Und: einer, der in meinen Augen immer unterschätzt wurde, obwohl er Generationen geprägt hat.
Seine Anfänge – und der Krieg, den keiner braucht
Geboren wurde er 1922 in München – sein voller Name: Adolf Gustav Rupprecht Maximilian Bayrhammer. Schon als junger Mann wollte er unbedingt Schauspieler werden, obwohl sein Vater, selbst Hofschauspieler, alles andere als begeistert davon war. Aber Gustl ging seinen Weg. Und wie viele seiner Generation erlebte auch er den Zweiten Weltkrieg hautnah – als Funker bei der Luftwaffe. Man mag sich kaum vorstellen, was das mit einem Menschen macht. Umso mehr bewundere ich, wie viel Herzenswärme er sich bewahrt hat.
Auf den Brettern, die ihm die Welt bedeuteten
Seine Schauspielausbildung absolvierte er bei Heinrich George – und ab da war klar: Dieser Mann gehört auf die Bühne. In Sigmaringen lernte er nicht nur seine große Liebe Irmgard kennen, sondern stellte auch zum ersten Mal gemeinsam mit Toni Berger sein Können unter Beweis – eine Freundschaft, die über Jahrzehnte hielt. Ich finde es beachtlich, wie viele Bühnenstationen Gustl hatte: Augsburg, Karlsruhe, Salzburg, Wunsiedel, München … Und überall war er nicht einfach nur da, sondern er prägte die Rollen. Ganz besonders bleibt mir seine Darstellung des Petrus im Brandner Kaspar im Gedächtnis. Wer ihn dabei je gesehen hat, weiß, was ich meine.
Vom Kommissar zum Schreiner – und für mich: vom Fernseher direkt ins Herz
Im Fernsehen war Gustl Bayrhammer einfach ein Naturtalent. Anfangs in Satiren und Volksszenen, dann kam der große Durchbruch: Als Kommissar Veigl im Tatort war er zwischen 1972 und 1981 der ruhige Fels in der Ermittlerbrandung. Mit seinem Dackel Oswald und seiner unaufgeregten Art war er genau das Gegenteil heutiger TV-Kommissare – und vielleicht gerade deshalb so glaubwürdig.
Aber Meister Eder war (und ist) für mich seine Krönung. Ich weiß nicht, wie oft ich die Serie Meister Eder und sein Pumuckl gesehen habe – aber sie hat mich über Jahre begleitet. Gustl war dieser Schreiner mit Leib und Seele. Da war nichts gespielt – das war einfach er. Und genau deshalb wirkt es bis heute. Dass am Flughafen München eine Statue von ihm als Meister Eder steht und an der Widenmayerstraße, wo gedreht wurde, eine Gedenktafel hängt – das rührt mich jedes Mal. Es ist schön zu wissen, dass dieser Ort und diese Figur nicht vergessen werden.
Auch hinter dem Mikrofon ganz groß
Was viele nicht wissen: Gustl war auch ein begnadeter Hörspielsprecher. Natürlich kennt man ihn als Meister Eder in den Pumuckl-Hörspielen, aber er hat so viel mehr gemacht. Seine Stimme war so angenehm, so echt – besonders in den Lesungen von Der Wittiber oder Das Leben meiner Mutter hat er für mich tiefe Spuren hinterlassen.
Ein stiller Abschied – viel zu früh
In den 80ern musste Gustl gesundheitsbedingt kürzertreten – ein Herzinfarkt zwang ihn dazu. Und trotzdem: Er blieb präsent, blieb engagiert, blieb Gustl. Am 24. April 1993 verstarb er mit 71 Jahren im Schlaf – in seinem Haus in Krailling. Viel zu früh. Und der Gedanke, dass er die Premiere seines letzten Pumuckl-Films nicht mehr miterlebt hat, macht mich auch heute noch traurig. Aber gleichzeitig bin ich froh, dass es diesen Film gibt. Und dass sein Werk weiterlebt.
Und danach? Nie vergessen.
Gustl Bayrhammer wurde zurecht vielfach ausgezeichnet – mit dem Bayerischen Verdienstorden, dem Kritikerpreis, dem Bambi. Und es ist schön zu sehen, dass es eine Straße und eine Schule gibt, die seinen Namen tragen. Der Bayerische Rundfunk hat ihm 2002 mit der Doku Der bayerische Übervater ein wunderbares Denkmal gesetzt. Aber eigentlich hat er sich sein Denkmal schon selbst gebaut – in all den Rollen, die er gespielt hat, in all den Herzen, die er berührt hat.
Für mich war Gustl Bayrhammer mehr als ein Schauspieler. Er war einer dieser seltenen Menschen, bei denen man sofort spürt: Der meint das ernst. Der spielt nicht nur eine Rolle – der lebt sie. Und das hat man gemerkt, egal ob er als Kommissar ermittelte oder mit dem Pumuckl in der Werkstatt schimpfte. Er war ein großes Stück Heimat. Und ich hoffe sehr, dass noch viele Generationen ihn kennenlernen und schätzen werden. Denn eins ist für mich klar:
Gustl Bayrhammer – den vergisst man nicht.