
Fronttheater
Heinz G. Konsalik: Fronttheater
Vorlage: Heinz G. Konsalik
Hörspielbearbeitung: H. G. Francis
Regie: Heikedine Körting
Produktion: Studio EUROPA
Effekte: Bert Brac, Betty George
Künstlerische Gesamtleitung: Dr. Beurmann
Aufnahme: ca. 1983
Bestseller MC 551 002.3 (1983)
(Sonderverpackung)
Bestseller MC 551 502.5 (1983)
Spielzeit: 48:34 min. (24:19 min. / 24:15 min.)
Info:
Neben den inhaltlichen Neuerungen wollte man die Zielgruppe der Erwachsenen jedoch auch optisch ansprechen:
Als Erkennungsmerkmal des gehobenen Hörgenusses sollten sogenannte "Buchhüllen" zur Vermarktung dienen.
Das waren Sonderverpackungen, die etwa die Größe einer VHS-Video-Cassette hatten
und jeweils eine Hörspiel-Cassette enthielten. Bestehend aus Pappe und Styropor imitieren sie
das Aussehen eines Buches.
Eine Einlegeöffnung gab der MC Platz, wo die Cassette eingebettet in Pappe und Styropor lag:
Die Hörspiele selber, die in dieser Buchhüllen-Edition erschienen,
unterscheiden sich von den herkömmlichen Cassetten-Fassungen nicht.
Lediglich die speziellen Verpackungen machten damals den Unterschied aus.
Inhaltsangabe :
Die Handlung erzählt von dem Todesmut der Männer und Frauen, die in die vordersten Linien kamen, um die Frontsoldaten zu unterhalten und ihnen etwas Lebensfreude zu vermitteln. Gleichzeitig wird aber auch von der Grausamkeit des Kriegsgeschehens berichtet, von den Lanzern, die ihr Leben einsetzen, obwohl sie von der Sinnlosigkeit dieses Opfers überzeugt waren, und von dem Pflichtbewusstsein der Frontchirurgen, die unter widrigsten Umständen Wunder vollbrachten.
Die Sprechergarde :
Erzähler Horst Naumann
Fritz Garten Uwe Friedrichsen
Walter Meyer Wolfgang Draeger
Josef Doelles, genannt Jupp Gernot Endemann
Lore Sommerfeld Claudia Schermutzki
Stabsarzt Dr. Sorensen Horst Frank
Unterarzt Dr. Hans Berthold Horst Stark (unter Pseudonym „Werner Douglas“)
Irene Berthold Monika Gabriel
Sonja Deppe Karin Eckhold
Jochen Blunk Reiner Nowak (unter Pseudonym „Friedrich Worth“)
Miriam Garten Barbara Fenner
Parteigenosse Kurt Planitz Gottfried Kramer
Trude Susanne Beck
Fritz Pumpe Horst Stark
Sturmführer vom Sicherheitsdienst F.-J. Steffens (unter Pseudonym „Hans Zuberich“)
Leutnant Peter Kramer Rainer Schmitt
Hauptfeldwebel Siegfried Müller Peter Lakenmacher
Sanitäter Wolfgang Völz
Operationshilfe Joachim Wolff
Erika Nürnberg Judy Winter
Postzusteller Joachim Wolff
Unteroffizier Krause Peter Kirchberger
Musikstücke im Hörspiel :
https://hoerspielforscher.de/kartei/hoerspiel?detail=2454&detailSub=musik
Und noch einmal Konsalik:
Irgendwie ist Nazi-Zeit, die Bösen rufen zu Hause immer "Heil Hitler!"
und die Guten sind an der Front. Uwe Fridrichsen ist ein Guter, Wolfgang Draeger auch,
deshalb sind beide beim "Fronttheater".
Der Böse ist - Gottfried Kramer: er brüllt herum,
weiß nichts, kann nichts und hat natürlich einen Mord auf dem Gewissen.
Das wiederum weiß Fritz Garten (Friedrichsen), und so versucht nun der böse Planitz (Kramer)
den guten Garten auszuschalten. Das geht selbstverständlich schief
und am Schluß kriegt Planitz `ne Handgranate an den Kopf.
Alle anderen heiraten und der Krieg ist aus. Ende.
Was wirklich Spaß bei diesem Hörspiel macht, ist die Anzahl der Personen.
Auch nach mehrmaligem Hören muß ich mir noch immer eine Strichliste machen,
wer mit wem verlobt oder befreundet ist. Hinzu kommt die etwas verunsichernde Idee,
ständig "Les Preludes" von Franz Liszt als Zwischenmusik zu benutzen.
Die Idee hatte man damals im Dritten Reich auch und brachte sie immer zur Untermalung
der Siegesberichte von der Ostfront.
Sehr stilecht also, diese Produktion.
Bestellnummer: 551.002.3
Alexander Huppertz urteilt:
Während des zweiten Weltkrieges zieht der verkrüppelte Fritz Garten (wie immer sehr leidenschaftlich: Uwe Friedrichsen)
mit seiner Laienspielgruppe (u.a. Judy Winter, Wolfgang Draeger und Claudia Schermutzki) von einem Militärstützpunkt
zum nächsten, um den Soldaten in Form verschiedener Theaterdarbietungen etwas Sonne in den doch recht
einseitigen "Kampfesalltag" zu bringen. Die Tätigkeit des Fronttheaters wird jedoch von Oberstabschef Kurt Planitz
(die stimmliche Präsenz von Gottfried Kramer ist wie immer purer Hörgenuß!) sabotiert.
Statt die Tätigkeit der Theatergruppe zu unterstützen, schickt er seine Schützlinge an die gefährlichsten Fronten.
Garten kennt die Motive des heimtückischen Nazischergen nur zu gut: Planitz will Garten aus dem Weg räumen, denn nur er kann bezeugen, dass Gartens Frau durch seine Schuld ums Leben kam. Während der Krieg seine schlimmste Phase erfährt, liefern sich die beiden Gegner einen erbitterten Nervenkrieg, aus dem nur eine Person lebend hervorgehen wird...
Meinung
Auch in der zweiten Folge der originellen Bestseller-Serie aus dem Hause EUROPA wandelt Drehbuchautor H.G. Francis
auf den Pfaden des populären Vielschreibers Konsalik.
Das Hörspiel ist in jeder Form sehr groß und episch geraten.
Und hierin liegt auch bereits die große Schwäche dieses Kriegsedramas.
Die Geschichte verliert sich in unübersichtlichen Nebenhandlungen.
Man kann sich kaum merken, wer wen in den Kriegswirren sucht, wer mit wem verbandelt ist,
um sich dann doch letztlich einen anderen Partner fürs Leben auszuwählen.
Auch die Sprecherriege sucht ihresgleichen. Fast das gesamte EUROPA-Ensemble der 80-er Jahre
darf einen Kurzauftritt absolvieren.
Uwe Friedrichsen verleiht der Figur des vom Schicksal gebeutelten Fritz Garten jede Menge Pathos,
Gottfried Kramer brilliert einmal mehr als charismatischer Bösewicht.
Sein Hass und seine Abneigung auf alles und jeden sind förmlich spürbar.
Horst Frank darf einen Kurzauftritt als Lazaretharzt absolvieren und dabei abgeklärte Lebensweisheiten verkünden,
F.J. Steffens mimt einen ausgeschlafenen Gauleiter, Gernot Endemann sucht als aufgescheuchter Lanzer
das ganze Hörspiel nach seiner Geliebten, die wiederum ebenfalls nach ihrem verschollenen Freund sucht
(die ständige Erwähnung des Namens Jupp wird dabei zum unfreiwilligen Running-Gag),
und Wolfgang Völz darf mal kurz in einer Kneipe herumschreien.
Musikalisch setzt Heikedine Körting streckenweise die wunderbaren Orchestermelodien,
u.a. die Hui Buh-Titelmelodie der späten Folgen 22 und 23 ein und unterstreicht somit die
dramatische und melancholische Atmosphäre.
Unter dem Strich bleibt ein vorbildlich inszeniertes anspruchsvolles Hörspiel,
dass durch seine zahlreichen Wendungen und Details aber auch recht anstrengend ist.
Man sollte es einmal gehört haben...
Das ganze Hörspiel unter :