Die seltsame Gräfin

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    Es ist ein ereignisreicher Tag für die Rechtsanwaltsgehilfin Lois Riddle. Zuerst verursacht der junge Mann, der sie seit Tagen zu verfolgen scheint, einen Autounfall mit ihr. Dann lernt sie im Gefängnis, wo sie geschäftlich zu tun hat, eine Frau kennen, die in enger Verbindung mit ihrem eigenen Leben zu stehen scheint. Und zu guter Letzt bekommt sie von der reichen Gräfin Moron ein attraktives Stellenangebot. Noch ahnt sie nicht, wie sehr dieser Tag die nächsten Ereignisse bestimmen soll…

    Das kleine Label Zaubermond ist ja nicht nur für qualitativ hochwertige Produktionen bekannt, sondern auch dafür, Risiken einzugehen und Experimente zu wagen. Und so ist eine eher ungewöhnliche Umsetzung einer Edgar Wallace-Geschichte entstanden: „Die seltsame Gräfin“ wurde vorrangig in einer alten Villa aufgenommen und ist zusätzlich einer Theateradaption entsprungen, die mit einem Erzähler versehen wurde und sonst in ihrer ursprünglichen Form beibehalten wurde. Die Handlung ist typisch für den englischen Autoren und enthält einige bekannte Elemente, ist aber auch sehr kurzweilig erzählt und hält so manche Überraschung bereit. Schon gleich zu Beginn werden die drei oben beschriebenen einschneidenden Ereignisse erzählt, sodass man als Hörer gleich mitten in der Handlung verwurzelt ist – und gleich an drei Stellen etwas zum Nachgrübeln auf den Weg bekommt. Am Prägnantesten und am Ausführlichsten behandelt wird vorerst die Thematik der Gräfin, die eine freundliche, aber auch merkwürdige und leicht zwielichtige Aura ausstrahlt und damit einen großen Reiz verbreitet. Daraus entwickelt sich eine Handlung, die immer vielschichtiger und verwobener wird und dem Hörer einige Rätsel aufgibt. Zahlreiche neue Ereignisse sorgen für einen dynamischen Ablauf, der in einem wirklich packenden und sehr gut erzählten Finale gipfelt. Mit über 150 Minuten ist „Die seltsame Gräfin“ nicht mal eben zwischendurch gehört, ist dafür aber sehr lohnenswert und kombiniert die herrlich nostalgische Geschichte mit moderner und ungewöhnlicher Aufnahmetechnik. Schön, dass dieses Experiment eingegangen wurde.

    Elga Schütz ist eine herausragende Hörspielsprecherin und kann auch diese Produktion deutlich aufwerten. Ihr leicht exzentrisches, aber ebenso zugängliches Verhalten als Lady Eleonore Moron passt wunderbar zu der Rolle und sorgt für genügend Aufmerksamkeit für die gelungene Figur. Auch zum Theaterensemble gehört Eva Wagner als Lois Reddle, die eine recht sanfte Stimme hat, die trotzdem voller Energie und Ausdruck steckt. Als externer Erzähler wurde Jürgen Thormann verpflichtet, dessen kurze und knackige Passagen durch seine raue, unverkennbare Stimme das gewisse Etwas bekommen. Weitere Sprecher sind Jessica Zang, Ulrich Schaller und Alexx Grimm.

    Für die Aufnahmen wurde eine komplette Villa mit Mikrofonen bestückt, sodass die Sprecher sich völlig frei bewegen konnten. Dadurch kommt die Atmosphäre des alten Anwesens sehr gut zur Geltung, die Stimmen werden oft durch einen etwas Hall begleitet, sodass man einen recht räumlichen Eindruck bekommt. Alles wirkt sehr authentisch und bekommt so einen außergewöhnlichen Anstrich. Nur Abmischung hätte an einigen Stellen etwas lauter sein können.

    Mit dem herrlich nostalgischen Cover und dem leicht verwischten Zeichenstil ist ein echter Hingucker geglückt, es zeigt das Plakat, das auch vom Imperial-Theater verwendet wurde. Die Gräfin ist leicht nach hinten gebeugt zu sehen, was ihr mit ihrem roten Kleid einen dramatischen Ausdruck verleiht. Erst beim zweiten Hinsehen ist zu sehen, dass sie sich dabei an einen Totenschädel klammert. Das Innere ist schlicht und übersichtlich gestaltet, enthält aber leider keine weiteren Informationen. Besonders Fotos der Aufnahmen hätten mich bei diesem besonderen Projekt interessiert.

    Fazit: Die Vorlage des Autors gibt schon einiges her und ist ebenso spannend wie überraschend. Schön, dass die ungewöhnliche Umsetzung noch einiges mehr herausholen kann. Durch den fast schon räumlichen Klang wird eine besondere Atmosphäre erzeugt, die zudem mit sehr guten Sprechern überzeugen kann. Eine spannende und kurzweilige Geschichte, die von einem sehr gut erzählten Finale bestens abgeschlossen wird.

    VÖ: 31.Januar 2014
    Label: Zaubermond
    Bestellnummer: 4047179851725

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