Gruselkabinett – 72. Markheim

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    London zur Weihnachtszeit 1888: Markheim betritt das Antiquitätengeschäft des zwielichtigen Mr. Miller, dem er schon einige gestohlene Gegenstände verkauft hat. Doch dieses mal betritt er mit einem ganz anderen Hintergrund den Laden, doch der Blick in einen Spiegel, der ihm einen Blick auf seine Seele gewährt, setzt eine Spirale von Angst und Wahnsinn in Gang, an deren Ende er auf einen geheimnisvollen Fremden trifft…

    Das Gruselkabinett von Titania Medien ist für seine Vielfältigkeit bekannt, neben zahlreichen wuchtigen und von Spannung berstenden Folgen gibt es auch kleine, eher unscheinbare Geschichten zu erzählen, die es aber nicht minder wert sind, entdeckt zu werden. Zu dieser zweiten Kategorie gehört Nummer 72. der Reihe mit dem Titel „Markheim“ das in einer kurzen Eröffnungsszene den Ausgang des Hörspiel präsentiert: Den Tod Markheims. Wie es dazu gekommen ist und wie sich die Hauptfigur in der knappen Stunde Erzählzeit verändert hat, schließt sich daran an. Als einziger Handlungsort dient der Antiquitätenladen, Orts- oder Zeitwechsel finden nicht statt. Dafür hält Markheim anfangs recht lang Zwiesprache mit Mr. Miller, um ihn nach etwa einem Drittel der Folge hinterrücks zu ermorden, nachfolgend werden seine Motive aufgedeckt, aber auch, dass er langsam dem Wahnsinn verfällt, sich verschiedenste Schreckensszenarien ausmalt und sich von Geistern verfolgt wähnt – hier gleicht das Hörspiel eher einem Monolog, und gerade dadurch zieht es seine ganz andere Atmosphäre. Das letzte Drittel ist geprägt von einem Gespräch zwischen Markheim und einem unheimlichen Fremden, das fast schon philosophische Züge hat und wichtige Fragen des Lebens in Bezug auf Markheims Tat stellt – eine feine, unscheinbare mysteriöse Komponente zieht sich hierdurch wie durch den Rest der Folge. Wenn man das moderne Hörspiel gemeinhin als „Kino für die Ohren“ betitelt, wäre hier eher „Theater für die Ohren“ der richtige Begriff, die Handlung ist eher zurückgenommen und macht Platz für ein ungewöhnliches, aber durchaus empfehlenswertes Stück des Gruselkabinettes, das sich wieder einmal in einem ganz anderen Farbton präsentiert.

    Es sind drei Sprecher, die das Gesicht dieser Folge prägen, Julia Stoepel, Rolf Berg oder Marc Oliver Schulze sind wirklich nur als kleine Nebenrollen zu hören. Zuerst wäre da natürlich Helmut Zierl zu hören, der während der gesamten Laufzeit zu hören ist und auch den mittleren Teil allein bestreitet. Spielend schafft er es, beim Hörer hierbei das Interesse hochzuhalten, zwischen Dialog und Erzähler zu wechseln und die intensiv drängenden Fragen zu stellen. Wolfgang Welter spricht den brummigen Mr. Miller mit einer markanten Stimme und kann den zwielichtigen Händler damit glaubhaft darstellen. Sehr überzeugend auch Hans Bayer als Fremder, der mit dröhnendem Klang und unverhohlenem Spott in der Stimme eine sehr interessante Figur zu formen weiß.

    Wie immer beim Gruselkabinett ist die Handlung opulent mit Musik und Geräuschen ausgestattet, die sich eng an die Handlung schmiegt und umschmeichelt. Die Musik ist intensiv und eingängig, wechselt von den anfänglich, eher typisch für die Serie Stücken zu später sogar Chorälen, die an Kirchenmusik erinnern, während besonders die letzten Szenen mit Regengeräuschen im Hintergrund die richtige Stimmung verpasst bekommen.

    Das Cover ist mit vielen Details ausgestattet und wieder im nostalgischen Look der Serie gehalten. Zu sehen ist die anfängliche Szene, in der Markheim mit gezücktem Messer im Antiquitätenladen steht und Mr. Miller den besagten Handspiegel ins Regal zurücklegt. Der Laden mit den vielen Büchern und Uhren, die eine Rolle in dem Hörspiel spielen, bildet dazu eine grandiose Umgebung.

    Fazit: Ein eher ruhiger Vertreter der Serie, die fast ausschließlich auf Monologe setzt und so eine außergewöhnliche, aber intensive Atmosphäre erzeugt.

    VÖ: 15.März 2013
    Label: Titania Medien
    Bestellnummer: 978-3-7857-4811-4

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