Gruselkabinett - 190. Schauermärchen 1

  • Gruselkabinett - 190. Schauermärchen 1



    Als Elisa mit ihren Brüdern von einem Ausflug nach Hause kommt, sieht sie einen Mann bei ihrem Vater, der ihr direkt unheimlich ist. Besonders sein dunkelblau schimmernder Bart sorgt für einige Schrecken. Doch da es sich bei Blaubart um einen wohlhabenden König handelt, kann sie seinen Heiratsantrag nicht ausschlagen. Doch in seinem Schloss zeigt sich, dass ihre Furcht begründet war...

    Der Titel "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm lässt auf kindgerechte Unterhaltung schließen, und die bekannten Geschichten aus der Sammlung, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, sind auch heutzutage noch beliebte Erzählungen für junge Menschen. Doch es gibt auch die besonders düsteren Märchen, die aus heutiger Sicht für Kinder absolut ungeeignet sind. Titania Medien hat sich dieser Geschichten nun ebenfalls angenommen, allerdings nicht in der ebenfalls sehr empfehlenswerten "Grimms Märchen"-Reihe sondern als 190. Episode des Gruselkabinetts. Vier kürzere Episoden zu je etwa 20 Minuten Laufzeit bieten jeweils eine ganz eigene Stimmung, die aber immer sehr bedrohlich, düster und furchteinflößend geraten sind. "Blaubart" macht den Anfang und scheint zu Beginn noch halbwegs wie ein liebliches Märchen und ist auch so inszeniert, doch die bedrohliche Atmosphäre und die Entdeckung von Elisa im Schloss ihres ungeliebten Gatten sorgen für eine sehr dichte Stimmung, besonders gegen Ende. "Das Mädchen ohne Hände" wartet mit einer besonderen Grausamkeit auf, was auch sehr markant in Szene gesetzt wurde. Danach beginnt ein Versteckspiel, welches eine Variation aus anderen Märchen enthält, hier aber einen besonderen Reiz entfaltet. "Der Räuberbräutigam" ist besonders dicht und atmosphärisch erzählt, die ständige Bedrohung, eine unheimliche Nacht und eine intensive Auflösung sind sehr packend geraten. "Der Liebste Roland" bildet den Abschluss der Episode und hat mich ebenfalls vollkommen gepackt, schon zu Beginn ist ein düsterer Plan sehr markant eingesetzt, aber auch danach lässt die Geschichte nicht nach und ist sehr unheimlich erzählt. Und in den vier Episoden kommt niemand ungeschoren davon, es wird gemordet, verstümmelt und sogar Menschenfleisch gegessen - also wirklich nichts für schwache Nerven. Eine ebenso ungewöhnliche wie eindringliche Episode - schön, dass der zweite Teil bereits angekündigt ist.

    Reinhilt Schneider ist nicht nur in jeder Episode der "Grimms Märchen" zu hören, sondern hier in ganz unterschiedlichen Rollen in jeder der vier Episoden. Was sie hier alles aus ihrer Stimme herausholt ist unfassbar, mal unbeschwert und leicht, dann sorgenschwer, aber auch exzentrisch, wild oder bedrohlich. Jonas Minthe ist in der ersten Episode als Blaubart zu hören, seine sehr präsente Aura und die prägnante, scharfe Sprechweise sorgen für eine dichte und bedrohliche Ausstrahlung. Bei Luise Lunow ist es mir in der letzten Geschichte als diabolische Stiefmutter eiskalt den Rücken heruntergelaufen, wie boshaft und furios sie wirkt, ist sehr beeindruckend geraten. Einige der zahlreichen anderen Stimmen stammen von Michael Pan, Thomas Balou Martin und Regine Lamster.

    Auch akustisch geht diese Episode andere Wege als viele Teile der Reihe. Wieder sind die meisten Szenen mit Musik unterlegt, dieses mal insbesondere klassische Melodien, die auch mal fröhlich und beschwingt wirken. Die unheimliche Stimmung der Geschichten kommt aber ebenfalls sehr gut zur Geltung. Die eingesetzten Geräusche sind sehr passgenau eingefügt und lassen die Szenen noch lebendiger wirken.

    Ertugul Edirne hat hier noch einmal das Titelbild illustriert und es geschafft, die märchenhafte Atmosphäre ebenso wie die düstere Bedrohung einzufangen. Wie die hübsche Prinzessin ihre schreckliche Entdeckung macht, ist mit den Farbkontrasten und den vielen Details sehr überzeugend geraten.

    Fazit: Der erste Teil der "Schauermärchen" ist eine besondere Episode und äußerst gut gelungen. Die Mischung aus märchenhaften Elementen und der bedrohlichen, sehr düsteren Stimmung hat mir besonders gut gefallen. Toll, wie unterschiedlich auch hier die Ausstrahlung sein kann.

    VÖ: 31. Mai 2024
    Label: Titania Medien
    Bestellnummer: 9783785786406

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    Edited once, last by DerPoldi (May 31, 2024 at 12:30 PM).

  • Ich hatte mal angefangen und mir daraus „Blaubart“ angehört. Ein ziemlich geradliniges Märchen, sehr vorhersehbar, welches zudem von der Geschichte in jungen Ohren doch sehr merkwürdig klingen muß. Ich meine eine mehr oder weniger Zwangsverlobte, die ihrem Mann mit „Gebieter“ anspricht. Die Produktion ist zwar gut und auch die Sprecher spielen ihr Rollen gut, aber von der Story mich das erste Märchen so gar nicht abgoholt und gruselig hätte ich es auch nur als Kind empfunden, aber für Kinder ist dieses Märchen absolut nichts, weil von der inkorrekten Darstellung sehr problematisch. Muss mal schauen, wenn ich Zeit finde, werde ich auch in die restlichen Märchen dieser Folge reinhören, aber so richtig reizt es mich auch wieder nicht.

  • Ich bin bei der dritten Folge. Ist schon etwas anderes als der Wolf und die sieben Geißlein oder Schneewitchen, die ich als Kind vorgelesen bekam. Die zweite Geschichte hat mir allerdings nicht gefallen, nicht von der Machart, sondern von der Story her. Da war mir zu viel christliches Gedönse drin, obwohl ich Katholik bin. Die erste und die dritte waren aber gut.

  • Das ist wohl die erste Folge des GKs, die mich so gar nicht reizt. Aber natürlich werde ich es irgendwann mal anhören. Trotzdem finde ich es durchaus eine gute Idee auch Märchen in die Reihe einzubauen. Aber sie sollten halt wirklich rein passen.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

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