Bereicherung oder lästiges Übel: Wie sinnvoll sind DRAMATURGEN, LEKTOREN oder REDAKTIONEN bei der Hörspielproduktion?

  • Im Thread zu den Frauen in der Hörspielwelt wurde ja auch Natalie Szallies genannt, die bei Radiohörspielproduktionen ja oft, wie mir scheint, als Redakteurin oder auch Dramaturgin genannt wird. Überhaupt gibt es bei Radiohörspielen sehr oft die Instanz der Redaktion. Nun kann man sich natürlich vielleicht mit ein wenig Phantasie herleiten, was diese Leute machen, etwa beratend zur Seite stehen, bei der Stoffenentwicklung mitwirken, vielleicht auch lektorierend beim Skript einzuwirken usw., aber eine genaue Vorstellung über Umfang und Details ihrer Arbeit habe ich nicht. Und sind sie die Leute, die man zu überzeugen hat, wenn man einen Stoff umsetzen möchte? Liegt es also in ihrer "Macht", gewissermaßen eine Tür zuzuschlagen?

    Darum gebe ich die Frage einfach mal in die Runde und frage, ob jemand aus unserem erlauchten Kreis eine tiefere Einsicht hat. Vielleicht mögen ja auch Hörspielschaffende, die in diesem Bereich besondere Kenntnisse haben wie Edgar Linscheid oder Hörspielmacher wie Leonhard Koppelmann oder Bodo Traber, von denen ich hörte, dass sie durchaus hin und wieder in Foren lesen, dazu Erhellendes schreiben. (Und natürlich ist auch jeder andere Kreative aus dem Umfeld des ÖRR herzlich dazu eingeladen.)

    Und wie verhält es sich eigentlich bei kommerziellen Hörspielproduktionen? Gibt es da eine vergleichbare Instanz? Gibt es ein unabhängiges Lektorat oder eine übergeordnete (und fachkundige) Instanz, die noch einmal über die Skripte und Planungen drüberschaut, Anmerkungen macht, den Austausch sucht oder vielleicht auch mal sagt, dass etwas so nicht geht? Vielleicht mögen da ja Hörspielschaffende aus dem kommerziellen Bereich wie The Cyberdetective oder HM-Audiobooks oder Dirk Hardegen und die anderen Ohrenkneifer oder Martin Seebeck und alle anderen aus der Branche mal etwas dazu schreiben, wie sie das handhaben und ob sie eine Art Qualitätsmanagement betreiben - und wie das konkret aussieht. :)

    Und was denkt Ihr ganz persönlich als Hörspielhörer?

    Ist eine Instanz, die quasi neutral noch einmal über die Arbeit der Hörspielschaffenden drüberschaut, Anmerkungen macht, einen Beitrag zur Feinarbeit leistet, etwas, was Ihr Euch grundsätzlich in der Hörspielproduktion wünscht?

    Habt Ihr Euch vielleicht sogar schon einmal gedacht: Bei Reihe oder Serie XY würde es nicht schaden, wenn da mal ein Lektor o.ä. drübergehen würde?

    Ich bin gespannt auf Eure Antworten.

  • Hardenberg January 11, 2024 at 12:38 PM

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  • Im Thread zu den Frauen in der Hörspielwelt wurde ja auch Natalie Szallies genannt, die bei Radiohörspielproduktionen ja oft, wie mir scheint, als Redakteurin oder auch Dramaturgin genannt wird. Überhaupt gibt es bei Radiohörspielen sehr oft die Instanz der Redaktion. Nun kann man sich natürlich vielleicht mit ein wenig Phantasie herleiten, was diese Leute machen, etwa beratend zur Seite stehen, bei der Stoffenentwicklung mitwirken, vielleicht auch lektorierend beim Skript einzuwirken usw., aber eine genaue Vorstellung über Umfang und Details ihrer Arbeit habe ich nicht.

    Ganz witzig, genau das selbe habe ich mich nach dem gestrigen Hören von GREUL auch gedacht. Welche Aufgabe eine Dramaturgin genau hat! Hierzu fände ich eine Erläuterung von Linscheid gerade in Bezug auf GREUL sehr interessant!

    #danke# für den interessanten Thread Hardenberg  #top#

    Meine persönliche Einschätzung - ich denke jedes Ohr mehr das drüber hört, jedes Auge mehr das drüber schaut, ist im Grunde zu begrüßen. Aber es ist natürlich eine Geldfrage. Jemand muss das auch zahlen. Und es ist eine Zeitfrage. Jedes Ohr mehr bedeutet auch mehr zeitlichen Aufwand. Und der Hörer/Käufer muss darauf länger warten. Was sich am Ende auch negativ auf das ganze Projekt auswirken kann (aber keinesfalls muss). Von daher JA, sehr sinnvoll, es sollte sich aber alles im Rahmen halten.

    Wo ich mir das gewünscht hätte? Schwierig! Es gibt immer wieder Dinge, die mir persönlich negativ aufstoßen, aber spontan fällt mir jetzt nichts ein, wo ich mir gewünscht hätte, DA hätte man drüber schauen müssen. Einzige Ausnahme bei der HG Francis Gruselserie. Aber irgendwie bin ich auch froh drüber dass man dies nicht gemacht hat, denn gerade die vielen vielen Fehler haben dafür gesorgt dass Jahrzehnte lang Fans diese Fehler zusammen getragen und sich darüber ausgetauscht haben. Wäre es eine rund um perfekt produzierte Reihe gewesen, wäre dies wohl nicht der Fall gewesen.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Also bei Holysoft haben wir einen erfahrenen Lektror im Team, der über die Exposés und die Skripte sieht. Das ist ungemein hilfreich, um Fehler oder andere Auffälligkeiten gleich zu korrigieren.

    Ich persönlich lass auch immer einen Testleser über meine Skripte sehen.

    Das fertig bearbeitete Hörspiel hören auch immer mehrere Personen an und jeder macht seine Anmerkungen dazu.

    Ein fähiger Lektror ist für jeden Autor und jede Produktion immer ein großer Gewinn!

  • Bei Holysoft kann ich nur beipflichten. Dirk macht eine hervorragende Arbeit. Aber auch bei Contendo, Hermann oder der Romantruhe kann ich mich nicht beschweren.


    Auch beim Hörspielprojekt muß jedes Skript durchs Lektorat. Da haben wir sogar einen ganzen Stamm an Lektoren.

  • Aber auch bei Contendo, Hermann oder der Romantruhe kann ich mich nicht beschweren.

    Gibt es da denn auch einen quasi unabhängigen Lektor? Oder übernehmen das da die Label-Chefs und/oder Regisseure?

    +++

    Meines Wissens hat sich Titania Medien irgendwann eine Lektorin an Bord geholt, aber, um ehrlich zu sein, würde ich mir an ihrer Stelle schon überlegen, ob ich mich mit diesem Titel dort schmücken wollte, denn die Hörspiele, die ich da seitdem gehört habe, zeugten nicht unbedingt davon, dass es da irgendeine Instanz gibt, die befruchtend in die Skripte eingreift. Da ist eigentlich alles beim Alten geblieben bzw. eigentlich noch schlimmer geworden. (Aber da mögen die Gründe auch woanders liegen; vielleicht ist nach so vielen Folgen auch einfach die Leidenschaft weg und man betrachtet das Ganze "nur" noch als Broterwerb; da könnte dann wohl auch ein Lektor nicht mehr viel bewirken.)

  • Hardenberg Ich bin jetzt kein Spezialist, aber ist das was Du beim Gruselkabinett bekrittelst zwingend eine Aufgabe eines Lektors? Wäre hierfür nicht viel mehr ein Dramaturg notwendig? #nachdenk# Du willst ja eine lebendigere weniger auf Monologe und Dialoge Übertragung vom Buch auf Hörspiel. Oder ist dies das Aufgabengebiet eines Lektors dafür zu sorgen?

    Haben wir hier einen Lektor? Vielleicht kann er seine Aufgabe umreißen. Wäre wirklich interessant zu erfahren wonach er arbeitet. Oder gibt es ganz spezielle „Hörspiel-Lektoren“, die darauf schauen, dass es passend für ein Hörspiel gemacht wird? Im Gegensatz zu Lektoren, die für Romane und Geschriebens verantwortlich sind?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Gut, wie das jetzt speziell bei Hörspielen aussieht, vermag ich nicht zu sagen, aber zum Aufgabengebiet eines klassischen Lektors gehört nicht allein, Rechtschreibfehler zu finden und korrigieren, sondern schon auch ganz dezidiert die Arbeit am Inhaltlichen.

    In diesem Sinne habe ich die Erwähnung bei Titania verstanden. Ich glaube, da werden die Begriffe Lektorat/Dramaturgie ein Stück weit synonym verwendet. Jedenfalls habe ich es so verstanden. Ich denke allerdings, dass bei kommerziellen Produktionen das Lektorat eine reine Dienstleistung ist, während einem Dramaturgen oder einer Redaktion beim ÖRR eine deutlich herausgehobernere Stellung zukommt. Aber letztlich gehaltvoll beantworten können das nur Leute, die damit im Alltag vertraut sind. Vielleicht kommt da ja noch etwas.

    Welchen anderen Sinn sollte denn ein Lektorat sonst bei Hörspielen haben?

    Ich denke aber auch, dass es eine fragwürdige Veranstaltung ist, wenn man sich einen Freund oder Bekannten als "Lektor" ins Wohnzimmer setzt, den man dann das Skript mal probelesen lässt. Es sollte schon eine professionelle Distanz geben und auch eine gewisse Autorität des Lektors, damit sein Einsatz überhaupt etwas bewirken kann.

  • Gibt es da denn auch einen quasi unabhängigen Lektor? Oder übernehmen das da die Label-Chefs und/oder Regisseure?

    +++

    Das ist ganz unterschiedlich. Oft ist es der Produzent, mal Regisseur + Produzent und beim Hörspielprojekt haben wir eben eine Armada an Lektoren, denen man das vorlegen kann (für interne Hörspiele sogar ein Muß). Das ist ein Team von meistens fünf oder sechs Lektoren.

  • Ah, okay, danke für die Info. Wobei man dann natürlich fragen könnte, wie "versiert" ein Produzent/Regisseur in solchen Fragen ist. Hängt sicherlich vom persönlichen Hintergrund ab, könnte ich mir denken. Denn für so etwas wie Rhythmus oder Dramaturgie braucht es ja zumindest ein gewisses Gespür.

  • Werden gefühlt viele dieser aufgezählten Instanzen weniger um Geld einzusparen oder täuscht dieser subjektive Eindruck? Was meinen dazu die Labels und Autoren hier an Bord?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

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