Das Ende. Es hört für meine Ohren einfach mittendrin auf.
HÖRSPIELKOLUMNE "GEDANKEN EINES HÖRSPIELFANS 3/2023" - Die liebe „inhaltliche Diskussion“
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Aber alle diese Statements zeigen letztlich nur dass an einem „gemeinsamen“ inhaltlichen Austausch kein Interesse besteht obwohl dies häufig gewünscht wird. Was das Tempo des Hörens beim Hörspiel unter der Lupe betrifft, können wir gerne auch alle anderen Spielformen versuchen! Es ist für mich kein Problem zwischen den Folgen zu warten wenn die Mehrheit lieber auf größeren Etappen hören möchte. Was mich nur wundert, weil sich ja sehr viele lieber Boxen und Staffeln wünschen um alles in einem Rutsch zu hören. Hier war im Grunde Cliffhanger Tales perfekt geeignet. 15 Minuten Hörspiel pro Woche. Aus meiner Sicht leicht möglich, aber am Ende hat doch auch wieder (fast) niemand mitgemacht. Fast alle schrieben sie wollen lieben in einem Durch hören. Beil HudL hat dann aber später auch niemand mitgemacht.
Dass kein Interesse besteht, würde ich so nicht sagen, nur eben nicht zu den Bedingungen, die hier vielleicht früher einmal funktioniert haben. Die Zeiten mögen sich für viele einfach geändert haben, so dass es einfach im Alltag so nicht mehr umsetzbar ist - ob man nun will oder nicht.
Ich glaube, grundsätzlich ist das Interesse schon noch da. Aber es muss eben neben der Zeitfrage auch das Inhaltliche stimmen. Und gerade so etwas wie die Cliffhanger Tales fand ich persönlich nun nicht so diskussionswürdig.
Ich denke auch, selbst wenn die Folgen einer Serie heute zeitversetzt erscheinen, dass es nicht mehr zu denselben Konsequenzen führt wie früher, etwa bei Gabriel Burns, als die Wartezeit mit Spekulieren usw. gefüllt wurde. Heute gibt es in der Zwischenzeit genügend anderes, was man hören kann.
Und ich finde halt auch, dass es gar nicht mehr so viel Diskussionswürdiges überhaupt gibt. Selbst bei so Sachen wie dem Caiman Club, den ich ja wirklich liebe, habe ich wenig Diskussionsbedarf. Klar finde ich es spannend, Hör-Eindrücke zu lesen. Aber zu diskutieren gibt's da doch eigentlich nicht so viel. Insofern ist es auch immer die Frage, auf was man aus ist - was man sich wünscht.
Ich würde mir gern häufiger mal gehaltvolle Hör-Eindrücke zu Hörspielen wünschen. Ob nun zu einer ganzen Serie oder einer Reihen-Episode, ganz egal.
Und wenn es mal eine Serie gibt, die das hergibt, beteilige ich mich auch gern an einem Austausch.
Aber mir scheint beim HUDL sehr wesentlich auch das gemeinsame, also das zeitgleiche, parallele Hören zu sein, und das ist jetzt oft nicht so sehr mein Bedürfnis, weil ich oft nicht vorherzusagen weiß, wie viel Zeit und innere Offenheit mir gerade bleibt. Da würde es mich eher ein wenig stressen, mich auf eine solche Absprache einzulassen, weil ich dann nicht weiß, ob ich das auch einhalten kann.
Also kurzum: Ich denke, das grundsätzliche Interesse ist schon noch da, aber vielleicht sollte man die Bedingungen und die Erwartungshaltungen anpassen.

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Die Frage lautet dann aber welche Bedingungen und welche Erwartungshaltung? Ich würde mir halt wünschen dass jede/r ein wenig Abstriche macht und dabei nicht nur eigene Forderungen stellt wie zu was und wann die nächste Runde startet. Denn wenn jede/r nur unter ganz bestimmten, seinen, Bedingungen diskutieren möchte, dann wird das wohl nie mehr wieder etwas werden.
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Ich denke, wir drehen uns ein bisschen im Kreis, weil es nach meinem Empfinden eben weniger eine Frage des Wollens ist, wie Du insinuierst, sondern hauptsächlich des (zeitlich) Machbaren.
Da steckt nach meiner Einschätzung weder böser Wille noch Egoismus dahinter.

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Ich denke, wir drehen uns ein bisschen im Kreis, weil es nach meinem Empfinden eben weniger eine Frage des Wollens ist, wie Du insinuierst, sondern hauptsächlich des (zeitlich) Machbaren.
Da steckt nach meiner Einschätzung weder böser Wille noch Egoismus dahinter.

Danke, ähnliche Gedanken hatte ich auch.

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Du hast recht mit dem im Kreis drehen. Leider. Es würde mich nur wirklich interessieren unter welchen Bedingungen eine von vielen geforderte inhaltliche Diskussion in etwas größerem Kreis als die beiden letzten „Hörspiel unter der Lupe“-Aktionen möglich wären. Bis jetzt wissen wir nur unter welchen Bedingungen es NICHT funktioniert. Daher mein Appell und meine Bitte sich hier für alle wirklich Interessierten Gedanken darüber zu machen. Da lasse ich nicht locker

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Kann nicht schlafen. Statt Doomscrolling lieber ein Gedanke hier.
Gibt es denn im Hörspielhören das positiv Unerwartete? Also: man hat sich auf was eingestellt, was man hören will, und dann kommt im Hörspiel unerwartet aber nicht unlogisch etwas, das einen zum Innehalten und Nachdenken bringt, das inhaltlich in eine ganz andere Richtung geht.
Ein Beispiel aus einem Film: „Im Winter ein Jahr” von 2008 erzählt den Prozess einer Trauerverarbeitung am Beispiel der 20jährigen Lilli. Im letzten Viertel stößt das sowohl bei ihrer Mutter wie bei dem Maler eigene Prozesse los und deckt Themen auf, die vorher nicht auf dem Tisch lagen.
Ich fand das großartig, aber es ist nicht häufig zu finden. SOWAS ist etwas, über das ich gerne in den Austausch gehe. Weil NICHT SCHON ERWARTET.Könnte das ein Grund sein? Einerseits (zu) viel Medienerfahrung der Hörer und andererseits zu berechenbare Stories?
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Beides trifft sicher zu, hauptsächlich aber wohl Punkt 2, denke ich. Es gibt einfach nicht genügend Stoffe, die eines echten inhaltlichen Austauschs würdig wären, also jetzt mal abgesehen vom üblichen : "Gehört und für gut befunden" - "+1" - "+1"
Ein solcher Austausch wird ja im Grunde erst dann motiviert, wenn die Geschichte Spielraum bietet, Unerzähltes bzw. Unerwähntes spekulativ zu ergänzen. Und das geht überhaupt nur dann, wenn eine Geschichte eine gewisse Tiefe aufweist. Womit doch eine Vielzahl kommerzieller Produktionen schon raus sind, wie ich denke.
Selbst Hörspiele mit komplexerer oder tiefgründigerer Geschichte werden ja meist erschöpfend auserzählt. Worüber sollte ich mich da endlos austauschen? Hat es einen Mehrwert für mich, wenn ich zB bekunde, warum ein Hörspiel wie Caiman Club mich zwischenzeitlich glücklich gemacht hat, und andere mir dann darin zustimmen oder in langen Absätzen darlegen, dass sie keinen Zugang dazu gefunden haben? Nö.
Ich fänd's schön, wenn es auch mal ein Hörspiel gäbe, das man sich auf verschiedene Weisen inhaltlich erschließen könnte, einfach weil es bewusst Leerstellen lässt, die vom Rezipienten ergänzt werden müssen, aber so etwas würde wohl bei den meisten Hörern hier wenig Anklang finden. Ich denke, die meisten Hörer in Foren wollen straighte, berechenbare, gut konsumierbare und darum nicht allzu komplizierte Geschichten. Und da jeder Produzent auf "Masse" schielt (oder das, was im Bereich Hörspiel als Masse bezeichnet werden kann), werden solche Stoffe kaum eine Chance haben.
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Ein solcher Austausch wird ja im Grunde erst dann motiviert, wenn die Geschichte Spielraum bietet, Unerzähltes bzw. Unerwähntes spekulativ zu ergänzen. Und das geht überhaupt nur dann, wenn eine Geschichte eine gewisse Tiefe aufweist.
Ein Wort: Amadeus.
Was wäre das geworden, wenn es einen vernünftigen Veröffentlichungsrhythmus gegeben hätte und den Produzenten nicht das Geld ausgegangen wäre.
Ansonsten ist es halt schon das Problem, dass fast alle Autoren nur nach Schema F liefern können und nicht die Qualität haben, um eine Geschichte wie von Dir angedacht, umzusetzen. Da scheitert es ja eh schon an den Basics in Sachen Komplexität und Figurenzeichnung.
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Und das geht überhaupt nur dann, wenn eine Geschichte eine gewisse Tiefe aufweist. Womit doch eine Vielzahl kommerzieller Produktionen schon raus sind, wie ich denke.
Das mag vielleicht heute sein. Heute muss alles über drüber sein um sich die Zeit dafür zu nehmen sich intensiv damit zu beschäftigen. Wenn ich darüber nachdenke wie intensiv wir uns früher in der Anfangszeit der Foren mit Hörspielen wie der Gruselserie oder TSB Sinclair beschäftigt und auseinander gesetzt haben. Was wir da gemeinsam für Dinge bei der Gruselserie entdeckt haben, so eine intensive Auseinandersetzung wäre heute gar nicht möglich. Leider. Wir sind dazu alle schon ein wenig zu abgestumpft, abgehoben oder haben unsere eigene kindliche intrinsische Motivation verloren. Leider. Es brauchte damals keine literarische Tiefe eines Fausts um sich Tage lang damit zu befassen. Die Reizüberflutung hat in den letzten Jahren sicherlich das Ihrige dazu beigetragen.
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Mir fällt öfters auf, dass Du von "uns" schreibst, wenn Du Deinen Standpunkt beschreibst. Ich denke, jeder kann eine andere, eine eigene Sicht auf die Dinge haben und die kann man dann ja formulieren. Bis dahin vertreten wir hier alle aber ausschließlich Einzelmeinungen. = )
Außerdem halte ich es weder für einen Ausdruck von Abgestumpft-Sein noch von Abgehobenheit, wenn man heute nicht mehr dieselben Diskussionen führt wie vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren. Das kann nämlich einfach auch daran liegen, dass Menschen älter werden, sich weiterentwickeln, andere Dinge im Leben wichtiger werden oder einfach: dass die grundlegenden Fragen zu bestimmten Themen in früheren Jahren bereits erschöpfend abgefrühstückt worden sind. In Foren wird ja gern zyklisch das Immergleiche durchgekaut (zumindest unter anderem), was völlig okay ist, denn erlaubt ist bekanntlich, was beliebt, aber dass einzelne bei der neunundvierzigsten Wiederholung derselben Schleife nicht mehr so motiviert sind, sich zu beteiligen, liegt für mich in der Natur der Sache.
Und nicht jeder möchte eben mit noch derselben Haltung wie als Kind auf moderne Hörspiele blicken. Ich habe ganz wunderbar nostalgische Erinnerungen an meine Kassettenkinderzeit, aber heute bin ich erwachsen, und meine Erwartung an ein Hörspiel ist mitgereift. So wie ich früher Stoffe hören wollte, die meiner damaligen emotionalen und intellektuellen Situation als Kind entsprachen (und sie zB in den drei ??? fand), so verlangt es mich heute eben nach Stoffen, die meinem gereiften Ich etwas zu geben vermögen und mit ihm in einen Austausch treten. Wer gern sein inneres Kind in den Mittelpunkt seiner Hörspielleidenschaft stellen will, kann das gern tun. Das ist völlig legitim. Aber wer das nicht möchte, darf das ebenfalls praktizieren. Und ein Hörspielforum schafft es im besten Fall, alle diese verschiedenen Hintergründe und Bedürfnislagen unter einem Dach zu versammeln. Wo dies nicht gelingt, wird's halt über kurz oder lang einsam.
Und darum finde ich auch diese Bespöttelung von inhaltlicher Tiefe nicht angemessen. Das liest man hier durchaus häufiger. Ich nehme niemandem seine Freude an Groschengrusel-Dramaturgie, aber mir persönlich gibt das halt nichts, vor allem keinen Grund zu einem tieferen Austausch, und man muss deshalb sicher keinen Faust bemühen, wenn man sich Geschichten wünscht, die einen als Hörer inhaltlich wenigstens ein bisschen fordern. Das ist halt einfach ein anderes, aber ebenso legitimes Bedürfnis, das man nicht als Abgehobenheit abwerten muss, nur weil man es selbst nicht teilt. Mal abgesehen davon, ziehe ich Shakespeare Goethe ausdrücklich vor.

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Du missverstehst. Ich wünsche mir wie Du mehr inhaltliche Auseinandersetzung mit Hörspielen. Und zwar jene Begeisterung sich mit Hörspielinhalten auseinander zu setzen, wie wir es früher getan haben. Da sind wir uns ja einig
Und Ja Chris solche Hörspielperlen wie Amadeus gibt es halt nur alle heilige Zeiten. Auch hier habe ich versucht inhaltliche Diskussionen anzustoßen. Mit mäßigen Erfolg. -
Dann habe ich es wohl in der Tat missverstandrn; las sich für mich anders. Nichts für ungut.

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Da es anderswo wieder aufkam, kann's ja auch hier fortgesetzt werden.
Da mMn auch gerne mißverstanden wird, was eine "inhaltlich kontroverse Diskussion" bei einem Hörspiel ist, hier mein Standpunkt nochmal an einer Stelle zusammengefasst:
Inhaltlich kontrovers diskutieren geht mMn nur dann, wenn der Stoff das auch anbietet. Das heißt, das, was "richtig" oder "falsch" ist, sollte nicht schon so deutlich von der schreibenden Instanz vorgegeben sein, dass es eigentlich nur "eine richtige Meinung" dazu gibt. Ein Hörspiel kontrovers zu diskutieren, in dem es darum geht, dass ein Ermittlerteam einem Serienkiller auf den Fersen ist, der sich meinetwegen nachher als der beste Freund der Helden herausstellt, aber der dann hinter Gitter oder auf dem elektrischen Stuhl landet, ist schwierig. Wie soll man denn einen anderen Standpunkt einnehmen als den von Recht und Gesetz?
Wenn der Stoff es schwieriger macht, wird es interessanter. Wenn die Ermordeten alle Kinderschänder waren und der Killer zwei seiner Töchter an solche Leute verloren hatte, die alle nie Gerechtigkeit fanden, wird es vielschichtiger. Wenn es zudem eine "Epstein-Liste" gab, aber die nicht veröffentlicht werden darf, weil das Land gerade Krieg führt und der Premierminister mit in der Kinderschänderei drin steckt, der aber nicht abgelöst werden soll, weil sonst das Land vielleicht den Krieg verliert -- und deswegen der Killer schnell abgeurteilt und ohne Untersuchung seiner Beweggründe getötet wird, *dann* wird es interessant.
Dann darf man nämlich über Selbstjustiz diskutieren, über "höhere Instanzen" und deren Wohl gegenüber dem Gefühl der Gerechtigkeit von Einzelnen. Dann gibt es nämlich mehrere Standpunkte, die alle was "richtig" und was "falsch" haben.
Aber dann muss man eben auch auf Zwischentöne hören *wollen*. Will man das nicht, dann ist so ein Hörspiel eben "unverdaulich", weil es einen mit einem vage komischen unbefriedigten Gefühl zurücklässt.
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Ich mag an inhaltlichen Diskussionen wenn Szenen oder Handlungen mehrere Interpretationsmöglichkeiten zulassen und man gemeinsam diese herausfinden und erörtern muss, wie dies bei Amadeus oder bei Monster 1983 letzte Szene Staffel 1 der Fall ist.
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