Was ist ein Hörspielmacher - Künstler oder Dienstleister?

  • Ich möchte mal eine Frage in den Raum werfen, die auf den ersten Blick vielleicht etwas ketzerisch und provokant klingt, aber durchaus als interessegeleitete Fragestellung zu verstehen ist.

    Auf dem Hörspielmarkt, inkl. Rundfunk, tummel(te)n sich viele verschiedene Macher-Persönlichkeiten, von Heikedine Körting über Walter Adler sowie Sassenberg und Döring bis zu Piasecki oder David Holy, viele mehr wären zu nennen. Sie alle machen auf unterschiedliche Weise Hörspiele, manche sind Allrounder, die im Grunde eine Art Mastermind hinter einem Hörspiel darstellen, andere arbeiten im Team mit anderen, die ihnen zuarbeiten, Skriptautoren etwa wie Albrodt oder Francis usw.

    Was würdet Ihr nun sagen, wie ihre Arbeit einzusortieren ist? Kommen sie eher einem Handwerker gleich, der bedürfnisorientiert solide Werkstücke für die breite Masse produziert? Oder eher dem Künstler, der zunächst auf das schaut, was in ihm selbst seinen Ausdruck finden will und der sich dann müht, ein Werk zu erschaffen, das sich abhebt und im Grunde für sich allein stehen will - und hofft, damit auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein?

    Es fällt auf, dass es einige Macher-Persönlichkeiten gibt, deren Wirkungsfeld sehr weit gestreut ist: Werden bei denen die jeweiligen Hörspiele also eher "abgearbeitet" wie Auftragsarbeiten, beinahe in einem 9to5-Job? Oder was ist mit all den Skriptautoren, die für verschiedene Serien und Reihen beinahe in Masse produzieren? Sind das noch oder auch Künstler - oder in erster Linie Dienstleister?

    Wobei ich an dieser Stelle betonen möchte: "Dienstleister" ist ja keine Beleidigung. Dieser Befriff geht halt nur von einer völlig anders gelagerten Grundmotivation aus. Und vielleicht sollte da dann auch der Blick des Hörers ein anderer sein.

    Sicher wird eine Abgrenzung im einzelnen Fall nicht immer leicht sein, aber vielleicht gibt es hier und da Hinweise darauf, ob das Pendel im jeweiligen Fall mehr in die eine oder andere Richtung schwingt.

    Wie seht Ihr das?
    Ist eine solche Einteilung per se unnötig und irreführend? Oder kann man da schon differenzieren?

    Oder gibt es keinerlei Unterschiede in der Herangehensweise etwa von Heikedine Körting im Vergleich zu Volker Sassenberg oder Oliver Döring, von Ivar Leon Menger oder Balthasar von Weymarn zu Christoph Piasecki oder Patrick Holtheuer, von Carsten Hermann oder Marco Göllner zu den Ohrenkneifern oder Kummer & Linscheid bzw. Bodo Traber, von Sebastian Weber oder Andreas Masuth zu Marc Freund oder Markus Topf usw.?

    Alles eins? Oder doch verschiedene Abstufungen? Oder gar zwei scharf abgrenzbare Welten?

    Wer darf in Euren Augen als veritabler Hörspielkünstler gelten? Und was macht ihn dazu?

    Und wer ist für Euch eher ein Dienstleister, dem nichts über den beglückten Kunden (und evtl. den kommerziellen Erfolg) geht?

    Und wie ist die Sicht der hier aktiven Hörspielmacher auf sich selbst in ihrem Wirken? Gibt es da den künstlerischen Anspruch oder sieht man sich als Unterhaltungs-Dienstleister?

    Das würde mich doch sehr interessieren. :)

  • Für mich ist das Label der „Dienstleister“, die Hörspielproduzenten oder „Macher“ würde ich definitiv als „Künstler“ betrachten. Dabei ist es für mich egal, ob eigene oder Auftragsarbeiten durchgeführt werden. Sie färben die Hörspiele mit ihren persönlichen Stil, ähnlich einem Zeichner bei einem Bild. Bei einem kleinen Verlag kann natürlich der Hörspielmacher auch Künstler und Dienstleister in einem sein.

  • Wobei ich gerade merke, dass es natürlich auch auf die Definition des Wortes Künstler ankommt. Man kann diesen Begriff sehr weit fassen, dann ist jeder, der im weitesten Sinne auf künstlerischem Gebiet schaffend ist, ein Künstler. Oder man "qualifiziert" diesen Begriff zusätzlich, dann gibt es da sicher Unterscheidungskriterien.

    Oder wollte man ernstlich den Regisseur von Folge 3267 der Serie Gute Zeiten, schlechte Zeiten auf einem Niveau mit jemandem wie Francis Ford Coppola stellen oder Shakespeare auf die eines x-beliebigen Bergdoktor-Autoren? Sind jetzt plakative Beispiele, aber Ihr wisst sicher, wie ich es meine.

    Das ist natürlich nicht dieselbe Art Kunst, auch wenn beide ihre Daseinsberechtigung haben. So etwas wie GZSZ oder Heftroman sind dann eher Dienstleistungskunst, perfekt zugeschnitten auf die Zielgruppe, während bei den anderen Kunstbeispielen ein anderer (zusätzlicher) Anspruch besteht und auch ein anderer Aufwand betrieben wird. Ist sicher beides in gewissem Sinne Kunst, aber eben dennoch nicht derselben Kategorie.

    Wie seht Ihr das?

    (Schade, dass @'Fader' nicht mehr von sich lesen lässt. Er hatte zu solchen Themen oft sehr interessante und bereichernde Gedanken.)

    Edited once, last by Hardenberg (October 16, 2022 at 6:56 PM).

  • Wenn es für Euch und für @Hardenberg im Speziellen in Ordnung geht, würde ich diesen thread in den thread Ist Hörspiel machen eine Kunstform? Einverleiben, weil es praktisch das selbe Thema beinhaltet und diskutiert wird und wir bereits einige sehr interessante Aussagen dazu haben #jaja#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Grundsätzlich würde mich das natürlich gar nicht stören. Ich denke nur, der inhaltliche Schwerpunkt ist bei meiner Fragestellung schon ein anderer: Im älteren Thread ist die Frage, ob Hörspiele überhaupt generell Kunst sind. Darauf ziele ich ja überhaupt nicht ab.

    Ich frage dagegen, ob es bei den HörspielMACHERN solche gibt, die Künstler sind, und von reinen Dienstleistern am Markt zu unterscheiden sind.

    Ich denke, im anderen Thread würde speziell diese feine Unterscheidung in der Fragestellung komplett untergehen.

    Ob grundsätzlich Hörspiele Kunst sind, ist für mich, ehrlich gesagt, keine Frage.


    Aber mach, wie Du denkst. :)

  • Dann belasse ich es so und werde einfach manche passenden Antworten aus dem thread hier zitieren. #jaja#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Denke die Frage ist nicht einfach zu beantworten, aber ich meine das ein reiner Regisseur wie Frau Körting, die keine Scripts schreibt etc. nicht unbedingt ein Künstler sein muss. Da geht es meiner Meinung eher drum Menschen/Sprecher zu führen, was auch nicht einfach ist, aber ich würde es nicht als Künstler bezeichnen.

  • Wer von der Künstlersozialkasse anerkannt ist, der ist ein Künstler. Daneben gibt es natürlich auch Angestellte, die künstlerisch tätig sind. Und ganz andere, die nebenberuflich künstlerisch tätig sind.

    Die Qualität der Arbeit spielt hier meiner Ansicht nach keinerlei Rolle.

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

  • Ascan von Bargen hat zur Frage „Künstler oder Handwerker“ einen sehr schönen Beitrag geschrieben. Er zeigt auch, dass der beste Hörspielmacher nicht immer Künstler sein kann. Die Muse küsst einem nicht immer, mal sind die zu zahlenden Rechnungen wichtiger und man muss „produzieren“ oder es fehlt einfach die „Tagesform“.

    Ich denke mal, dass jeder Hörspielmacher ein Künstler ist, weil auch das Hörspiel-Machen eine Kunstform ist. Natürlich ist jeder Hörspielmacher „anders“. Jeder legt auf andere Dinge wert. Und in jedem steckt neben dem Künstler, der er für mich defakto ist auch ein Handwerker und Dienstleister. Weil auch das Fähigkeiten sind, die man beherrschen muss. Und ich denke dass es auch wichtig ist dass sich jeder Hörspielmacher dem bewusst sein sollte.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Hardenberg Statt „Dienstleistungskunst“ könnte man aber auch sagen, dass auch Künstler manchmal Geld zum Leben benötigen.

    Was ja niemand in Abrede stellt. Aber es mag halt einen Unterschied machen, ob ich ein Hörspiel produziere, einzig um es zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Oder ein Hörspiel, mit dem ich auch andere (künstlerische) Ambitionen verwirklichen möchte und bei dem ich mir dann wünsche, dass es auch entsprechend Anklang bei den Hörern findet.


    Wer von der Künstlersozialkasse anerkannt ist, der ist ein Künstler. Daneben gibt es natürlich auch Angestellte, die künstlerisch tätig sind. Und ganz andere, die nebenberuflich künstlerisch tätig sind.

    Die Qualität der Arbeit spielt hier meiner Ansicht nach keinerlei Rolle.

    Also gibt es für Dich keinerlei Unterschied etwa zwischen Stanley Kubrick und dem Regisseur von Kommissar Rex, Folge 735.

    Okay, damit erübrigt sich eine Diskussion zum Thema dann tatsächlich. ;)

  • @Hardenberg Es gibt halt mehrere Sichtweisen. Der Konsument definiert den Begriff „Künstler“ sicherlich noch mal ganz anders. Wobei es selbst unter den Konsumenten ganz unterschiedliche Auffassungen gibt, was als Kunst und wer als Künstler durchgeht.
    Wie ordnest du ein Regisseur ein, der aus einer banalen Fernsehserie eine Folge künstlerisch färbt. Darf er sich trotzdem Künstler nennen, auch wenn es halt nur eine einfache TV Serien ist? Was ist mit Künstlern, die nicht so erfolgreich sind und es nicht zu großen Serien oder Filmen schaffen? Wer darf sich denn Deiner Meinung Künstler schimpfen? Was ist überhaupt „Kunst“? Wo ist dies festgelegt?

  • Das gerade soll ja die Frage sein.
    Ich formuliere ja keine festen Grundsätze, sondern werfe schlicht Fragen auf. Wenn man sich darauf nicht einlassen möchte, kommt da natürlich kein fruchtbarer Austausch drüber zustande. Dann ist das ein reines Gegeneinander-Posten und im Grunde Selbstgespräch.
    Das lag mir allerdings nicht im Sinn.

    Mich interessiert zunächst einmal, wie es jeder für sich betrachtet, um dann in einen Austausch oder Abgleich, vielleicht auch in eine Abstimmung darüber zu treten.

    Und es gab ja auch schon ein paar interessante Einschätzungen dazu.

    Ich denke, die meisten werden durchaus Unterschiede sehen bei einzelnen Machern. Und nicht alles über einen Kamm scheren. Da würde mich halt der persönliche Eindruck interessieren. Oder gibt es Leute, die grundsätzlich keinen Unterschied sehen zwischen einer Minninger-Gruselfolge und dem neusten Döring-Werk, was Aufwand, Anspruch, Skriptqualität und Umsetzung angeht. Oder zwischen einer Reihe wie dem Inselkrimi oder einer Serie wie GRËUL oder Caiman Club. Beispiele kann man ja beliebig nennen.

    Und klar gibt es nicht "die" Kunst. Ich hätte es spannend gefunden, da im Austausch zu einer Definition mit Abstufungen zu finden, die den unterschiedlichen Hörspielmachern gerecht wird.

    Und es geht natürlich auch nicht darum, innerhalb eines solchen Austauschs einer Serie oder einem Macher die Berechtigung abzusprechen. Ich dachte aber auch eigentlich, das sich das von selbst versteht. ;)

    Klar ist es schwer, feste Grenzen zu ziehen. Aber manchmal kann es interessant sein, diese im Austausch auszuloten. Aber dazu muss man natürlich Lust haben.

    Ich konstatiere für mich also, dass eine solche Fragestellung hier im Moment nicht auf großes Interesse stößt. Nicht schlimm. :) Ist vielleicht auch einfach zu "verkopft".

    Vermutlich hätte ich mich mit AvB darüber sehr gehaltvoll austauschen können. Mich interessiert das Thema nämlich durchaus. Und zwar grundsätzlich ergebnisoffen und nicht mit vorgefertigtem Denkkonzept oder als reine Schwarzweiß-Lager-Diskussion. So etwas finde ich nämlich eher mühsam.

    Ich denke, damit kann dieser Thread tatsächlich in den alten integriert werden, @Markus G. :)

  • Also gibt es für Dich keinerlei Unterschied etwa zwischen Stanley Kubrick und dem Regisseur von Kommissar Rex, Folge 735.

    Okay, damit erübrigt sich eine Diskussion zum Thema dann tatsächlich.

    Das ist tatäschlich so! Sind beides hauptberufliche Regisseure, Kubrick hat aber aus naheliegenden Gründen keinen Zugang zur deutschen KSK, das ist der einzige Unterschied :D

    Ich finde nicht, dass da irgendwelche Abstufungen zulässig sind.

    Dass ich persönlich Stanley Kubrick zu den zehn großartigsten Regisseuren aller Zeiten zähle, das ist mein Privatvergnügen und meine Privatmeinung.

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

  • Wo ist dies festgelegt?

    Das ist einfach, im Künstlersozialversicherungsgesetz. Und aus guten und bewährten Gründen sind vor dem Gesetz alle gleich, der Autor von Perry Rhodan Folge 3184 wie auch Nobelpreisträger Peter Handke.

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

  • @Chris

    Na, das ist zumindest mal ein relativ klarer Standpunkt. ;)
    Danke dafür.

    Deine Definition lässt, wie mir scheint, den qualitativen Aspekt völlig außenvor und sieht den Künstler eher rein formal als "Schaffenden" - ganz gleich, aus welchen Motiven und wie gut. Korrekt?

    Für Dich ist es darum nicht von Belang, ob die jeweilige Kunst erschaffen wird, weil sie aus einem dienstleistenden Motiv erfolgt, also etwa zugeschnitten auf das Interesse der anvisierten Kunden und somit einzig um damit Geld zu verdienen, oder ob sich, übertrieben ausgedrückt, eine gequälte Künstlerseele ein Werk abringt, in dem sich ein Abbild der/seiner Welt wiederfindet, die Nachhall im Rezipienten auszulösen vermag?

    Aber wenn in diesem Sinne alles Kunst ist, was Hörspiel erschafft, wird es doch sicher auch bei Dir Differenzierungen geben. Wie sehen die aus? Denn ich nehme nicht an, dass Du den Rex-Regisseur und Kubrick, obwohl beides Künstler, als ebenbürtig betrachtest...

    Gibt es für Dich verschiedene Arten von Künstlern - etwa eine Art Dienstleistungs-Künstler neben anderen?

  • Quote

    Was würdet Ihr nun sagen, wie ihre Arbeit einzusortieren ist? Kommen sie eher einem Handwerker gleich, der bedürfnisorientiert solide Werkstücke für die breite Masse produziert? Oder eher dem Künstler, der zunächst auf das schaut, was in ihm selbst seinen Ausdruck finden will und der sich dann müht, ein Werk zu erschaffen, das sich abhebt und im Grunde für sich allein stehen will - und hofft, damit auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein?

    Wie schon geschrieben, sehe ich beides in einem Hörspielmacher vertreten. Er ist Künstler auf der einen Seite und Dienstleister auf der anderen Seite. Er muss beides im Griff haben. Ich sehe da zwischen beiden Richtungen keinen großen Gegensatz. Jeder hat unterschiedliche Talente, die er versucht in sein Hörspiel einzubringen. Jeder setzt unterschiedliche Schwerpunkte. Und jeder hat natürlich auch unterschiedliche Fähigkeiten. Entsprechend klingt ein Hörspiel von Döring anders als von Stricker. Beide sind für mich Künstler. Beide verstehen ihr Handwerk. Beide sind Dienstleister, weil sie teilweise Auftragsarbeiten verrichten und auch versuchen so viele Menschen wie möglich für ihre Hörspiele zu begeistern.

    Quote

    Es fällt auf, dass es einige Macher-Persönlichkeiten gibt, deren Wirkungsfeld sehr weit gestreut ist: Werden bei denen die jeweiligen Hörspiele also eher "abgearbeitet" wie Auftragsarbeiten, beinahe in einem 9to5-Job? Oder was ist mit all den Skriptautoren, die für verschiedene Serien und Reihen beinahe in Masse produzieren? Sind das noch oder auch Künstler - oder in erster Linie Dienstleister?

    Ich denke mal, dass bei jeder Arbeit, der man nachgeht, sich in manchen Bereichen gewisse Routine einstellt. Und ich denke mir, dass je mehr Arbeiten man annimmt, desto mehr wird die Aufgabe zu einer Fließband Arbeit werden. Klar kann dies sich zu einem gewissen Teil negativ auf die Qualität auswirken. Geht uns ja allen so. Je mehr Trainings ich am Tag abhalte, desto mehr schleichen sich solche Routinen ein, desto müder werde ich, desto anstrengender wird es für meinen Körper und meinen Kopf. Da geht dann eine gewisse Trainingsqualität verloren. Wobei eine Grundqualität bestehen bleibt. Oder wir Hörspielfans, wenn wir viele Hörspiele am Stück hören, kann es auch passieren, dass unsere Konzentration darunter leidet, wir nicht alles verstehen oder und manches entgeht. Wir sind trotzdem Hörspielfans. So wie ein Hörspielmacher mit vielen Aufgaben trotzdem in meinen Augen ein Künstler bleibt, der aber auch Dienstleistungen zu verrichten hat. Und wie @Hardenberg richtig schreibt - Mal schlägt das Pendel vielleicht etwas mehr in die eine oder andere Richtung. Aber trotz allem bleibt ein Hörspielmacher für mich ein Künstler.

    Quote

    Wie seht Ihr das?Ist eine solche Einteilung per se unnötig und irreführend? Oder kann man da schon differenzieren?

    Ich finde Einteilungen durchaus spannend und zumindest für eine Diskussion sehr reizvoll. Die Gefahr besteht halt Hörspielmacher schnell in Schubladen zu stecken, die negativ behaftet sind. Stichwort Diva versus Arbeiter. Diese Extremfälle gibt es ja in Wahrheit nicht, das Spektrum Hörspielmacher bietet viele viele Grauschattierungen.

    Quote

    Oder gibt es keinerlei Unterschiede in der Herangehensweise etwa von Heikedine Körting im Vergleich zu Volker Sassenberg oder Oliver Döring, von Ivar Leon Menger oder Balthasar von Weymarn zu Christoph Piasecki oder Patrick Holtheuer, von Carsten Hermann oder Marco Göllner zu den Ohrenkneifern oder Kummer & Linscheid bzw. Bodo Traber, von Sebastian Weber oder Andreas Masuth zu Marc Freund oder Markus Topf usw.?

    Die Unterschiede sind klar vorhanden und auch hörbar. Wertfrei. Trotzdem betätigen sich alle Herren künstlerisch. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Sowohl was Fähigkeiten, Talent als auch Ressourcen betrifft. Alleine was die finanziellen Möglichkeiten betrifft, gibt es da teilweise Welten. Klar muss man dann entsprechend auch anders heran gehen.

    Quote

    Wer darf in Euren Augen als veritabler Hörspielkünstler gelten? Und was macht ihn dazu?

    Ich muss zugeben, dass ich mit dem Begriff „veritabler Hörspielkünstler“ nicht viel anfangen kann. Da poppt überhaupt kein Bild in mir hoch. Von daher habe ich niemanden auf den dieser Begriff zutrifft. Auch nicht auf jene Hörspielmacher, die ich sehr schätze.

    Quote

    Und wer ist für Euch eher ein Dienstleister, dem nichts über den beglückten Kunden (und evtl. den kommerziellen Erfolg) geht?

    Auch hier enthalte ich mich eher der Stimme. Natürlich könnte ich jetzt jene Labels nennen, die in den letzten 2 Jahren zigfach Hörspiele und Hörspielserien und Hörspielfolgen rausgeballert haben. CONTENDO, MARITIM & HERMANN MEDIA. Aber für mich (!) sind auch hier Menschen am Werk, die künstlerisch tätig sind und dabei Dienstleistungen zu verrichten haben.

    Quote

    Und wie ist die Sicht der hier aktiven Hörspielmacher auf sich selbst in ihrem Wirken? Gibt es da den künstlerischen Anspruch oder sieht man sich als Unterhaltungs-Dienstleister?

    Gute Frage! Wäre interessant wie sie sich selbst einschätzen und einstufen #jaja#

    Ich lasse mal den thread separat und werde zu einem späteren Zeitpunkt, dann die beiden threads zusammenfügen.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Quote

    Denn ich nehme nicht an, dass Du den Rex-Regisseur und Kubrick, obwohl beides Künstler, als ebenbürtig betrachtest...

    Es ist schwierig einen amerikanischen Hollywood-Regisseur mit einem österreichischen Journalist und Drehbuchautor zu vergleichen. Ich wage es einmal zu behaupten, dass weder Kubrick in der Lage gewesen wäre eine solche Serie wie Kommissar Rex auszudenken, konzipieren und produzieren, wie auch Peter Hajek wohl kaum 2001 machen hätte können. Jeder muss sich nun mal innerhalb seiner „Wände“ bewegen. Für beide wäre es komplettes Neuland gewesen und beide hätten sicherlich den jeweils anderen nicht übertrumpfen können. Da ist ein Vergleich schon sehr schwierig. Beides sind aber Künstler, die ihre Anhänger gefunden haben.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Das Beispiel war willkürlich, @Markus G., ich wollte einfach einen Stoff benennen, der ganz offensichtlich nicht viel mehr will als zu unterhalten. ;)

    Ich wollte da natürlich niemandem zu nahe treten und wusste auch gar nicht, dass dafür ein Österreicher verantwortlich ist. ;)

    Aber okay, ich verstehe den Punkt. Ich kann nachvollziehen, dass der Versuch, nach Künstler und Dienstleister zu unterscheiden, nicht sinnvoll ist. Ich würde darum davon jetzt auch Abstand nehmen. Für mich ist zwar jemand wie Sebastian Pobot ein reiner Dienstleister, aber die einzelnen Glieder, aus denen eine Produktion aus seinem Hause besteht, sind in einem künstlerischen Prozess entstanden, ganz gleich auf welchem Level man das als Betrachter dann einordnet.
    Und genauso mag es Autoren und Regisseure geben, die handwerklich saubere Werkstücke abarbeiten wie in einem alltäglichen 9to5-Job, aber auch diese sind zweifellos künstlerisch tätig.

    Das Missverständnis rührt vermutlich daher, dass das Wort "Künstler" in zweierlei Hinsicht genutzt wird: im rein formalen Sinne, wie @Chris es getan hat - da gibt es dann wenig Schwierigkeiten bei der Abgrenzung -, und im Sinne einer qualitativen Aufwertung. Das schwingt auch in der von mir verwandten Wendung "veritabler Hörspielkünstler" mit. Das Wort "Künstler" als Auszeichnung, die einer Begründung bedarf.

    Und da kann man sicher trefflichst drüber streiten, wer dazu zählt und wer nicht - und vor allem: warum. ;)

    Und vor allem ist es da schwierig, klar abzugrenzen.

    Natürlich ist etwa Volker Sassenberg für mich ein veritabler Hörspielkünstler, und ich habe schon vielfach in den entsprechenden Threads ausgeführt, was ihn für mich dazu macht. Auf der anderen Seite gibt es Regisseure, die im Monat zig Produktionen abarbeiten, solide Handwerker, die sicherlich gut hörbare Arbeit leisten, bei denen ich mich aber schwertäte, einen "höheren" künstlerischen Wert auszumachen.

    Womit jedoch die Frage unbeantwortet bleibt, ob es diesen Künstlern an vergleichbarem Talent mangelt oder bloß an Gelegenheit.

    Ähnlich verhält es sich bei Autoren. Höre ich die Dialoge bei Autoren wie Balthasar von Weymarn oder Sebastian Weber, um nur mal zwei zu nennen, ist das einfach ein ganz anderes Kaliber als bei so manchem Vielfachschreiber, bei dem ich nicht selten den Eindruck gewinne, dass da die Skripte fast wie am Fließband hergestellt werden - und man das auch hört, weil da viel Floskel- und Schablonenhaftes seinen Ausdruck findet. Natürlich sind beides Künstler - und dennoch ist das, was erschaffen wird, nicht unbedingt gleichwertig, warum auch immer.

    Womit wir dann also bei der Ausdifferenzierung des Künstlerbegriffs sind: Alles ist Kunst, aber es gibt unterschiedliche Ausprägungen, unterschiedliche Qualitäten, unterschiedliche Ausrichtungen.

    Sprache beschreibt, aber sie verengt das Denken mitunter auch, weil sie etwa nur ein Wort für verschiedenste Phänome kennt. So, wie wir nur plump "Schnee" sehen, wo der Inuit viele verschiedene Begriffe pflegt für die verschiedensten Ausprägungen von Schnee.

    Alle sind Künstler. Aber was sie erschaffen, lässt sich unter Umständen nicht mit ein und demselben Begriff beschreiben.

    Vielleicht können wir ja also Begrifflichkeiten finden, die die verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten klarer ausdifferenzieren.

    Und zum Thema Dienstleistung und kommerzielles Interesse: Natürlich wird jeder Hörspielmacher auch immer darauf blicken, ob ein Thema sich wohl auch verkaufen lässt. Zumindest wird er davon überzeugt sein. Aber wissen kann man es natürlich nie.
    Nun kann man etwas wagen, indem man Neues versucht. Oder man beschränkt sich auf Produktionen, von denen man weiß, dass sie am Markt grundsätzlich funktionieren, weil sie in ähnlicher Weise schon versucht wurden. Oder man produziert eben ganz bewusst in Richtung des Massengeschmacks, weil man sich etwas vom finanziellen Kuchen sichern möchte.

    In diesem Sinne sind die Nibelungen sicher mutiger als der zwölfte Holmes-Klon. Aber die Frage, ob es künstlerisch besonders wertvoll ist, ist damit natürlich noch nicht beantwortet: da kommt es auf die jeweilige Umsetzung an.

    Ich denke, man darf durchaus behaupten, dass es Kunst gibt, die einfach "nur" unterhalten will, die gar nicht den Anspruch hat, lange nachzuhallen oder tiefere Wirkungen zu entfalten. Gerade im Zeitalter des Streams gibt es, wie mir scheint, auch etwas in Richtung "Gebrauchskunst", zum schnellen Nebenher-Hören. Ich finde, das kann man nicht leugnen.

    Das hat sicher seine Berechtigung, aber ich denke, wenn ich etwa ein Ohrenkneifer oder ein Döring wäre, die sehr viel Zeit darauf verwenden, ihren Produktionen den letzten Feinschliff zu geben, dann sähe ich mich vielleicht nicht unbedingt als besser, weil mehr wert an, aber doch zumindest als eine andere Art von Künstler, mit anderen Fragestellungen, anderer Ausrichtung, anderen Ambitionen und wohl auch anderem Selbstverständnis.

    Oder ist das nicht so? Vielleicht mögen sich ja die Künstler selbst, wie @Martin Seebeck, @Dirk Hardegen, @Carsten_HM oder @'Contendo' bzw. alle anderen, die hier im Talk unterwegs sind, etwas zu ihrem Selbstverständnis schreiben.
    Oder sind wir bei dieser Fragestellung zu nah an der alten, im Grunde überholt geglaubten Problematik von U und E?

  • <a href="https://www.hoerspieltalk.de/index.php/User/2346-Chris/">@Chris</a>

    Na, das ist zumindest mal ein relativ klarer Standpunkt. <img src="https://www.hoerspieltalk.de/wcf/images/smilies/wink.png" alt=";)" />
    Danke dafür.

    Deine Definition lässt, wie mir scheint, den qualitativen Aspekt völlig außenvor und sieht den Künstler eher rein formal als &quot;Schaffenden&quot; - ganz gleich, aus welchen…

    Der qualitative Aspekt ist ja nicht für die Frage relevant, ob jemand ein Künstler ist oder nicht. Sondern nur hinsichtlich der Bewertung seines Oevres. Und das ist sehr komplex. Wer nimmt diese Bewertung vor, der Kunstmarkt, das Feuilleton, Nobelpreis, Oscar, etc. oder wie ganz oft erst künftige Generationen.

    Das Wort "Künstler" ist für mich keine Auszeichnung, sondern eine Berufsbezeichnung. Die Kochkunst ist ja nun auch seit paar Jahrzehnten völlig unwidersprochen ein Teil des Kunstbegriffs. Für viele Tätigkeiten wurden in den letzten 30 ausjudiziert, ob es Kunst ist oder nicht. Der Friseur, der dir und mir Haare schneidet, ist es nicht, selbst wenn er es freiberuflich macht und das Resultat außergewöhnlich ist :D Wer auf einem Filmset die Haare, das Styling oder die Schminke macht, ist es schon. Make up artist, sagt ja schon der Name. Hat das Bundessozialgericht final entschieden.

    "Für Dich ist es darum nicht von Belang, ob die jeweilige Kunst erschaffen wird, weil sie aus einem dienstleistenden Motiv erfolgt, also etwa zugeschnitten auf das Interesse der anvisierten Kunden und somit einzig um damit Geld zu verdienen, oder ob sich, übertrieben ausgedrückt, eine gequälte Künstlerseele ein Werk abringt, in dem sich ein Abbild der/seiner Welt wiederfindet, die Nachhall im Rezipienten auszulösen vermag?"

    - Damit tue mich ganz schwer, weil sich das überhaupt nicht nachvollziehen lässt für Außenstehende. Wie viele Prozent sind kommerzielle Interessen bei der Motivlage, wie viele davon völlig unabhängige rein Ausdruck einer besonderen Begabung, die und die Welt aus einer speziellen Perspektive zeigen soll. Und wie viel ganz profanes Interesse, Erfolg beim anderen Geschlecht zu haben. Viele anerkannte große Künstler haben ja offen zugegeben, dass es ihnen in erster Linie um Letzteres ging :)

    Danke an Markus für den Hinweis mit Peter Hajek, hätte ja nie gedacht, dass der der Regisseur von Kommissar Rex ist. Und der ist ja nun fraglos als Künstler ein absolutes Schwergewicht. Hat mich und viele aus meiner Generation seinerzeit als Heranwachsenden mit "apropos Film" zum Cineasten gemacht und mich mit dem Helnwein Film extrem beeindruckt. Wofür er ja auch mit dem Grimme Preis dekoriert wurde.

    "Kommissar Rex" hat mich weder beeindruckt noch tangiert, aber das zeigt ja sehr gut die Problematik. Willkürliches Beispiel, aber am Gegenteil-Tag perfekt ;)

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

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