"Keiner weiß, wer das Wasser entdeckt hat. Die Fische waren es jedenfalls nicht."
Der Techniker Stas befindet sich als Teil eines Teams auf einem erdähnlichen, aber komplett unbelebten Planeten, der zur Kolonisation vorbereitet werden soll. Die Stille und Ödnis setzen ihm schwer zu und er beginnt, Geräusche und sogar eine Babystimme zu hören. Es verdichten sich Hinweise, dass es doch Leben auf dem Planeten geben könnte. Und dann gibt sich ein Wesen, das in Gestalt eines Jungen im Teenageralter auftritt, zu erkennen. Dieser Junge hat übermenschliche Fähigkeiten.
'Die dritte Zivilisation' ist ein einstündiges Hörspiel nach dem Roman von Arkadij und Boris Strugatzkij, das der Bayerische Rundfunk 1999 erstmals gesendet hat. Die Produktion kann mit sehr guten Sprechern punkten, allen voran Jens Wawrczeck als Ich-Erzähler Stas. Die Geräusche bringen beim Hören immer wieder in Erinnerung, das wir uns in der Zukunft befinden. Die Musik dient einerseits zur atmosphärischen Untermalung und kommt dementsprechend meist ohne erkennbare Melodie aus. Andererseits aber hören wir auch kurze Songschnipsel, wenn Stas über sein 'Kristallophon' Musik hört, um die Stille zu übertönen. Was Sprecher, Skript, Timing, Dialoge und Sounddesign anbelangt gibt es an dieser Produktion nichst auszusetzen. Besser kann man das handwerklich nicht umsetzen.
"Irgendwie habe ich ein dummes Gefühl" ist der erste Satz, der in diesem Hörspiel gesprochen wird. Und damit wird auch bereits der Ton für die Geschichte gesetzt. Es werden unglaubliche Dinge passieren, die Menschen werden nach Erklärungen suchen und aus Anlass des Erlebten philosophische Überlegungen anstellen - letztlich aber bestenfalls Annäherungen an eine rationale Erklärung erhalten. Vorherrschend wird das 'dumme Gefühl' bleiben. Das ist ohne Frage anspruchsvolle Kost, dennoch überfordert oder langweilt sie nicht. Das Hörspiel ist auf seine Art spannend, aber auch über weite Strecken ein wenig unheimlich und bedrohlich. Sucht man nach Vergleichen zur Einordnung würde mir so unterschiedliche Science Fiction wie 'Star Trek' und 'Solaris' in den Sinn kommen. "Faszinierend" würde Mr. Spock wohl sagen, und das trifft auf 'Die dritte Zivilisation' auch durchaus zu.
Das Hörspiel erfordert konzentriertes Zuhören. Als 'Unterhaltung nebenbei' ist es denkbar ungeeignet. Natürlich ist es auch nichts für Freunde von Action, Weltraumschlachten oder wie auch immer geartetem Bombast. Ebenfalls sei gewarnt, dass die Geschichte zwar zu Ende erzählt und abgeschlossen wird, aber am Ende noch jede Menge Fragen offen lässt - nur sind es andere Fragen als zu Beginn. Es wird sicher nicht allen gefallen, aber wer ein Faible für eher philosophische Fragen und psychologischen Tiefgang im SciFi-Gewand hat, dürfte sich hier gut aufgehoben fühlen.
Auf CD veröffentlicht wurde es in der schmucklosen DAV-Pocket-Reihe und ist gebraucht noch für kleines Geld erhältlich. Aktuell ist 'Die dritte Zivilisation' aber auch hier im Hörspielpool des BR zum Nachhören und Herunterladen eingestellt.