Sprecher im (Hörspiel-)Talk-Studio: Folge 7 Peter Pasetti

  • Absolut legitim sich damit zu befassen,nur so eine Art des kommentierens wirkt schon sehr vom hohen Roß und Anklägerhaft.

    Bei manchen unserer Hörspielheldinnen und Hörspielhelden sollte man wirklich genauer hinschauen, was sie zwischen 1933 und 1945 so alles gemacht haben.

  • Wenn man so will, ist wahrscheinlich jeder der »alten« Sprecher irgendwie mit dem III. Reich in Berührung gekommen.

    Aber soll man das jetzt wirklich alles aufarbeiten? Kann man das überhaupt?

    Vielleicht war jemand in der Partei (das wurde ja wahrscheinlich auch oftmals verlangt)... und hatte mit dem ganzen Käse dennoch kaum etwas zu tun. Andere, die vielleicht wirklich was auf dem Kerbholz haben, findet man eventuell nicht in irgend welchen Listen.

    Beispiel: Ernst von Klipstein

    Wahrscheinlich hat er auch nur seine Chancen genutzt. Wer weiß das schon?

    Ich mochte seine Stimme immer sehr gerne. Und das tue ich auch weiterhin...

  • Wie geschrieben es macht schon Sinn in so einem Thread das gesamte Leben einer Sprecherpersönlichkeit anzuführen und darüber informieren. Was dann die Leserin oder der Leser aus dieser Information macht, bleibt jeder und jedem selbst überlassen. Die Info über Ernst von Klipstein habe ich in den passenden Thread kopiert. Danke!

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ich sehe das differenziert. Wenn jemand damals sehr jung war, die politischen Konsequenzen nicht vollständig überblickte und zudem in einem Umfeld lebte, in dem eine Parteimitgliedschaft als selbstverständlich galt, sollte man das bei der Bewertung berücksichtigen. Gerade in einigen Berufen konnte eine Mitgliedschaft wichtig für die berufliche Zukunft sein oder zumindest dabei helfen, Nachteile zu vermeiden. Hinzu kam oft die Sorge, sich selbst oder die eigene Familie zu schützen.

    Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand aus Überzeugung gehandelt hat oder ob die Mitgliedschaft eher aus Anpassung, Opportunismus oder äußerem Druck entstanden ist. Manche wurden zudem über andere Organisationen übernommen oder traten ein, weil es im damaligen Umfeld als normal angesehen wurde.

    Besonders wichtig finde ich aber, wie sich ein Mensch später verhalten hat. Wenn jemand seine Haltung nach dem Krieg deutlich geändert, sich vom Nationalsozialismus distanziert und demokratische Werte vertreten hat, gehört auch das zur Gesamtbetrachtung seiner Biografie. Das entschuldigt die Mitgliedschaft nicht automatisch, kann aber helfen, die Person und ihre Lebensumstände differenzierter einzuordnen.

  • Ich sehe das differenziert. Wenn jemand damals sehr jung war, die politischen Konsequenzen nicht vollständig überblickte und zudem in einem Umfeld lebte, in dem eine Parteimitgliedschaft als selbstverständlich galt, sollte man das bei der Bewertung berücksichtigen. Gerade in einigen Berufen konnte eine Mitgliedschaft wichtig für die berufliche Zukunft sein oder zumindest dabei helfen, Nachteile zu vermeiden. Hinzu kam oft die Sorge, sich selbst oder die eigene Familie zu schützen.

    Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand aus Überzeugung gehandelt hat oder ob die Mitgliedschaft eher aus Anpassung, Opportunismus oder äußerem Druck entstanden ist. Manche wurden zudem über andere Organisationen übernommen oder traten ein, weil es im damaligen Umfeld als normal angesehen wurde.

    Besonders wichtig finde ich aber, wie sich ein Mensch später verhalten hat. Wenn jemand seine Haltung nach dem Krieg deutlich geändert, sich vom Nationalsozialismus distanziert und demokratische Werte vertreten hat, gehört auch das zur Gesamtbetrachtung seiner Biografie. Das entschuldigt die Mitgliedschaft nicht automatisch, kann aber helfen, die Person und ihre Lebensumstände differenzierter einzuordnen.

    So sehe ich es auch. Und wahrscheinlich brauchen wir uns nicht mal die Sprecher ansehen, sondern können auch unsere eigenen Vorfahren betrachten.

    Beide meine Großväter waren Wehrmachtssoldaten. Als der Krieg ausbrach, war mein jüngerer Großvater 16 Jahre alt, als der Krieg endete war er 21 Jahre als und desertiert, nach viermaliger Kriegsgefangenschaft, Flucht und Verletzung. Mit Sicherheit kein überzeugter Nazi, aber sein Leben lang ein Kind seiner Zeit und stark geprägt durch seine Jugendjahre. Er nutzte Formulierungen, die heute keiner mehr benutzt. Er ist fast 20 Jahre tot und ich würde gerne mehr mit ihm über damals gesprochen haben. Verurteilen würde ich ihn nie für das, was er tat oder vielleicht sogar glaubte, tun zu müssen.

    http::olis-weite-welt-des-wahns-blogspot.com

    Es war mit Sicherheit nicht richtig - doch es war einzig und nicht artig!

  • Außerdem haben wir ja auch die Zeit von 33 bis 45 als abschreckendes Beispiel.

    Etwas mit derartigen Ausmaßen (ich meine jetzt im Bezug auf einen solch pervertierten Rasse-Krieg) hat es ja zuvor so eigentlich noch nie gegeben, oder?

    Von meiner Vater Seite waren soviel ich weiß alle in der Partei. Mütterlicher Seits waren sie eher in der SPD, was es ihnen in der Zeit nicht leicht machte.

    Zum Beispiel hatte mein Onkel (heutiges Tschechien) eine eigene Metzgerei. Schon aus diesem Grunde wurde es ihm sehr nahe gelegt, in die Partei einzutreten. Überdies war er noch zahlendes Mitglied in der SA, was ihm mit Sicherheit sehr schwer gefallen war. Er hatte damals seinen Grundwehrdienst noch bei den Tschechen abgeleistet und ist nur auf Drängen seiner Mutter, die Deutschland im Vorteil sah, in die Wehrmacht eingetreten.

    Alles keine leichten Entscheidungen in einer sehr schweren Zeit, welche wir uns wahrscheinlich nur bedingt vorstellen können. Und jeder hat wahrscheinlich gedacht, er macht es richtig...🤔

  • Heute treffen wir ja auch diverse Entscheidungen, die möglicherweise für unsere Nachfahren falsch sind. Trotzdem ist es gut diese zu hinterfragen. Davon ab wäre es aber wieder gut zum Kern dieses Threads zurück zu kommen - Peter Pasetti.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Absolut legitim sich damit zu befassen,nur so eine Art des kommentierens wirkt schon sehr vom hohen Roß und Anklägerhaft.

    Zwei Beispiele aus den letzten Wochen: im Bobcast zu "Die drei ??? - Geisterstadt" und in der Kein Mucks!-Folge mit "Rebecca" wurde Peter Pasettis schauspielerisches Werk ausführlich gewürdigt, ohne auch nur ein einziges Mal die Jahre vor 1945 überhaupt zu erwähnen. Das wurde komplett ausgeblendet. Angestrengtes Wegsehen.

    Vielleicht kannst du ja noch einmal erklären, warum es dir offenbar Freude bereitet, über Menschen herzuziehen, die sich selbst nicht mehr dazu äußern können. 🤔

    = Shooting the messenger. Ganz billig.

  • Aus meiner Sicht ist die Nachricht angekommen Sven H. Und für mich war es auch vollkommen in Ordnung, dass Du darauf aufmerksam gemacht hast. Ich würde aber jetzt nicht so weit gehen, sich hier nur mehr über Peters Verhalten während der NS-Zeit zu diskutieren. Dafür wissen wir einfach zu wenig, dafür war diese Zeit auch zu „speziell“ UND dafür hat diese Zeit auch zu wenig mit Hörspielen zu tun.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Es ist halt ein sehr heikles Thema. Wer betroffene Verwandte im 2.Weltkrieg hatte, die durch NS oder Regime zu Tode kamen, wie auch mein Großvater mütterlicherseits, für den oder die ist Pasettis NS-Vergangenheit vielleicht nicht so einfach zu verkraften und hinzunehmen. Ich denke man kann hier insofern Toleranz zeigen, dass man auch eine gewisse Aufgeregtheit akzeptiert und versteht. Ich kann da Svens Intention schon nachvollziehen, wenngleich auch ich mir immer eine gewisse nüchternere und sachliche Diskussionskultur allgemein wünschen würde. Und hier wo Fingerspitzengefühl gefragt ist ganz ganz besonders ❤️

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Das ist natürlich ein sehr schweres Thema... und jeder muss es ja auch für sich entscheiden, wie er damit umgeht.

    Ein Beispiel: Ich vergöttere James Stewart. Seine Filme könnte ich mir immer wieder anschauen. Ich mag die Charaktere, die er verkörpert... welche für mich eigentlich durch die Bank weg Vorbilder sind. Vielleicht gibt es einige Ausnahmen.

    Ich weiß aber auch, dass »Jimmy« im II. Weltkrieg ein »erfolgreicher« Jagdflieger und Bomberpilot war. Das heißt, er hat höchstwahrscheinlich meinem Land und der Bevölkerung großen Schaden zugefügt.

    Dies blende ich aber aus. Es war Krieg... die meisten mussten hingehen. Freude daran hat vermutlich keiner gehabt. Jeder hat wahrscheinlich versucht, dass beste aus dieser furchtbaren Situation zu machen...

    Quelle: b17museum.ch

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