Udo Schenk ist DER Bösewicht in Hörspielen. INTERPLANAR steht für großartige SF-Hörspielkost. Wie sieht es denn so in der Hörspielbranche aus? Wer hat sich wie die beiden oben angeführten Beispiele ein bestimmtes Image zugelegt? Welche weiteren Beispiele fallen euch dazu ein? Wer profitiert von so einem Image? Was sind die Schattenseiten wenn einem ein bestimmtes Image verfolgt? Und wo seht ihr den Unzerschied zwischen einem gepflegten Image und einem klassischen Vorurteil wie wir es in Alles rund um Vorurteile in der Hörspielszene und -branche diskutieren?
Image & Image-Problematik
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Ein IMAGE kann aus meiner Sicht durchaus positive Effekte haben. Wenn man mit Labels bestimmte Genre, eine bestimmte positive Qualität oder eine bestimmte Dramaturgie & Art verbindet, dann kann man Fans leichter zum Hören und kaufen motivieren und animieren. Ein klassisches Beispiel wäre Oliver Döring. Döring steht für spannende Action, Popcorn-Hörkino und Synchronstars. Seine Art Hörspiele zu machen hat viele Fans. So kann er diese für jede Art von Hörspiele leichter begeistern als wäre er ein unbekannter Hörspielmacher. Ebenso stehen manche Sprecher für eine bestimmte Art von Rollen. Entsprechend werden diese dann gerne für solche Rollen gebucht wenn diese in Hörspielen vorkommen. Negativ erweist sich ein IMAGE dann wenn man einem Hörspielmacher auf Grund eines solchen bestimmte Themen nicht zutraut. So könnte ich mir vorstellen, dass Döring-Fans wie Nicht-Döringfans nicht zu einem Liebesdrama von Oli greifen würden. Oder man sich Udo Schenk nicht als liebestollen Leporello vorstellen kann und deshalb die Finger davon lässt.
Als INTERPLANAR einen Versuch startete mit Das Nachtleben der Götter [Startnext] oder "Die Chroniken der Seelenwächter" (Hörspielserie von Greenlight Press/Interplanar) sich in anderen Genre zu versuchen, ging dies schief, der Zuspruch blieb aus.
Fallen euch weitere positive und/oder negative Beispiele ein?
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Sehr gut in Worte gefasst, wobei ich Udo ja extra als wichtige, wiederkehrende, positive Figur bei Tony Ballard besetzt habe. Imaga und Oliver Döring sind von den Labels wahrscheinlich die, die sich am meisten in einer Sparte etabliert haben. Wobei ich von Oli gerne mal was wie den Film Pearl Harbur mit Liebesgeschichte hören würde.
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Ich denke z.B. an Ohrenkneifer, die haben das Image etwas exotischere Stoffe großartig als Einzelhörspiele zu vertonen.
Aber wie würde zum Beispiel eine Serie der Ohrenkneifer werden?
Oder Interplanar die dem Sci-Fi-Genre zugeschrieben werden, das machen die so gut, da will ich gar keine anderen Stoffe von denen verhörspielt haben.
Udo Schenk ist so eine Sache, ich kenne ihn aus ganz vielen Hörspielen, und da war er immer der Böse... Höre ich ihn in einem neuen Hörspiel, denke ich immer: "Naaa, der ist doch ein Böser!"
Ich glaube, sollte ich ihn Mal in einer lieben Rolle hören, würde ich ihm das nicht abkaufen.
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Udo Schenk ist so eine Sache, ich kenne ihn aus ganz vielen Hörspielen, und da war er immer der Böse... Höre ich ihn in einem neuen Hörspiel, denke ich immer: "Naaa, der ist doch ein Böser!"
Ich glaube, sollte ich ihn Mal in einer lieben Rolle hören, würde ich ihm das nicht abkaufen.
Hmm … andererseits synchronisiert er Gary Oldman, und ich hatte nie ein Problem mit seinem Commissioner Gordon oder den anderen „Guten“, die er da sprach.In Ender‘s Game sprach er einen wunderbar ambivalenten Col. Graff. Der kann eigentlich alles gut.
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Absolut! Wobei Schenk im Hörspielbereich Dank Döring möchte ich fast sagen den Stempel des Bösewichtes aufgedrückt bekommen hat. Hier sieht man auch die Problematik. Hört man Schenk in einem Krimi wird auf jeden Fall dessen Rolle sofort als möglicher Verbrecher oder Mörder im Kopf abgespeichert. Das bedeutet alleine die Rollenbesetzung kann ein großer Spoiler sein.
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Aber wie würde zum Beispiel eine Serie der Ohrenkneifer werden?
Mit den Karl-May-Hörspielen haben die Ohrenkneifer ja im Grunde eine Serie, auch wenn sie wohl nicht von Anfang an so geplant und deshalb auch nicht als solche kommuniziert wurde.
Die 5 von Terra war dagegen als Serie konzipiert, wurde aber bislang nicht fortgesetzt.
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Die Kombination Label & Genre sorgen auch sehr oft für ein Image.
INTERPLANAR & SF habe ich bereits angeführt. Wenn man TSB hört, dann denkt man in erster Linie ab „Gänsehaut aus der Kassette“ und an ihre Gruselhörspielserie John Sinclair und dem Nachfolger Larry MacCloud. Bei R&B dachte man Jahre lang an PSI-Akten, Faith oder Larry Brent, dass sie nur Action reiche Horrorhörspiele kennen und können. Ganz ähnlich bei DREAMLAND, die sich mit Frankenstein, DREAMLAND-Grusel und Tony Ballard Ballard recht rasch dem Grusel-Genre verschrieben haben. Der HÖRPLANET war erst sehr erfolgreich als er sich dem Krimi in Form einer alten Lady als Ermittlerin angeschlossen hat.
Ein solches Image kann sich durchaus als positiv erweisen. Vorfallen wenn es mit Erfolg und guten Verkaufszahlen einhergeht.
Kehrseite der Medaille ist natürlich dass ein Image die Möglichkeiten und Fähigkeiten eines Labels auf einen bestimmten Bereich begrenzt und diese Strahlkraft sich negativ auf anderes auswirkt. Man denke an TSBs Versuch mit David Gallileo im SF Fuß zu fassen, scheiterte nach 1 Folge kläglich. Auch ihre so geniale Serie Jerry Cotton kam gerade mal auf eine Hand voll Folgen. R&B produzierte eine perfekte Elea Eluanda, doch nach 3 Folgen war Schluss, die Hörer wollten nicht kaufen. Dreamland versuchte mit der Jugendserie SAM und einer Action Serie auch andere Genre, doch sie hatten keine Erfolge. Der HÖRPLANET versuchte viele verschiedene Formate und Genre, aber nichts konnte auch nur ansatzweise an den Erfolg von Lady Bedfort anschließen. Und dass obwohl Dennis schon relativ kurz nach dem Start der Serie von Lady Bedfort sinngemäß meinte, dass ihm diese Serie gar nicht so befriedigte. Aber die Hörer fuhren darauf an und so war der HÖRPLANET verdammt diese Serie zu produzieren zu produzieren und zu produzieren.
Oftmals hat man fast den Eindruck, dass der Hörer manche Labels einfach nur dann akzeptiert und bereitwillig kauft und hört wenn man einer bestimmten Linie treu bleibt. Machen sie dass nicht, ziehen die meisten Hörer/innen nicht mit.
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Oftmals hat man fast den Eindruck, dass der Hörer manche Labels einfach nur dann akzeptiert und bereitwillig kauft und hört wenn man einer bestimmten Linie treu bleibt.
Ist dies wirklich so? Vielleicht können bestimmte Label aber auch einfach nur Hörspiele aus bestimmten Genres gut produzieren? Bei der von dir angesprochenen Serie „David Gallileo“ passte für mich z.B. einfach nicht die Orgelmusik, nicht zu einem SciFi! Vielleicht müssen sich Label dann auch einfach mal vom eigenen Stil lösen. SciFi klingt halt einfach anders, als Grusel oder Krimi. -
Das mag bei David Galileo sicherlich stimmen. Passt aber mMn nicht zu Jerry Cotton oder Vanessa, die beides für mich über Sinclair zu stellen sind, aber bei weitem nicht jener Erfolg beschienen war. Ganz ähnlich DER TROTZKOPF von Dreamland, ELEA ELUANDA von R&B oder AMADEUS von HÖRPLANET. Alle waren gut produziert und sind von der Qualität her sicherlich um nix schlechter als ihre Paradeserie.
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Welches Image in der Hörspielbranche könnt ihr noch ausmachen? Wo wirkt es sich positiv aus? Wo negativ?
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Ich antworte mal auf die Ausgangsfrage.
Ich finde, das Thema Image spielt in der Hörspielszene eine weitaus größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheint. Es gibt einige Stimmen und Labels, die sich über Jahre ein klares Profil erarbeitet haben – sei es bewusst oder einfach durch ihre ganz eigene Handschrift.
Udo Schenk ist ein gutes Beispiel für jemanden, der quasi zum Synonym für finstere, manipulative Figuren geworden ist. Sobald man seine Stimme hört, schwingen sofort Bedrohung, Intelligenz und Intrige mit – das ist stark, weil es sofort Atmosphäre erzeugt, kann aber natürlich auch zur Schublade werden. Man freut sich auf seine Rollen, erwartet aber auch genau das. Überraschungsmomente sind da seltener geworden.
Ähnlich bei INTERPLANAR – da verbindet man sofort anspruchsvolle, komplexe Sci-Fi mit viel Tiefgang und einer gewissen Intellektualität. Das ist ein Qualitätsmerkmal, aber es kann auch dazu führen, dass man sich thematisch nicht zu weit entfernen „darf“, ohne Irritation auszulösen.
Weitere Beispiele? Oliver Rohrbeck ist natürlich Justus Jonas. Und das prägt auch viele seiner anderen Rollen – ob man will oder nicht. Gleiches gilt für Santiago Ziesmer: So wandelbar er auch ist, bleibt er für viele die Stimme von Spongebob oder Steve Urkel. Auch ein Label wie Titania Medien wird fast reflexartig mit Gruselkabinett und klassischer Literatur verknüpft – da fällt es schwerer, in anderen Genres Fuß zu fassen, selbst wenn die Qualität stimmt.
Wer davon profitiert? In erster Linie natürlich die, die sich über dieses Image eine feste Hörerschaft aufgebaut haben – Wiedererkennungswert und Verlässlichkeit sind gerade im Hörspiel ein großes Plus. Die Schattenseite liegt auf der Hand: Wenn man festgelegt ist, erwartet man von der Person oder dem Label genau das – und weicht man davon ab, stößt das mitunter auf Skepsis oder Desinteresse.
Der Unterschied zum Vorurteil liegt für mich in der Bewertung: Ein Image ist meist liebevoll gepflegt und oft mit Stolz verbunden – ein Vorurteil dagegen reduziert und ist in der Regel negativ konnotiert. Es ist eben ein Unterschied, ob man sagt: „Ach, das ist doch der mit der Gruselreihe – das wird bestimmt gut!“ oder: „Die machen ja nur Grusel – das interessiert mich nicht.“
Ich glaube, wichtig ist, dass man sich nicht völlig vom Image auffressen lässt. Identität ist gut, aber sie sollte nicht Fessel sein.
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Wo sieht man was ein gutes Image bewirken kann? Wo sieht man was ein schlechtes Image bewirken kann? Und was passiert wenn es einem überhaupt am Image fehlt?
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Bei Image muss ich immer an die Theaterschauspieler der Tonstudio Braun Hörspielserie John Sinclair denken, die wegen des Trashfaktors und des Groschenromanimages nicht namentlich in den 80ern angeführt wurden. John Sinclairsprecher und Hamlet auf der Theaterbühne vertrugen sich nicht so gut miteinander.
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