Warum sind die Laufzeiten heute länger als früher?

  • Selbst Lieder sollten ja heutzutage die 2 Minuten nicht mehr übersteigen, ein langes Intro ist unerwünscht.

    Ehrlich gesagt gefällt mir dieser Trend ziemlich gut. Die meisten Songs mit Längen über 3 Minuten nerven mich inzwischen total, weil nach spätestens 1:30 sowieso nichts neues mehr kommt, sondern alles nur noch sinnlos oft wiederholt wird. Meister darin war Michael Jackson, der zwar jede Menge supergenialer Songs rausgebracht hat, aber dann alles bis zum Erbrechen wiederholt hat, was wir eh alles kannten: Dirty Diana - aaah, Dirty Diana - aah, Dirty Diana - aah.... unendlich. Da bin ich froh um jeden Song unter 3 Minuten. ;)

  • Mir fällt da spontan die Schulstunde ein, welche ja auch nur 45 Minuten hat...

    Bei uns haben einige Schulen jetzt umgestellt auf 60 Minuten Schulstunden. ;)

    Aber wie schon erwähnt, hat das erhöhen der Laufzeit mehrere Gründe.
    Früher gab es auch wesentlich mehr gekürzte Lesungen. Was natürlich quasi mehr Aufwand bedeutet, da es einfacher ist eine Lesung komplett einzulesen und nicht ggf. dann kürzen zu müssen.

    Hauptgrund dürfte aber wohl die "Beschränktheit" der physischen Medien gewesen sein, denn auch frühe Radio-Hörspele der ÖRR waren ja zum Teil einige Stunden lang, da sie nicht für physische Medien sondern das Radio produziert wurden.

  • Ich möchte noch kurz zu meinem Beitrag von gestern ergänzen, dass früher längere Hörspiele sicherlich gefeiert wurden, weil man für das selbe Geld, dem Kauf einer Kassette oder CD, plötzlich 20 oder mehr Minuten Hörspiel bekam. Erinnern wir uns an die Diskussionen rund um eine Goldagengarden CD oder Plejaden Folge, hier wurde angeprangert dass sie nur knapp über 30 Minuten hatte, man aber trotzdem den üblichen Preis zu zahlen hatte. Heute wo man nur mehr streamt, sieht es anders aus. Da zahlt man so wenig für das „Hörspiel-All you can eat Buffet“, dass dem Konsument die „Kürze“ egal ist, das sogenannte Preis-Leistungsverhältnis ist egal. Anders sieht es bei den Labels aus. Diese werden nicht mehr danach bezahlt wie viele CDs, Kassetten oder Vinyls sie verkaufen, sondern wie viele Tracks ihres Hörspiels gehört werden. Das bedeutet je länger ihre Hörspiele sind um so mehr Geld fließt langfristig in die eigene Kasse. No na steigt im Vergleich zu früher die Anzahl der Tracks und die Lauflänge.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Hauptgrund dürfte aber wohl die "Beschränktheit" der physischen Medien gewesen sein, denn auch frühe Radio-Hörspele der ÖRR waren ja zum Teil einige Stunden lang, da sie nicht für physische Medien sondern das Radio produziert wurden.

    Wobei das Radiohörspiel auch oft eine Begrenzung von maximal 55 Minuten hatte. Meist waren die Hörspiel-Sendung (DLF Mitternachtskrimi, WDR Krimi am Samstag, etc.) 1 Stunde minus der 5 Minuten Nachrichten lang.

  • Ehrlich gesagt gefällt mir dieser Trend ziemlich gut. Die meisten Songs mit Längen über 3 Minuten nerven mich inzwischen total, weil nach spätestens 1:30 sowieso nichts neues mehr kommt, sondern alles nur noch sinnlos oft wiederholt wird. Meister darin war Michael Jackson, der zwar jede Menge supergenialer Songs rausgebracht hat, aber dann alles bis zum Erbrechen wiederholt hat, was wir eh alles kannten: Dirty Diana - aaah, Dirty Diana - aah, Dirty Diana - aah.... unendlich. Da bin ich froh um jeden Song unter 3 Minuten. ;)

    Meinte TOLKIEN hier nicht eher Titelsongs zu Hörspielen?🤔

    Ansonsten, nicht länger, als 2 Minuten... das haben ja nicht mal die Beatles (auf dem roten Album) geschafft...😬

    Ich glaube hier im Forum wurde schon mal über die Titelmusik zur Edgar-Wallace-Serie von Saphir geschrieben. Diese war mir beispielweise auch zu lang... und dann diese ständigen Polizeisirenen...😩

  • Das bedeutet je länger ihre Hörspiele sind um so mehr Geld fließt langfristig in die eigene Kasse. No na steigt im Vergleich zu früher die Anzahl der Tracks und die Lauflänge.

    Ist dem so? Ja, die Anzahl der Tracks steigt im Stream deutlich, da immer kleinere Tracks gemacht werden, aber wirklich auch die Spielzeit? Den Trend kann ich nicht beobachten. Von den neuen Produktionen gibt es immer noch wahnsinnig viele Hörspiele, die kurz sind. Ich denke, die Label gehen eher den Weg über die Masse an Hörspielen, als jetzt krampfhaft auf eine längere Spielzeit zu setzen.

  • Bei uns haben einige Schulen jetzt umgestellt auf 60 Minuten Schulstunden. ;)

    Das muss wohl so sein. Aber ich vermute, unsere 45 Minuten in den 80ern waren dennoch effektiver...👍

    Nicht schön, so etwas zu sagen, aber ich tue es trotzdem: Ich schätze, dass bereits über die Hälfte der Schüler (in meiner ehemaligen Grundschule) kaum ein Wort Deutsch verstehen.

    Ich kann mir ohnehin gar nicht mehr vorstellen, wie dort heutzutage der Unterricht ablaufen soll...???

  • Ist dem so? Ja, die Anzahl der Tracks steigt im Stream deutlich, da immer kleinere Tracks gemacht werden, aber wirklich auch die Spielzeit?

    Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Sherlock Holmes von Titania. Da gab es von den letzten zehn Folgen (60-69) ganze fünf "Doppelfolgen" die Laufzeiten von über 90 Minuten hatten und dann auf 2 CDs veröffentlicht werden mussten. Das hätte man straffen können, wenn man gewollt hätte.

  • DeLorca Aber wurden die Hörspiele extra wegen dem Stream so lang produziert? Zumal die ja sogar auch auf CD erschienen sind. Auf der anderen Seite könnte ich dir sehr viele Beispiele aufzählen, wo Hörspiele trotz Stream sogar nur eine Laufzeit von 40 oder weniger haben, die nicht auf CD erschienen. Schau dir z.B. mal die Midnight Tales Folgen an. Also ich sehe hier kein Trent der längeren Spielzeit extra nur wegen dem Stream. Einen Trend zur längere Spielzeiten gab es auch schon vor dem Stream. Ebenso gibt es aber auch weiterhin kurze Produktionen im Stream. Der Stream hat für mich mehr den Trend zum kürzeren Track und zur Massenproduktion, für einen größeren Katalog, gesetzt.

  • Wahrscheinlich wissen noch nicht mal die Macher selber, ob sie wegen den Streamvergütungen längere Hörspiele produzieren, als sie müssten. Aber alleine die Tatsache, dass sie für längere Laufzeit und damit mehr Tracks mehr verdient, schafft ein unterschwelliges mitunter sogar unbewusstes Argument ein Hörspiel nicht zu kürzen oder nicht so stark zu kürzen, wie man es vielleicht früher getan hätte.

    Ich schau mal, ob ich meine Bibliothek ein bischen Auswerten kann um ein paar Zahlen liefern zu können. Das wird aber auch nicht eine subjektive Auswertung, da ich natürlich nicht alle Hörspiele habe, weder vor, noch nach dem Streamingboom.

  • Okay das hat tatsächlich funktioniert. Die Laufzeit in der Grafik ist der Mittelwert, also die aufsummierte Spielzeit aller Hörspiele des jeweiligen Jahres geteilt durch die Anzahl. Dabei zählt jede CD, bei mir als eine Datei in der Bibliothek, als ein Hörspiel. Der Sherlock Holmes aus 2025 mit 2 CDs wird in der Auswertung als zwei kurze Hörspiele gewertet. Das müsste ich noch besser aufbereiten. Auch haben einige Jahre nur wenige Datensätze (Siehe Grafik 2). Das "Zwischenhoch" von 1996-1998 z.B. basiert lediglich auf den ??? Hörspielen dieser Jahre, da ich keine anderen habe.

    Die Auswertung stütz auf den ersten Blick keinen generellen Trend für längere Hörspiele seit etwa 2015, der ist schon seit etwa 2010 auf einem relativ konstant hohem Niveau. Aber wie gesagt kann/muss man hier die Datenqualität und die Anzahl in einigen Jahren noch verbessern. Auch reine Streamingtitel sind hier nicht enthalten. Radiohörspiele habe ich auch ausgenommen.


  • Absolut! Früher war das etwas Besonderes, wie geschrieben, Blutiger Halloween mit 75 Minuten war ein Novum. Damals stand auch das Preis-Leistungsverhältnis höher im Kurs, weil man pro Hörspiel bezahlte. Heute wo die Mehrheit der Hörspiele jenseits der 60 Minuten sind und ein Hörspiel defakto nichts mehr kostet, stellt das für den Käufer keine Besonderheit mehr dar. Im Gegensatz zu den Hörspielmachern, die im Stream von der Lauflänge profitieren. Wir Kassettenkinder sehnen uns deshalb zum Teil wieder nach knackigen Hörspielen im Stil von HG Francis zurück, denn diese sind klar in der Minderheit. Für mich wäre beides wünschenswert. Hörspiele wie die Gruselserie oder die ??? aus der Anfangszeit, kurz, knackig, sehr unterhaltsam aber auch epische Hörspiele, die wie ein Kinofilm präsentiert werden, siehe Dörings Der Anfang. Obwohl es so viele lange Hörspiele gibt, schafft man es heute selten solche Blickbuster zu kreieren.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Obwohl es so viele lange Hörspiele gibt, schafft man es heute selten solche Blickbuster zu kreieren.

    Mag auch daran liegen, daß viele Hörer warten, bis eine fortlaufende Geschichte zu Ende erzählt ist. Da wird lieber zu abgeschlossenen Folgen gegriffen. Aber dafür hatten wir ja schon einen Thread, meine ich.

  • So habe ich das ja auch gar nicht gemeint.

    Dass man »Der Herr der Ringe« nicht auf eine CD kriegt, ist ja klar. Und bei längeren Vorlagen ist ein längeres Hörspiel auch ohnehin OK.

    Ich meine eher das unnötige Aufblähen von Hörspielen a la »Drei ???« etc.

    Zum Beispiel beim »Nebelberg« als Bob aus seinen Tagebuch vorliest... und zwar so langsam, als würde er es gerade pinnen. Da gibt es so einiges an Füllmaterial, was den Hörspielen eher schadet, da es Tempo herausnimmt.

    Selbiges fällt mir beispielweise auch bei Titanias Sherlock Holmes auf, wo manche Dialoge dermaßen in die Länge gezogen werden a la »Bitte erzählen Sie. Von Anfang an. Lassen Sie sich alle Zeit der Welt.« - »Gut ich komme dann auch gleich zum Punkt. Aber eigentlich müsste ich zuvor noch folgendes ausführen. Wenn ich darf?« - »Natürlich. Watson, Sie haben doch nichts dagegen?« - »Nicht im geringsten. Da fällt mir ein, dass der Tee kalt ist...«

    Da fällt mir von Europa immer die Nr. 2 der Originale ein. Die haben es tatsächlich geschafft, "Der Graf von Monte Christo" innerhalb von 45 Minuten zu erzählen, ein Buch mit über 900 Seiten. Das war schon eine Leistung, auch wenn alle so klangen, als müssten sie sprechen, so schnell sie konnten. Über die Längen von Hörspielen habe ich auch mit Markus Topf in meinem neuen Podcast gesprochen, btw:

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  • Da fällt mir von Europa immer die Nr. 2 der Originale ein. Die haben es tatsächlich geschafft, "Der Graf von Monte Christo" innerhalb von 45 Minuten zu erzählen, ein Buch mit über 900 Seiten. Das war schon eine Leistung, auch wenn alle so klangen, als müssten sie sprechen, so schnell sie konnten. Über die Längen von Hörspielen habe ich auch mit Markus Topf in meinem neuen Podcast gesprochen, btw:

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    Im ungekürzten Original sogar über 1500 Seiten. Das Buch gibt es gefühlt in 100 verschiedenen gekürtzen Versionen.

    Die Geschichte bietet sicherlich Stoff für eine 10-20 Episoden lange Serie die man toll als Hörspiel erzählen könnte.

    Vielleicht kommt ja sowas irgendwann mal bei Holy.

  • Im ungekürzten Original sogar über 1500 Seiten. Das Buch gibt es gefühlt in 100 verschiedenen gekürtzen Versionen.

    Die Geschichte bietet sicherlich Stoff für eine 10-20 Episoden lange Serie die man toll als Hörspiel erzählen könnte.

    Vielleicht kommt ja sowas irgendwann mal bei Holy.

    Wäre sicher auch als Serie z.B. auf Netflix super (eine moderne, davon inspirierte Serie, gibt es mit Revenge ja schon).

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